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  • Kinder;
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  • Südliches Afrika

Auszug

  1. Top of page
  2. Auszug
  3. Einführung
  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Der Artikel beschreibt die Situation von Waisenkindern im südlichen Afrika unter Einbeziehung quantitativer und qualitativer Feldstudien und analysiert die Pflegeoptionen und die Sozialschutzpolitik für Waisenkinder in Mosambik mit einem besonderen Blick auf Kinder in Waisenheimen. Die Forschung versucht, neue Erkenntnisse und ein besseres Verständnis der Erfahrungen von betreuten Kindern und des ihnen angebotenen Sozialschutzes zu gewinnen, und ihre Ergebnisse zeigen, dass Waisenkinder in informellen Pflegeumgebungen mit grö ßerer Wahrscheinlichkeit Opfer von Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch werden als Waisenkinder, die in nicht staatlichen Pflegeeinrichtungen leben. Die Untersuchung macht vor allem deutlich, dass diejenigen Familien, die Kinder zur Pflege aufnehmen möchten, sorgfältiger ausgewählt werden müssen. Die Empfehlungen richten sich unter anderem auf den Aufbau der Kapazitäten sowie institutionelle Reformen der Sozialschutzpolitik für Waisenkinder im Rahmen einer allgemeinen sozialen Grundsicherung. Besonderes Gewicht wird auf die Auswahl und Begleitung der Organisationen gelegt, die Waisenkinder zur Pflege aufnehmen.


Einführung

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  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
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  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Der Süden Afrikas erlebt derzeit einige gesellschaftliche Krisen. Dies zeigt sich in verbreiteter Armut und Erwerbslosigkeit, Nahrungsmittelunsicherheit, Vertreibungen, einer nicht hinnehmbaren hohen Sterblichkeit, einer niedrigen Lebenserwartung und sozialem Abstieg. Die Verhältnisse in Mosambik, nach drei Jahrzehnten der Unabhängigkeit und einem mühevollen und komplexen Weg der Gesellschaft und Wirtschaft hinaus aus der kolonialen Vergangenheit, stellen die Sozialpolitik vor besondere Herausforderungen. Dazu gehören auch relativ neue Risiken und Anfälligkeiten wie etwa durch HIV/Aids. In diesem Artikel wird untersucht, wie sich die genannten Probleme auf Waisenkinder auswirken.

Mosambik kann als lehrreiches Beispiel gelten für ein Land, das versucht, die strukturellen Bedingungen zu verändern, welche Bildung, Gesundheit, zukünftige Vermittelbarkeit und Lebenschancen der Kinder prägen, und das zugleich mit den verheerenden Auswirkungen von HIV/Aids zurechtkommen muss (UNICEF, UNAIDS und PEPFAR, 2006; UNICEF, 2009b). Auch wenn sich die Folgen von HIV/Aids global bemerkbar machen, so sind die Probleme doch ungleich größer in Ländern, die aufgrund von Demokratisierungs- und Wiederaufbauprozessen nach Kriegen auf verschiedenen Ebenen (wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich) einen Wandel durchmachen. Die in Gang gesetzten strukturellen Veränderungen mit Wirtschafts-, Sozial- und Infrastrukturreformen müssen auch die schwierige Situation der wachsenden Zahl von Waisenkindern berücksichtigen und sich mit der Frage befassen, wie deren Marginalisierung oder Vernachlässigung durch sozialpolitische Maßnahmen die Entwicklungsziele beeinflusst.

Mosambik hat Schwierigkeiten, die sozialen Belange von Waisenkindern in die politische Agenda einzubringen. Die ersten Maßnahmen zur Förderung der Pflege und des Schutzes von Waisenkindern haben wenig Aussicht, einen politischen Wandel herbeizuführen, solange sie nicht von genau erhobenen Forschungsdaten gestützt werden. Es braucht umfangreichere empirische Forschung, um die Situation der Waisen besser zu verstehen und zu beurteilen, ob die Probleme dieser Kinder durch die bestehenden politischen Maßnahmen angemessen angegangen werden. Mit der Beschreibung des Kontextes von Waisenkindern im südlichen Afrika versucht dieser Artikel, einen noch neuen Bereich der Sozialpolitik zu erkunden, der trotz wachsenden Bedarfs bislang noch nicht Eingang in die staatliche Agenda Mosambiks gefunden hat: eine Politik und Programme, die neue Pflegeoptionen für Waisenkinder bereitstellen.

Der Artikel gliedert sich wie folgt: Gestützt auf jüngste empirische Forschungsergebnisse aus Mosambik skizzieren wir zunächst die gefährdete Situation von Waisenkindern und beschreiben Schwierigkeiten von Dienstleistern, die versuchen, die Bedürfnisse dieser Kinder zu decken. Sodann schildern wir die Situation von Waisenkindern in Mosambik und beleuchten anhand einer Erhebung bei ausgewählten Waisenkindern und Waisenheimen einige qualitative Veränderungen in denjenigen Heimen, die Maßnahmen zur Unterstützung der Kinder eingeführt haben. Wir vergleichen die Pflegeoptionen im Land nach regionalen Trends und versuchen aufzuzeigen, dass Länder wie Mosambik angesichts der verbreiteten chronischen Armut und Erwerbslosigkeit und der neuen Gefährdung durch HIV/Aids nur dann eine Perspektive erhalten, wenn eine soziale Grundsicherung für die Bevölkerung durchgesetzt werden kann.

Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder

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  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Während aktuelle Forschungsarbeiten und Diskurse über Sozialpolitik und Sozialschutz einen breit gefächerten Ansatz zur Bekämpfung von Armut verfolgen, wird auffallend wenig unternommen, um die Ursachen von Risiken und Gefährdung von Einzelnen und ganzen Bevölkerungsgruppen zu verstehen (Hoogeveen et al., 2005). Ein Verständnis der Verbindung zwischen Armut, Risiken und Gefährdung, und wann Menschen dafür anfällig sind, ist unabdingbar, wenn eine gezielte Sozialpolitik auch wirksam und effizient sein soll. Im Kontext der Sozialschutzpolitik versucht man üblicherweise zu verstehen, welche Rolle Risiken in der Armutsdynamik spielen und welche Strategien gegen diese Risiken eingesetzt werden können. In anderen Untersuchungen wird oft anerkannt, dass bestimmte Kategorien von Menschen im Verlauf ihre Lebens anfälliger sind für Schocks und Risiken als andere und dass diese Menschen deshalb spezifische Reaktionen der Sozialpolitik benötigen. Kinder, ältere Erwachsene und Menschen, die in chronischen Armutsverhältnissen leben, werden oft als gefährdet oder risikobehaftet bezeichnet. Diese Charakterisierung beruht auf vielen Faktoren wie Alter, Wohnort (Stadt oder Land), Einkommensniveau und Vermögensarmut sowie Gesundheits- und Bildungseinschränkungen.

