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Keywords:

  • Policy Analysis;
  • Argumentative Logic;
  • Policy Arguments;
  • Policy Change;
  • Tobacco

Abstract

  1. Top of page
  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Zusammenfassung: Die Analyse dynamischer sozialer Phänomene stellt sowohl für die Sozial- als auch die Geisteswissenschaften eine Herausforderung dar. Ziel dieses Artikels ist es, einen aufDunn (2004)aufbauenden Analyseraster auf seine Durchführbarkeit anhand einer Analyse von Policy-Argumenten in historischen Dokumenten zu testen. Ein Längsschnittvergleich von Struktur und Form der Policy-Argumente in den Tabakmandaten der Stadt Bern von 1659 bis 1723 zeigt einen Wandel der Tabakpolitik des Alten Berns in der Ortung der gesellschaftlichen Probleme, ihrer Ursachen, den damit festgelegten Massnahmen und derer Legitimation auf. Insgesamt impliziert dieses Resultat, dass unsere Methode für die Analyse historischer Policy-Argumente geeignet ist.


Einleitung

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  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Die Frage nach Analysemöglichkeiten und, -grenzen historischer Phänomene ist wiederholt debattiert worden (z.B. Osterhammel 1996; Welskopp 1998). Dabei geht es um fehlende methodologische Reflexionen oder Uneinigkeiten in den vorhandenen Beiträgen, praktische Herausforderungen und das Problem, Handlungszusammenhänge transparent zu machen. Eine Möglichkeit methodologischer Herangehensweise bietet die qualitative Analyse von Argumenten in der Policy-Forschung nach Dunn (2004[1981]). Dunn (2004) entwickelte ein in der kontemporänen Policy-Analyse oft zitiertes Analyse-Instrument (z.B. Dryzek 1982; Linder und Peters 1984; Sager et al. 2010), das Vergleiche über Raum, Kontext und Zeit erlaubt. Ziel dieses Beitrags ist es, ein auf Dunn (2004) aufbauendes Analyse-Raster auf seine Durchführbarkeit zu testen. Zu diesem Zweck analysieren wir den Policy-Bereich der Tabakpolitik des Alten Bern; ein nicht-demokratisches System, das gemäss der historischen Literatur von ausgeprägtem Wandel in der Tabakpolitik der untersuchten Zeitspanne gekennzeichnet ist (Merki 2002; 2006). Diese Fallauswahl soll somit die Durchführbarkeit eines in einem für den demokratischen Kontext entwickelten sozialwissenschaftlichen Instruments testen, indem dieses auf einen Extremfall, d.h. a) einen nicht-demokratischen Kontext und b) eine Zeitspanne, in der starker Wandel erwartet wird, angewandt wird.

Ausgangspunkt des Beitrags ist die Policy-Analyse, die sich mit den inhaltlichen Aspekten von Politik auseinandersetzt und vor allem die Frage nach den Gegenständen, Zielen und Wirkungen politischer Aktivitäten behandelt (Jann 2002: pp. 665–666). Innerhalb des Forschungsfelds der Policy-Analyse hat sich in der Vergangenheit eine Wende zur argumentativen Logik vollzogen. Ein zentraler Vertreter dieser Tendenz und Analytiker von Argumentationsmustern einer Policy ist Dunn (2004), dessen Ansatz systematische Vergleiche über Zeit und Raum ermöglicht (vgl. Fisher 1983; Fischer und Forester 1993). Wir wenden diesen Ansatz zur Analyse der politischen Argumentationen in den Tabakmandaten des Alten Bern von 1659 bis 1723 an. Wir greifen auf diese aus den aristokratischen Verhältnissen des Ancien Régime stammenden Rechtsquellen zurück, da hier ein nachweisbarer Policy-Wandel dritter Ordnung gemäss Hall (1993) stattgefunden hat, in dem übergeordnete Politikziele und die zugehörigen Massnahmen verändert wurden. Das Ergreifen von prohibitiven Bestimmungen ist eine typische Reaktion einer Gesellschaft auf eine unbekannte, neu auftauchende oder plötzlich populär werdende Substanz, wie dies beim Tabak der Fall ist. Zudem wird auch in historischen Arbeiten konstatiert, dass das Alte Bern bis 1719 an einer lebhaften Prohibitionspolitik festhielt – die auch in anderen Orten der Eidgenossenschaft üblich war –, bevor ein Wandel zur Förderung des einheimischen Tabakanbaus anvisiert wurde (Merki 2002; 2006).

