Vergleichende Untersuchungen über die Sensibilisierung und den bedingten Reflex

Authors

  • KURT SGONINA

    1. Zoologischen Instituten Frankfurt a. M. und Erlangen1
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      Der junge verdienstvolle Autor, dem die deutsche reizphysiologische und tierpsychologische Forschung bereits manch wesentlichen Aufschluß verdankt, ist am 5. 5. 1939 einer Herzschwäche erlegen. Die vorliegende Arbeit, mit der er sich bei der Naturwissenschaftlichen Fakultät in Erlangen habilitieren wollte, lag bei seinem Tode als abgeschlossenes Manuskript vor. Zur Drucklegung hat der unterzeichnete Herausgeber sie im Wortlaut leicht überarbeitet und seine eigene Stellung in einigen Heiausgeberanmerkungen ausgesprochen. Die Professoren K. v. FmscH-Münehen und H. J. Stammer-Erlangen haben das Original, das im Archiv der Zeitschrift verbleibt, mit der hier wieuergegebenen Überarbeitung verglichen und dem Herausgeber bestätigt, daß sie nach Inhalt und Sinn der Urschrift entspricht.


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    Die Eilanger Untersuchungen sind mit Unterstützung des Nürnberger Sonderfonds durchgeführt.

Zusammenfassung

Während bei Lernversuchen immer 2 Reize gleichzeitig gegeben werden, ist hier untersucht worden, wie sich Tiere verhalten, wenn man ihnen nur den Primärreiz (U) bietet und in Abständen die Reaktion auf den Signalreiz (B) prüft.

Durch wiederholte Primärreize ließen sich isolierte Froschherzen und verschiedene Tiere für Signalreize sensibilisieren (Tab. 14).

In kurzen Abständen wiederholte Signalreize können sich unter Umständen summieren (Herz, Planarien. Elritzen, Axolotl, Frösche). — Bei Tieren ist die Reaktion auf den B-Reiz nach erfolgtem Lernvorgang stets die gleiche wie auf den U-Reiz, während das Herz nach erfolgter Sensibilisierung auf B ebenso antwortet wie auf einen “überschwelligen” B-Reiz (echte Sensibilisierung).

Zur physiologischen Erklärung wird angenommen, daß durch die verwendeten Reize die entsprechenden Neurone der nervösen Funktionszentren erregt werden, die an ihren Synapsen Stoffe (wie z B. Azetylcholin) ausscheiden und so erregungsleitende Verbindungen zwischen den entsprechenden nervösen Gebieten schaffen. Diese Stoffe würden nur sehr langsam resorbiert. Die Schnelligkeit einer Assoziationsbildung hinge von der Menge der ausgeschiedenen Substanzen ab. So konnten z. B. Elritzen bei nur einmaligem längeren Darbieten eines Primär- und eines Signalreizes die Assoziation Licht-elektrischer Reiz bilden, während allein ein Primärreiz gleicher Dauer und Stärke keine deutliche Lichtempfindlichkeit hervorrief.

Ferner ist eine geübte Handlung leichter durch Außenreize auszulösen. Übung und Lernen sind physiologisch verwandte Vorgänge. Übungen lassen sich am Rückenmarksfrosch nachweisen (Wischreflexuntersuchungen).

Eigentliche Assoziationszentren gibt es nicht. Ein echtes Lernen wird vermutlich nur bei Tieren mit einem differenzierten Nervensystem vorkommen.

Elritzen beantworteten gleichstarke Primärreize periodenweise abwechselnd stärker oder schwächer. Ähnliche sensible Phasen ließen sich auch für den Wischretlex des Rückenmarkfrosches feststellen. Ein einfacher bedingter Reflex beim kleinen Teichmolch (Molge vulgaris) kann sich rhythmisch festigen; d. h. im Lernverlauf wechseln Zeiten fortschreitenden Erfolges mit solchen des Rückschlages ab.

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