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Zusammenfassung

  • 1
    Das ♂ von Gryllus campestris warnt durch seinen Rivalengesang jeden sich nähernden Artgenossen. Im kampfbereiten ♂ löst dieser Fühlerpeitschen aus, worauf der Warner es bekämpft. Alle Tiere, die kein Kampfgehabe zeigen, werden angebalzt; dem ♀ fehlen somit geschlechtsspezifische Schlüsselreize.
  • 2
    Damit das campestris-♀ auf das ♂ aufsteigt, muß dieses neben dem Werbegesang noch einen besonderen, wahrscheinlich geruchlichen Reiz senden.
  • 3
    Paarungsbereitschaft und Eiablage des campestris-♀ wechseln nicht periodisch; wenn es kämpft, bedeutet das nicht unbedingt Kopulationsunwilligkeit.
  • 4
    Die campestris-Larven des letzten und vorletzten Stadiums sind ständig bereit, jeden Artgenossen zu bekämpfen. Der AAM für diese Erbkoordinationen ist nicht wie bei den Imagines auf den einen Auslöser “Fühlerpeitschen” angewiesen, sondern spricht auf jede Berührung bzw. Bewegung eines Artgenossen an.
  • 5
    Bei frischgeschlüpften, noch nicht geschlechtsreifen campestris-♂♂ ist die Erbkoordination des Rivalengesangs später vollentwickelt als der Singapparat.
  • 6
    Das rechts- bzw. linksseitige Zirpen der campestris-♂♂ könnte erblich bedingt sein; jedenfalls waren Umstimmungsversuche durch Umlegen der Vorderflügel kurz nach der Imaginalhäutung erfolglos.
  • 7
    Bei Gryllus bimaculatus erkennt das ♂ das ♀ vorwiegend an einem spezifisch weiblichen Signal, wahrscheinlich einem Duft, der beim ♂ Werbegehabe auslöst. Der AAM des Männchens für Balz ist also nicht so merkmalsarm wie bei campestris; nichtkämpfende Artgenossen ohne den weiblichen Schlüsselreiz balzen nur schwellenerniedrigte ♂♂ schwach an.
  • 8
    Das Aufsteigen des bimaculatus-♀ auf das ♂ wird allein durch die Werbelaute ausgelöst.
  • 9
    Weitere Verhaltensunterschiede zwischen bimaculatus (B) und campestris (C) sind das Lochgraben (typisch für C), das Körperschütteln während der Nachbalz (B), der Kampf der Weibchen (C), der Larvenkampf (C), das Fühlerzittern während der Nachbalz (C), die Pendelbewegungen des Vorderkörpers bei der Kopulation (C) und die Anstreichlaute vor Balzbeginn (B).
  • 10
    Da sich bei bimaculatus das ♂ den Geschlechtspartner wählt (balzauslösender weiblicher Schlüsselreiz), bei campestris dagegen das ♀ (Werbegesang und noch ein männlicher Schlüsselreiz zum Aufsteigen), ist die Artenkreuzung C-♂ ˜ B-♀ von beiden Seiten her, also doppelt erschwert. Die reziproke Kreuzung gelingt dagegen leicht. Deshalb wurden nur Bastarde untersucht, die alle (♀ stets an erster Stelle genannt) auf die Kreuzung B-♀ ˜ C-♂ zurückgehen, nämlich B ˜ C=BC-F1; BC ˜ BC=BC-F2; BC ˜C=RII; BC ˜B=RIa; B ˜ BC=RIb.
  • 11
    Es wurde versucht, den Erbgang der vier letzten unter 9. genannten Verhaltensmerkmale zu analysieren.
  • 12
    Beim Larvenkampf ist der Artunterschied quantitativ gestuft: B kämpft in seiner Jugendzeit gar nicht oder nur schwach, C dagegen ist äußerst kampflustig. In F1 tritt das Merkmal unvollständig dominant auf; die Heterozygoten transgredieren stark mit den C-Homozygoten. Die Ergebnisse bei der F2-Generation sowie bei 2 Rückkreuzungen sprechen für einen monofaktoriellen Erbgang.
  • 13
    Auch im Fühlerzittern während der Nachbalz unterscheiden sich die Arten quantitativ: C zittert häufig, B nur selten oder gar nicht. Die F1-Bastarde zitterten beinahe so häufig wie C; die statistischen Berechnungen sprechen nicht gegen die Anahme einer vollständigen Dominanz. Die F2-Generation sowie eine Rückkreuzung deuten wiederum auf einen monofaktoriellen Erbgang hin.
  • 14
    Die Pendelbewegungen des Vorderkörpers bei der Kopulation — Kopf und Prothorax schlagen abwechselnd nach beiden Seiten aus, der Kopf ist aufwärts rückwärts gehoben — eignen C und fehlen B ganz: ein klarer qualitativer Unterschied. In F1 pendelten etwa 20% der Tiere gar nicht, die anderen deuteten es durch schwache seitliche Bewegungen des nicht hochgereckten Kopfes an. Während die Rückkreuzungen RIa und RIb wieder für einen monofaktoriellen Erbgang sprechen, legen die F2-Generation und besonders die Rück-kreuzung RII den Gedanken an Polymerie oder sonstige Komplikationen nahe. — Es bedarf größerer Zahlen und Zeitlupenaufnahmen.
  • 15
    Die Anstreichlaute vor Balzbeginn entstehen durch mehrmaliges Aufrichten der Zirporgane aus der Ruhelage in die Stridulationsausgangsstellung; sie kennzeichnen B. C öffnet die Elytren nur einmal und stumm; es folgt sofort der Werbegesang. Das Merkmal ist unvollständig intermediär: Die meisten F1-Grillen unterschieden sich von beiden Eltern und erzeugten nur einen einzigen Anstreichlaut; nur wenige Bastarde verhielten sich teils wie B, teils wie C. Die Variationskurve der Heterozygoten überschneidet sich also mit denen von beiden Homozygotengruppen. Wie die F2-Generation und drei Rück-kreuzungen zeigten, kann man auch diese Merkmalsausbildung auf die Wirksamkeit eines Genpaares zurückführen.