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Zusammenfassung

  • I. 
    Beschreibung (S. 427 bis 441). Steatocranus, ein zu den Haplochrominae gehöriger Cichlide, wohnt in der reißenden Strömung zwischen Wasserfällen in selbstgegrabenen Verstecken unter Steinen und kann nicht mehr im freien Wasser schweben. Die Geschlechter unterscheiden sich hauptsächlich durch die Kopfform. Die Grundfärbung hängt von der Umgebung, die Zeichnung von der Stimmung ab. Deutlich ist der Ubergang (Zwischenstadium) von einfacher Streifung zur bei Bodennschen häufigen versetzten Streifung zu erkcnnen, wohl ein Zeichen für die phylogenetisch junge Sonderanpassung von Steatocranus. Das Verhalten im Revier stimmt weitgehend mit dem von Blennius überein. Das Herausspringen aus unbekannten, kleinen Becken ist wohl auf die Befreiung aus isolierten Wasserlöchern gemunzt. Durch Fächeln mit den Brustflossen erneuert der Fisch in der Wohnhöhle verbrauchtes Wasser. Seine Art zu Graben läßt die Verwandtschaft mit Haplochromis erkennen, ebenso der unritualisierte Kampf. Die bei Höhlenbewohnern häufigen zwischenartlichen Kämpfe kommen dadurch zustande, daß der Höhlenbesitzer nicht ausweichen kann. Das auch von anderen Fischen bekannte „Sandaufwirbeln” in Konfliktsituationen ist vermutlich kein Übersprung, sondern ein Sichüberlagern mehrerer direkt aktivierter Bewegungsweisen. Das Steatocranus-♀ verläßt zur Laichzeit ihr Revier und schließt sich einem ♂ an. Das Paar pflegt gemeinsam die Jungen, bis sie selbständig sind.
  • II. 
    Auswertung (S. 441 bis 443). Ein Vergleich sowohl mit anderen Cichliden als auch mit anderen Bodenfischen führt zu folgendem Ergebnis: Beim Übergang zum Grundfischleben bleibt die (konservative) Form der Verhaltens-weisen erhalten, sowohl auf niederen (Fächelbewegung der Brustflossen) als auch auf höheren (Graben mit Flossen und Körperbewegungen) und höchsten (Paarbildung, gemeinsame Brutpflege) Koordinationsstufen. Die Art hat sich durch quantitative Änderungen, nämlich ontogenetisch früheres Reifen und Herabsetzen der Auslöseschwelle bestimmter Verhaltensweisen an ihre besonderen Lebensbedingungen angepaßt.

Diese Ergebnisse gelten jedoch nur für Steatocranus; andere Bodenfische, deren Revierverhalten unabhängig von der Fortpflanzung entstanden ist, brauchen es natürlich nicht, wie Steatocranus, aus dem Fortpflanzungsverhalten zu „entleihen”, um es ständig verfügbar zu haben. Beispiele dafür sollen später gegeben werden.

  • III. 
    Vergleich mit Rissa (S. 443 bis 444). Ein Vergleich der adaptiven Artbildung bei Cichliden (Steatocranus) und Lariden (Rissa) zeigt 1., daß in beiden Wirbeltierklassen (Pisces bzw. Aves) die gleichen Mechanismen wirken, 2. wie Neues auch im Verhalten durch Änderung von schon Vorhandenem entsteht (vorteilhafte Verhaltensweisen werden betont, überflüssige wenn möglich abgebaut), 3. wie das zusammen mit den nötigen Kompensationen (Demutstellung gegen zu starke Kampfbereitschaft) zu einem neuen und vom familientypischen ziemlich verschiedenen Gleichgewicht der Verhaltensweisen führt und 4. wie direkt die Umwelt daran beteiligt ist.