Benzol und seine Derivate als Brückenliganden in Übergangsmetallkomplexen

Authors

  • Priv.-Doz. Dr. Hubert Wadepohl

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    1. Anorganisch-chemisches Institut der Universität Im Neuenheimer Feld 270, W-6900 Heidelberg
    • Anorganisch-chemisches Institut der Universität Im Neuenheimer Feld 270, W-6900 Heidelberg
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  • Hubert Wadepohl, Jahrgang 1954, studierte von 1973–1980 zunächst Chemie und Mineralogie, dann Chemie an den Universitäten Tübingen und Bristol, England (1977/78). In seiner Diplomarbeit bei F. G. A. Stone und J. A. K. Howard in Bristol beschäftigte er sich mit mehrkernigen Platin-Alkin-Komplexen. Er promovierte 1982 bei W. Siebert in Marburg mit einer Arbeit über Doppeldecker-, Tripeldecker- und Tetradecker-Sandwichkomplexe des 1,3-Diborolens. Von 1983–1984 war er als Postdoktorand bei E. L. Muetterties an der University of California, Berkeley, tätig, zunächst als NATO-Forschungsstipendiat, anschließend als Research Associate. In den Jahren 1984–1990 war er Hochschulassistent am Anorganisch-chemischen Institut der Universität Heidelberg, wo er sich 1989 mit einer Abhandlung über Cyclopentadienylcobalt-Fragmente als Bausteine von Mehrkernkomplexe habilitierte. Seit 1990 ist er Privatdozent für Anorganische Chemie und Heisenberg-Stipendiat. Seine Forschungsschwerpunkte sind Metallorganische Chemie, Mehrkernkomplexen mit organischen Brückenliganden, Clusterkomplexe sowie die Strukturchemie von Organometallkomplexen im Festkörper und in Lösung.

Abstract

Übergangsmetallkomplexe, in denen zwei oder mehr Metallatome durch einen oder mehrere Arenliganden verbrückt sind, sind aus dem Schatten der umfangreichen Substanzklasse der einkernigen Arenkomplexe herausgetreten. Arenbrücken können in einer Vielfalt von Koordinationsvarianten mit Metallen fast aller Nebengruppen des Periodensystems auftreten. Nirgendwo sonst findet man auf so viele Arten verzerrte und verbogene Arenringe. Die zweikernigen Verbindungen lassen sich in Addukte mit relativ schwacher Metall-Aren-Bindung und in Komplexe mit starker Aren-Metall-Wechselwirkung unterteilen. Die Addukte stehen in Lösung meist im Gleichgewicht mit einkernigen Komplexen oder sind nur im Festkörper, oft als Polymere, stabil. In beiden Verbindungsklassen tritt syn- und anti-Koordination auf, deren Geometrie zwischen den Extremfällen η11-Brücke und η66-Tripeldeckerstruktur variieren kann. Chemisorbate Metalloberfläche/Aren können als eine Art Aren-Metall-Mehrkernkomplexe angesehen werden. Auf Übergangsmetalloberflächen kann Benzol an ein, zwei oder vier Oberflächenatome gebunden sein. Molekulare Metallclusterverbindungen mit flächenüberbrückenden Arenliganden, die an drei Metallatome gleichzeitig gebunden sind, sind bisher auf im wesentlichen zwei Substanzklassen beschränkt: Die als μ-3η222-Liganden an {(CO)3M}3-(M = Ru, Os) oder (CpCo)3-Cluster gebundenen Arene weisen eine nur schwache trigonale Verzerrung in Richtung auf eine Kekulé-Struktur auf. Untersuchungen der Molekülstruktur und Ligandendynamik von Komplexen des Typs [(CpCo)33-Aren)] tragen wesentlich zum Verständnis der Bindung von Arenen an Metallcluster und an Metalloberflächen bei.

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