On aims and methods of Ethology

Authors


Zusammenfassung

Ich habe in diesem Aufsatz kurz anzudeuten versucht, was meiner Ansicht nach das Wesentliche in Fragestellung und Methode der Ethologie ist und weshalb wir in Konrad Lorenz den Begründer moderner Ethologie erblicken. Hierbei habe ich vielleicht das Arbeitsgebiet der Ethologie weiter gefaßt, als unter Ethologen gebräuchlich ist. Wenn man aber die vielartige Arbeit jener Forscher übersieht, die sich Ethologen nennen, ist man zu dieser weiten Fassung geradezu gezwungen. Ich habe in meiner Darstellung weder Vollständigkeit noch Gleichgewicht angestrebt und, um zur Fortführung des Gesprächs anzuregen, ruhig meine Steckenpferde geritten, vor allem das Verhältnis zwischen Ethologie und Physiologie, die Gefahr der Vernachlässigung der Frage der Arterhaltung, Fragen der Methodik der ontogenetischen Forschung, und Aufgaben und Methoden der Evolutionsforschung.

Bei der Einschätzung des Anteils, den Lorenz an der Entwicklung der Ethologie genommen hat und noch nimmt, habe ich als seinen Hauptbeitrag den bezeichnet, daß er uns gezeigt hat, wie man bewährtes “biologisches Denken” folgerichtig auf Verhalten anwenden kann. Daß er dabei an die Arbeit seiner Vorgänger angeknüpft hat, ist nicht mehr verwunderlich, als daß jeder Vater selbst einen Vater hat.

Insbesondere scheint mir das Wesentliche an Lorenz‘ Arbeit zu sein, daß er klar gesehen hat, daß Verhaltensweisen Teile von “Organen”, von Systemen der Arterhaltung sind; daß ihre Verursachung genau so exakt untersucht werden kann wie die gleich welcher anderer Lebensvorgänge, daß ihr arterhaltender Wert ebenso systematisch und exakt aufweisbar ist wie ihre Verursachung, daß Verhaltensontogenie in grundsätzlich gleicher Weise erforscht werden kann wie die Ontogenie der Form und daß die Erforschung der Verhaltensevolution der Untersuchung der Strukturevolution parallel geht. Und obwohl Lorenz ein riesiges Tatsachenmaterial gesammelt hat, ist die Ethologie doch noch mehr durch seine Fragestellung und durch kühne Hypothesen gefördert als durch eigene Nachprüfung dieser Hypothesen. Ohne den Wert solcher Nachprüfung zu unterschätzen — ohne die es natürlich keine Weiterentwicklung gäbe — möchte ich doch behaupten, daß die durch Nachprüfung notwendig gewordenen Modifikationen neben der Leistung des ursprünglichen Ansatzes vergleichsweise unbedeutend sind.

Nebenbei sei auch daran erinnert, daß eine der vielen heilsamen Nachwirkungen der Lorenzschen Arbeit das wachsende Interesse ist, das die Humanpsychologie der Ethologie entgegenbringt - ein erster Ansatz einer Entwicklung, deren Tragweite wir noch kaum übersehen können.

Am Schluß noch eine Bemerkung zur Terminologie. Ich habe hier das Wort “Ethologie” auf einen Riesenkomplex von Wissenschaften angewandt, von denen manche, wie Psychologie und Physiologie, schon längst anerkannte Namen tragen. Das heißt natürlich nicht, daß ich den Namen Ethologie für dieses ganze Gebiet vorschlagen will; das wäre geschichtlich einfach falsch, weil das Wort historisch nur die Arbeit einer kleinen Gruppe von Zoologen kennzeichnet. Der Name ist natürlich gleichgültig; worauf es mir vor allem ankommt, ist darzutun, daß wir das Zusammenwachsen vieler Einzeldisziplinen zu einer vielumfassenden Wissenschaft erleben, für die es nur einen richtigen Namen gibt: “Verhaltensbiologie”. Selbstverständlich ist diese synthetische Entwicklung nicht die Arbeit eines Mannes oder gar die der Ethologen. Sie ist die Folge einer allgemeinen Neigung, Brücken zwischen verwandten Wissenschaften zu schlagen, einer Neigung, die sich in vielen Disziplinen entwickelt hat. Unter den Zoologen ist es Lorenz, der hierzu am meisten beigetragen und zudem manche Nachbardisziplinen stärker beeinflußt hat als irgendein anderer. Ich bin sogar davon überzeugt, daß diese Einwirkungen auf Nachbarwissenschaften noch lange anhalten werden und daß die Verhaltensbiologie erst am Anfang ihrer Ontogenie steht.

Ancillary