Muster- und Farbbevorzugung bei Fischen und Vögeln

Authors


Abstract

Zusammenfassung

1. 4 Cichliden und 5 Dohlen wurden in Spontanwahlen daraufhin geprüft, ob sie symmetrische, rhythmische und andere regelmäßige Muster vor unregelmäßigen Mustern bevorzugen. Weiterhin wurde untersucht, ob Dohlen Grundfarben vor Mischfarben und allgemein bunte Farben oder das körpereigene Schwarz und Grau bevorzugen.

2. Die Cichliden entschieden sich in 2387 Einzelversuchen in den meisten Fällen statistisch signifikant für das unregelmäßige von zwei Mustern. Die Dohlen wählten jeweils in einem statistisch gesicherten Prozentsatz überwiegend das regelmäßige Muster. — Wurden den Dohlen 2 gleich große, 2 fast gleich große und 2 deutlich verschieden große Kreise oder Quadrate geboten, so vernachlässigten sie durchschnittlich in signifikanter Weise die fast gleich großen Figuren, d. h. sie handelten ähnlich wie Menschen nach dem “Prinzip der enttäuschten Erwartung”.

3. Die Dohlen gaben zumeist einer reinen Farbe vor einer Mischfarbe und einer bunten Farbe vor einer unbunten Graustufe statistisch gesichert den Vorzug. Die Bevorzugung der eigenen Gefiederfarbe Grau und Schwarz scheint bei Dohlen nur zeitweise für Weibchen ausgeprägt zu sein. Bei Darbietung verschiedener Graustufen wurden aber die dunklen vor den helleren und damit auch Schwarz vor Grau bevorzugt. — Bei einer Prüfung der Reizwirkung glänzender Musterplättchen gegen matte besaßen die glänzenden Plättchen den größeren Reizwert.

5. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stimmen weitgehend mit denen von B. Rensch (1957, 1958) an Karauschen, Makropoden, einer Dohle, einer Rabenkrähe und drei verschiedenen Affenarten gewonnenen überein.

6. Die Resultate wurden in der Weise zu deuten versucht, daß Fische als die primitivsten Wirbeltiere sich bei einer Spontanwahl zwischen zwei verschiedenen Mustern rein instinktgebunden entscheiden, während Dohlen (ebenso wie Affen) bei einer spontanen Wahl zwischen einer Musterkombination von solchen Momenten beeinflußt werden, die wir beim Menschen als ästhetische bezeichnen.

Summary

1. I tested if 4 Cichlasoma biocellatum and 5 Coloeus monedula L. spontaneously prefer symmetrical, rhythmical and other regular patterns to irregular ones. In other series I tried, if jackdaws prefer pure colours (like spectral colours) and coloured papers to gray and black ones, that means the colours of their own plumage.

2. In most cases the fishes chose statistically significant the irregular patterns. The jackdaws on the other side nearly always chose the regular patterns, the preference was also statistically significant. Three jackdaws had to choose between 3 black patterns the first showing 2 circles or 2 squares of equal size, the second of very different size, the third of nearly the same size. On the average the jackdaws neglected the latter ones in a significant manner (“principle of disappointed expectation”).

3. Choosing between pure colours and mixed colours respectively coloured paper and gray and black ones the jackdaws always prefered the pure colours in a statistically significant manner. From matt and glittered papers the latter was prefered.

4. The preference of black and gray, the colours of their own plumage, seems only to be found temporary in female jackdaws.

5. The results of these experiments are nearly the same like those received by B. Rensch (1957, 1958) who tested 2 other species of fishes, a jackdaw, a crow and 3 different species of primates.

6. The author interpreted her results in this way: fishes as the most primitive vertebrates decide more instinctively when choosing between two different patterns in a spontaneous choice, whereas jackdaws (like primates) in a spontaneous choice are influenced by aesthetical factors.

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