In den Studien über Risiken, Gefährdung und gefährdete Gruppen werden immer wieder zwei Faktoren genannt. Ein Faktor hat mit der Verbindung von Risiko und Armut zu tun, und der andere bezieht sich auf Personen, die als Mitglieder gefährdeter Gruppen identifiziert werden, und auf die Gründe für eine solche Gefährdung. Eine Lebenszyklus-Analyse, überblendet mit einer Analyse der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends innerhalb der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC)1, deckt einen beunruhigenden Gefährdungsgrad einer bestimmten Bevölkerungskategorie auf: Die Waisenkinder und gefährdeten Kinder sind auf mehreren Ebenen Gefährdungen, Risiken und Notsituationen ausgesetzt.

Die zunehmende Anzahl Waisenkinder in Mosambik stellt die Sozialpolitik vor Probleme und verlangt nach umfassenden Sozialschutzmaßnahmen. Die Sozialpolitik muss sich mit den Waisenkindern befassen, da diese ohne spezifische staatliche Maßnahmen und breite soziale Vorkehrungen zu den gefährdetsten Bevölkerungsteilen gehören und infolge extremer Armut im Verlauf des Lebens hohen Risiken ausgesetzt sind. Aus diesem Grund wird der Sozialschutz nebst anderen sozialpolitischen Maßnahmen als beste Möglichkeit erachtet, um diese gefährdete Gruppe von Kindern zu schützen (JLICA, 2009).

Auch wenn berücksichtigt wird, dass Gefährdung (vulnerability) nicht dasselbe ist wie Armut (Chambers, 2006), so sind Waisenkinder dennoch sowohl arm als auch gefährdet, da sie einer elterlichen Unterstützung entbehren, schutzlos sind, verschiedenen Formen der Unsicherheit ausgesetzt sind und den Risiken und Schocks ohne angemessene Unterstützungssysteme gegenüberstehen. Verwaiste Kinder stellen einen besonders gefährdeten Teil der Bevölkerung dar, da ihnen ohne systematische sozialpolitische Maßnahmen der Zugang zu zahlreichen wichtigen Ressourcen fehlt (Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum). Sie leiden oft auch unter sozialer Isolation und sind dem Risiko ausgesetzt, dass ihre menschlichen Grundrechte verletzt werden. Diesen Kindern fehlt es oft an körperlicher und emotionaler Reife, um die Schwierigkeiten der Elternlosigkeit zu überwinden und damit zurechtzukommen, besonders in Umgebungen extremer struktureller Armut.

Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik

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  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Die Zahl der Waisenkinder ist weltweit beunruhigend schnell gestiegen. Im Jahr 2000 hatten schätzungsweise 35 Millionen Kinder aus verschiedenen Gründen einen oder beide Elternteile verloren (Hunter und Williamson, 2000). 2007 hatte sich die Zahl mit 163 Millionen mehr als vervierfacht (UNICEF, 2007). Afrika südlich der Sahara gilt als diejenige Region, die am stärksten von der HIV/Aids-Pandemie betroffen ist, und die HIV-Infektionsrate bei Erwachsenen liegt hier sechsmal höher als im weltweiten Durchschnitt. 1990 gab es in der Region bereits ungefähr 28,4 Millionen Kinder unter 18 Jahren, die einen oder beide Elternteile verloren hatten. Prognosen gingen davon aus, dass diese Zahl bis 2007 auf ungefähr 55,3 Millionen Waisenkinder ansteigen würde, das wären 80 Prozent aller Waisenkinder weltweit (Hunter und Williamson, 2000). Die Länder der südafrikanischen Staatengemeinschaft machen mit 17 Millionen Waisenkindern fast ein Drittel davon aus (Mkhulisi, 2011). Der Anteil der Waisenkinder in der Bevölkerung der einzelnen Länder der SADC hat sich zwischen 2000 und 2007 nicht stark verändert, außer dass er in Madagaskar, Mosambik und Sambia leicht zurückgegangen ist, wie Schaubild 1 zeigt. Eine Zunahme verzeichneten hingegen Südafrika, Swasiland und Simbabwe.

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Figure 1. Waisenkinder in den SADC-Ländern, 2000/2007

Quelle: Die Daten für 2000 stammen von UNICEF, UNAIDS und USAID (2004), während die Daten für 2007 der Studie UNICEF et al. (2009) entnommen sind. In beiden Dokumenten fanden sich keine Angaben zu den Seychellen.

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Mosambik gehört mit seinen 20,5 Millionen Einwohnern zu den ärmsten Ländern der Welt, wie der Index für menschliche Entwicklung zeigt, der das Land 2011 an 184. Stelle von 187 einstufte. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren ist von 201 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1990) auf 138 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten (2008) zwar gesunken, doch eine Sentinel-Untersuchung von 2009 ergab eine HIV-Ansteckungsrate von 15 Prozent (16 Prozent für schwangere Frauen) und eine Lebenserwartung von 50,2 Jahren (INE, 2009; UNDP, 2011). 2008 waren in Mosambik ungefähr 12 Prozent der Kinder bis 17 Jahre – also 1,4 Millionen Kinder – als Waisen registriert, wobei die Quote in städtischen Gebieten etwas höher lag als in ländlichen (INE, 2009). Aufgrund der hohen HIV-Ansteckungsrate geht man davon aus, dass 670 000 Kinder durch Aids zu Waisen wurden (USAID Mozambique, 2012). Es überrascht nicht, dass es eine starke Korrelation zwischen Waisenkindern beziehungsweise gefährdeten Kindern und der HIV-Ansteckungsrate in den Provinzen gibt (INE, 2009). Dennoch zeigen jüngste Untersuchungen, dass die Zahl der durch Aids zu Waisen Gewordenen in Mosambik stärker abgenommen hat als in den anderen Ländern der SADC, wie in Schaubild 2 ersichtlich wird. Untersucht werden muss jedoch noch, inwiefern diese Abnahme auf spezifische sozialpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist. Zur Lösung dieser Frage muss zunächst das Konzept betrachtet werden, das die Länder der Region mit ihren politischen Maßnahmen verfolgen.

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Figure 2. Zahl der Waisen in Mosambik und Durchschnitt der SADC, 2003/2007

Quelle: Die Daten für 2003 stammen von UNICEF, UNAIDS und USAID (2004), wohingegen die Daten für 2007 der Studie UNICEF et al. (2009) entnommen sind.

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Konzept der Versorgung von Waisenkindern

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  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Die wachsende Sorge um die Situation der Waisenkinder in der Region führte dazu, dass versucht wurde, die Strategien, Bestimmungen und Normen für die Unterstützung von Waisenkindern global und regional auszubauen. Die 26. Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (2001) verabschiedete einstimmig eine Erklärung, in der sich die 189 Mitgliedsstaaten verpflichten, sowohl die Ressourcen als auch die Aufmerksamkeit für die Bekämpfung der HIV/Aids-Pandemie substanziell zu erhöhen. In der Erklärung wurde festgehalten, dass bis 2005 Politik und Strategie darauf ausgerichtet werden müssen, ein förderndes Umfeld für Waisenkinder und Kinder mit Aids zu schaffen, damit sie den gleichen Zugang zu Bildung und Gesundheitsdienstleistungen haben wie alle anderen Kinder.

