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Zusammenfassung

Der Droh- und Beschwichtigungsgebärde, bisher nur in der Volière gesehen, scheinen Verhaltensweisen zugrunde zu liegen, die ihre ursprüngliche Bedeutung bei der Aufzucht der Jungen haben. Sie wurden der Form nach nur schwach ritualisiert.

Ein Kolkrabe droht in aufrechter, gespannter Körperhaltung, mit eng angelegtem Gefieder und starrem Blick. Der leicht angehobene Schnabel wird mit deutlicher Geste dem rangordnungsmäßig tiefer stehenden Partner “vor Augen” geführt. Dieser beschwichtigt mit der Bettelstellung des Jungraben, zieht jedoch den Kopf ein und zeigt keine Flügelbewegungen. Es wird nicht gefüttert.

Beiden Verhaltensweisen dürfte ein Konflikt zwischen zwei verschiedenen Stimmungen zugrunde liegen. Beim Drohen sind gleichzeitig Angriffs- und Fluchtstimmung, bei der Beschwichtigungsgebärde schwache Fluchtbereitschaft und das Bestreben rege, dennoch am Platz zu bleiben und die angestrebte Endhandlung auszuführen.

Befreundete Vögel deuten die Droh- und Beschwichtigungsgebärde nur noch an oder unterlassen sie ganz. Ihre Bedeutung dürften derartige Verhaltensweisen erlangen, wenn die Jungraben im Schwarm leben.