Die visuelle Lernkapazität von Leguanen

Authors


Abstract

Zusammenfassung

1. Mit Hilfe einer besonders dafür konstruierten Apparatur wurden zu straffreien Zweifachwahlen das visuelle Lernvermögen, die Lernkapazität und die Gedächtnisdauer von 4 Leguanen (Iguana tuberculata) geprüft.

2. Es gelang, die Tiere jeweils entgegen ihrer spontanen Bevorzugung darauf zu dressieren, zwei annähernd komplementäre Farben, nämlich Rot von Grün, Blau von Gelb und Schwarz von Weiß sowie schmale von breiten schwarzweißen Streifen, grüne Punkte von braunen Wellenlinien sowie Reihen schwarzer Kreuze von Reihen schwarzer Ellipsen zu unterscheiden.

3. Zwei Tiere beherrschten am Ende der Dressuren 4 bzw. 5 Merkmalspaare gleichzeitig.

4. Der am besten lernende Leguan reagierte bei einem Test (mit Beköderung auch des negativen Merkmals) auf 3 Farbmusterpaare, die er 5 Monate lang nicht gesehen hatte, mit signifikanten Prozentsätzen von Richtigwahlen. Dasselbe Tier beherrschte bei einem abschließenden Gedächtnistest auf 5 Musterpaare nach einer absoluten Dressurpause von 65 Tagen noch 1 Farbmuster und 2 Formmuster (wahrscheinlich auch noch 2 weitere Farbmuster).

5. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, daß sich bei Vergleich ähnlich strukturierter Arten einer Tiergruppe Lernkapazität und Gedächtnisdauer als mit der absoluten Hirngröße positiv korreliert erweisen.

6. Da die oberen Leistungsgrenzen hinsichtlich der visuellen Lernkapazität und Gedächtnisdauer bei Fischen, Reptilien, Vögeln und kleineren Nagetieren ähnlich sind, ist anzunehmen, daß die Quantität der betätigten Neuronen bzw. der Faserverbindungen wichtiger ist als die Struktur der bei einzelnen Ordnungen sehr unterschiedlichen, in Anspruch genommenen Hirnteile.

Summary

1. Four Iguana tuberculata Laur. were trained to discriminate different pairs of visual patterns in order to state the learning capacity and the duration of retaining.

2. It was possible to train the animals to choose those patterns which they did not prefer spontaneously. The Iguanas learned to discriminate red and green, blue and yellow, black and white, fine and coarse black and white vertical stripes, green points and brown wave-lines, and series of black crosses and ellipses.

3. At last two specimens mastered 4 respectively 5 visual tasks simultaneously.

4. The best Iguana retained 3 pairs of colours for 5 months. In a last test after a complete training interval of 65 days the animal reacted to 5 tasks with a significant percentage of right choices in 3 cases and with a high though not significant percentage (because of a too small number of possible trials) in the other 2 cases.

5. The results confirm the hypothesis that among more or less related species of similar structure and behaviour the learning capacity and the retaining time are positively correlated with absolute brain size (and, hence, body size).

6. As the upper limit of visual learning capacity and duration of memory in fishes, reptiles, birds and smaller rodents is rather similar, it can be supposed that the quantity of operating neurons and the quantity of their fibre connections is more important than the special structure of the used brain parts, which is very different in different classes of vertebrates.

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