Auf regionaler Ebene wurde die Debatte 2004 durch die Afrikanisch-Europäischen Konsultationen über durch HIV/Aids verwaiste oder gefährdete Kinder in Afrika weiter vorangetrieben. Abgeordnete der teilnehmenden Länder waren sich in der Erklärung von Kapstadt einig, dass in Afrika die Parlamente sich intensiver mit der schwierigen Situation von Kindern befassen müssen, die aufgrund von HIV/Aids verwaist oder gefährdet sind. In der Erklärung verpflichteten sich die Staaten auch, nationale Aktionspläne für Waisenkinder und gefährdete Kinder zu entwickeln.

2006 sprachen sich unter der Schirmherrschaft der Afrikanischen Union 13 Länder aus dem Osten und Süden Afrikas im Livingstone-Abkommen dafür aus, nationale Sozialschutzstrategien zu entwickeln (UNICEF, 2008a und 2008b). Während die Vereinten Nationen 2007 Richtlinien für den angemessenen Einsatz und die Bedingungen einer alternativen Pflege für Kinder erarbeiteten, einigten sich die Staaten der SADC 2008 auf Rahmenprogramm für Waisenkinder, gefährdete Kinder und Jugendliche, um regional auf die Bedürfnisse von Waisenkindern reagieren zu können, wobei der Schwerpunkt auf ganzheitlichen und integrierten Ansätzen der Waisenpflege lag (FAO, 2009).

Auf globaler Ebene verabschiedete die Internationale Arbeitskonferenz 2012 die Empfehlung Nr. 202 (2012) betreffend nationale soziale Grundsicherung, die eine minimale Einkommenssicherheit für Kinder sowie eine kostenlose vor- und nachgeburtliche medizinische Versorgung für die am meisten gefährdeten Bevölkerungsteile beinhalten soll (IAA, 2012)2.

Damit wurde allgemein anerkannt, dass ein wirksamer Sozialschutz die beste Präventions- und Transformationsmaßnahme ist, um Kinder als gefährdete Gruppe zu schützen (JLICA, 2009). Im Unterschied zum Kinderschutz, der definiert wird als „eine Reihe von Gesetzen, Politiken, Bestimmungen und Dienstleistungen aller sozialen Bereiche – insbesondere Sozialhilfe, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Justiz – zur Unterstützung von Prävention und Maßnahmen gegen dem Schutz unterstellte Risiken“ für Kinder, wird der Sozialschutz definiert als „eine Reihe von Transferleistungen und Dienstleistungen, die Einzelpersonen und Haushalten helfen sollen, Risiken und Unglücksfälle (wie etwa Notfälle) zu bewältigen, und die einen Mindeststandard der Würde und des Wohls im ganzen Lebenszyklus gewährleisten sollen“ (UNICEF, 2008a und 2008b). Sozialschutz ist demnach der übergeordnete Rahmen, in den der Kinderschutz integriert werden soll.

Sozialschutz ist in vielen afrikanischen Ländern ein wichtiger Bestandteil der politischen Agenda, da die Sorge über Nahrungsmittelunsicherheiten und Gefährdungen, die beschränkten Auswirkungen entwicklungspolitischer Ansätze zur Armutsverringerung sowie die wiederholten humanitären Krisen und die darauf folgenden Hilfeaufrufe gestiegen ist (Devereux und Cipryk, 2009). Der Sozialschutzbedarf ist in Afrika südlich der Sahara bedeutend größer als in jeder anderen Weltregion, insbesondere aufgrund der hohen Armutsquoten und des breiten Spektrums an Gefährdungsfaktoren. Während der Großteil der Menschen hier unter einer strukturellen und chronischen Armut leidet, sind die Risiken und Gefährdungen für Kinder, Frauen und ältere Menschen noch einmal größer. In Ländern mit verbreiteter Armut, Risikoanfälligkeit und Gefährdung sowie beschränkten Ressourcen ist es sehr schwierig, eine Politik zu verfolgen, die einen dieser Bereiche vorrangig behandelt. Indikatoren und Messwerte, die zwischen Armut und Gefährdung sowie Risikoanfälligkeit unterscheiden (Chambers, 2006), erlauben es, gezielte Sozialschutzmaßnahmen zu ergreifen, damit es zu keinen falschen Zielkonflikten zwischen der Notwendigkeit einer sozialen Grundsicherung und den konkreten Maßnahmen zur Bewältigung von Risiken und Gefährdung kommt.

Der Sozialschutz erfolgt in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara in Form von humanitärer Hilfe sowie von „Sicherheitsnetzen“ mit Nahrungsmittelverteilungen. 2008 zeigte eine umfassende Studie in 53 afrikanischen Ländern, dass die bestehenden Maßnahmen der sozialen Sicherheit sich meist auf beitragsabhängige Programme beschränken, die hauptsächlich Angestellten zugute kommen, welche in vielen dieser Länder einen relativ geringen Anteil der Gesamtbevölkerung ausmachen (Taylor, 2008). Extreme Armut, die schlechter werdende Beschäftigungslage und die wachsende Nahrungsmittelunsicherheit drängen die Entscheidungsträger in Afrika zu der Einsicht, dass ein wirksamer Sozialschutz ein geeigneter Weg sein kann, um Armut, Risikoanfälligkeit und Gefährdung durch HIV/Aids zu bekämpfen. Wie bereits erwähnt, haben die bestehenden Ansätze nur geringe entwicklungspolitische Auswirkungen auf die Armutsverringerung und können wenig ausrichten, um humanitäre Krisen und die nachfolgenden Hilfeaufrufe zu verhindern (Devereux und Cipryk, 2009).

Der neue Trend im Süden Afrikas konzentriert sich deshalb auf eine Reihe von Sozialschutzmaßnahmen, zu denen auch unbedingte Geldtransferleistungen für Kinder gehören (Taylor, 2008; Devereux und Cipryk, 2009)3. In den vergangenen Jahren wurde erkannt, dass Sozialtransfers in Form einer medizinischen Grundversorgung, einer grundlegenden Schulbildung, von wichtigen sozialen Dienstleistungen sowie Geldtransferleistungen ein zentrales politisches Instrument sein können, um die Armut zu verringern und die Absicherung der Privathaushalte zu gewährleisten, aber auch um entscheidende wirtschaftliche Ziele zu erreichen (Taylor, 2008).

