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Fast schon eine chemische Glaubensfrage: Gibt es Bindungslängenisomerie oder gibt es sie nicht? Aufmerksam wurde man auf dieses Scheinphänomen erstmals im Jahre 1971 durch Ergebnisse von Röntgenstrukturanalysen an oktaedrischen Molybdän-Oxokomplexen, die sich bei gleicher Anordnung der Liganden nur in der Länge der Mo-O-Bindung unterschieden, und zwar signifikant. Auch die theoretische Deutung dieses und weiterer Beispiele für Bindungslängenisomerie blieb nicht aus – womit einer endgültigen Etablierung dieses Begriffs eigentlich nichts mehr im Wege stand, wenn nicht neuere experimentelle Studien bewiesen hätten, daß die unterschiedlichen Bindungslängen letztlich ein Artefakt sind, hervorgerufen durch Verunreinigungen im Kristall. Mit der Synthese und strukturellen Charakterisierung jeweils zweier Formen von [Nb(E)Cl3(PMe3)3] (E = O,s) durch Gibson, McPartlin et al. (Angew.Chem. 1991, 103, 1021) scheint die Frage jedoch wieder offen.