Versuche mit Bienen und Wespen in farbigen Labyrinthen1

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    Auszug aus der Dissertation der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen vom 15.11.1950: Karl Weiss, Versuche mit Bienen und “Wespen in farbigen Labyrinthen.

Zusammenfassung

In einfachen, durch farbige Querwände gekammerten Labyrinthen mit abwechselnd rechts und links gelegenen Durchschlupfmöglichkeiten wurde das Verhalten von Bienen (Apis mellifica) und Wespen (Vespa germanica) untersucht.

1. Die Versuchstiere waren mit der Methode des schrittweise vorrückenden Schälchens leicht in die verwendeten Anlagen einzudressieren. Zum Futter liefen sie stets glatt und sicher und verfolgten den kürzesten Zickzackweg, gleich, von welcher Seite das Licht einfiel. Beim Auslauf gegen das Licht stießen sie die einzelnen Querwände meist erst gerade an und streiften an ihnen entlang zum Durchgang. In Dressuren, die einen Auslauf vom Licht weg verlangten, verhielten sich die Tiere ähnlich wie beim Einlauf. Wir schlössen daraus auf eine verschiedene Lichtstimmung der Versuchstiere beim Ein- und Auslauf.

2. Das farbige Merkmal, das in den Dressuren entweder als Wandfarbe oder als Bodenmarke geboten war, erlangte orientierende Bedeutung. Versuche bei verschiedenen Wandstellungen zeigten, daß die Tiere schon während der Eindressur in der zickzackförmigen Laufordnung lernten, vor einer bestimmten Wandfarbe oder auf einer bestimmten Farbmarke des Labyrinthbodens jeweils die Durchgangsseite aufzusuchen, die diesem Merkmal erfahrungsgemäß zugeordnet war.

3. In farbig einheitlichen Labyrinthen mit alternierender Wandstellung waren die Tiere imstande, sich völlig unabhängig von Merkmalen innerhalb und außerhalb der Anordnung zu orientieren. Das Übergewicht der Farborientierung über die farbunabhängige Orientierungsweise, die im Laufrhythmus der Zickzackbewegung gesucht werden muß, war jederzeit unverkennbar. Selbst bei nachträglichem Erscheinen des Farbmerkmals in einer einfachen, farbig zunächst unbestimmten Zickzackdressur mußte, obwohl sich die Lauflinie während der Dressur in keiner Weise änderte, die anfängliche Orientierung entsprechend dem Laufrhythmus schließlich zwangsläufig der farbgebundenen Orientierung weichen oder zumindest hinter dieser zurücktreten.

4. Bei der Orientierung der Versuchstiere in einem Labyrinth mit mäßig von der Dressurlauffläche abgerückten Seitenleisten (Labyrinth mit kurzen Sackgassen) stellte sich als vornehmlich wirksamer Gedächtnisinhalt Valenz-wirkung bestimmter, durch ihre Entfernung von den seitlichen Randleisten gekennzeichneter Stellen der Farbwände heraus. In einer Anordnung mit besonders langen Seitengassen konnte außerdem eine farbgebundene Seiten- oder Winkeleinstellung vor der Farbwand als Orientierungsfaktor nachgewiesen werden. — Farb-Seitenvalenzen und Farb-Winkeleinstellung sind im wesentlichen auch für die Orientierung der Versuchstiere in der Ausgangsanlage entscheidend. — Die Tiere haben hingegen niemals gehandelt, als ob sie den Dressurweg räumlich erfaßt hätten.

5. Bienen und Wespen verhielten sich in den Dressuren und Versuchen grundsätzlich gleich. Die Wespe lief glatter und schneller. Gegenüber äußeren Störungen war sie empfindlicher als die Biene.

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