Kinder mit HIV/Aids benötigen einen umfassenden Sozialschutzrahmen, der über Geldtransferleistungen hinausgeht und grundlegende soziale Ressourcen beinhaltet (Gesundheitsversorgung, Bildung, Trinkwasser und sanitäre Anlagen) sowie andere auf die Unterstützung und den Schutz von Kindern und Familien ausgerichtete Dienstleistungen und politische Maßnahmen (Greenblott, 2008; Taylor, 2011). Zu diesen politischen Maßnahmen und Dienstleistungen gehören eine Unterstützung der frühkindlichen Entwicklung, Rechtsschutz und Förderung der Selbständigkeit, eine psychosoziale Unterstützung, eine Beratung bei Trauerfällen und die Bildung von Kinderschutzausschüssen in den Gemeinden. Zusätzlich nötig sind aber auch Platzierungsmechanismen, tragfähige Optionen für alternative Pflegeformen, eine Familien-Reintegration, Gesetze und Bestimmungen zur Gewährleistung fairer und guter sozialer Dienstleistungen sowie Programme, mit denen der Lebensunterhalt und die Beschäftigung gefährdeter Jugendlicher gefördert und unterstützt werden können (Greenblott, 2008). Die Sozialschutzmaßnahmen für soziale Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Risikoanfälligkeit und Gefährdung von Kindern sollten vom Prinzip der Menschenrechte und einem Ansatz menschlicher Sicherheit geleitet werden (Vereinte Nationen, 1989).

Hierin herrscht mittlerweile ein allgemeiner Konsens: Wenn Kinder andere Pflegeoptionen benötigen als eine Unterstützung durch Verwandte, dann ist eine Pflegeunterbringung bei einer Familie oder eine formelle Adoption einer vorübergehenden Platzierung in einem Wohnheim vorzuziehen. Ein Grund dafür sind insbesondere die Dauerhaftigkeit und Konsistenz der Pflege und Unterstützung der Kinder, aber es gibt auch finanzielle Vorteile (Better Care Network, 2009a und 2009b; UNICEF, 2008a und 2008b; Dunn, Jareg und Webb, 2004; Browne, 2009). Zu den weiteren Unterstützungsmaßnahmen, die zum Wohl von Waisenkindern beitragen, gehören eine sorgfältige Auswahl und mögliche Rückweisung von Pflegehaushalten, die Entwicklung von bürgernahen Kapazitäten, damit die Hilfsmaßnahmen auch diejenigen erreichen, die sie benötigen, sowie entsprechende Beratungsdienste in Schulen und Gemeinden. Eine finanzielle Unterstützung für die Pflegepersonen und eine wirksame Begleitung und Unterstützung der Pflegekinder sind ebenfalls wichtige Elemente eines Sozialschutzes für Waisenkinder (Gudbrandsson, 2004; Hutchinson und Thurman, 2009; Smart, 2003; Radeny und Bunkers, 2009; Tolfree, 2003; Badcock-Walters et al., 2005; Yablonski und Woldehanna, 2008; Zaveri, 2008). Abgesehen von Berichten zu diesen Sozialschutzmaßnahmen, gibt es nur wenige Forschungsarbeiten und Kenntnisse über Programme zur Unterstützung des Lebensunterhalts von Waisenkindern, wenn sie ins Erwachsenenleben übertreten. Erkenntnisse aus Forschungsarbeiten der Vereinten Nationen und der Partners’ Alliance for Livelihood richten das Augenmerk beim Sozialschutz für Waisenkinder und gefährdete Kinder vornehmlich auf den Landwirtschaftssektor und die hier beschränkt mögliche Lebensunterhaltsunterstützung (UN und Partners’ Alliance, 2007).

Da ungefähr 12 Prozent der Kinder in Mosambik Waisen sind, muss das, was aus dem Staatshaushalt an Dienstleistungen und Instrumenten des Sozialschutzes bereitgestellt wird, als ungenügend bezeichnet werden. Angesichts des Ausmaßes der Probleme aufgrund der chronischen Armut, Gefährdung und Risikoanfälligkeit ist es für das Land wichtig, einen umfassenden und konsistenten Sozialschutzansatz zu verfolgen und Maßnahmen einzuleiten, die einen effizienten und gerechten Einsatz der beschränkten Ressourcen gewährleisten.

Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen

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  3. Einführung
  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Neuere Untersuchungen zeigen, dass in einigen Ländern der SADC beträchtliche Fortschritte erzielt wurden in der Entwicklung politischer Instrumente und gesetzlicher Rahmenbedingungen, mit denen Waisenkinder und gefährdete Kinder unterstützt und betreut werden können (UNICEF, 2007). So etwa erhalten in Swasiland 41 Prozent der Haushalte mit Waisenkindern oder gefährdeten Kindern irgendeine externe Unterstützung (UNICEF, 2012). Ebenso sind in Südafrika Sozialhilfemaßnahmen für die Pflege und Unterstützung gefährdeter Kinder eine große Hilfe (Samson, van Niekerk und Mac Quene, 2006). Auch die Regierung Mosambiks macht laufend Fortschritte beim Aufbau von Maßnahmen zur Unterstützung und Pflege von Waisenkindern. So etwa hat sich der Anteil der Waisenkinder, deren Haushalte eine Unterstützung erhalten, von 5,5 Prozent im Jahr 2004 auf 22,0 Prozent für 2008 vervierfacht. Daran zeigt sich, dass die mosambikanische Regierung erkannt hat, wie dringlich es ist, die Rechte von Waisenkindern und gefährdeten Kindern gemäß dem Sozialschutzansatz zu schützen. Dieses Engagement führte auch dazu, dass die Regierung Mosambiks 1994 das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (1989) der Vereinten Nationen ratifizierte, dass die Rechte von Kindern in der Verfassung verankert wurden und 2004 ein Familiengesetz verabschiedet wurde. Nach dem Sozialschutzgesetz von 2007, dem Kindergesetz von 2008 und dem Jugendjustizgesetz von 2008 legt die Verordnung für eine grundlegende soziale Sicherheit, die 2009 verabschiedet wurde, vier Maßnahmenbereiche fest, darunter auch eine direkte Sozialhilfe für Haushalte mit Waisenkindern oder gefährdeten Kindern (Mausse und Cunha, 2011). Verglichen mit anderen Ländern, haben diese politischen und gesetzlichen Veränderungen Mosambik zwischen 2004 und 2007 deutliche Fortschritte gebracht, wie in Tabelle 1 ersichtlich wird.

Table 1. Der Index der politischen und planerischen Anstrengungen für Waisenkinder und gefährdete Kinder in der SADC und in Mosambik, 2004/2007
 MosambikSADC-Durchschnitt
2004200720042007
Quelle: UNICEF (2007).
1Analyse der nationalen Situation53866078
2Beratungsprozess49606372
3Koordinationsmechanismus64756171
4Nationale Aktionspläne59776576
5Politik4554260
6Gesetzgebung10723649
7Kontrolle und Überwachung43404559
8Ressourcenmobilisierung48605759
9Index (Gesamtergebnis)41665367

Die Fortschritte Mosambiks bei der Betreuung und Unterstützung von Waisenkindern wird auch durch Indikatoren wie etwa den Schulbesuch von Waisenkindern zwischen 10 und 14 Jahren deutlich, der von 2004 bis 2007 einen Anstieg von 32 auf 77 Prozent verzeichnete (INE, 2009). Angesichts dieses bedeutenden Anstiegs sowie weiterer Indikatoren kann gefolgert werden, dass die Verbesserungen das Ergebnis der politischen und gesetzlichen Veränderungen in den wichtigsten sozialen Bereichen wie Bildung und Sozialschutz sind. Wie Schaubild 3 zeigt, liegt Mosambik in einer Auswertung der politischen Maßnahmen in 12 von 15 SADC-Ländern hinsichtlich der Reaktion des Bildungssektors auf HIV/Aids knapp unter dem Durchschnitt (Badcock-Walters und Heard, 2010). Die Ergebnisse stammen aus einer Aktenstudie von Dokumenten zu Existenz, Relevanz, Aktualisierungsgrad und Ergebnissen der Maßnahmen, Strategien und Vorhaben im Zusammenhang mit HIV/Aids in den SADC-Ländern. Die Ergebnisse zeigen einen Trend weg von politischen hin zu strategischen Instrumenten und dass die beteiligten Zweige besser zusammenarbeiten müssen (Badcock-Walters und Heard, 2010). Trotz der politischen und planerischen Fortschritte liegt die Deckung durch antiretrovirale Medikamente bei Kindern in Mosambik (14 Prozent) unterhalb derjenigen in Sambia (36 Prozent), Südafrika (54 Prozent) und Botswana (90 Prozent) (WHO, UNICEF und UNAIDS, 2010).

