Freiwasserbeobachtungen zum Verhalten von Tobiasfischschwärmen (Ammodytidae) in der westlichen Ostsee*

Authors

  • Dietrich H. H. Kühlmann,

    1. Institut für Spezielle Zoologie und dem Zoologischen Museum der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Institut für Zoologie der Pädagogischen Hochschule Potsdam
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  • Heinz Karst

    1. Institut für Spezielle Zoologie und dem Zoologischen Museum der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Institut für Zoologie der Pädagogischen Hochschule Potsdam
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    Die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Arbeitsgemeinschaft für Unterwasserforschung, ermöglichte uns die Durchführung dieser Arbeit. Herrn Dr. Jähnichen danken wir für wertvolle Hinweise, Frau Irmgard Kühlmann für die Ausführung der Zeichnungen, Frau Karin Olden sowie den Herren M. Dingethal, M. Rauschert und H. Reusch für ihre vielseitige technische Hilfe.

Zusammenfassung

Jeweils im Juli 1962 und 1963 beobachteten die Autoren vor der Südküste der mittleren Ostsee schwimmtauchend das Verhalten von Tobiasfisch-Schwärmen (Ammodytidae). Die beiden häufigen Arten, Ammodytes lancea („kleiner”) und Hyperoplus lanceolatus („großer Tobiasfisch”) treten in gemischten Schwärmen auf. Die in einem Schwarm vereinigten Fische sind meist etwa gleich groß. Normalerweise ziehen die Tobiasfische langsam und in Form von Sehichtschwärmen. Wimpelbildungen (Abb. 3) sind jedoch ebenso haufig wie Aufspaltungen und Vereinigungen. Plankton verzehrende Schwärme lockern sich auf. Mit Sonnenaufgang verlassen die Fische ihre im ufernahen Sand gelegenen nächtlichen Ruheplätze, schließen sich zu Schwärmen zusammen, ziehen zur Nahrungsaufnahme in tieferes Wasser und kehren nachmittags in das Flachwasser zurück. Nach nochmaliger Nahrungsaufnahme geht es abends wieder zu den Ruheplätzen. Während des Tageszyklus lassen sich vier Formen sozialen Kontakts unterscheiden: Schwarme, aufgelockerte Freßgemeinschaften, Einzelindividuen und im Sand ruhende Gruppen. Mit Geröll oder Pflanzen bedeckter Untergrund mit etwa darin versteckten Raubfeinden werden gemieden. Eine Gefahrenquelle wird unter Vakuolenbildung (Abb. 9) umschwommen. Schreckreaktionen treten bei Annäherung von Feinden, nach will-kürlichen Störungen und ohne erkennbare Ursache auf. Auf der Flucht befindliche Schwärme schließen sich dichter zusammen. Gewaltsam getrennte Schwärme streben sich wieder zu vereinigen. In einen Schwann einschwimmende ungewöhnlich große Einzelgänger verhalten sich oft räuberisch. Insofern ist die dem Schwarmverhalten zugesprochene Schutzfunktion nicht unbedingt: sic hat auch ihre Gefahren.

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