Untersuchung über das Verhalten kastrierter Stockenten (Anas platyrhynchos L.) und dessen Beeinflussung durch Testosteron*

Authors

  • Ariane Etienne,

    1. Aus dem Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen und Erling-Andechs
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    • 1

      Mit Hilfe des «Fond national Suisse de la Recherche Scientifique ».

  • Helga Fischer

    1. Aus dem Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie, Seewiesen und Erling-Andechs
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    • 2

      Mit Hilfe der deutschen Forschungsgemeinschaft.


  • *

    Herrn Professor Dr. Konrad Lorenz zum 60. Geburtstag gewidmet.

Abstract

Zusammenfassung

Das Verhalten von je 7 kastrierten Stockerpeln und -enten wurde vom Herbst bis Frühjahr untersucht. Die Tiere wurden zusammen mit unkastrierten Kontrolltieren in Wassergehegen gehalten und täglich beobachtet. Im Februar wurden die Kastraten beiderlei Geschlechts mit Testosteronpropionat (TP) behandelt und die Beobachtungen fortgesetzt.

Kastrierte Erpel verhalten sich sehr weitgehend passiv: sie bewegen sich wenig, greifen kaum an, warnen nicht bei Fluchtreizen, zeigen kein Paarverhalten und balzen (“Gesellschaftsspiel”) nicht.

Die Kastratinnen hingegen bleiben viel aktiver. Die Kastration scheint bei ihnen nur das Paarverhalten abzuschwächen, wobei besonders die Instinktbewegungen, welche zur Kopulation und deren Einleitung gehören (Pumpen und Flachlegen), verringert auftreten. Immerhin zeigten 4 von 7 Enten noch soziales Paarverhalten und spielten die aktive Rolle in der Paarbildung. — Die Lokomotion, das Beantworten von Fluchtreizen und das Angriffsverhalten der Kastratinnen unterschieden sich nicht von dem normaler Enten. Die Aggression war bei gewissen Tieren sogar erhöht, wobei das Hetzen, eine spezifisch weibliche Instinktbewegung, besonders stark auftreten konnte.

Sechs mit TP behandelte Kastraten reagierten verschieden: Ein Tier sprach nicht auf das Hormon an. Die anderen zeigten alle erhöhtes Angriffsverhalten und größere Wachsamkeit bzw. Fluchtbereitschaft. Paarverhalten zeigten 4 Kastraten, Balzbewegungen deren 5; dabei erschienen die höheren Erregungsgraden zugeordneten Verhaltensweisen seltener und bei weniger Tieren als die Bewegungen, die auch normale Tiere schon bei schwächerer Erregung zeigen. — Balz- und Paarverhalten traten nur auf, wenn sich bei den einzelnen Tieren die Aggression auch bereits verstärkt hatte, oft unmittelbar im Anschluß an Angriffsbewegungen.

An 3 ebenfalls mit TP behandelten Kastratinnen waren alle vor der Behandlung erhalten gebliebenen Verhaltensweisen verstärkt. Zudem zeigten sie ein sehr ausgeprägtes Paarverhalten, das alle Bewegungen außer der unmittelbaren Aufforderung zur Kopulation (Flachlegen) umfaßte. — Neben der Verstärkung der weiblichen Verhaltensweisen fiel bei den drei Kastratinnen ein vermännlichtes Warnverhalten auf; eine Ente zeigte zudem männliche Kampf- und Sexualbewegungen.

Somit beeinflußt die Kastration das Verhalten der Erpel und Enten sehr verschieden. Beinahe alle spezifisch weiblichen Instinktbewegungen werden aber genau so wie die männlichen durch ein androgenes Hormon entscheidend beeinflußt. — Speziellere Fragestellungen, welche die Motivation der Balz und des gesamten Paarverhaltens betreffen, können auch mit Hilfe dieser Ergebnisse noch nicht beantwortet werden.

Summary

The behaviour of seven male and seven female castrated mallards kept with uncastrated controls in watercages was observed for two hours every day from autumn to spring. In February male and female castrates were treated with Testosteronpropionate (TP).

Castrated drakes behaved to a large extent passively: they moved little, attacked infrequently and with low intensity, didn't make warning cries when flight releasing stimuli appeared, and did not show any sexual or display activities (“Gesellschaftsspiel”).

The castrated females, on the contrary, remained much more active. Castration reduced only their mating behaviour, especially the innate movements which belong to copulation and its introduction (headpumping and assuming the copulatory position). Four out of seven females showed, nervertheless, some more social aspects of mating behaviour and were active in pair formation. The locomotion, the reaction to flight releasing situations and the aggressivity of the castrated females were not reduced. The aggressivity was even increased in certain females to the extent that the inciting movement was sometimes very intense.

The six male castrates treated with TP reacted differently from one another: one animal did not respond at all to the hormone. All the others showed increased aggression and alertness or flight readiness. In this respect the movements which correspond to a higher degree of excitation appeared less often and in fewer animals than those modes of behaviour which express in normal birds a weaker state of excitation. Display activities and sexual behaviour began to appear only when aggression had already increased in the same drakes, sometimes directly following aggressive movements.

In three female castrates, who were also injected with TP, all modes of behaviour which were present before this hormonal treatment were strengthened. These females also showed intense female sexual behaviour, including all movements except the direct invitation to copulate (assuming the copulation position). In addition to the reinforcement of the female behaviour, they also made masculine warning cries, and one of these three females also showed masculine fighting and sexual behaviour.

Thus the castration influenced the behaviour of male and female mallards very differently. The androgen hormone, however, affected nearly all the specifically female innate movements as well as the behaviour of males.

Ancillary