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Figure 3. Auswertung der politischen Instrumente im Bildungssektor gegen HIV/Aids in ausgewählten SADC-Ländern, 2010

Quelle: Badcock-Walters und Heard (2010).

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Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen

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  2. Auszug
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  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Eine Studie des mosambikanischen Ministeriums für Frauen und soziale Angelegenheiten von 2006 hat ergeben, dass 96,4 Prozent der Waisenkinder bei biologischen Verwandten leben, was den herkömmlichen kulturellen Vorstellungen entspricht, in denen eine familiale Kontinuität hoch gewertet wird (MMAS, 2006). Dennoch gibt es Waisenkinder, sowohl solche, die einen Elternteil verloren haben (Halbwaisen), als auch solche, die beide Elternteile verloren haben (Vollwaisen), die nicht von biologischen Familienmitgliedern betreut werden und in einer der über 140 stationären Einrichtungen für Waisenkinder und gefährdete Kinder in Mosambik leben (UNICEF Mozambique, 2010).

Als Teil dieser Studie wurde zwischen November 2010 und Januar 2011 in sieben Heimen für Waisenkinder und gefährdete Kinder aus sieben verschiedenen Provinzen Mosambiks (Schaubild 4) eine Feldstudie durchgeführt.

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Figure 4. Karte mit den sieben ausgewählten Heimen

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Insgesamt 75 Kinder zwischen 11 und 16 Jahren wurden befragt. Anhand eines Verfahrens mit einfach geschichteten Zufallsstichproben wurden aus jedem Heim mindestens zehn Kinder ausgewählt. Die Gesamtstichprobe bestand aus 45 Prozent Mädchen und 55 Prozent Jungen. Neben einem Katalog mit offenen Fragen wurden auch Besuche in den sieben Heimen durchgeführt, um die Umgebung kennenzulernen, in der die Waisenkinder leben. In jedem der sieben Heime wurden drei Pflegefachpersonen befragt, die erklärten, wie das Heim geleitet wird und welche Unterstützungsformen die verwaisten Kinder erhalten. Die Ergebnisse aus der Befragung dieser Auskunftspersonen finden sich in Tabelle 2.

Table 2. Profile der sieben ausgewählten Heime
StandortPflegeformLeitungAnzahl betreute Kinder
CatembeWohnheim, FamilientypNGO47 (24 Jungen, 23 Mädchen)
BeiraWohnheimReligiöse Gruppierung50 (38 Jungen, 12 Mädchen)
ChimoioTagespflege, UnterrichtNGO50 (alles Mädchen)
ChindeWohnheimGemeinde50 (26 Jungen, 24 Mädchen)
ChokweTagespflege, UnterrichtNGO40 (20 Jungen, 20 Mädchen)
BoaneWohnheim, UnterrichtReligiöse Gruppierung152 (alles Jungen)
NampulaWohnheimStaatlich35 (27 Jungen, 8 Mädchen)

In den nächsten Abschnitten wird ein Profil der Kinder, ihres Familienhintergrunds und ihres psychophysischen, sozialen/entwicklungsbezogenen und psychosozialen Zustands gezeichnet. Vor dem Hintergrund der Bedürfnisse und der Situation der Kinder wird eine vorläufige Beurteilung der Unterstützung und der Ressourcen in den sieben Waisenheimen vorgenommen.

Profile der Kinder

Von den 75 untersuchten Kindern in den sieben Heimen hatte die Hälfte einen oder zwei lebende Elternteile, und die andere Hälfte bestand aus Vollwaisen. Wie Schaubild 5 illustriert, hatten die meisten der Halbwaisen noch die Mutter. Von den Vollwaisen hatte ein Viertel keine lebenden Familienangehörigen, wohingegen zwei Drittel mindestens einen Großelternteil, eine Tante oder einen Onkel hatten und ein Sechstel Geschwister, die im selben oder einem anderen Heim lebten. Interessanterweise waren die Kinder im Heim von Nampula etwas jünger als diejenigen in den anderen Heimen. Die Gründe für das geringere Alter wurden nicht überprüft, obwohl es möglich ist, dass dieses Heim schlicht und einfach für jüngere Kinder eingerichtet ist.

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Figure 5. Familiensituation der befragten Kinder

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Der Familienhintergrund der Kinder in den sieben Heimen war sehr unterschiedlich. So hatten etwa im Heim von Chokwe viele Kinder eine Mutter oder sogar beide Elternteile, wohingegen fast 90 Prozent der Kinder in Beira Vollwaisen waren4. Die meisten Kinder in Nampula, Chokwe, Chimoio und Catembe hatten einen lebenden Elternteil, und die meisten Kinder in Boane, Chinde und Beira hatten beide Elternteile verloren. Die gesellschaftlichen Auswirkungen einer Heimplatzierung, weil die Eltern aus Krankheitsgründen oder anderen Gründen nicht mehr für das Kind sorgen können, sind vielfältig.

Unterschiede im körperlichen Befinden der Kinder

Das körperliche Befinden der Kinder kann erfasst werden, indem man auf bestimmte Standardmesswerte der Gesundheit zurückgreift wie etwa Größe/Gewicht oder den Body Mass Index (BMI). Entbehrungen bei der Ernährung oder bei der Gesundheitsversorgung zeigen sich in diesen Messwerten. In den sieben Heimen wurden auffallende Unterschiede des körperlichen Befindens festgestellt. Die Messung des BMI und des Körperfettanteils anhand der Bioelektrischen Impedanzanalyse (nach Geschlecht und Alter bereinigt) zeigen, dass die Kinder in Chimoio und Chokwe im Durchschnitt magerer waren als die Kinder in den anderen Heimen (Schaubild 6). Ein Grund dafür ist, dass die Heime in Chimoio und Chokwe Tagespflegeeinrichtungen sind und keine Mahlzeiten an die Kinder ausgeben, wohingegen die anderen Heime Wohnheime sind, in denen die Kinder Mahlzeiten erhalten.