Der Artikel gliedert sich wie folgt. Zuerst wird einführend auf die Policy-Analyse der argumentativen Logik eingegangen und deren Anwendungsmöglichkeiten für die Analyse historischer Phänomene skizziert. Anschliessend wird das auf Dunn (2004) aufbauende Analyseraster konzipiert, das Quellenmaterial beschrieben und das methodische Vorgehen dargelegt. Den Kern der Arbeit bildet die empirische Analyse der Tabakmandate des Alten Bern im 17. und 18. Jahrhundert sowie die vergleichende Diskussion der Ergebnisse. Abschliessend gehen wir auf den Nutzen des präsentierten Ansatzes für die weitere Forschung ein.

Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene

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  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Die vermehrte Inkorporation einer argumentativen Logik in die Policy-Analyse ist neueren Datums. Das aufkommende Interesse an interpretativen Verfahren steht mit dem gesellschaftlichen Wandel zu einer Informations-, Kommunikations- und Mediengesellschaft in Zusammenhang, die zu einer massiven Aufwertung ideeller und kognitiver Faktoren in der Politikgestaltung und -vermittlung sowie derer Analyse führte (Blatter et al. 2007). Erste Versuche der Analyse von Policy-Argumenten sind zwar bereits auf die 1970er und 1980er Jahre datiert (Ball 1995). Blatter et al. (2007) stellen aber erst für die vergangenen fünfzehn Jahre eine argumentative Wende (argumentative turn) in der Policy-Forschung fest. Diese Wende skizziert zwei neue Zielorientierungen: Einerseits strebt die Policy-Forschung eine reflektierte Auseinandersetzung mit den Forschern als Praktikern an, die mit ihren Analysen und Empfehlungen selbst auf den Policy-Prozess einwirken und Argumente in der politischen Entscheidung mitgestalten. Andererseits werden politische Entscheidungen nicht einfach als rationale Prozesse verstanden, die in problemadäquate Entscheidungen münden. Vielmehr sind diese durch Aspekte der sprachlichen Vermittlung wie kulturspezifische Deutung beeinflusst (vgl. auch Fischer and Forester 1993; Majone 1989). Ein verabschiedeter Gesetzestext wird auf diese Weise als Text, als Narrative, als Ideenskript oder als Ausdruck von Grundüberzeugungen und als Ergebnis diskursiver Praktiken zur Generierung politischer Problemdeutungen und Verantwortungszuweisungen interpretiert. Die Policy-Analyse übernimmt somit Methoden der Studien zu argumentativer Logik und entwickelt diese weiter (Ball 1994). Ein Vertreter dieser Tendenz ist Dunn (2004[1981]), der die Forschung der argumentativen Logik bedeutend prägt, indem er aufbauend auf Toulmin (1958) Struktur und Modi von Policy-Argumenten im Lichte spezifischer Fakten und Werte analysiert (Fisher 1983). Unter einem Policy-Argument verstehen wir gemäss Ball (1995: p. 3) eine mündlich geäusserte oder schriftlich festgehaltene Äusserung, die eine Verabschiedung einer Policy befürwortet oder die Entscheidung, eine Policy zu unterstützen, rechtfertigt. Als Struktur eines Arguments ortet Dunn (2004) Elemente, deren Beziehungen untereinander sich je nach Referenzrahmen und Kontext unterschiedlich gestalten können. Wie politische Information in eine Forderung transformiert wird, differiert und kann gemäss Dunn (2004) auf verschiedene Arten erfolgen.

