Soziale Hierarchie im Aufzuchtschwarm der Silbermöwen

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Zusammenfassung

1. Im Aufzuchtschwarm junger Silbermöwen (Larus argentatus) bildete sich vom 23. Tage an eine Hackdespotie, die bei der Gehegegruppe bis heute, also über 18 Monate, gehalten hat, aber auch bei der Freifluggruppe beobachtet wurde.

2. Die Struktur ist eine lineare Hierarchie.

3. Kämpferische Auflehnungen wurden nicht festgestellt.

4. Die Jungmöwen bezogen in ihre Hackordnung auch alle anderen Käfiggenossen, nämlich eine erwachsene Sübermöwe, Mantelmöwe, Lachmöwe, Kurzschnabelgans, Nebelkrähe und Dohle mit ein, wobei körperliche Kraft und Größe sowie Lebensalter keine ausschlaggebende Rolle zu spielen schienen.

5. Der Oberdespot, Nr. 2, zeigt besonders extreme Verhaltensäußerungen. Fast scheint es, als ob das sogenannte “Jauchzen” die Funktion eines Behauptungsrufes, vielleicht sogar die eines Drohlautes (vgl. Schjelderup-Ebbe) hat.

6. Das extreme Verhalten im Gehegeschwarm ist möglicherweise eine Folge der engen Raumgrenzen. Andererseits wird gerade durch die Raumbeschränkung im Versuch das Phänomen deutlicher und der Analyse zugänglicher als draußen.

7. Freibeobachtungen an Winterschwärmen machen das Vorhandensein von Hackdespotien bei Jungmöwen in der freien Natur sehr wahrscheinlich.

8. Die Tendenz zur Ausbildung einer sozialen Hierarchie ist sicher angeboren (s. auch Schjelderup-Ebbe). Die Rangstellung selbst richtet sich aber sicher nach individuellen Eigenschaften (“moralische” Stärke) der Einzeltiere. Bei ihrer Entstehung sprechen also Lernvorgänge mit.

9. Die Rangordnung scheint ortsungebunden zu sein.

10. Es ergaben sich keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Hierarchie und Territorialität. Daß ein solcher auch bei der Silbermöwe besteht, wird vermutet.

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