Beobachtungen an Löwen-Tiger-Bastarden mit einigen Bemerkungen zur Systematik der Großkatzen

Authors

  • Paul Leyhausen

    1. Aus dem. Institut für vergleichende Psychologie der Albertus- Universität zu Königsberg (Pr.) und dem Zoologischen Institut der Albert-Ludwigs- Universität zu Freiburg i. Br.
    Search for more papers by this author

Zusammenfassung

I. An 6 F1-Bastarden zwischen Löwe und Tiger und einer Rückkreuzung zwischen Löwentigerin und Löwe wurden die körperlichen und verhaltensmäßigen Besonderheiten beobachtet und diese mit den unterscheidenden Merkmalen der Ausgangsarten verglichen. 14 körperliche und 10 Verhaltensunterschiede zwischen Löwe und Tiger und ihre Erscheinungsform bei den Mischlingen wurden beschrieben (siehe Tabelle 1 S. 64).

II. Ein Vergleich von 10 Verhaltens- und 7 körperlichen Merkmalen der 4 Arten Löwe, Tiger, Leopard und Jaguar ließ als nächsten Verwandten des Löwen den Leoparden erscheinen, während der Tiger ihm am fernsten zu stehen scheint und eine gewisse Sonderstellung innerhalb des Subgenus Panthera Oken erhält, die ihn dem Subgenus lincia Gray (Irbis) nähert (Abb. 42). Die zahlreichen Überschneidungen in der Merkmalsverteilung machen eine “explosive”, ungefähr gleichzeitige Entstehung aller 4 (5) Arten aus einer gemeinsamen Stammform wahrscheinlich (siehe S. 82).

III. Dieser Auffassung widersprechen teilweise die auf Grund eingehender Schädeluntersuchungen von Haltenorth aufgestellten Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den “Großkatzen”. Der Wert seiner Ergebnisse für die Diagnose einzelner (rezenter) Schädel und Schädelteile ist unbestritten; das Verfahren, die Verwandtschaftsbeziehungen allein mit Hilfe von Schädeluntersuchungen endgültig feststellen zu wollen, scheint jedoch gerade in Anwendung auf die Familie der Feliden fragwürdig und einseitig.

Auf den möglichen Einfluß des Untersuchungsgesichtspunktes auf die eigene Auffassung wurde dabei hingewiesen (siehe S. 82).

IV. Wie sehr die aus einzelnen Messungen abgeleiteten Ergebnisse von der Art der mathematischen Verarbeitung abhängen, das kann man den Arbeiten von Rühl (21) und Kläiin (14) entnehmen. Mit Hilfe der gleichen Maße bestimmt jener die Mosbacher “Höhlenlöwen” als Tiger, dieser als Löwen.

V. Unsere heutigen Kenntnisse reichen noch nicht aus, um die außerordentlich verwickelten Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der Familie der Feliden restlos zu entwirren. Daraus ergibt sich die Forderung nach einer Gesamtbearbeitung der Familie unter Ausnutzung der Gesichtspunkte und Methoden aller biologischen Disziplinen.

Ancillary