Der von Dunn (2004) entwickelte Ansatz bietet für die Analyse historisch-politischer Dokumente, die potenziell durch Dynamik und Wandel charakterisiert sind, zahlreiche Vorteile. Erstens können ein allfälliger Wandel und die Dynamik in der zu analysierenden Policy erfasst werden. Dunn (2004: 54) nennt als Vorteil einer retrospektiven Policy-Analyse, dass diese Aussagen zu einem Wandel von Werten und Zielen ermöglicht. Es geht darum, ein politisches Problem, dessen Ursachen und der zur Problemlösung vorgesehenen Massnahmen zu verstehen. Zweitens werden allfällige Veränderungen einer Policy systematisch aufgearbeitet. Insbesondere für historische Phänomene gilt, dass oft Annahmen über bestimmte politische Prozesse getroffen werden müssen. Die systematische Analyse von Textdokumenten anhand spezifisch definierter Analysekategorien umgeht diese Problematik somit. Drittens erlaubt der Ansatz eine Kontextualisierung der Daten. Das Analyseraster von Dunn (2004) besitzt die notwendige Flexibilität einer Adaption und kann je nach Art und Erkenntnisinteresse der Untersuchung abgewandelt werden, ohne dabei den Anspruch nach Systematik und Wissenschaftlichkeit aufzugeben.

Analyseraster

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  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Das hier entwickelte Analyseraster beinhaltet zum einen die Struktur der Policy-Argumente und zum anderen die unterschiedlichen Modi von Policy-Argumenten, die benennen, wie policy-relevante Informationen in eine Forderung übersetzt werden.

Die Struktur von Policy-Argumenten

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  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Die Struktur eines Policy-Arguments kann gemäss Dunn (2004) in die Elemente Policy-relevante Information (policy-relevant information), Policy-Forderung (policy-claim), Rechtfertigung (warrant), Rückhalt (backing), Widerlegung (rebuttal) und Qualifikation (qualifier) aufgeteilt werden. Policy-relevante Informationen, Policy-Forderungen und Rechtfertigungen sind gemäss Dunn (2004: p. 65) in jedem Policy-Argument enthalten und finden auch in dieser Analyse Berücksichtigung. Die restlichen drei Elemente – Rückhalt, Widerlegung1 und Qualifikation2– sind jedoch gemäss Dunn (2004) nicht in jedem Policy-Argument vorzufinden. In vorliegender Analyse wird auf die Supplemente Widerlegung und Qualifikation verzichtet, weil die verwendeten Quellen darüber keine gültigen Rückschlüsse zulassen. Der Einbezug von Widerlegung und Qualifikation würde es erfordern, über eine quellenimmanente Analyse hinauszugehen, das heisst weitere historische Quellen, insofern sie denn vorhanden wären, hinzu zu ziehen. Unser Raster für die Analyse der Struktur der Policy-Argumente enthält somit folgende vier Elemente:

