Versuche über die Richtungsorientierung bei weißen Mäusen und Ratten

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Zusammenfassung

  • 1Geblendete weiße Mäuse wurden zunächst im Laboratorium auf eine bestimmte Kompaßrichtung dressiert, indem sie in einem kreuzförmigen Gangsystem nur in dieser Richtung ihr Futter erhielten. In anderen Richtungen wurden sie durch elektrische Stromschläge gestraft. Keiner der vier Gänge bot ihnen einen Anhaltspunkt, den sie durch bekannte Sinnes-empfindungen wahrnehmen konnten.
  • 2Von 18 Mäusen lernten sechs, die Dressurrichtung eindeutig zu bevorzugen.
  • 3In einer weiteren Versuchsserie versuchten wir, durch ständigen Wechsel zwischen drei Versuchsorten möglichst viele außerhalb der Apparatur liegende erkennbare Faktoren auszuschalten. Die Tiere zeigten an dem dritten Versuchsort, an dem sie nicht mit Strafreizen dressiert wurden, die gleiche Richtungsbevorzugung wie an den zwei anderen Stellen.
  • 4Um eindeutig alle örtlichen Orientierungsmarken auszuschließen, stellten wir die Apparatur zum Zweck leichter Ortsveränderlichkeit auf einen Kraftwagen, der bei jeder Dressur an immer neuen, unbekannten Punkten stand, zum Teil mit Entfernungen von 100 km und mehr.
  • 5Zwei Mäuse, die auf dem am festen Ort, in unveränderter Richtung aufgestellten Wagen einen deutlichen Dressurerfolg zeigten, versagten, wenn der Wagen in eine andere Himmelsrichtung gedreht wurde, indem sie der Richtung des Wagens folgten. Sie waren also auf Marken auf dem Wagen dressiert.
  • 6Andere Mäuse, die auch bei wechselnder Richtung des Wagens an festem Ort ihre Dressurrichtung erkannten, verloren ihre Orientierung, wenn der Wagen den gewohnten Platz verließ. Sie waren offensichtlich auf örtliche Marken außerhalb des Wagens eingestellt.
  • 7Bei Versuchen mit stets wechselndem Dressurort bevorzugen bzw. meiden unter den angewandten Versuchsbedingungen etwa die Hälfte der Tiere spontan bestimmte Richtungen, die primär keine Beziehung zur Dressurrichtung zu haben scheinen. Die Abweichung von der theoretischen Anlaufserwartung einzelner Richtungen überschritt bei einer Ratte nach der x2-Methode die dreifache Fehlergrenze, bei einer anderen Ratte lag der Wert für x2 sehr nahe der statistischen Sicherung. Prinzipiell die gleichen Erscheinungen, wenn auch statistisch nicht in dem Umfang gesichert, wurden auch bei den Mäusen beobachtet.

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