Traum/a-Lektüren. Psychisches Trauma und literarischer Traumtext bei Heiner Müller, Ingeborg Bachmann, Franz Kafka und anderen

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Abstract

Psychisches Trauma und Traum betreffen den Menschen in seinem gesamten Dasein. Beides sind existenzialpsychologische Phänomene, wobei der literarische Traumtext die psychische Realität des Traumas weit treffender erfasst als die Psychologie. Der vorliegende Essay wird darlegen, wie Michel Foucault in seiner Einleitung zu Ludwig Binswangers Traum und Existenz (1930) die Imagination zur Bedingung des Träumens erhebt und damit die Grundlage schafft für eine Integration der Literatur in den Umgang mit einem per se nichtsprachlichen Phänomen.

Anhand ausgewählter literarischer Lektüren werden zentrale Aspekte des Traumas dargelegt: die Problematik einer sprachlosen Wahrheit (Ingeborg Bachmanns “Ein Wildermuth”); die körperliche Affizierung des Traumatisierten in Form der Inkorporation (Franz Kafkas “Die Verwandlung”); und auch die zerbrechliche Schutzvorrichtung mentaler Dissoziation (Paula Ludwigs “Das Tier”). Als exemplarischer literarischer Traumtext wird Heiner Müllers “Bildbeschreibung” untersucht. Der psychotraumatische Effekt findet sich darin nämlich dergestalt inszeniert, dass die Leistung der Literatur im Hinblick auf Traum und vor allem Trauma offensichtlich wird.

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