  • 1
    Policy-relevante Information (policy-relevant information): Policy-relevante Information, die durch eine Vielzahl an Methoden generiert werden kann, stellt die Evidenz dar, die einem Analytiker zur Verfügung steht. Diese kann in verschiedener Form wie einer statistischen Generalisierung oder Schlussfolgerungen von Experten vorliegen (Dunn 2004: pp. 41–42). Daraus kann der Forschende Annahmen zu den Kausalitäten, die hinter einem kollektiven Problem liegen, sogenannte Kausalhypothesen, ableiten. Knoepfel et al. (2007: p. 57) definieren die Kausalhypothese folgendermassen: “The causal hypothesis provides a political response to the question as to who or what is ‘guilty’ or ‘objectively responsible’ (that is, without subjective guilt) or able to make changes to enable the collective problem to be resolved.” Die Kausalhypothese spezifiziert somit die dem sozialen Problem unterliegenden Ursachen-Effektbeziehungen und liefert Angaben zu den Zielgruppen sowie den Endbegünstigten. In den hier zu analysierenden Tabakmandaten gilt beispielsweise die Aussage, dass das Rauchen des gemeinen Volks missbräuchlich ist, als eine policy-relevante Information. Damit wird das politische Problem skizziert, jedoch noch nicht festgelegt, welche konkreten Massnahmen ergriffen werden. Auf diese Weise kann dieselbe policy-relevante Information zu verschiedenen Forderungen führen (Dunn 2004: p. 65).
  • 2
    Policy-Forderung (policy-claim): Eine spezifische Konklusion eines Policy-Arguments wird als Policy-Forderung bezeichnet (Dunn 2004: p. 42). Es wird erwartet, dass diese von den Adressaten akzeptiert wird (Ball 1994: p. 28) und ist typischerweise Resultat einer Auseinandersetzung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Diese Forderungen sind die logische Konsequenz der policy-relevanten Information (Dunn 2004: p. 42). Als Policy-Forderung des oben genannten Beispiels kann die als zur Problemlösung geeignet erachtete Massnahme der Tabakbesteuerung erachtet werden. Solche Massnahmen werden eingesetzt, um das formulierte Ziel zu erreichen. Die Intensität der Intervention wird durch die Wahl der Instrumente bestimmt und durch die Prozedur des Austauschs zwischen relevanten administrativen Autoritäten und Benutzergruppen definiert (Kissling-Näf und Varone 2000: p. 4). In Anlehnung an Vedung (1998) können drei Arten von Policy-Instrumenten unterschieden werden, deren Typisierung nach dem Grad ihrer Verbindlichkeit erfolgt. Instrumente, die eine Verhaltensänderung nur aufgrund von Persuasion erreichen, werden als Moralpredigt (sermons) bezeichnet. Infrastrukturmassnahmen oder finanzielle Anreize stellen einen Köder (carrots) dar. Die Knüppel (sticks) bezeichnen regulative Massnahmen, deren Verbindlichkeit strafrechtlich hergestellt wird. Gemäss den Resultaten von Vollzugsstudien bewirkt vor allem die Kombination von unterschiedlich verbindlichen Instrumenten eine Verhaltensänderung und Akzeptanz bei den Politikadressaten (Sager 2007; 2009). Staatliche Interventionen zielen darauf ab, das Verhalten der Zielgruppe so zu verändern, dass die gewünschten Ziele erreicht werden (Kissling-Näf und Varone 2000: p. 4). Solche Vorstellungen, wie ein gesellschaftliches Problem durch staatliche Massnahmen gelöst werden kann, werden in der Literatur oft als Interventionshypothese konzeptualisiert, die von dem Forschenden aus der Policy-Forderung abgeleitet werden (z.B. Kissling-Näf und Varone 2000; Knoepfel et al. 2007). Die Interventionshypothese erläutert die Art, wie ein Programm die Ursachen des Problems angehen soll, um dieses zu eliminieren (vgl. D’Agostino 2001). “The intervention hypothesis […] establishes how the collective problem requiring resolution can be mitigated and, indeed, resolved by a policy” (Knoepfel et al. 2007: p. 59). Die Interventionshypothese definiert somit Massnahmen, die das Verhalten der Zielgruppen verändert, um die definierten politischen Ziele zu erreichen. Des Weiteren werden die Autoritäten und Behörden, die für die Implementierung der Instrumente zuständig sind, als Behördenarrangement definiert. Ledermann und Sager (2009: p. 9) verwenden den Begriff “Organisatorische Vorgaben”, da bei der Umsetzung öffentlicher Politik üblicherweise nicht allein Behörden involviert sind. Für die historische Analyse lässt sich allerdings der Begriff des Behördenarrangements rechtfertigen. Nebst dieser Zuständigkeit ist das Behördenarrangement auch mit Entscheidungen der Wahl von öffentlichen Ressourcen wie Geld, Personal, Zeit beauftragt, die den zuständigen Akteuren für die Umsetzung zur Verfügung gestellt werden (Kissling-Näf und Varone 2000: p. 4).
  • 3
    Rechtfertigung (warrant): Die Rechtfertigung stellt die Annahme in einem Policy-Argument dar, die von der policy-relevanten Information zur Policy-Forderung führt. Eine Rechtfertigung kann autoritäre, intuitive, analysezentrierte, kausale, pragmatische oder wertekritische Annahmen beinhalten und ist somit an den noch zu beschreibenden Modus eines Arguments gekoppelt (Dunn 2004: p. 42). Somit ist die Rechtfertigung einer bestimmten Politik in hohem Masse kontextabhängig (Ball 1994). Die Funktion einer Rechtfertigung besteht darin, Gründe zu liefern, damit eine umstrittene Forderung akzeptiert wird (Dunn 2004: p. 42).
  • 4
    Rückhalt (backing): Der Rückhalt einer Forderung ist nicht zwangsläufiger Bestandteil eines Policy-Arguments. Dieser enthält zusätzliche Annahmen oder Argumente, die benützt werden, um die eigentliche Forderung zu unterstützen (Dunn 2004: p. 42). Ethische oder moralische Argumente können diese Funktion übernehmen. Beispielsweise kann die Aussage, dass Rauchen auch andere schädigt, als Rückhalt gelten.

