Umwegversuche an Elritzen

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Zusammenfassung

  • 1An 16 Elritzen aus den Bächen bei Tapolca, Ungarn, wurde im Biologischen institut Tihany am Balatonsee geprüft, wieweit sieFutter auf Umwegen zu finden imstande sind. Versuchstiere aus den dunklen Grottenseen waren etwas weniger lernfähig als diejenigen. die aus den freien Gewässern stammten.
  • 2Eine einfache Trennwand zwischen Vt und Futter wurde obne vor-heriges Lernen rasch und sicher umgangen, um vom gegenüberliegenden Drahthaken zu fressen.
  • 3Eine Anordnung von zwei Glaswänden in T-Form umschwammen nach wenigen Wiederholungen die meisten Vte innerhalb 30 Sek. in ge-schlossener Kurve und behielten dieses Verhalten bei. Die Leistung gelang, obzwar der Umweg abwechselnd in beiden entgegengesetzten Richtungen gefordert war. Eine in nur wenigen Fällen erprobte Kreuzanordnung ergab ebenfalls rasche Lösungen. Die Lernkurven zeigen plötzliche Besserungen, was für Einsicht spricht.
  • 4Eine Erweiterung dieses Umweges mit einer zweiten Querwand in doppelter T-Form bedeutete erhebliche Schwierigkeiten. Dieser Umweg (ebenfalls abwechselnd hin und zurück) wurde in 30–40 Fütterungen nur von einigen Vtn allmahlich erlernt. Diese Anordnung erforderte zu viele Wendungen, um anders als nach Lernen gelöst zu werden. Bisse in den leeren Hakenstiel und Schreckreaktionen sind bei Mißerfolg häufig.
  • 5Die einfache T-Anordnung wurde in alien möglichen Lagen geboten. Das Zielfinden gelang schon in den jeweils ersten Versuchen rasch undm sicher in beiden Richtungen. Schräge Lagen, sowie senkrechtes Aufhäangen der Wände machte keine Unterschiede aus. Das Erlernte wird also in die verschiedensten Versuchsanordnungen übertragen.
  • 6Zwei Zylinder, von einer dazwischenliegenden Glaswand getrennt, führten auch schon in den ersten Versuchen zu positiven Lösungen (Such-zeiten unter 30 Sek.), unabhängig von der Lage, immer hin und zurück. Auch der Eingang in einen schmalen Becher wurde bald gefunden, obersich seitwärts, nach oben oder nach unten öffnete. Einige Kontrolltiere führten diesen Versuch als den ersten ihres Lebens sofort erfolgreich aus.
  • 7Eine Röhre, die das Ziel stellenweise verdeckte, wurde nur selten bis zum Futter passiert. Die vorwiegend rheorezeptorische Orientierung scheint bei engen Durchgängen gestört zu sein. Sonst ist kein geometrisches Verhältnis zwischen Hindernis und freien Wegflächen für die Leistung verantwortlich zu finden.
  • 8Zwei parallele Wände. die gegenüberliegend Durchgänge boten, so daß sie einen S-förmigen Umweg erforderten, wurden schon im 2. oder 3. Versuch in beiden Richtungen überwunden. Dasselbe gelang auch mit 3 Wänden. Ferner wurde nebon der normalen Anordnung auch eine vertikale und horizontale Einrichtung mit sofortigem Erfolge erprobt. Aus hierbei auftretenden Fehlern ist zu schließen, daß Kreiswege eher in der Natur der Elritzen liegen. Das ist auch aus den Filmaufnahmen zu ersehen.
  • 9Der Irrgang der parallelen Wände, mit einem T, einem Zylinder oder beiden verbunden, ergab auch meistens sofort richtige Lösungen, wobei die Hinzufügung eines T mehrmals zu längerem Suchen führte als die eines Zylinders. Kontrolltiere leisteten dasselbe (Reihenfolge gewechselt) ohne Vorübungen auf anderen Um wegen in kaum längerer Zeit.
  • 10Wegalternativen zwischen verschieden langen bereits bekannten T-Um-wegen, beide waagerecht oder der eine waagerecht, der andere senkrecht, führten zu unsicheren Wahlen, wobei aber der kürzere Weg doch bevorzugt war. Eine unbekannte Kreuzanordnung ergab auch Bevorzugung des kürzeren Weges. Das Gegenüberstellen des bekannten langen T-Weges und eines unbekannten Loches zur Abkürzung ergab fast keine Benützung des Loches. Ein Spalt aber an Stelle des Loches wurde rasch benutzt und diente bald sicher als bequemer Um weg. Gelegentlich wurden zufällig entstandene Abkürzungen so-gleich benutzt und, wenn nicht mehr vorhanden, nicht weiter gesucht.
  • 11Eine bis zur Wasserhöhe reichende Wand wurde gelegentlich über-sprungen; auch das Ziehen eines am anderen Ende beköderten Fadens ließ sich erreichen.
  • 12Somit ist also spontaner Gebrauch verschiedener überhaupt erdenklicher einfacher Umwege bei der Elritze bewiesen. Sie findet ohne viel Probieren den Weg in vollen Kreisen oder Wellenlinien zum Ziele. Kontroll-tieren gelangen diese Versuche auch ohne vorherige Übung in ähnlichen Anordnungen sofort, und zwar in alien Variationen, unabhängig von der Reihenfolge.
  • 13Die bisherigen Ergebnisse der Intelligenzforschung an Tieren werden besprochen. Da die tierische Intelligenz durch den Gebrauch von Umwegen definiert wird, kann eine spontane Anpassung an neue, durch-schaute Bedingungen für die niedrigste Stufe der Vertebraten, für Fische als gesichert gelten. Somit darf man wohl die bisher nahezu allein für Primaten festgestellte Leistung des einsichtsvollen Handelns den Wirbel-tieren allgemein zusprechen.

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