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Zusammenfassung

  • 1
    Löst man das Zucken in gleichbleibenden Zeitabständen mit mechani-schen, thermischen oder galvanischen bzw. faradischen Reizen immer wieder aus, so reagiert der Regenwurm immer seltener, zuletzt gar nicht mehr. Diese Ermüdung bzw. Adaptation tritt bei schwacheren Reizen früher als bei stär-keren ein. Zwischen der Stärke des Reizes und der Anzahl der bis zur völligen Ermüdung auslösbaren Reaktionen besteht erne lineare Beziehung. Die Er-müdung ist in erster Linie eine Folge der Schwellenerhöhung.
  • 2
    Nach dem Erlöschen erholt sich die Zuckbereitschaft nach starker Rei-zung langsamer, nach schwacher schneller. Bei schwacher Reizung ist der Wurm nach 24 Std. zu 100 % erholt, bei starker erst zu 72 bis 80 %. Löst man daher das Zucken an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mit starken Reizen aus, so vermindert sich die Reaktionsbereitschaft von Tag zu Tag, da die 24stündige Pause zur völligen Erholung nicht mehr ausreicht und die Ermüdung sich fort-laufend summiert. Danach erholt sich der Regenwurm, ähnlich wie die Erd-kröte nach Kuczka (1956), nur sehr langsam: Nach 10 Tagen Pause sind erst 20 % der ursprünglichen Reaktionsbereitschaft erreicht. Diese langanhaltende Ermüdung entspricht wahrscheinlich dem „Sich-Abgewöhnen” der Erdkröte.
  • 3
    Nach starker Reizung läßt sich das Zucken auch von anderen Haut-stellen desselben Segmentes überhaupt nicht mehr auslösen; nach schwacher Reizung ist ihre Antwortbereitschaft ebenfalls wesentlich vermindert.
  • 4
    Das Zucken ermüdet für jede der angewandten Reizarten spezifisch; erschöpft man die Reaktionsbereitschaft bei sukzessiver Auslösung abwechselnd mit mechanischen, thermischen und galvanischen Reizen in beliebiger Reihen-folge, so vermindert sich die Reaktionsbereitschaft bei jeder Reizart auch inner-halb desselben Segmentes für jede dieser Reizarten unabhängig von der anderen. Erst bei langandauernder pausenloser Reizung wird die Antwort immer unspezifischer. Die reizspezifische Ermüdbarkeit des Zuckens läßt Unterschei-dung für mechanische, thermische und galvanische Reize vermuten, die das Ganglion des gereizten Segmentes leisten müßte.
  • 5
    Ermüdet man das Zucken von einem Segment aus, so ermüden beider-seits auch die Nachbarsegmente um so mehr, je näher sie dem erstgereizten Segment liegen (intersegmentale Ermüdung). Die höhere Empfindlichkeit der vordersten Segmente wirkt der Ausbreitung der Ermüdung entgegen; die mitt-leren Segmente ermüden dagegen beiderseits vom zuerst gereizten gleich-stark mit.
  • 6
    Nach Ausschaltung des Oberschlundganglions oder nach Durchtrennung des Bauchmarkes in den Segmenten vor dem Clitellum werden die dahinter liegenden Segmente empfindlicher und ermüden daher langsamer als zuvor. Vor der Bauchmarklücke sinkt dagegen die Reaktionsbereitschaft stark ab. So-bald die nervösen Verbindungen regenerieren, stellt sich die frühere Erregbar-keit wieder her. Bauchmarkdurchtrennung hinter dem Clitellum vermindert dagegen die Reaktionsbereitschaft sowohl vor als auch hinter der Schnittstelle.
  • 7
    Die beim Regenwurm festgestellten Änderungen der Reaktionsbereitschaft bei rhythmischer Reizung werden mit analogen Vorgängen bei Instinkt-und einfachen Reflexhandlungen verglichen und erörtert.