Modi von Policy-Argumenten

Als Modus wird die spezifische Art verstanden, wie policy-relevante Informationen in eine Forderung übersetzt werden (Dunn 2004: p. 67). Dunn (2004: 67ff.) unterscheidet zwischen sechs verschiedenen Modi, wie Argumente in einer Forderung münden. Die Tabakmandate werden anhand des autoritären (authoritative), des erklärenden (explanatory) und des pragmatischen (pragmatic) Modus (mode) untersucht, da diese als dem Analyseinteresse dienlichsten Modi erachtet werden.3

1. Autoritärer Modus (authoritative mode): Policy-Forderungen basieren in diesem Modus auf Argumenten, in denen Bezug auf eine Autorität genommen wird. Diese Autorität kann beispielsweise von wissenschaftlichen Experten oder bewährten Politikbeobachtern stammen (Dunn 2004: p. 67). Wichtig ist die soziale Akzeptanz dieser Autorität, was wiederum die Kontextabhängigkeit der Policy-Argumente verdeutlicht. Die Funktion der Rechtfertigung ist es, die Reliabilität der Quelle, von der die Information stammt, zu bestätigen (Dunn 2004: p. 69). Um die Forderung nach einem Rauchverbot zu rechtfertigen, kann beispielsweise die Berufung auf Schultheiss und Räte einem autoritären Modus zugeschrieben werden.

2. Erklärender Modus (explanatory mode): Die Policy-Forderungen basieren in diesem Modus auf kausalen Argumenten. Policy-relevante Informationen werden aufgrund von Annahmen zu Ursache-Effekt-Beziehungen in eine Forderung übersetzt. Die hier verwendeten Informationen bestehen aus einer oder mehreren sachbezogenen Aussagen oder Darlegungen über ein politisches Gebiet, einen Akteur oder ein Problem. Die Rechtfertigung basiert auf der Transformation dieser Aussagen oder auf Darlegungen, indem sie diese an Ursache und Effekte bindet (Dunn 2004: pp. 67–68 und 75–76). Beispielsweise ist die Rechtfertigung eines Tabakverbots, Rauchen als gesundheitsschädigend zu erachten, einem erklärenden Modus zu zuordnen.

3. Pragmatischer Modus (pragmatic mode): In diesem Modus beruhen Policy-Forderungen auf Argumenten, die auf Motivation, Parallelfall oder Analogie aufbauen (Dunn 2004: p. 80). Wird eine Policy-Forderung beispielsweise aufgrund einer Referenz zu einer einschlägigen und ähnlichen Erfahrung aus einem anderen Staat gerechtfertigt, kann dies unter einen pragmatischen Modus subsumiert werden. Somit wird in Abgrenzung zu den anderen Modi die Policy-Forderung aufgrund ähnlicher Lernprozesse und nicht aufgrund einer Aussage einer Autorität oder einer Kausalbeziehung abgeleitet.

Für die eigentliche Analyse braucht es einen konkreten Untersuchungsgegenstand, in welchem sich ein Policy-Argument manifestiert. Der folgende Abschnitt erläutert unser Quellenmaterial sowie Methoden.