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Figure 6. Durchschnittliches Alter, BMI und Körperfettanteil der Kinder in den sieben Heimen

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Bei den Heimen, die Mahlzeiten anbieten, gibt es Unterschiede in der Qualität, Menge und Häufigkeit der Mahlzeiten. Die Untersuchungen legen nahe, dass die Kinder durch den Zugang zu Mahlzeiten Vorteile für das körperliche Befinden haben, auch wenn die Mahlzeiten nicht häufig ausgegeben werden und oft nicht ausreichen. Gemäß einem Verwaltungsfachangestellten des Ministeriums für Frauen und soziale Angelegenheiten für den Distrikt Catembe war der Staat nicht in der Lage, eine große Unterstützung für Mahlzeiten insbesondere für Pflegefamilien anzubieten. Wenn Kinder ihre körperlichen und geistigen Entwicklungsschritte vollziehen sollen, dann ist ein Zugang zu reichhaltigen und regelmäßigen Mahlzeiten unerlässlich. An den Maßnahmen zur Ernährungssicherheit für die Kinder in diesen Heimen wird deutlich, dass der Zugang zu Nahrungsmitteln ein Teil der sozialen Grundsicherung oder des Maßnahmenpakets für alle Kinder sein muss.

Die Studie zeigt anhand von BMI-Messungen und normativen Messungen, dass es den Kindern in Wohnheimen allgemein besser geht als denjenigen in Tagespflegeeinrichtungen. Beim Vergleich dieser Messwerte mit den von den Kindern berichteten Erfahrungen über ihr Wohlbefinden ergeben sich jedoch signifikante Unterschiede. Die Verfügbarkeit von Essen und die Qualität des Essens widerspiegeln sich in den Essmustern der Kinder und haben eine entsprechende Auswirkung auf ihren Gesundheitszustand, wie Schaubild 7 (Aufstellungen A und B) zeigt, insbesondere bei den Kindern in Chimoio und Chinde. Zur Erklärung der abweichenden Daten in Chokwe sind weitere Untersuchungen nötig.

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Figure 7. Gesundheits- und Ernährungszustand der Kinder in den sieben Heimen

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Mangelnde Ernährung wirkt sich auf das körperliche und emotionale Wohlbefinden der Kinder aus. Ein vierzehnjähriges Mädchen in Chimoio sagte: „Ich fühle mich nicht gut, wenn ich ohne zu essen zur Schule muss und mit leerem Magen zu Bett gehe.“ Das Mädchen lebt bei ihrem Großvater, der keine Arbeit findet. Der Zusammenhang zwischen entlohnter Beschäftigung, der Fähigkeit eines Haushalts, Mahlzeiten anzubieten, und dem Gesundheitszustand der Kinder ist offensichtlich. Ebenso offensichtlich sind die emotionalen und psychologischen Auswirkungen auf die Kinder sowie ihre Schwierigkeiten, sich mit leerem Magen in der Schule zu konzentrieren. Normative Indikatoren sind hilfreich, da sie ein Standardmaß vorgeben, anhand dessen das körperliche Befinden der Kinder beurteilt werden kann, aber sie sagen nichts darüber aus, welche Erfahrungen die Kinder mit Hunger gemacht haben und wie sie ihre Lage selber beurteilen.

Waisenbetreuung und Auswirkungen auf den Schulbesuch

Die Beurteilung der Lernbedingungen durch die Kinder in den Heimen von Beira, Catembe, Nampula und Boane zeigen, dass das Schulmaterial und die Lernbedingungen in der Schule ihren Bedürfnissen angemessen sind, und ihre Antworten nennen keine offensichtlichen Diskriminierungserfahrungen. Einige Kinder in Chimoio, Chinde und zu einem geringeren Grad auch in Chokwe fühlten sich in der Schule manchmal schlecht behandelt (Schaubild 8). Die Wahrnehmung der Kinder steht jedoch nicht unbedingt in Zusammenhang mit ihrem schulischen Fortschritt. So etwa erreichen die Kinder in Chinde und Chokwe im Durchschnitt die 7. Klasse, im Vergleich zur 5. Klasse bei den Kindern in Catembe und Nampula. Die erreichte Klasse bei Schulaustritt kann auch auf die Qualität des Unterrichts und weitere Faktoren außerhalb der Pflegeumgebung der Waisenkinder zurückzuführen sein. Interessanterweise weisen die schulischen Erfolge von Waisenkindern einige auffallende Unterschiede auf. Da waren beispielsweise zwei Jungen im selben Heim in Nampula: Der eine Junge aus der 4. Klasse konnte lesen, schreiben und rechnen, wohingegen der andere aus der 5. Klasse diese Fähigkeiten nicht zufriedenstellend beherrschte. Diese unterschiedlichen schulischen Leistungen deuten auf Unterschiede in den Auswirkungen der Verwaisung hin, je nach emotionalem Zustand und Umfeld.

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Figure 8. Schulerfahrungen der Kinder in den sieben Heimen

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Kinder in Waisenheimen besuchen meist regelmäßig die Schule, wohingegen Kinder, die bei Angehörigen leben, öfter die Schule schwänzen oder überhaupt nicht zur Schule gehen. Ein Geschwisterpaar in Chinde, ein Mädchen und ein Junge, die unter der Obhut eines Pastors in ihrer Gemeinde leben, haben die Schule abgebrochen. Das Mädchen gab an, es müsse sich um ihren jüngeren Bruder kümmern. Ähnlich war der Fall von drei Jungen im schulpflichtigen Alter aus Chokwe, die bei ihrer Mutter lebten, deren Vater jedoch gestorben war und die aufgrund von Augenentzündungen nicht zur Schule gingen. Sie waren nicht in der Lage, Zugang zu Informationen über mögliche Hilfeleistungen zu erhalten, da sie kein Kinderheim besuchten.

Waisenkinder weisen ein höheres Risiko auf, misshandelt oder missbraucht zu werden

Die Lebensbedingungen in den Heimen unterscheiden sich weniger deutlich, außer in Chimoio, wie Schaubild 9 zeigt. Kinder, die das Tagespflegeheim in Chimoio besuchten, fühlten sich allgemein weniger sicher in ihrer eigenen Nachbarschaft und zu Hause, wobei einige Kinder über Misshandlungen durch Pflegefamilien und Stiefeltern berichteten. Ein elfjähriges Mädchen aus Chimoio sagte: „Ich fürchte mich vor meinem Stiefvater, der oft betrunken nach Hause kommt und mich anschreit, da er mich nicht im Haus haben will.“ Misshandlung und Missbrauch können eingedämmt werden, wenn die Pflegefamilien besser vorbereitet werden und die Haushalte, die Waisenkinder aufnehmen wollen, sorgfältiger ausgewählt und kontrolliert werden.

