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Zusammenfassung

1. Die Weberfinken Munia malacca, Amandava amandava, Ploceus abyssinicus, Pl. melanocephalus, die Finken Carduelis carduelis und Pyrrhula pyrrhula, die Braunelle Prunella modularis, die Drossel Turdus viscivorus, der Buntspecht Dryobates major, der Papagei Calopsittacus novae-hollandiae und die Wachtel Coturnix coturnix (insgesamt 42 Vögel) wurden im Funktionskreis des Nahrungserwerbs in simultanen Vierfachwahlversuchen auf eine spontane Bevorzugung arteigener Farben getestet. Dabei standen den Tieren in mehreren Versuchsserien, in denen möglichst alle arteigenen Farben berücksichtigt wurden, eine körper- oder arteigene neben drei körperfremden Farben zur Wahl.

2. Bei den in beiden Geschlechtern stets gleich gefärbten Vogelarten (Munia, Carduelis) ergab sich trotz individueller Schwankungen im Durchschnitt für alle kennzeichnenden arteigenen Farben eine mehr oder weniger deutliche Bevorzugung. Für den Stieglitz hatten neben den körpereigenen Farben auch Rosa und Orange einen erhöhten Reizwert. Bei Darbietung mehrerer körpereigener Farben nebeneinander besaß für Munia Braun den höchsten Reizwert. Für den Stieglitz waren Gelb, Rot und Schwarz etwa gleichwertig, Weiß wurde stärker vernachlässigt.

3. Bei den stets sexualdimorphen Arten ließ sich für Dompfaff und Buntspecht eine Bevorzugung ihrer Gefiederfarben vor körperfremden nachweisen. Bei Darbietung mehrerer körpereigener Farben nebeneinander flog der Dompfaff alle vier Farben (Rot, Schwarz, Weiß und Grau) etwa gleich häufig an. Beim Buntspecht überwogen die Rotwahlen. Bei den Nymphensittichen ließ sich keine Vorliebe für arteigene Farben feststellen.

4. Die zeitweise sexualdimorphen Vogelarten reagierten in beiden Geschlechtern auf arteigene Farben verschieden. Dabei wurden die Prachtfarben der ♂♂ von diesen stärker beachtet als von den ♀♀. Amandava-♂♂ bevorzugten von den körpereigenen Farben nur Rot. Für die ♀♀ kam dem Grün als artfremde Farbe im Durchschnitt ein höherer Reizwert zu als dem Rot. Bei Ploceus abyssinicus wählten im Durchschnitt beide Geschlechter vorzugsweise das die ♂♂ kennzeichnende Gelb und Schwarz. Eine Bevorzugung von Rotbraun konnte nur für die ♂♂ nachgewiesen werden.

5. Die unscheinbar gefärbte Heckenbraunelle, Misteldrossel und Wachtel bevorzugten Braun vor leuchtenden Farben. Es ist anzunehmen, daß es sich hier ebenfalls um eine angeborene Reaktion auf die im Gefieder vorherrschende Farbe handelt.

6. Für einige Vogelarten (Stieglitz, Dompfaff, Ploceus) konnte eine verstärkte Reaktion auf Farbkombinationen nachgewiesen werden, wenn diese bestimmte arteigene Farben betraf. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Reizsummation.

7. Es wurden farbige Ölkugeln in der Retina einiger untersuchter Vogelarten ausgezählt, und es wurde deren Bedeutung diskutiert.

Summary

1. Eleven species of birds of different families (altogether 42 specimens) were tested whether or not they prefer colours characterizing their own plumage. In an octagonal cage the birds had to choose between 8 coloured containers with a little bit of food as reward. As always 2 containers had the same colour the animals had to choose between 4 colours, one of which normally corresponded with a colour of their own plumage (characteristic colour of male or of both sexes).

2. Those species in which both sexes were alike (Munia, Carduelis) preferred more or less all characteristical own colours to other colours. Besides yellow, red, black, and white also rosy and orange were chosen by Carduelis to a high degree. When several own colours were offered at the same time Munia preferred brown, whereas Carduelis made no difference between yellow, red, and black, but neglected white.

3. Among 3 species in which both sexes were always different, Pyrrhula and Dryobates also preferred the colours characteristic for males and females. When several own colours were offered simultaneously, Pyrrhula made no difference between them, Dryobates, however, preferred red to black and white. Calopsittacus did not show a preference of one of its specific colours.

4. In those species in which the male showed characteristical colours only during breeding time the reactions of both sexes were different. The red males of Amandava preferred red, the females, however, were more attracted by green than by red. Both sexes of Ploceus abyssinicus mostly chose yellow and black, characterizing the breeding plumage of the male. The males only also preferred reddish brown to other colours.

5. Brownish and greyish coloured birds like Prunella modularis, Turdus viscivorus, and Coturnix coturnix preferred brown to brighter colours.

6. In some species (Carduelis, Pyrrhula, Ploceus) the combination of two of their own colours on the same container increased the positive reaction. We have possibly to do with a summation of stimuli.

7. In some species the number of coloured oil droplets in the cones of the retina were counted. The possible effect of these droplets on colour vision was discussed.