Quellen, Methode und Vorgehen

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  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Unsere Untersuchungseinheiten sind Tabakmandate, die im Zeitraum von 1659 bis 1723 von Schultheiss und kleinem Rat (SchuR) der Stadt Bern verfasst wurden. Die Auswahl dieser historischen Quellentexte eines nicht-demokratischen Kontexts erfolgte nach ihrer Eignung, um einen Policy-Wandel auf der Ebene von Argumenten zu erfassen, der von der Literatur historisch dokumentiert wird. Ihr Gegenstand ist das Aufkommen eines verstärkten Tabakkonsums im Bern des Ancien Régime.4 Der Schultheiss war zugleich oberster Richter als auch Haupt der Verwaltung, der zusammen mit dem kleinen Rat, bestehend aus 27 Gemeindemitgliedern, zuständig für alle innen- und aussenpolitischen, administrativen und gerichtlichen Aufgaben war. Im kleinen Rat besprochene Geschäfte wurden dann dem Grossen Rat zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt (Braun-Bucher 2006). Erreicht wurden Öffentlichkeit und Verwaltung auf verschiedenem Wege: zum einen durch Anschlagen und Weiterreichen schriftlicher Fassungen zum anderen durch jährliches Verlesen „von den cantzlen” (Rennefahrt 1968: p. 451). Für die Durchsetzung dieser Verordnungen waren in erster Linie die Chorgerichte zuständig, d.h. jene während der Reformation geschaffenen Organe, die für die Sittenzucht und damit für das Aufrechterhalten der sozialen Ordnung zuständig waren (Merki 2006). Die Tabakmandate werden in einem quellenimmanenten, qualitativen Verfahren anhand des Analyserasters untersucht, wobei die einzelnen Quellentexte jeweils eine Untersuchungseinheit, d.h. ein Policy-Argument konstituieren. Die Dokumentenanalyse impliziert eine ex post Perspektive, die deskriptiv-empirisch angelegt ist und die Argumentationen einer bestimmten öffentlichen Policy untersucht. Die Analyse ist somit darauf angelegt, Informationen nach erfolgter politischer Handlung zu behandeln (vgl. Dunn 2004[1981]). Typischerweise erfordert eine Dokumentenanalyse eine intensive Auseinandersetzung mit dem Dokument zwecks einer möglichst umfassenden Durchleuchtung und Interpretation (Widmer und Binder 1997). Diese Auseinandersetzung ist in vorliegendem Fall zentral, da zusätzlich auch eine adäquate Anpassung des Analyserasters vorgenommen werden soll.

Zusammengefasst analysieren wir vier Quellentexte, die jeweils ein Policy-Argument konstituieren und chronologisch angeordnet sind, um allfälligen Wandel in der Policy zu erfassen. Die Argumente werden dabei nach Möglichkeit in ihre Bestandteile (policy-relevante Information, Rechtfertigung, Rückhalt und Policy-Forderung) zerlegt und den drei beschriebenen Modi zugeordnet. Durch die Analyse soll schliesslich demonstriert werden, wie die Tabakmandate mit dem auf Dunn (2004) aufbauenden erstellten Analyseraster untersucht werden können.

Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)

  1. Top of page
  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Die Tabakmandate werden anhand des entwickelten Rasters der Policy-Argumente untersucht, indem ihre Struktur sowie der Modus ihrer Rechtfertigung analysiert werden. Die Analyse bezieht sich auf die in den Quellen explizit formulierten Rechtfertigungen. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch nicht ausdrücklich formulierte Begründungen eine Policy-Forderung unterstützten, jedoch sind diese nicht eruierbar. Dies betrifft den in der Analyse berücksichtigten autoritären Modus. In den Tabakmandaten wird kein Argument explizit mit Referenz auf eine Autorität begründet. Die Argumente werden somit in einem erklärenden oder pragmatischen Modus formuliert. Die Policy-Forderungen aller Mandate basieren jedoch implizit auf der Autorität des Gesetzgebers, also von Schultheiss und der Räte. Im Alten Bern mit seiner hierarchisch geprägten Staatsstruktur gab es keine auch nur annähernd an die Machtfülle und Autorität von Schultheiss und Räten heranreichende Instanz, die eine Behauptung ebendieser hätte widerlegen können.

