Moderne Wundtherapie – praktische Aspekte der lokalen, nicht-interventionellen Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden

Authors


  • Interessenkonflikt

    Joachim Dissemond war als Berater und/oder Redner und/oder Teilnehmer an klinischen Studien für folgende Firmen tätig: 3M, B. Braun, BSN, Coloplast, Convatec, Draco, Hartmann AG, KCI, Lohmann & Rauscher, Medoderm, Sastomed, Systagenix, UCB und Urgo. Matthias Augustin war als Berater und/oder Redner und/oder Teilnehmer an klinischen Studien für folgende Firmen tätig: Abbott, Almirall, Amgen, Biogen Idec, Celgene, Centocor, Janssen-Cilag, Leo, Medac, MSD (formerly Essex, Schering-Plough), Novartis, Pfizer (formerly Wyeth). Sabine Eming war als Beraterin für die Paul Hartmann AG tätig. Tobias George erhielt Honorare für Vorträge von Urgo und Lohmann & Rauscher. Hauke Schumann hat als Berater Honorare von der Birken AG erhalten. Folgende Autoren haben keinen Interessenkonflikt: Thomas Horn, Sigrid Karrer, Markus Stücker.

  • Section Editor

    Prof. Dr. Jan C. Simon, Leipzig

  • Als chronisch werden Wunden bezeichnet, die länger als acht Wochen bestehen.

  • Heute wird propagiert, dass durch die Wundbehandlung ein feuchtes Wundmilieu erzeugt werden soll.

  • Bei Beginn einer Wundtherapie ist oft ein Debridement oder zumindest eine Wundreinigung notwendig.

  • Für die Wundreinigung sind Ringer- oder physiologische Kochsalzlösung Mittel der ersten Wahl.

  • Der Einsatz von Leitungswasser ist in Deutschland nur statthaft, wenn es mit Filtern mit einer Porengröße von maximal 0,2 μm filtriert wird.

  • Für die Entfernung von locker haftenden Belägen wie beispielsweise Fibrin reicht meist ein mechanisches Debridement mit sterilen Kompressen aus.

  • Aktivkohleverbände werden beispielsweise bei fötide riechenden Wunden und exulzerierten Neoplasien eingesetzt.

  • Da Alginate auch hämostyptisch wirken, können sie auch für die Blutungsstillung beispielsweise nach chirurgischem Debridement verwendet werden.

  • Für ein selektives biochirurgisches Debridement können Fliegenmaden eingesetzt werden.

  • Chitosanprodukte können auch für die Blutungsstillung nach chirurgischem Debridement eingesetzt werden.

  • Durch Honigpräparationen können im Rahmen eines osmotischen Debridements starke Schmerzen auftreten.

  • Hyaluronsäureprodukte werden insbesondere bei stark sezernierenden Wunden für die Förderung der Granulation sowie für die Wundreinigung eingesetzt.

  • Hydrofasern können Sekret bis zu dem 40-fachen des Eigengewichts innerhalb sehr kurzer Zeit aufnehmen.

  • Hydrogele werden insbesondere bei trockenen Wunden für ein autolytisches Debridement eingesetzt.

  • Hydrokolloidverbände werden insbesondere bei weniger sezernierenden Wunden für die Förderung der Granulation oder Epithelisation eingesetzt.

  • Imprägnierte Gazen sind meist nicht als alleinige Wundauflage in der Therapie chronischer Wunden anzuwenden.

  • Durch Kollagene sollen in chronischen Wunden überschüssige Proteasen gebunden werden.

  • Bei Verbandstoffen aus Schaumstoff sollte darauf geachtet werden, dass die Wundauflagen direkten Kontakt zum Wundgrund haben.

  • Wundprodukte mit Silber werden für eine antimikrobielle Behandlung eingesetzt.

  • Polyacrylat-Superabsorber können bis zu dem 100-fachen ihres Eigengewichts an Exsudat aufnehmen und in die Polymerstruktur einlagern.

  • Für ein proteolytisches Debridement sind derzeit Produkte mit Kollagenase sowie mit Streptodornase und Streptokinase erhältlich.

  • Wundstarter oder aktive Wundversorgungsprodukte bezeichnen eine neue, heterogene Gruppe von Therapeutika, die das Wundmilieu aktiv beeinflussen sollen.

  • Es werden zunehmend Kontaktsensibilisierungen gegen Produkte, die direkt für die Wundbehandlung eingesetzt werden, gefunden.

  • Die Unterdrucktherapie kann eine Therapieoption der ersten Wahl für die Förderung der Granulation sein.

  • Systemische Antibiotikatherapien sollten ausschließlich bei einer systemischen Infektion eingeleitet werden.

  • Polihexanid oder Octenidin sind aktuell bei Patienten mit chronischen Wunden Antiseptika der ersten Wahl.

  • Schmerzen sollten mit Hilfsmitteln wie der visuellen Analogskala bei allen Patienten erfasst werden.

Zusammenfassung

Die Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden gestaltet sich zunehmend komplexer. Es war daher das Ziel der Arbeitsgemeinschaft Wundheilung (AGW) der DDG die aktuell relevanten Aspekte der nicht-interventionellen, lokalen Wundbehandlung für den Praxisalltag in einem Übersichtsartikel darzustellen. Neben den notwendigen Maßnahmen wie Wundsäuberung und Debridement werden die gängigen Wundauflagen, deren Indikation sowie die praktische Anwendung beschrieben. Moderne Antiseptika, die heute in der Wundtherapie eingesetzt werden, beinhalten meist Polihexanid oder Octenidin. Es können für verschiedene weitere Aspekte der Wundbehandlung physikalische Verfahren wie beispielsweise Unterdrucktherapien eingesetzt werden. Wichtig ist es zudem, die oft relevante Schmerzsymptomatik der Patienten zu erfassen und adäquat zu behandeln. Die moderne feuchte Wundtherapie kann in der Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden die Heilung unterstützen, sie kann Komplikationen vermindern und die Lebensqualität verbessern. Gemeinsam mit einer Therapie der zugrundeliegenden Ursachen ist die moderne Wundtherapie damit ein wichtiger Aspekt in dem therapeutischen Gesamtkonzept bei diesen Patienten.

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