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Zusammenfassung

Im Hinblick auf spätere vergleichende Nagerarbeiten versuchte ich, die wichtigsten angeborenen Verhaltensweisen der Wüstenmaus zu benennen und zu beschreiben (S. 402–409). Im Anschluß daran wurde die Lebensweise der Wüstenmaus besprochen.

Bei der Nahrungssuche gräbt die Wüstenmaus sehr viel. Sie zerhäckselt Grünfutter, preßt es durch Schnauzenstöße zusammen und verscharrt es, hamstert auch Sämereien. Sie frißt zusammengekauert und hält das Futter in den Händen. — Sie hat ein ausgeprägtes Bewegungssehen und hört die Fieptöne der Art oberhalb der menschlichen Hörgrenze. — Im Freien legt sie Erdbaue an; im Terrarium zerwühlten sie den Boden kreuz und quer. Im Wohn-kistchen bauten sie aus zerfasertem Stroh ein weiches Nest (Instinktbewegungen vgl. S. 404), hielten es sauber und harnten in einer bestimmten Behälterecke. — Paarungsvorspiel: Verfolgung des Weibchens, Belecken und Beschnuppern der weiblichen Geschlechtsorgane, Aufreitversuche. Das Weibchen zeigt sich anfangs spröde, fordert aber ihrerseits zur Paarung auf, sobald das Männchen abgelenkt ist. Die Begattung verläuft wie bei Maus und Ratte. — Kurz vor und nach dem Werfen beißen die Weibchen die Männchen, die ihrerseits gegenüber dem Weibchen deutlich beißgehemmt sind. — Gegen die menschliche Hand verteidigen die Eltern ihre Jungen durch Schläge mit den Pfoten. Aus dem Nest genommene Jungtiere trägt das Weibchen zurück. Die Jungen verfallen dabei in eine Tragstarre. — Die Tragdauer beträgt 22 Tage. Die Jungen sind zunächst nackt und blind, etwa im gleichen Entwicklungszustand wie neugeborene Ratten. Das mittlere Geburtsgewicht beträgt 5,5 g. Wachstumsmaße siehe Tabelle S. 417. Mit neun Tagen waren die Jungen zart behaart, mit 11 Tagen hatten hatten sie ein kurzes geschlossenes Fell. Mit 16–17 Tagen öffneten sie die Augen und fraßen schon zusätzlich Futter. Mit 18 Tagen machten meine Jungtiere die ersten Ausflüge aus dem Nestbereich. Mit 26 Tagen begannen die Kampfspiele, die bis zum 45. Lebenstag beobachtet wurden. Die ersten Paarungen erfolgten mit 98 Tagen. — Meriones persicus besitzt hochdifferenzierte Kampfspiele vom gleichen Typus wie Ratte, Hamster und Ziesel. Der Balgerei geht ein Vorspiel voraus, bei dem sich die Tiere aufrecht gegenüberstehen und mit den Pfoten betrommeln. Das Kampfspielen ist frei von Drohgehaben. — Die Wüstenmäuse verhalten sich zu den Tieren desselben Terrariums ausgesprochen friedlich. Sie schlafen zusammen, putzen einander und haben einen gemeinsamen Alarmruf. Alles spricht dafür, daß sie auch im Freien weitgehend sozial sind. Gegen fremde Artgenossen sind sie sehr unverträglich. — Kämpfe mit Artgenossen verlaufen sehr heftig. Wie beim Kampfspiel geht der Balgerei ein kurzes Vorspiel voran, das den Charakter gegenseitigen Abschätzens trägt. Je mehr die Tiere einander an Stärke gleichen, desto länger dauert das Vorspiel — Die Wüstenmäuse flüchten sehr leicht (hohe Erregungsproduktion). Beim Flüchten fiepen sie. Dieses Fiepen wirkt als Warnruf. Plötzlich überraschte Tiere drücken sich. — Putzbewegungen siehe Seite 408. Die Weibchen fordern die Männchen zu sozialer Hautpflege auf, indem sie sich rücklings unter deren Kinn schieben, worauf diese die regungslos stillhaltenden Weibchen ausgiebig belecken und beknabbern.