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Zusammenfassung

Die zeitliche Variabilität des Heimkehrverhaltens von Brieftauben wurde in Bezichung zu zeitlich ebenfalls variablen Außenfaktoren gesetzt, und zwar anhand der Heimkehr-leistungen und Abflugrichtungen an 79 bzw. 82 Flugtagen. Die vier herangezogenen Auflaßpunkte liegen rund 22 km vom Heimatschlag (Wilhelmshaven) entfernt. Die meisten Flüge fanden bei ausgesucht sonnigem Wetter mit schwachen bis mäßigen Winden statt.

Der Wind wirkt sich rein mechanisch auf Abflugrichtung und Heimkehr-leistung aus. Schwache bis mittlere Windstärken beeinflussen jedoch die Ergebnisse nur geringfügig, so daß man den Wind in den untersuchten Fällen als Störfaktor vernachlässigen kann (Abb. 7, 8).

Die Bewölkung spielt insoweit eine Rolle, als sie die Sonne verdeckt und damit den “Sonnenkompaß” der Vögel außer Funktion setzt. Einige Beispiele sprechen dafür, daß die Tauben unter manchen Umständen den Sonnenstand noch erkennen, unter denen das menschliche Auge bereits versagt (Abb. 10, 11). Der Bedeckungsgrad des gesamten Himmels ist für die Heim-orientierung unwesentlich (Abb. 13).

Die Sichtweite steht in lockerer Beziehung zur Heimkehrleistung (Abb. 14). Soweit sie nicht extrem niedrig ist (Nebel), kommt sie aber als ausschlaggebender Faktor kaum in Frage. Da auch die zeitlichen Änderungen der Sichtweite eine Rolle zu spielen scheinen (Tab. 3), ist noch nicht klar, ob die atmosphärische Trübung überhaupt direkt als optische Sichtbehinderung wirkt oder ob sie nur als Indikator für andere Wirkungsfaktoren zu betrachten ist.

Deutliche Zusammenhänge, die über triviale Abhängigkeiten hinausgehen, ergaben sich mit zwei Umwelt-Komplexen:

  • 1
    Der Jahresgang der Heimkehrleistung läuft dem der Temperatur ungefähr parallel (Abb. 2). Im astronomischen Winterhalbjahr (September bis März) sind darüber hinaus auch die kurzfristigen Fluktuationen beider Größen weitgehend synchronisiert, nicht jedoch in den Monaten April bis August (Abb. 3, 4). Somit scheidet die Temperatur als direkter Kausal-faktor für die Jahresperiodik der Heimkehrleistung aus. Auch dem “Temperatureffekt” selbst (der Korrelation zwischen den kurzfristigen Schwankungen) dürfte kaum eine physiologische Temperaturwirkung auf den Organismus zugrunde liegen.
  • 2
    Das Heimkehrverhalten steht in Zusammenhang mit dynamischatmosphärischen Vorgängen. Am deutlichsten ausgeprägt ist die Korrelation mit den interdiurnen Änderungen des Luftdrucks in der mittleren und oberen bzw. der Temperatur in der unteren Troposphäre: bei steigendem Höhendruck sind die Leistungen durchschnittlich schlechter als bei fallendem (Abb. 18, 19, 21, 22, Tab. 5, 6). Es besteht Grund zu der Annahme, daß die Korrelation auf qualitativen Veränderungen der “Landkarte” der Tauben beruht. — Die Beziehungen zum Bodenluftdruck sind geringer und statistisch nicht zu sichern. Die Höhendruckänderungen scheinen die Folge von horizontalen Luftmassenverschiebungen zu sein.

Zur Solaraktivität konnten bisher keine Beziehungen festgestellt werden (geprüft an Sonnenflecken und erdmagnetischen Störungen). Jedoch lassen die Befunde einen Zusammenhang nicht ausgeschlossen erscheinen.