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Zusammenfassung

Unter nicht miteinander verwandten Wanderratten besteht eine sehr ausgesprochene Rangordnung. Bei der Paarbildung verbinden sich die Weibchen nur mit in der Rangordnung höherstehenden Männchen. Jedes Paar behauptet ein bestimmtes Revier und verteidigt es gegen fremde Ratten auf das heftigste.

Die Nachkommen desPaares aber bleiben, falls die Nahrung ausreicht, im gleichen Revier, ebenso deren Nachkommen usw. Sie bilden zusammen ein Rudel.

Innerhalb des Rudels gibt es keine Rangordnung; die jüngeren Tiere sind durch ihre größere Aktivität den erwachsenen sogar in mancher Hinsicht überlegen. Revierverteidigung, Nahrungserwerb und Aufzucht der Jungen besorgen alle gemeinsam. Während der einige Stunden dauernden Brunst paaren sich die Weibchen mit allen Männchen des Rudels. So gewinnt das Rattenrudel Merkmale einer überindividuellen Einheit, die in mancher Hinsicht an die Verhältnisse bei staatenbildenden Insekten erinnert. Häufig sind örtliche Besonderheiten im Verhalten der Ratten festzustellen, die von älteren Rudelangehörigen übernommen werden: es bilden sich örtliche Traditionen.

Als Typen der Erdbaue lassen sich Wohnbaue, Vorratsbaue und Deckungslöcher unterscheiden.

Bei reichlich vorhandener Nahrung tragen Wanderratten fortgesetzt etwa 4 mal mehr ein, als sie bestenfalls fressen können. Sie lagern die Vorräte meistens im Kessel des Baues, dessen Dach sie gemäß der Stapelhöhe entsprechend heben. Das Vorratslager wird oft stark von Fliegenmaden befallen.

Bei Frost verlassen die Ratten ihre Baue oft viele Tage nicht. Sie sind Dämmerungs tiere mit einer abendlichen und morgendlichen Aktivitätsperiode. Auf Mitternacht fällt meistens eine Zeit völliger Ruhe.

Wanderungen sind meistens jahreszeitlich bedingt. Im Frühjahr wandern die Ratten aus den Gebäuden ins Freie und im Herbst (nach starker Vermehrung) wieder in die Gebäude.

Die heutigen Verfahren der Begutachtung von Rattenmitteln sind nicht immer für das Verhalten der Ratten im Freien repräsentativ. Es wird die Aufstellung von Normen vorgeschlagen, denen größere Erfahrungskreise zugrunde liegen müßten.