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Figure 9. Lebensumgebung und Sicherheit der Kinder in den sieben Heimen

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Die Erfahrungen der Kinder zeigen Entbehrungen bei lebenswichtigen Ressourcen, wie Wasser, sanitären Anlagen und angemessener Unterkunft, sowie Gefühle der Unsicherheit und mangelnde äußere Sicherheit. Diese Erfahrungen und Einschätzungen der Kinder stimmen mit den Armutsindikatoren in den Distrikten überein, wobei die Armutsquote in Chinde, Chokwe und Chimoio höher ist als in Beira, Nampula und Catembe (Schaubild 10)5. Im Heim von Chinde beispielsweise schliefen 12 Jungen in einem engen Raum am Boden, und manchmal war nicht einmal genügend Platz für alle. Eine Witwe mit vier Kindern in Chokwe lebte in einer Lehm-Backstein-Hütte, die nur einen Raum hatte und weder sicher noch geeignet war. Erneut kann sich das Zusammenkommen mehrerer Umstände wie Armut, mangelnde Basisdienstleistungen, eine fehlende Gesundheitsversorgung, eine unsichere Lebensumgebung und eine höhere Anfälligkeit infolge von HIV/Aids hart auf die Erfahrungen von Waisenkindern auswirken. Dies zeigen Berichte von Kindern in Chimoio, die sagten, sie hätten nicht genügend Wasser zum Trinken und um sich zu waschen, da ihre Pflegefamilien nicht genügend Geld hätten, um Wasser zu kaufen.

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Figure 10. Armut und erhöhte Gefährdung der Waisenkinder in den sieben Heimen

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Formen der sozialen Unterstützung

Die Erfahrungen der Kinder zeigen, dass soziale Netzwerke und Maßnahmen zur gesellschaftlichen Integration häufiger sind in Catembe, Beira und Nampula als in Chimoio und Chinde. Dennoch bedeutet das Vorhandensein sozialer Unterstützung und Integration noch nicht, dass das psychische Befinden der Kinder auch besser ist.

Die Kinder in Chimoio und Chinde leiden unter psychischem Stress und negativen Gefühlen, aber das Gleiche gilt für die Kinder in Catembe, die mehr soziale Unterstützung erhalten. Gefühle des gesellschaftlichen Ausschlusses, die Isolation und die psychische Anspannung durch den Verlust eines oder zweier Elternteile können die Kinder über längere Zeit belasten, auch wenn in der Gemeinde soziale Unterstützungssysteme vorhanden sind. Allein durch das Vorhandensein von Unterstützungssystemen und Netzwerken können die psychischen und emotionalen Beschwerden, denen die Kinder durch die Verwaisung ausgesetzt sind, noch nicht gelindert werden. Wenn die Kinder widerstandsfähig werden sollen, um emotionale und physische Belastungen unter Bedingungen chronischer Armut sowie neuer Gefährdungen wie etwas durch HIV/Aids bewältigen zu können, dann ist viel mehr nötig als informelle Unterstützungssysteme. Hier sind weitere Untersuchungen nötig, damit man weiß, wie viel an emotionaler und psychischer Unterstützung durch Waisenheime und Schulen geleistet werden kann.

Staatliche Hilfen für Heime und Zusammenarbeit mit Behörden

Fast alle Waisenheime berichten über aktive Hilfe durch staatliche Stellen oder eine Zusammenarbeit mit Behörden. Vielen Heimen werden die Kinder von den Distriktbehörden oder öffentlichen Krankenhäusern zugewiesen. Mit Ausnahme eines Heims wurden alle irgendwann von Behördenvertretern besucht. Diese Besuche dienen der Überwachung der Tätigkeiten der Heime, doch aus den Berichten geht hervor, dass sie Besuche unregelmäßig sind. Zwei Heime gaben an, sie hätten eine Schulung zur Kapazitätsentwicklung erhalten, während nur drei Heime meldeten, dass sie medizinisches oder anderes Material erhalten hätten. In fünf der sieben Heime wurden die Kinder auf HIV getestet, und nötigenfalls wurde eine antiretrovirale Behandlung eingeleitet. Die Kinder erzählten, sie hätten in der Schule Schulbücher erhalten und dass in einigen Heimen und Schulen zusätzliches Lernmaterial abgegeben werde.

In Nampula, einem staatlich finanzierten Heim, werden die Dienstleistungen regelmäßiger erbracht und die Betriebskosten decken die grundlegenden Angebote und den Pflegeaufwand für die Kinder ab. Eine finanzielle Unterstützung und professionelle Dienstleistungen stehen jedoch in den anderen Heimen nicht zur Verfügung. Diese kämpfen für Unterstützungsgelder, um ihr Heim zu betreiben und die dazugehörigen Dienstleistungen zu erbringen. Ein Heimleiter formuliert es so: „Die Regierung stellt vermehrt Anforderungen an die Strukturen, aber zugleich erhalten wir dafür keine Unterstützung.“ Viele Distriktstellen des Ministeriums für Frauen und soziale Angelegenheiten geben an, dass sie über keine Transportmittel verfügen, um den Heimen Kontrollbesuche abzustatten. Ähnliche Gründe geben sie dafür an, weshalb sie Pflegefamilien nicht besuchen können. Behördenvertreter erklären, die Regierung verfüge nicht über genügend Finanzmittel, um die Waisenheime angemessen unterstützen zu können. Von den sieben Heimen erhalten die Tagespflegeeinrichtung in Chimoio und das von der Gemeinde betriebene Wohnheim in Chinde am wenigsten Unterstützung. Diese beiden Heime befinden sich in ländlichen Gebieten und haben keinen Zugang zu den Unterstützungsnetzwerken, die den stadtnahen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Insbesondere in abgelegenen Gebieten wie in Chinde wären eine staatliche Unterstützung und Finanzierung vordringlich. Die Stadt-Land-Unterschiede in der staatlichen Unterstützung werfen ein bedenkliches Licht auf die Waisenpflege und führen zur Benachteiligung einiger Kinder. Angesichts der verbreiteten Armut und der Gefährdung der Kinder durch HIV/Aids ist eine staatliche Unterstützung in Form einer sozialen Grundsicherung dringend nötig, die umfassende Maßnahmen zur Sicherung des körperlichen, sozialen, psychischen und gesellschaftlichen Wohlbefindens der Kinder beinhaltet.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

  1. Top of page
  2. Auszug
  3. Einführung
  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis

Waisenkinder und gefährdete Kinder sind vielfältigen Entbehrungen, Gefährdungen, Risiken und Notsituationen ausgesetzt. Ihnen fehlt eine elterliche Unterstützung, und sie sind oft gesellschaftlich isoliert. Ohne spezifische soziale Maßnahmen bleiben sie gefährdet und sind zahlreichen Risiken ausgesetzt, da ihre Widerstandsfähigkeit, solche zu bewältigen, gering ist. Ihre Entwicklung wird beeinträchtigt von extremer Armut und weiteren Vorkommnissen im Verlauf ihres Lebens. Sozialschutzmaßnahmen sind deshalb ein wichtiges Instrument, um auf ihre Bedürfnisse zu reagieren.

