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Abstract

Dueting may be accomplished (a) through song merging: two individuals combine their respective songs in a more or less complicated manner; or (b) through song copying: individuals copy their partner's song; or (c) through song splitting: a given song is divided up between the partners. The latter route is introduced here by a comparison of closely related species or subspecies in two different bird families. The basic properties for song splitting between partners are shown to exist in non-dueting birds as well and even in insects.

Zusammenfassung

Vokalduette entstehen bei Vögeln auf drei bisher bekannten Wegen: 1. Die Partner singen ihr hergebrachtes Repertoire gleichzeitig; das Duett ist also ein Doppel-Solo. — 2. Ein Individuum kopiert den Gesang des Partners, oder die Partner kopieren sich gegenseitig; schließlich singen beide (gegebenenfalls unisono) dasselbe. — 3. Eine Gesangsstrophe wird auf die Duettpartner aufgeteilt. Dieser letzte Fall ist hier vorgeführt, und zwar an zwei Beispielen: Einmal an Würgervögeln (Singvögel), zum anderen an Bartvögeln (Spechtverwandte). Beide Male zeigen nah verwandte Arten oder Unterarten verschieden stark ausgeprägte Gesangsteilung. Wir geben folgende Stufen der Duett-Entwicklung an und belegen sie mit Beispielen:

Stufe 0: Sologesang. Er ist bei Vögeln das übliche und wird meist vom Männchen, mitunter aber von beiden Geschlechtern ausgeführt.

Stufe 1: Beide Partner singen zugleich, aber jeder seinen Gesang. Eine genaue zeitliche Abstimmung während des Singens fehlt. Gleiche Strophen werden von beiden oft in unterschiedlichem Tempo und mit verschiedener Tonhöhe vorgetragen. Zuweilen singen mehr als zwei Individuen (und dann folglich auch gleichgeschlechtige) miteinander.

Stufe 2: Jeder der Duettpartner beschränkt sich auf einen anderen Teil des gesamten Vokabulars. Dennoch beherrscht jeder das ganze Vokabular; das zeigt sich, wenn die Partner die Rollen tauschen oder wenn einer das übliche Duett allein vorträgt. Die zeitliche Abstimmung zwischen den Duettpartnern ist präzis, beide äußern dieselben Elemente in gleicher Tonhöhe.

Stufe 3: Jedes Geschlecht hat sein eigenes Teil-Vokabular. Rollentausch und Solovortrag entfallen. Die zeitliche Abstimmung ist präzis. Die Duette mehrerer Paare können gleich sein, oder es gibt regionale oder gar paartypische Unterschiede. Der typische Gesang wird nur vorgetragen, wenn beide Partner anwesend sind.

Wir haben Stufe 2 (das fakultative Duettieren) als Übergangsstufe zum obligatorischen Duettieren gedeutet, denn vier an sich unabhängige Parameter führen so Stufe für Stufe zu größerer Komplexität des Duettierens: a) Die Übereinstimmung in den Vokabularen der Partner nimmt ab. — b) Die Tendenz jedes Partners, sich in Gegenwart des anderen auf einen anderen Teil des Vokabulars zu beschränken, nimmt zu. — c) Die zeitliche Abstimmung zwischen den Duettpartnern während des Singens wird genauer. — d) Rhythmusund Tonhöhenangleichung zwischen den Partnern nehmen zu (allerdings nur bis schließlich die Partner endgültig Verschiedenes singen).

Es erscheint uns besonders wichtig, Vertreter der Stufe 2 daraufhin zu untersuchen, welche Faktoren (Alter, Geschlecht, Motivation) darüber entscheiden, wann Sologesang und wann Duette auftreten uńd wann Duettpartner ihre Rollen tauschen. Genaue Vergleiche zwischen Unterarten und Lokalrassen können weitere, den mutmaßlichen Gang der Evolution kennzeichnende Unterschiede zutage fördern. Auch ontogenetische Entwicklungsstufen des Duettierens können Hinweise auf Evolutionsschritte geben; angeführt haben wir altersabhängige Änderungen bei einem Bartvogel sowie das Aufteilen einer angelernten Melodie zwischen Dompfaff und Pfleger.

Wesentliche Voraussetzungen für die Ausbildung komplizierter Duette sind 1. Die ansteckende Wirkung des Singens (oft zusammen mit der momentanen Hemmung eigener Lautäußerung, solange der andere akustisch aktivist). — 2. Die Fähigkeit zum Transponieren in andere Tonlagen. — 3. Die Fähigkeit, Elementfolgen als geschlossene Einheiten zu behandeln, d. h. feste Phrasen zu übernehmen, ohne deren Bausteine zu vermischen. — 4. Elemente oder Elementfolgen als Teile eines größeren Ganzen zu erkennen und sie entsprechend zu vervollständigen, falls nur Teile angeboten werden. Die Merkmale 2, 3 und 4 gelten als Bestandteile der Gestaltwahrnehmung. Alle Merkmale sind auch von nichtduettierenden Vögeln bekannt, die Merkmale 1 und 4 sogar von Insekten.