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Zusammenfassung

  • 1
    30 Hühner mit einem verdeckten Auge wurden in simultanen Zweifachwahlversuchen auf die Unterscheidung der Formmerkmale Quadrat gegen Kreuz, Kreuz gegen Dreieck und feine gegen grobe waagerechte Streifen dressiert. Nachdem das geglückt war, (einäugig 90 Richtigwahlen bei 100 Versuchen), wurden zuerst dem bisher verdeckt gewesenen “Gegenauge” (engl. transfer eye), dann dem “Lernauge” verschiedene Abwandlungen (“Transpositionen”) der Merkmale geboten. Das Ergebnis war in beiden Fällen verschieden. Mit dem Gegenauge erkannten die Hühner nur die erlernten Zeichen, in einigen Fällen auch deren Halbierungen sowie Drehungen bis zu 90°. Hühner erlernen optische Marken durchweg lageunabhängig. Alle übrigen Transpositionen erkannten sie nur bei Gebrauch des Lernauges, je nach Art der Abwandlung verschieden gut.
  • 2
    Zwei gegliederte oder zwei geschlossene, flächengleiche Figuren nebeneinander wurden einäugig nur schwer unterschieden. Bei 10 Versuchstieren hatten nach etwa 1500 Versuchen die Dressuren noch keinen Erfolg gezeigt. Das häufige Auftreten experimenteller Neurosen gerade bei einäugig lernenden Hühnern beweist, daß sie unter derartigen Bedingungen die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreichen.
  • 3
    Zum Erlernen einer Aufgabe braucht das einäugige Huhn doppelt soviel Zeit wie mit beiden Augen, vor allem weil einäugige Tiere zu Beginn der Dressur die “sehende” Seite extrem bevorzugen. Mit zwei Augen erkannten die Hühner transponierte, aber nicht gedrehte Zeichen nicht besser als mit einem. Die Einäugigen lernen schlechter als Zweiäugige, aber transponieren ebenso gut.
  • 4
    Zweiäugige Hühner lockt die Positivfigur stärker, als die negative sie abstößt. Das Positivsignal wird auch allen dressurfremden Zeichen vorgezogen, um so weniger aber, je mehr man sie ihm ähnlich macht. Neben dem unveränderten Negativzeichen verliert das Positivzeichen den Signalwert, wenn man es in Größe, Farbe oder der Schwarz-Weiß-Verteilung verändert. Die Bedeutung der Negativfigur wird durch das jeweils mit ihm gebotene Zeichen bestimmt (neutrale, dressurfremde Zeichen, Transpositionen der Positivfigur).
  • 5
    Beidäugig sehende Hühner zogen das Dressurkreuz seinen Transpositionen nur wenig vor. Selbst zwei waagerechte, parallele Balken waren mit dem Kreuz fast gleichwertig. Hühner erfassen also nicht “etwas sich Kreuzendes”, sondern wahrscheinlich die Verteilung der Helligkeit und die Lage im kreisförmigen Grund.
  • 6
    Eine eindeutige Wahl nach relativen Merkmalen konnte bei Dressur beidäugig sehender Tiere nicht nachgewiesen werden. Primär besteht nur wenig Neigung, im Sinne der “Strukturfunktion” (W. Köhler) zu wählen. Je nach der Zeitfolge, in der man die beiden Dressurmarken und ihre Positivverschiebung abwechseln läßt, wählen sie bald relativ, bald absolut.