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Zusammenfassung

An vier im Kopenhagener Zoo gehaltenen Kolbenerpeln und einer Ente wurden die Balzhandlungen der ♂♂ und die Reaktionen des verpaarten ♀ beobachtet. Die Gesellschaftsbalz besteht aus vier leicht erkennbaren Phasen. Der Einleitungsphase gehören mehrere unritualisierte Übersprungbewegungen an. Erst in der ersten Balzphase reagieren die Erpel mit ritualisierten Übersprungbewegungen aufeinander: Kopfschütteln, Körperschütteln und Flügel-schlagen. Unmittelbar danach folgt die zweite Balzphase mit Kopfschütteln und der Balzlautbewegung, einer wahrscheinlich stark ritualisierten Über-sprunghandlung, die vielleicht vom Kopfschütteln abgeleitet ist. Nur sie wird von Lautäußerungen begleitet. In diese Phase gehört auch das „Jagen”, ein ritualisiertes gemeinsames Verfolgungsschwimmen. — In der verhältnismäßig selten beobachteten Schlußphase zeigen alle Erpel gleichzeitig das Kopfheben, eine ritualisierte Intentionsbewegung des Fliehens. Die Einstellung zum ♀ während der zweiten Balzphase und der Schlußphase ist von den drei gleichzeitig aktivierten Trieben bestimmt. — Die Balz verläuft wechselnd, aber der Grundtypus ist leicht zu erkennen. — Das wenig ritualisierte ambivalente Verhalten (Angriff - Flucht) der verpaarten Ente in der Balz ist wahrscheinlich dem Hetzen der Schwimmenten homolog.

Für die Annahme eines besonderen Balztriebes spricht wenig; offenbar hängt die Balzaktivität „noch immer” von den drei ursprünglich zusammen-wirkenden auf Angriff, Flucht und Paarung gerichteten Trieben ab. Ihr Stärke-verhältnis ist durch Ritualisierung so begrenzt (Abb. 5), daß Balzhandlungen so lange stattfinden, wie der Paarungstrieb schwächer ist als Angriffs- und Flucht-bereitschaft. Jeder Balzhandlung entspricht ein bestimmtes Stärkeverhältnis der drei Triebe, das ebenfalls durch Ritualisierung festgelegt ist. — Zum Schluß werden ein paar Bemerkungen zur Ritualisierung der Übersprungbewegungen gemacht.