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Zusammenfassung

Die Arbeit stellt sicli die Erforschung von angeborenen Verhaltensweisen (Bewegungsweisen, Lautäußerungen) beim Rotfuchs und beim Silberfuchs (Untergattung Vulpes Briss.) zur Aufgabe, um eine zutreffende Darstellung soziologischer Verhältnisse und eine vergleichend stammesgeschichtliche Untersuchung an Caniden mit Hilfe von Verhaltensmerkmalen vorzubereiten.

Beobachtet wurden gekäfigte Altfüchse und von Artgenossen isolierte Jungtiere in den ersten Lebensmonaten. Für den Nachweis angeborener Verhaltensweisen dienten insbesondere eine vom 19. Lebenstag an isolierte Rotfüchsin, sowie ein vom 15. Lebenstag an isolierter Mischling Silberfuchs X Rotfuchs. Zusammenstellung der Ergebnisse (Verhaltensweisen in ihrer Entwicklung und nach ihrer Funktion siehe Tabellen S. 20, 21, 24).

Vor dem 24. Lebenstag von Artgenossen getrennte Jungfüchse wurden bedingungslos zahm, sie richteten soziale Verhaltensweisen (Begrüßung, Belecken, soziale Laute) an den Pfleger sowie an andere Personen (S. 29–31). Der Pfleger bildete allerdings keinen vollkommenen Ersatz für den fehlenden Artgenossen (Kumpanverhältnis); Verhaltensweisen, an denen normalerweise die beiden Partner eines Paares nach der Art eines Komments sich beteiligen, wie beim Rangordnungskampf wurden beim isolierten Jungfuchs nicht aktiviert (S. 19). Erst nach Vereinigung des Versuchstieres mit Artgenossen (Rotfüchsin Pussi am 104. Lebenstag) kam es zur Auslösung dieser Verhaltensweisen. Bei den ersten Begegnungen eines isoliert aufgezogenen Jungfuchses mit Artgenossen zeigte dieser ambivalentes Verhalten (S. 12). In der Folge verhielt er sich normal (Paarung und Aufzucht von Jungen, S. 14).

Nach dem 36. Lebenstag von Artgenossen getrennte Welpen drückten sich scheu oder wehrten sich, ihre Scheuheit und Unzugänglichkeit schien die Auslösung sozialen Verhaltens vor dem Pfleger zu blockieren; Umstellungen sind unter Umständen möglich (S. 31). Aus der bedingungslosen Zahmheit frühzeitig isolierter Jungtiere wird gefolgert, daß der Jungfuchs eine angeborene Kenntnis der komplexen Gestalt des Artgeuossen (visuelle Erscheinung) nicht besitzt — angeborene Schemata betreffen jeweils allein Auslöser, d. h. Eigenschaften eines Objektes—, sondern sie durch Prägung innerhalb einer bestimmten Phase der individuellen Entwicklung erwirbt (S. 30).

Soziale Verhaltensweisen (Tabelle 2) und Bewegungsweisen beim Beuteerwerb (S. 24) entwickeln sich zum Teil vorzeitig, d. h. zu einem frühen Zeitpunkt, in dem sie noch nicht ihre normalen Funktionen erfüllen; das Verhalten des Jungtieres ähnelt in diesen Fällen oft einem reinen Spiel. Die Entwicklung (Reifung) des Verhaltens wird im Anschluß an entsprechende Vorgänge beim Haushund erörtert; Gliederung des Lebenslaufes beim Jungtier (S. 29).

Die beiden Geschlechter unterscheiden sich in den angeborenen Verhaltensnormen nicht wesentlich (S. 22), ebenso stimmen Rotfuchs und Silberfuchs darin weitgehend überein (S. 22).