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Abstract

The paper offers a detailed quantitative description of the distribution of agonistic activities over the members of two groups of Java-monkeys (Macaca fascicularis). These groups lived in captivity and were well-established: i. e. they had an extensive network of genealogical relationships. The study pays special attention to agonistic interactions with three or more participants. Its main purpose is an analysis of the way dyadic agonistic relations (e.g. dominance relations) are affected by third group members and the relations among these. The paper presents data on the ontogeny of ‘dependent dominance’, the ‘control role’ of the α-♂, and the functions of different types of alliances.

Zusammenfassung

Viele neue Untersuchungen zeigen, daß dyadische soziale Beziehungen in Affengruppen von Dritt-Individuen und von den Beziehungen zwischen diesen Dritten beeinflußt werden. Unter den agonistischen Beziehungen bei zwei Gruppen von Macaca fascicularis in Gefangenschaft wurden deshalb die Auseinandersetzungen mit drei oder mehr Teilnehmern speziell untersucht.

Die Arbeit diskutiert die Verteilungen von zwei verschiedenen Arten von Allianzen über die Gruppenmitglieder, nämlich Aktor-Allianzen, in denen ein drittes Tier sich dem Aggressor anschließt, und Reaktor-Allianzen, in denen das dritte Tier sich dem Angegriffenen oder Angedrohten anschließt. Der Akzent liegt dabei auf 1) der Wichtigkeit der Verwandtschaftsbeziehungen für das Auftreten dieser Allianzen und ihrer Rolle in der Entwicklung von „abhängigen Rangverhältnissen”, 2) der „Kontrollrolle” des α-♂ und 3) der Funktion von ausgebreiteten Allianzen gegen rangtiefe Affen. Daneben werden noch einige allgemeine Aspekte der Verteilung des aggressiven und ängstlichen Verhaltens behandelt.

Es zeigte sich, daß sowohl der beschreibende wie der erklärende Wert des Dominanzkonzeptes für die Beziehungen zwischen Senioren unserer zwei Affengruppen hoch war. In bezug auf die Beziehungen von Junioren war dies hingegen nicht der Fall. Vergleiche zwischen den Verteilungen von vier verschiedenen Verhaltenselementen, die wir als Dominanzkriterien anwendeten, scheinen darauf hinzuweisen, daß man viel mehr bestimmte Stadien unterscheiden kann in dem Prozeß, in dem Junioren in den einzelnen dyadischen Beziehungen ihre endgültigen Dominanzpositionen erreichen, als bestimmte Rangpositionen. In diesem langen und komplizierten Prozeß scheint das Alter ebenso wie unterstützende Beziehungen ein wichtiger Faktor zu sein. Mütter unterstützen ihre Verwandten bei Auseinandersetzungen mit Nicht-Verwandten in Reaktor-Allianzen wie in Aktor-Allianzen. Dieses Verhalten verschafft dem Jungtier eine kräftige Waffe gegen alle Gruppenmitglieder, die den Müttern unterlegen sind, einschließlich der Erwachsenen.

In bezug auf die sogenannte „Kontrollrolle” des α-♂ erwies es sich als sinnvoll, zwischen Interventionen zugunsten der aggressiven Partei (d. h. Anschließ-Aggression) und der angegriffenen Partei (d. h. Schutz-Aggression) zu unterscheiden und die Effekte solcher Interventionen zu studieren. Dabei stellte sich heraus, daß die α-♂ ♂ der beiden Gruppen angegriffene Individuen zwar viel häufiger, aber bestimmt nicht effektiver schützten als andere Beschützer. Ihre Interventionen zugunsten des Aggressors verkürzten die Auseinandersetzungen nicht; vielmehr hatten sie manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt.

Die Daten ergaben, daß gewisse aggressive Verhaltenselemente einen Aggressionstypus darstellen, dessen Auftreten die Aussicht auf Anschließ-Aggression von anderen erhöht. Es scheint nicht so zu sein, daß die Auslösung aggressiver Unterstützung nur ein durch den Aktor nicht beabsichtigtes Nebenprodukt dieses Aggressionstypus ist, denn die Neigung der Individuen, diesen Aggressionstypus gegen bestimmte Gegner anzuwenden, entsprach ihrer Neigung, sich auch selber bei Aggression durch andere gegen dieselben Gegner anzuschließen. Indirekt deutet dies darauf hin, daß dieser Aggressionstypus Teil einer Strategie zur Allianzbildung darstellt.

Aktor-Allianzen, d. h. Allianzen zwischen zwei oder mehr Aggressoren, waren, wenn nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich gegen rangniedrige Gruppenmitglieder gerichtet, und zwar in relativ stärkerem Maße als die Aktionen einzelner Aggressoren. Dieses Ergebnis ist ziemlich überraschend, denn man erwartet doch, daß die Hauptfunktion der Allianzen darin besteht, ein Instrument zu bilden, mit dem Dominante herausgefordert und besiegt werden können. Die Möglichkeit wird erörtert, daß viele dieser Allianzen gegen rangniedrige Tiere eher der Regulation der Beziehungen zwischen den Allianzteilnehmern dienen als der der Beziehungen zum Gegner.