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Avian taxidermy in Europe from the Middle Ages to the Renaissance

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Summary

Research on textual and pictorial sources from the period 1200 – 1700, especially in Central Europe, has revealed the existence of considerably more and earlier examples of bird collections than previously suspected, as well as of a variety of motivations and manual skills required for the preserving of birds prior to 1600. Many 16th century natural history cabinets contained large numbers of mounted birds, often of exotic species. This has been documented in some inventories, e. g., that of the cabinet of arts of Emperor Rudolf II of Habsburg. However, it has so far gone unnoticed that numerous illustrations in the ornithological works of Gessner (1555), Belon (1555), Cyganski (1585), Aldrovandi (1599 – 1603) and in the Thesaurus Picturarum of Marcus zum Lamm (from 1577 – 1606; Kinzelbach & Hölzinger 2000) were made using preserved birds as models. In Gessner (1555) in particular, the great majority of the bird illustrations are of mounted or mummified specimens.
Sources from fields that have been neglected in the past, such as bird-trapping, hunting, and folklore, have supplied further examples. Avian taxidermy is referred to as early as in the treatise on falconry of Emperor Friedrich II of Hohenstaufen, written before 1248 (see also Tab. 1). Decoys used in bird-trapping were commonly stuffed specimens, and as such are mentioned around 1300 and 1450. The oldest scientific instructions on taxidermy were set down by Belon (1555). Olina (1622) and Aitinger (1626/31) provide the first detailed guides to taxidermic procedures.
At first the mummification method dominated, in which the viscera were removed and the remainder of the body then dried in an oven and/or salted. However, we know that since Olina (1622) and Aitinger (1626/31) at the latest, the feathered skin was pulled over an artificial body following the removal of the flesh. The durability of such specimens was poor. This was only gradually improved by specimens being kept in well-sealed cases and by the use of arsenic, which had actually been employed in Germany at least 70 years ­before its ‘official introduction’ by Bécoeur (Hohberg 1682).
The first scientifically motivated ornithologists of the 16th century were in possession of sound taxidermic knowledge, which they had gained through contact with activities like bird-trapping, hunting, and the preparation of animal skins for clothing. There can be no doubt that the application of avian taxidermy was a crucial precondition for the early flowering of ornithology in the 16th century.

Zusammenfassung

Für die Entwicklung der Ornithologie war die Konservierung toter Vögel, insbesondere die Herstellung von montierten Präparaten bzw. Bälgen, eine wesentliche Voraussetzung. Auch heute noch dient der Balg als authentischer Beleg der Avifaunistik, Taxonomie und in jüngster Zeit zusätzlich als Materialquelle für die biochemischen Methoden der Sys­tematik. Während aus dem 17. Jahrhundert präparierte Vögel zunehmend häufiger nachzuweisen sind, waren aus der Zeit vor 1600 bislang nur drei Beispiele von Vogelpräparation bekannt (Stresemann 1923, 1951).
Nachsuche in Text- und Bildquellen aus der Zeit von 1200 – 1700, insbesondere in Mitteleuropa, erbrachte erheblich mehr und weit frühere Belege für Vogelsammlungen, weiterhin Hinweise auf die unterschiedlichen Motive und handwerklichen Voraussetzungen für die Präparation von Vögeln vor 1600.
Die Naturalienkabinette der Renaissance an Fürstenhöfen als auch in den Häusern städtischer Patrizier und Gelehrter enthielten schon seit dem 16. Jahrhundert in größerer Menge ausgestopfte Vögel, häufig exotischer Herkunft. Dokumentiert ist dies in einigen Inventarlisten, wie z. B. das Kunstkammerinventar Kaiser Rudolf II. von Habsburg. Bisher war unbeachtet geblieben, dass zahlreichen Illustrationen in den ornithologischen Werken von Gessner (1555), Belon (1555), Cyganski (1585), Aldrovandi (1599 – 1603) und im Thesaurus Picturarum des Marcus zum Lamm (1577 – 1606 entstanden; Kinzelbach & Hölzinger 2000) präparierte Vögel als Bildvorlagen dienten. Vor allem bei Gessner (1555) ist die überwiegende Mehrzahl der Vogelillustrationen nach Stopfpräparaten bzw. Mumien gezeichnet.
Neben den wissenschaftlichen Werken und vereinzelten Beispielen in der Kunst bieten bisher unberücksichtigte Quellen aus dem Umfeld von Vogelfang, Jagd und Volkskunde weitere Hinweise auf Vogelpräparation. Eine Vielzahl von Motiven und von beteiligten Berufszweigen für die Vogelpräparation wird sichtbar. Vogelpräparation ist schon im Falknereitraktat Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, der vor 1248 verfasst wurde, nachweisbar (s. auch Tab. 1). Auch Lockvögel beim Vogelfang waren häufig Stopfpräparate. Solche werden bereits um 1300 und um 1450 erwähnt. Die älteste wissenschaftliche Präparieranweisung stammt von Belon (1555). Olinas (1622)Uccelliera und Aitingers (1626/31)Kurtzer Vnd Einfeltiger bericht Von Dem Vogelstellen enthalten die ersten detaillierten Präparieranleitungen. Beide beschreiben das bereits über Generationen überlieferte Wissen zur Vogelpräparation.
Zunächst herrschten mumifizierende Techniken vor, bei denen die Eingeweide entfernt und der Restkörper anschließend im Ofen getrocknet wurde. Doch spätestens seit Olina (1622) und Aitinger (1626/31) ist belegt, dass die befiederte Haut nach Entfernung allen Fleisches über einen künstlichen Körper aus Stroh, Torf oder anderen Materialien gezogen wurde. Diese Form der Präparation wurde als Ausstopfen, das Ergebnis als Balg bezeichnet. Die Haltbarkeit solcher Präparate war gering. Erst Aufbewahrung in dicht schließenden Kästen, ein verbessertes Sammlungsmanagement und insbesondere der Gebrauch von Arsen, welches in Deutschland schon mindestens 70 Jahre vor der „offiziellen Erstanwendung” durch Bécoeur verwendet wurde (Hohberg 1682), verlängerte die Haltbarkeit.
Die Vermutung, dass die frühe Vogelpräparation von den erstmals 1522 in Europa eintreffenden Paradiesvogelbälgen abgeleitet sein könnte (Stresemann 1951), lässt sich nicht aufrecht halten. Vielmehr reichen deren Wurzeln mindestens bis ins Mittelalter zurück. Die ersten wissenschaftlich ausgerichteten Ornithologen im 16. Jahrhundert besaßen solide präparatorische Kenntnisse, die sie im Umfeld von Vogelfang, Jagd und Kürschnerei erworben hatten. Die Anwendung der Vogelpräparation war zweifellos eine wesentliche Voraussetzung für die frühe Blüte der Ornithologie im 16. Jahrhundert.

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