Untersuchungen über das Formensehen und optische Größenunterscheidung bei der Skudde (ostpreußisches Landschaf)

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Zusammenfassung

Ein ostpreußisches Landschaf (Skudde) wurde in Zweifachwahl vor Figurenpaaren auf sein optisches Unterscheidungsvermögen geprüft, nachdem Dressurversuche mit zahlenmäßig differenzierten Zeichen gescheitert waren (Versuchsanordnung S. 425).

Das Vt. lernte in rund 50 Versuchen einen Kreis (+) von einem gleichgroßen Dreieck (-) zu unterscheiden; spontan bevorzugte es schwach, aber merklich den Kreis (Tab. 1). Die Umstellung auf Kreis gegen Rechteck gelang ohne Nachdressur, während die fehlerfreie Unterscheidung des Kreises von einem flächengleichen Quadrat rund 100 Darbietungen erforderte. Es gelang nicht, das Vt. auf Kreis gegen Sechseck zu dressieren; auch der Wahl des Kreises vor einem Fünfeck fehlte die erforderliche Sicherheit; die Leistungsgrenze liegt mithin bei Kreis gegen Quadrat.

Bei wechselnder Darstellung der Reizfiguren (Kreis: Quadrat) konnten die Leistungen zurückgehen, insbesondere störte das erstmalige Erscheinen von 3 Millimeter starken Umrissen an Stelle der zuvor benutzten orangefarbig gefüllten Figuren (Tab. 3, S. 428).

Das Vt. wählte ein größeres Quadrat vor einem kleineren (Tab. 5, S. 431); wenn der Flächenunterschied nicht unter 50% lag, war eine Dressur fast unnötig, da die spontane Neigung der größeren Figur zu gelten schien. Die Leistungsgrenze lag bei 25% Flächenunterschied beider Quadrate. Die andressierten Höchstleistungen waren nicht dauerhaft. Bei Flächenunterschieden von 30% bis 40% war das Verhalten des Tieres wesentlich sicherer.

Im Anschluß an Versuche von Bierens de haan (1925) über den „Wahrnehmungskomplex” eines Schweinsaffen wurde das Schaf vor gleiche und ähnliche Aufgaben gestellt. Es übertrug Form- und Farbmerkmale der Plusfigur in bestimmten Anordnungen auf die Minusfigur (Tab. 6, 7, 8). Die Leistungen blieben nach Aufheben des Farbunterschieds beider Figuren zumeist erhalten, hingegen beeinträchtigte die Formangleichung beider Figuren das Dressurergebnis.

Das Schaf reagiert wahrscheinlich nicht auf einen durch beide Figuren gebildeten Wahrnehmungskomplex im Sinne von Bierens de haan. Nachdem Veränderungen der Plusfigur in bestimmten Grenzen das Dressurergebnis nicht zerstören — wohl aber Veränderungen der Minusfigur —, scheint die Wahl durch Vermeiden der Minusfigur zustande zu kommen.

Das Schaf lernte sowohl zwei geschlossene Figuren wie auch geschlossene von gegliederten Figuren zu unterscheiden. Aufgliederung der einen Figur erschwerte die Aufgabe auffallend (Tab. 10, S. 436).

Das Vt. dressierte sich nach rund 50 Versuchen mit drei gleiches Futter verheißenden Figuren auf die fehlerfreie Wahl eines Quadrates vor Dreieck und Kreuz. Die andressierte Bevorzugung eines Kreises vor einem Kreuz ging beim Ersatz der Gegenfigur durch ein Quadrat sofort verloren, obwohl das Schaf diese Aufgabe früher schon einmal gelernt hatte. Das Transpositionsvermögen ist offensichtlich gering, ob aus rein sehphysiologischen Gründen oder mangelnder Einsicht, das muß vorerst offen bleiben. Maßgebend ist offensichtlich die Stärke einer Assoziation zwischen Gegen-figur und einem „Strafreiz”, der allein durch das Fehlen des Futters (Ausbleiben einer Belohnung) gegeben ist.

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