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Zusammenfassung

Zwerghühnern wurden verschiedene Körnerformen (Weizen- und Erbsen-form) nur als optischer Reiz geboten, indem auf eine Signalscheibe bzw. auf diese Signalscheibe und den Kastendeckel natürliche bzw. künstliche Körner aufgeklebt oder schematische Kornbilder aufgernalt wurden, die als einzig abweichendes Merkmal zwei im übrigen völlig gleiche (auch gleich beköderte) Futterkästen unterschieden.

Die Tiere lernten ohoe Dressur auf die Kornmerkmale zu achten. Übereinstimmend mit den früheren Versuchsergebnissen hatten die Hühner auch für die nur optisch wahrnehmbare Weizenform eine giößere Vorliebe als für die Erbsenform. Diese Vorliebe, die sicn sowohl in Bevorzugungswie in Annahme-Ablehnungsreaktionen äußerte, wurde jedoch nur dann beobachtet, wenn die zur Wahl gestellten Körner bzw. Kornbilder von gleicher Größe waren. Bestanden zwischen den die Kästen unterscheidenden Korn-kennzeichen Größenunterschiede, so zeigten die Hühner eine entsprechende Vorliebe für das größere Korn bzw. Kornbild. Diese Neigung entsprach dem in früheren Versuchen bei Darbietung ungleich großer, verzehrbarer Körner beobachteten Verhalten, nämlich der Bevorzugung der größeren Körnersorte durch das hungrige Huhn (1. Phase des „Grundverhaltens”). Im ganzen waren die Entscheidungen der Hühner wesentlich unsicherer als in den Versuchen mit verzehrbaren Körnern. Die nur optisch gebotenen Körner bzw. Kornbilder waren demnach merkmalsärmer.

Zwei der früher bereits beschriebenen Verhaltensweisen der Hühner, die Vorliebe für bestimmte Körnerformen sowie für Größe gegenüber Kleinheit, werden mithin allein von optischen Reizen ausgelöst. Nicht von optischen, sondern von taktilen Reizen wird die ausschließliche Annahme der kleineren Körnersorte durch das nahezu gesättigte Huhn (2. Phase des „Grundverhaltens”) bestimmt.

Darüber hinaus ergab sich, daß die Hühner, wenn ihnen sehr merkmalsarme Objekte zur Auswahl geboten werden, sich weniger auf Grund des gegenwärtigen Sinneseindruckes (Anblick der verschiedenen Merkmale) als vielmehr erinnerungsgebunden entscheiden (Wiederholung einer vorhergegangenen Handlungsweise). In diesen Fällen ging von dem im Versuch zuvor zuerst aufgesuchtem Ort ein besonders starker Reiz aus.