Julian Nida-Rümelin : Kuno Kirschfeld: “Wer denkt – Geist oder Gehirn?”

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Abstract

Replik auf Kuno Kirschfeld

In “Wer denkt, der Mensch oder sein Gehirn?” spricht Kuno Kirschfeld der Philosophie ab, Klärendes zur Frage nach der Funktionsweise menschlichen Denkens beitragen zu können. Julian Nida-Rümelin hält zum einen die von Kirschfeld unterstützte These für falsch, wonach der Philosophie einerseits und den Naturwissenschaften andererseits zwei miteinander unvereinbare Denkkulturen zugrunde lägen. Vor allem aber geht es dem Autor um die Widerlegung des für Kirschfelds Argumentation zentralen naturalistischen Dogmas, wonach alle Entitäten und Ereignisse mit empirischen, naturwissenschaftlichen Methoden beschreib- und erklärbar seien. Seine anti-naturalistische Position exemplifiziert Nida-Rümelin anhand einer Kritik am Libet-Experiment und einer Verteidigung des Konzepts der Willensfreiheit.

Stellungnahme zur Replik von Julian Nida-Rümelin

Das Abwägen verschiedener Möglichkeiten vor einer Entscheidung ist Verarbeitung von Information. Um verarbeitet werden zu können, muss Information zunächst gespeichert vorliegen, was nur in einem materiellen, physikalischen Substrat möglich ist, nicht etwa im “Geist”, dem Bewusstsein. Auch die Verarbeitung selbst erfordert ein solches Substrat, im leeren Raum ist sie nicht möglich. Das gilt für alle Denkprozesse, sie können nur in der neuralen Maschinerie unseres Gehirns ablaufen. Ergebnisse von Denkprozessen können uns sodann bewusst werden, aber eben erst in Folge dieser neuralen Prozesse. Weder der “Geist”, noch das Bewusstsein können denken, um dann auf das Gehirn einzuwirken.

Abstract

Response to Kuno Kirschfeld

In “Who decides – humans or their brains?”, Kuno Kirschfeld denies that philosophy is able to advance our understanding of the functioning of human thinking. According to Nida-Rümelin, this point of view is based on a false opposition between two different and incompatible ways of thinking, underlying philosophy on the one hand and natural sciences on the other. Furthermore the author criticizes the naturalistic dogma according to which every single event is explainable by the means of empirical natural sciences and which is central for Kirschfeld's argument. Nida-Rümelin defends the concept of free will against naturalistic attempts to deny it showing that deliberation, the weighing of reasons, is essential to human nature.

Consciousness cannot contribute to our thinking

Deliberating before taking a decision is information processing. To do so requires the information to be stored, which is possible in a physical substrate only, not in the mind. Processing also needs such a substrate, both cannot occur in empty space. This holds for thinking in general, because all thinking is information processing. This implies that any thinking happens in the neural machinery of our brain, without contribution of our consciousness. Results of these processes may later become conscious. Conclusion: Consciousness cannot contribute to our thinking, and then affect the brain.

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