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Zusammenfassung

Zwerghühner, die bereits zu zahlreichen Geschmacksversuchen gedient hatten (n = 27500), bekamen Getreidekörner, die in verschiedenen Schmecklösungen (MgCl2, NaCl und HCl als Geschmackszusatz) gelegen hatten, teils trocken, teils naß neben geschmacksfreien Körnern vorgesetzt. In entsprechender Weise erhielten die Tiere Schrote, die entweder mit den betreffenden Schrnecklösungen angefeuchtet (Zustand trocken-krümelig) oder durchtränkt waren (Zustand naß-breiig), neben mit Wasser versetzten Schroten zur Wahl.

Die Hühner verzehrten die trockenen, stark vergällten Körner ohne weiteres, wenn sie sich äußerlich von jenen ohne Geschmackszusatz nicht unterschieden (Versuche mit einer Getreideart). Die Hühner ließen sich vom Geschmack beeinflussen, wenn vergällte und unvergällte Körner optisch deutlich verscbieden waren (Versuche mit zwei verschiedenen Getreidearten). Dabei lehnten die Hühner nicht etwa die vergällte, ursprünglich beliebtere Getreideart (Weizen) ab, sondern sie nahmen nur die unvergällten Körner (Hafer) häufig an, als es deren natürlichen Beliebtheitsgrad entspricht.

Bei diesen Versuchen machte sich ein starker Geschmackverlust auf Grund chemischer und mechanischer Vorgänge zwischen Schmecklösung und Korn bemerkbar. Dieser verringerte sich bei Verwendung der feuchteren Schrote, er verschwand gänzlich in den Versuchsreihen mit nassen Körnern und Schroten.

Die vergällende Wirkung der drei Geschmacksstoffe ist deutlich verschieden: Magnesiumchlorid wirkte in keiner Weise abschreckend, Natrium chlorid nur in geringem Umfange, während Salzsäure relativ stark vergällt.

Die Hühner richten sich vorzugsweise nach Tastsinneseindrücken. Daher hängt die Geschmackswirkung weitgehend von der Stärke gleichzeitig auftretender Tastreize ab: starke taktile Reize unterdrücken selbst starke Geschmacksreize. Verglichen mit taktil wahrnehmbaren Veränderungen der Kornoberfläche (Talkum- und Wasserglasüberzüge) bleibt die Wirkung der Geschmackszusätze gering.

In gewissem Umfange scheint das Merkmal „schwacher Geschmack” die Annahme fester Futterstoffe zu erhöben.

Es wurden im ganzen 2633 Zweifach-Wahlversuche ausgeführt, womit sich die Zahl meiner bisher durchgeführten Versuche über den Geschmackssinn des Huhns auf 30133 erhöht.