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Zusammenfassung

Ursprung: Das ritualisierte Balzverhalten des Erpels ist aus Über-sprungbewegungen (Körperschütteln, Flügelschlagen, Kopfschütteln und Antrinken), Angriffs- und Fluchtintentionen (Seitwärtsniesen und Hinterkopf-zudrehen) und Sichern (Kopfheben) abgeleitet. Das Antrinken und Flügelscheinputzen im Paarverhalten sind gekoppelte Übersprungbewegungen. Das Vorspiel zur Kopulation ist aus Begattungsintentionen (♂ - und ♀-Pumpen) und Übersprungverhalten (Antrinken und Rückenscheinputzen beim ♂) entwickelt. Die Kopfstellung beim Treten und Loslassen ist in der ritualisierten Nachspielstellung des Erpels erhalten.

Verursachung: Die Vermutung, daß drei Triebe dem Balzverhalten zugrundeliegen, wird bestätigt: Außer sexueller Tendenz sind Angriffs-(im Seitwärtsniesen) und Fluchtbereitschaft (im Hinterkopfzudrehen und Kopfheben) nachweisbar, und das Übersprungverhalten scheint zum Teil vom Konflikt zwischen Angriff und Flucht abhängig zu sein. Die Reihenfolge der Aktivitäten wird u. a. von einer Ritualisierungserscheinung, der “typischen Motivationsänderung” beeinflußt: Das Gleichgewicht zwischen Angriffs- und Fluchtbereitschaft verschiebt sich anfangs zugunsten des Angriffs und danach zur Flucht. Das Balzverhalten liefert den ♂♂ Signale, welche u. a. anscheinend ihre typische Motivationsänderung beschleunigen; die Anwesenheit anderer ♂♂ ist aber eine nur für die Balz mit der eigenen Ente notwendige Bedingung.

Der Flügelscheinputzzeremonie liegen wahrscheinlich eine Anschlußten-denz zum anderen Geschlecht (nicht Kopulationsstimmung) und schwache Angriff-Fluchtstimmung zugrunde.

Dem männlichen Begattungsvorspiel liegen Kopulationsdrang und schwache Angriff-Fluchtstimmung zugrunde, jener besonders dem Pumpen, dieses besonders dem Rückenscheinputzen.

Beim Treten und im von der Kopula abhängigen Nachspiel ist wahrscheinlich Aggressivität vorhanden; am Schluß des Nachspiels überwiegen oft Fluchttendenzen.

Bei Kopulationsstimmung und starker Aggression kommt es zum Reihen und Vergewaltigungen.

Wahrscheinlich entspringen die sexuellen Reaktionen in der sozialen Balz hauptsächlich dem Kopulationsdrang. Wenn dies richtig ist, liegt der Balz, dem Kopulationsverhalten und dem Vergewaltigen dieselbe sexuelle Tendenz zugrunde; der Unterschied liegt im Vorhandensein bzw. Stärke der Angriffsund Fluchttendenzen und in der Stärke des Paarungstriebes.

Vergleiche: Die Balz des Kolbenerpels ähnelt der von Schwimmenten in einer gewissen Starrheit der Handlungsfolge; größer sind die Über-einstimmungen mit der Balz der Aythya-Arten, z. B. ist das Seitwärts-Niesen dem Sneak homolog. Doch fehlt dem Kolbenerpel das Kopfzurücklegen anderer Aythyini. Das Hetzen der Ente gleicht dem typischen Aythya-Hetzen. Das Flügelscheinputzen haben die Aythyini und Anatini gemeinsam, aber die Demonstration eines Teils des weißen Flügelbandes und vielleicht ein verhält-nismäig häufiges Vorkommen beim ♀ sind den Aythyini einschließlich der Kolbenente eigen. Die Kopulationseinleitung von Netta rufina enthält Verhaltensweisen der Anas- (♂♀: Pumpen) und Aythya-Arten (♂: Rückenschelnputzen, ♂: langsames Vorstrecken des Halses zur Begattungsstellung); gelegentlich schwache Pumpintentionen auch bei Metopiana peposaca. Die Nachspielstellung ist ein typisches Aythyini-Verhalten.

Die Untersuchung zeigt, daß die den Aythya-Arten nahe verwandte Kolbenente auch den Anas-Arten ziemlich nahe steht und näher als irgend eine andere Tauchente.