Über die Balzerscheinungen und die Fortpflanzungsbiologie beim Kampfläufer (Philomachus pugnax L.)

Authors

  • Waldemar Lindemann


Zusammenfassung

  • 1Die Kampfläuferbalz und sein Verhalten außerhalb der Fortpflanzungszeit wurden in Polesien, Nordostpolen, Pomerellen und Estland in vier Jahren beobachtet (498 Beobachtungsstunden an den Balzplätzen).
  • 2Das männliche Prachtkleid der extrem geschlechtsdimorphen Art ist überaus variabel. An 508 Stücken (Tab. 1) ließen sich 4 Haupttypen der Gefiederzeichnung und 1–2 Varianten der Grundfarbe, aufteilbar in die 3 Gruppen schwarz, braun und hell, unterscheiden. Die nördlichen Populationen sind heller.
  • 3Die Balz findet von Ende April bis Mitte Juni auf tennenartigen Plätzen von 1–2 m Durchmesser statt, die immer wieder aufgesucht werden.
  • 4Die Instinkthandlungen bzw. -haltungen des Männchenkampfes sind folgende: Imponieren (Abb. 2), Drohen (Abb. 3), Zweikampf (Abb. 4, 5); meist verläuft er harmlos, und zwar ausschließlich auf den Balzplätzen, unabhängig von etwa anwesenden Weibchen.
  • 5Das Ergebnis der Kämpfe ist eine allerdings schwer zu ermittelnde Rangordnung. Die mittleren Plätze auf dem Balzplatz sind den Rangältesten vorbehalten. Sie „führen” die Trupps im Spätsommer und auf dem Zuge.
  • 6Die biologische Bedeutung der Kämpfe liegt in der optisch anlockenden Wirkung des lebhaft bewegten Farbenspiels des Balzplatzes auf die Weibchen.
  • 7Die Gattenwahl ist ausschließlich Sache des Weibchens. Nur das vom Weibchen bereits persönlich dazu aufgeforderte Männchen beginnt zu werben: Initialstellung (Abb. 6), Gefiederzucken, Trippeln im Kreis, Demutsducken (Abb. 7), Picken ins Gefieder (Abb. 8), Auf reiten (Abb. 10). Das paarungslustige Weibchen durchläuft die folgende Handlungskette: Umhertrippeln auf dem Platz, Aufforderungsstellung (Abb. 9) vor dem damit erwählten Männchen, Verharren in aufrechter Stellung (Abb. 7a), Sichkuscheln auf dem Boden, Bepicken der Halskrause des Männchens (Abb. 7b), Verpaarungsvorspiel (Abb. 8), Anheben des Hinterkörpers unter Flügelzittern zur Begattung (Abb. 10).
  • 8Der Kampfläufer lebt in „Keinehe”. Polygynie und Polyandrie ergibt Promiskuität. Das Weibchen wählt bevorzugt besonders farbige, besonders stark imponierende Männchen auf besonders ranghohen Plätzen. In Gefangenschaft sieht man auch Verpaarungen zweier Männchen, zweier Weibchen, sowie auf Männchen aufreitende Männchen. Doch fehlt jegliches Zeichen von Eifersucht; im Freien ist das Verhalten der Männchen rein männlich, von jeder Ambivalenz frei.
  • 9Allein das Weibchen bebrütet (21 Tage) seine 3 bis 4 Eier, die ziemlich gleichzeitig schlüpfen (Abb. 11). In etwa 3 Wochen sind die Jungen flügge.
  • 10Währenddessen nomadisieren die Männchen in kleinen Trupps. Ende Juli schließen sich auch die Mütter mit ihren flüggen Jungen an und es entstehen bis vierzigköpfige Fluggesellschaften, die die Sommerplätze strichweise gegen Süden bis Südwesten verlassen.
  • 11Auf dem eigentlichen Zug sind die erwachsenen Geschlechter getrennt; die Jungmännchen halten sich oft zu den Weibchen. Die Männchengesellschaften ziehen weiter südwärts als die der Weibchen. Der auffälligere Frühjahrszug beginnt Anfang Mai, der Herbstzug endet Mitte September.
  • 12Der Kampfläufer hat wenige, abwechselungsarme Lautäußerungen. Außer dem leisen Murmeln des demutduckenden Männchens scheinen Balzlaute zu fehlen.

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