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Zusammenfassung

Das Problem des Art-Erkennens wurde in zwei Versuchsreihen an den Brutpflege-Reaktionen (an insgesamt 250 Gelegen) dreier Cichliden-Arten untersucht, und zwar an je über 30 Paaren von Cichlasoma nigrofasciatum und C. biocellatum und etwa 20 von Hemichromis bimaculatus; einige Beobachtungen an H. fasciatus kommen hinzu. Die größere Versuchsreihe lief im Zoologischen Institut der Universität in Los Angeles, Kalifornien, eine kürzere im Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen.

Die Ergebnisse zeigen, daß die meisten Erwachsenen der untersuchten Arten in der Brutpflegephase arteigene Junge von artfremden unterscheiden können: eigene pflegen sie, fremde fressen sie auf. Innerhalb gewisser Grenzen nehmen sie arteigene Junge von anderen Eltern in ihre eigene Jungenschar auf. Die untersuchten Cichlasoma-Arten waren dabei weniger empfindlich gegen Altersunterschiede zwischen den Jungen als Hemichromis bimaculatus.

Die Ergebnisse aus beiden Versuchsreihen unterscheiden sich im Hinblick auf das Anhalten der Brutbevorzugung. In der Hauptserie bevorzugten H. bimaculatus-Paare artfremde Brut, wenn man ihnen diese in ihrem ersten Brutzyklusstatt der eigenen unterschob; das gelang nicht bei den Cichlasoma-Arten. In Seewiesen zeigten Hemichromis-Eltern wenig oder gar keine anhaltende Bevorzugung. Nur pflegte H. fasciatus nie Cichlasoma-Eier, wenn er schon eigene gesehen hatte; außerdem scheint diese Art die Cichlasoma-Jungen nicht länger als 7 Tage nach dem Schlüpfen zu pflegen, doch muß das an noch mehr Elternpaaren nachgeprüft werden. Auch bei Cichlasoma fielen die Ergebnisse verschieden aus. In der Hauptserie nahmen beide Arten fremde Junge an, solange sie noch keine eigenen gepflegt hatten; danach lehnten viele Elternpaare fremde Junge ab. In Seewiesen hielt die Artbevorzugung bei vielen Paaren nicht an.

Nach den Ergebnissen der Hauptserie zu urteilen hängt die Zuordnung der Brutpflegeaktionen zu den ausschließlich arteigenen Jungen bei Hemichromis mehr als bei Cichlasoma von den mit der ersten Brut gesammelten Erfahrungen ab. Es wird wohl kaum einen Grund geben, diesen Vorrang der Objektfixierung nicht “Prägung” (bei Erwachsenen!) zu nennen. Die Unterschiede in diesem Vorgang gehen wahrscheinlich auf Unterschiede in den angeborenen Grenzen für diejenigen Reize zurück, die zur Objektfixierung taugen. Die Seewiesener Ergebnisse zeigen allerdings, daß unter veränderten Versuchsbedingungen die Brutbevorzugung nicht bestehen zu bleiben braucht.

Es wird erörtert, welche Faktoren für diese Variabilität vermutlich verantwortlich sind.