Das erste Tabakmandat vom Februar 1659

Die erste hier betrachtete Quelle vom Februar 1659 ist in einem erklärenden Modus aufgebaut (siehe Tabelle 1). Die Feuergefahr, die Geldveräusserung und die gesundheitsschädigende Wirkung des Rauchens werden als Probleme angeführt, um das Tabakverbot zu begründen. So schreiben Schultheiss und Räte: “schedlicher würckung ist, dises roüken auch in ställen, scheüren und dergleichen orten, da es durch die knecht und diensten gebraucht wirt, feürsgefahr auf sich trägt …, nit weniger auch viel gelt unutzigklich verbrucht und ussem land verüsseret wirt” (Rennefahrt 1968: p. 102).5 Die Faktoren Feuergefahr und Geldveräusserung sind im Kontext einer Stadt im Ancien Régime mit seinem merkantilistischen Wirtschaftssystem zu verstehen. Eine Feuersbrunst stellte eine durchaus reale Gefahr dar, waren doch viele Häuser und Ställe aus Holz gebaut und mit Stroh überdacht. Der Tabak musste importiert werden, was sich negativ auf die Handelsbilanz auswirkte (Merki 2006).

Table 1.   Policy-Argument des Tabakmandats vom Februar 1659
ModusPolicy-relevante InformationPolicy ForderungRechtfertigung
  1. Quellen: Rennefahrt (1968). Eigene Darstellung.

ErklärendDas Tabaktrinken der gemeinen Leute ist missbräuchlich.Der Tabakkonsum muss verboten, sowie der Handel unterbunden werden.Tabakkonsum schädigt die Gesundheit der Konsumenten, das Wirtschaftssystem und ist feuergefährlich.

Als Ursache wird das “Tabacktrincken” (Rennefahrt 1968: p. 437), das vom “gemeinen landt und dienstvolck” (Rennefahrt 1968: p. 438) praktiziert wurde, benannt. Damit kristallisiert sich die Kausalhypothese heraus, die mit der Rechtfertigung einhergeht und besagt, dass der Tabakkonsum der gemeinen Leute aufgrund der genannten Probleme missbräuchlich ist. Schultheiss und Räte gedachten, diese in den Griff zu bekommen, indem sie ein “allgemeindes, durchgehndes verpott zu statt und landt” (Rennefahrt 1968: p. 438) einführten. Nicht nur Tabakkonsumenten waren von diesem Verbot betroffen, sondern auch “die kremer, kaufleuth und apotheker” (Rennefahrt 1968: p. 438) wurden dazu angehalten, den Verkauf von Tabak zwecks “gemeinen, mutwilligen, unnötigen gebrauchs” (Rennefahrt 1968: p. 438) einzustellen. Die Tatsache, dass die Argumentation fast ausschliesslich auf den unnötigen, missbräuchlichen Konsum der gemeinen Leute abzielt, lässt vermuten, dass es einen legitimen Tabakkonsum der noblen Leute gab. Dazu kommt das Schlupfloch des “medicinmessigen” (Rennefahrt 1968: p. 102) Gebrauchs.

Die Interventionshypothese, die aus der Policy-Forderung abgeleitet werden kann, lautet, dass die Problemursache missbräuchlicher Tabakkonsum mit den regulativen Massnahmen eines Verbots und des Unterbindens des Handels beseitigt werden kann. Allfällige Zuwiderhandlungen sollten durch untergeordnete Verwaltungsinstanzen wie Chorgerichte, die Bussen und Konfiskationen verordnen, bestraft werden. Diese wurden auch durch einen Anteil an der Busse und konfiszierten Ware belohnt: “[…] bei confiscation der wahr und einem gulti buß, jedesmal von dem verkoüfer und dem gebraucher und roücker ohne schonen zu bezeüchen, von welcher buß und confiscation dem verleider der halbe theil gevolgen, der ander halbe theil aber […] dir [Gemeint ist der Amtmann, dem das Mandat zugeschickt wurde] und dem chorgericht verbleiben soll […]” (Rennefahrt 1968: p. 438).