In Mosambik wurden große Anstrengungen unternommen, um einen Gesetzesrahmen für den Schutz von Waisenkindern zu schaffen. Dennoch zeigen eine Analyse der Literatur sowie Feldstudien, dass nur wenige Heime und Haushalte, die Waisenkinder betreuen, durch staatliche Hilfen erreicht werden, und dass es zahlreiche Einrichtungen gibt, die zu wenig kontrolliert werden (MMAS, 2006). Die nächste Herausforderung, vor der Mosambik steht, liegt in der Umsetzung dieses gesetzlichen Rahmens. Zu den Rahmenbedingungen, die für eine zukunftsfähige Umsetzung und einen Ausbau der bestehenden Strukturen entscheidend sind, gehören ein förderliches politisches Klima, ein starkes staatliches Engagement sowie gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter (Kadiyala, 2004). Für die regelmäßigen Kontrollen und Besuche bei den Pflegefamilien und Pflegeeinrichtungen müssen die lokalen Sozialschutzbehörden ihre Kapazitäten ausbauen (UNICEF, 2009a). Die Hilfe für ländliche Gebiete hat Priorität, und es muss vor allem dafür gesorgt werden, dass die verfügbare Unterstützung diejenigen auch erreicht, die sie am meisten benötigen.

Bei den Pflegefamilien zeigen die Untersuchungen, dass die Kinder in Familien, die nicht gut auf Waisen vorbereitet sind, Unrecht erleiden können, und dies zu einem stärkeren Grad, als wenn die Kinder in Wohnheimen untergebracht sind. Deshalb sind dringend staatliche Maßnahmen nötig, damit die Pflegefamilien sorgfältig ausgewählt und auf die Aufnahme von Waisenkindern zur Betreuung in ihrem Haushalt vorbereitet werden können. Zu den nötigen Maßnahmen gehören wirksame Auswahl- und Rückweisungskriterien für die Pflegehaushalte, die Entwicklung von bürgernahen Kapazitäten, damit die Hilfsmaßnahmen auch diejenigen erreichen, die sie benötigen, sowie entsprechende Beratungsdienste in Schulen und Gemeinden. Ohne solche Maßnahmen sind die Kinder oft Missbrauch und Misshandlungen in den Pflegefamilien ausgesetzt.

Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit für die zukünftigen Lebensumstände der Kinder gewachsen, insbesondere in den Ländern im Süden Afrikas, wo HIV/Aids verheerende Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung hat (Greenblott, 2008). Deshalb sollten Programme gefördert werden, welche die Kinder und Jugendlichen mit Fähigkeiten und Kenntnissen ausstatten, damit sie Ausbildungs- und Berufsbildungseinrichtungen besuchen und später einer Erwerbstätigkeit nachgehen können. In Umgebungen, wo die Kinder Zugang zu solchen Programmen haben, wie etwa in Catembe, Chimoio und Beira, sind die Vorteile ganz offensichtlich.

Die Ergebnisse zeigen allgemein, dass es Kindern, die Zugang zu Pflegeheimen haben, relativ besser geht als Waisenkindern, die bei Familienangehörigen wohnen, an keinerlei solchen Programmen teilnehmen und keine Informationen und Hilfen erhalten. Diejenigen Kinder, die Zugang zu Mahlzeiten hatten, waren bei besserer Gesundheit, was deutlich macht, dass ein weiterer Ausbau der Mahlzeitenprogramme nötig ist.

Mit der Verabschiedung der Empfehlung Nr. 202 (2012) durch die Internationale Arbeitskonferenz betreffend nationale soziale Grundsicherungen wurde versucht, „national festgelegte Grundrechte der sozialen Sicherheit“ einzuführen, „die einen Schutz vor oder Linderung von Armut, einen Schutz vor Gefährdung und gesellschaftlichem Ausschluss gewähren“ (IAA, 2012). Die Empfehlung betrifft auch die Unterstützung von Kindern und fordert eine grundlegende Einkommenssicherheit, die „einen Zugang zu Nahrung, Bildung, Pflege und vielen weiteren nötigen Gütern und Dienstleistungen“ bietet (IAA, 2012).

Mosambik befindet sich mit der Politik und Planung einer Unterstützung für Waisenkinder bereits auf dem richtigen Weg, wie die Verabschiedung der Verordnung für eine grundlegende soziale Sicherheit 2009 und sodann der Nationalen Strategie für eine grundlegende soziale Sicherheit für 2010 bis 2014 zeigt (Mausse und Cunha, 2011). Dennoch verlangt der sozioökonomische Kontext in Mosambik nach einer systematischeren und umfassenderen sozialpolitischen Reaktion, die sowohl die chronische Armut als auch die Gefährdung durch HIV/Aids, insbesondere für Waisenkinder, wirksam bekämpft. Ein vielversprechender Weg für eine bessere Unterstützung der Kinder wäre der weitere Ausbau der bestehenden Heime und Unterstützungsprogramme sowie die Durchführung umfassender Sozialschutzmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung und damit auch der Pflegefamilien. Solche umfassenden Sozialschutzmaßnahmen benötigen aber Ressourcen für die Umsetzung, und deshalb ist ein entsprechendes staatliches Engagement entscheidend, damit genügend Mittel aus dem Etat dafür bereitgestellt werden.

Ohne die Umsetzung umfassender Sozialschutzmaßnahmen werden diese gefährdeten Kinder weiterhin dem Risiko ausgesetzt sein, dass sie entweder bei Familien zur Pflege sind, die nicht über die nötigen finanziellen oder sozialen Kapazitäten verfügen, um sich angemessen um sie zu kümmern, oder dann alternativ in Waisenheimen, die nach eigenen Qualitätskontrollmechanismen und finanziellen Bedingungen funktionieren und vielleicht langfristig nicht zukunftsfähig sind.

Footnotes
  1. 1

    Im August 2011 bestand die SADC aus Angola, Botswana, der Demokratischen Republik Kongo, Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Mosambik, den Seychellen, Südafrika, Swasiland, der Vereinigten Republik Tansania, Sambia und Simbabwe.

  2. 2
  3. 3

    Südafrika hat beispielsweise Geldtransfers in Form eines Kindergelds eingeführt, mit dem die Pflege gefährdeter Kinder unterstützt wird und das relativ häufig genutzt wird (Samson, van Niekerk und Mac Quene, 2006).

  4. 4

    Einige der Heime wurden an Wochenenden oder während der Schulferien besichtigt, und so konnte es sein, dass einige Kinder gerade Familienmitglieder oder vertraute Personen der Gemeinde außerhalb besuchten.

  5. 5

    Einige Kinder, insbesondere Vollwaisen, hatten keine andere Anlaufstelle als das Heim, in dem sie lebten. Ihre Erfahrungen sind noch einmal anders.

Literaturverzeichnis

  1. Top of page
  2. Auszug
  3. Einführung
  4. Armut, Risiken und Gefährdung: Waisenkinder
  5. Die Situation von Waisenkindern in der SADC, mit einem besonderen Blick auf Mosambik
  6. Konzept der Versorgung von Waisenkindern
  7. Maßnahmen für Waisenkinder in Mosambik und mögliche politische Auswirkungen
  8. Auswirkungen der institutionellen Betreuung auf das Leben von Waisenkindern: Forschungsergebnisse aus ausgewählten Waisenheimen
  9. Schlussfolgerungen und Empfehlungen
  10. Literaturverzeichnis
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