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Zusammenfassung

Igel, teils aus anderer Hand erhalten, teils als Wildfänge gezähmt, teils in der Gefangenschaft geboren, wurden zweieinhalb Jahre lang verhaltensbiologisch beobachtet. Das im Alter von drei Wochen gefundene Weibchen Eri wurde völlig zahm und ließ sich gut dressieren.

Der Geruchssinn ist führend. Für feindliche starke Düfte beträgt die Reichweite 9m, für Beutetiere wie Käfer etwa Im. Solche nahen Geruchsquellen werden schnell und sicher lokalisiert. überlagert man den Duftort mit starken Fremdgerüchen („Geruchssperre”), so leidet das Lokalisations-vermögen. Der Igel vermag rein olfaktorisch (wenn die Kopfmaske Augen und Schnurrhaare ausschaltet) vertraute Wechsel, besonders den Heimweg zu finden, nicht jedoch über Geruchssperren.

Auch das Gehör ist scharf. Mit Atlas-Audiometer und Hundepfeife ergaben sich als Hörgrenzen 64 und 18000 Schwingungen/sek. Für die höchsten Töne genügte eine Lautstärke von — 10 Dezibeln, wenn der menschliche Grenzwert O Dezibel heißt. Auf Klopfen reagierten die Wildfänge bis 31 m, auf Hundegebell bis zu 52 m Abstand; besonders empfindlich sind die Igel auf Zirpgeräusche. Sie lokalisieren den Schall sicher. Dressierte kamen auf Namensruf bis 11 m.

Der Gesichtssinn ist schlechter. Die Sehweite betrug bei Tage etwa 30 m, in der Dämmerung ungefähr die Hälfte.

Sehr fein ist der Geschmackssinn; bitter und salzig sind unangenehme Qualitäten. Die Nahrungsauswahl ist launisch wechselnd, jedoch stets sehr entschieden. Stark riechende Stoffe lösen Sichselbstbespucken aus, ein angeborenes Verhalten, das im Geschlechtsleben keine Rolle spielt und Hunde nicht beirrt; es wirkt appetitanregend. Vielleicht ist es ein stammesgeschichtliches Relikt.

Auf Tastreize sind am empfindlichsten die Schnurrhaare; es folgen der Pelzsaum am Stachelkleid, dann die Kopfstacheln. Bis auf ein Ausnahmetier besteht ausgesprochene Wasserscheu. Igel sind wärmeliebend; die Vorzugstemperatur beträgt etwa 34°C.

Auch bei Zimmertemperatur kommt es zum Winterschlaf, besonders bei hohem Luftdruck; fällt er, so wachen sie auf. Draußen verschlafen sie den ganzen Winter.

An selbstaufgezogenen Jungtieren wurden die Zeitpunkte des Auftretens von etwa 20 Instinkthandlungen festgestellt und das Reifen des Stachelsträubens, Sicheinrollens und Erbeutens skizziert. Die Einzelheiten dieser Verhaltensweisen treten nacheinander in derselben Reihenfolge auf, wie im Gesamtablauf nach erfolgter Reifung. Auch wird das Verhalten der Artgenossen zueinander, die Balz, die Bildung der Rangordnung in Zwangsgemeinschaften beschrieben.

In verschiedenartigen Versuchen zeigten bestimmte Stücke übereinstimmend Linkstendenz, andere Rechtsbevorzugung; Umdressur ist möglich. In bekanntem Gelände weicht die Seitigkeit dem Zickzackgang.

Die Igel sind ausgesprochen wechseltreu und haben ein ausgezeichnetes Ortsgedächtnis. Lange Zeit gehaltene Tiere, die am Ort der Gefangennahme ausgesetzt wurden, fanden sogleich ihre ehemaligen Verstecke. Eri findet stets die Hauspforte, Treppe usw.

Die Dressurfähigkeit ist gut (Ortsdressuren, Formsignale, Pfiffe, Rufnamen, Schlupfwinkel, Wechsel, Leinenführigkeit, Treppenklettern, Zuneigung zum Pfleger, Ablehnung von Fremden usw.). Auch erfassen die Igel einfache verständliche Zusammenhänge.