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Zusammenfassung

1. Ein etwa achtjähriger, weiblicher Indischer Elefant lernte in belohnter, straffreier Dressur, nach akustischen Futtersignalen mit dem Rüssel einen Futterautomaten auszulösen, Gegensignale aber unbeachtet zu lassen. Zur Erzeugung der Signale dienten ein R.C.-Generator in Verbindung mit einem permanentdynamischen Lautsprecher oder ein Magnetophon.

2. Nach 7 1/2monatiger Dressur konnte der Elefant 12 reine Tone zwischen 140 und 4000 Hz (zwei von ihnen waren nur durch ein Ganztonintervall getrennt) unterscheiden, ohne damit eindeutig die Grenze seiner Lernfähigkeit erreicht zu haben. Mehrfachtests, in denen alle 12 Töne in beliebiger Reihenfolge wechselten, und Kontrollversuche zeigten, daß die Unterscheidung ausschließlich nach der Tonhöhe erfolgte, was ein absolutes Tongedächtnis voraussetzt.

3. Von den 12 Dressurtönen beherrschte der Elefant nach 19wöchiger Dressurpause noch 11, nach weiteren 1 1/2 Jahren noch 9 Töne.

4. Weiterhin erlernte der Elefant die Futtermelodie c1–c2–a1 und die Gegenmelodie c1-f-a (in reinen Tönen); er erkannte sie bei Transpositionen im Bereich etwa je einer Oktave nach oben und nach unten (bei darüber hinausgehenden Transpositionen bestimmten nicht mehr die Melodiengestalt, sondern die absolute Höhe der Töne die Entscheidungen), bei Einkleidung in Folgen nicht zu komplizierter Klänge und bei Erzeugung mit Musikinstrumenten unterschiedlicher Klangfarbe (nur bei sehr obertonreichen Instrumenten und gleichzeitiger, weitgehender Transposition versagte er).

5. Die ursprünglich andressierte Tonhöhe der Melodien beherrschte der Elefant sehr genau: jeweils der zweite Ton der Tonfolgen allein genügte zum Auslösen der richtigen Reaktionen, ohne jedoch ein Hauptorientierungsmerkmal zu sein. Die Melodien wurden auch bei veränderter Reihenfolge ihrer Originaltöne richtig beantwortet.

6. Es blieb ohne Einfluß, wenn von allen Merkmalen der Melodien ausschließlich der Rhythmus verändert wurde; bei Einfügung von Zusatztönen wurde die Lage der rhythmischen Schwerpunkte jedoch entscheidend wichtig.

7. Die Intervalle zwischen den Einzeltönen der Melodien beherrschte der Elefant bei isolierter Darbietung von jeweils nur zwei Tönen in ursprünglicher und sogar in leicht veränderter Tonhöhe. Richtige Reaktion auch bei Veränderung dieser Intervalle deutet darauf hin, daß er für die Futtermelodie die Abstraktion “zuerst steigende und dann fallende Tonfolge” und für die Gegenmelodie die Abstraktion “zuerst fallende und dann steigende Tonfolge” gebildet hatte.

8. Die Ergebnisse der Variationsversuche zeigen, daß der Elefant die beiden Melodien nicht an einem einzelnen, einfachen Merkmal erkannte, sondern sich nach verschiedenen Einzel- und Gestaltmerkmalen richtete.