Das zweite Tabakmandat vom Januar 1675

Die Argumentation des Tabakverbots in dieser Quelle ist wie das Tabakmandat von 1659 erklärend aufgebaut (siehe Tabelle 2). Die Rechtfertigung bleibt jedoch weitgehend dieselbe: Die Policy-Forderung wird durch den feuergefährlichen, gesundheits- und wirtschaftsschädigenden, neu aber auch den unanständigen Tabakkonsum begründet (Rennefahrt 1968: pp. 438–439).6

Table 2.   Policy-Argument des Tabakmandats vom Januar 1675
ModusPolicy-relevante InformationPolicy ForderungRechtfertigung
  1. Quellen: Rennefahrt (1968). Eigene Darstellung.

ErklärendJeglicher Tabakkonsum ist missbräuchlich.Dem Tabakkonsum sowie dem Tabakhandel muss mit verschärften und differenzierten Massnahmen begegnet werden.Tabakkonsum schädigt die Gesundheit der Konsumenten, das Wirtschaftssystem, ist feuergefährlich und unanständig.

Die Rechtfertigung im Argument und die Kausalhypothese bleiben im Vergleich zum vorangehenden Mandat betreffend Problemdefinition somit weitgehend gleich. Es ist jedoch eine Ausweitung der Politikadressaten auf alle Tabakkonsumenten feststellbar: “mans- und weibspersohnen, jungen und alten, wer und was standts ein jeder seye” (Rennefahrt 1968: p. 439). Auch das Schlupfloch des Gebrauchs zu medizinischen Zwecken wurde gestopft. Verschiedene Anweisungen deuten darauf hin, dass Teile der Verwaltung selbst gegen das alte Mandat verstiessen und daher auch nicht gewillt waren, dieses durchzusetzen: “Sollte da sogahr unser ambtleüten und kirchendienern einer an der übertrettung dieses --- verpotts, alß deßen sie vielmehr die executores und handhaber sein sollen, erfunden --- werden, demselben wöllend wir di obbestimmte Straf vierfach auferlegt haben” (Rennefahrt 1968: p. 439). Offensichtlich wurde das Verbot von 1659 also ungenügend befolgt, weshalb sich Schultheiss und Räte genötigt sahen, zu einer “stercker- und scherpfung --- des verpotts” (Rennefahrt 1968: p. 439) zu greifen. Die Policy-Forderung, aus der sich wiederum die Interventionshypothese ableiten lässt, sieht zur Ursachenbekämpfung die Notwendigkeit einer Verschärfung und Differenzierung des Verbots vor. Nebst Busse und Konfiskation wurde bei Zuwiderhandlung neu der Freiheitsentzug eingeführt: “pfand oder geltabforderung, oder wo deren keins ervolget, mit der gefangenschaftanwendung zu bezeüchen” (Rennefahrt 1968: p. 439). Zur Verhinderung des Tabakkonsums sollte ebenfalls der Handel unterbunden werden, indem die Grenzen bewacht, Reisende durchsucht und gegebenenfalls bestraft werden sollten (Rennefahrt 1968: pp. 440–441).

Das Bemühen von Schultheiss und Räten ihre Verwaltung dazu zu bringen, das neue Mandat durchzusetzen, wiederspiegelt sich auch in der Ausdifferenzierung des Behördenarrangements. Um die Massnahmen durchzusetzen, wurde eine Tabakkammer bestehend aus verschiedenen Ratsmitgliedern ins Leben gerufen. Des Weiteren wurden Aufseher ernannt, die an verschiedenen Stellen der Verwaltung darauf achten sollten, dass nicht gegen das Gesetz verstossen wird. Entlohnt wurden die Beamten wie schon beim alten Mandat durch einen Anteil an Bussgeldern und konfiszierter Ware (Rennefahrt 1968: pp. 439–440). Was genau mit der konfiszierten Ware geschehen sollte, wird jedoch nicht spezifiziert. Zusätzlich wurden sogar Wirte mit dem Vollzug des Tabakverbots beauftragt. Diese mussten einen Eid ablegen, das Tabakrauchen in ihren Gaststätten nach ihrem Vermögen zu verhindern (Rennefahrt 1968: p. 439).

Das dritte Tabakmandat vom November 1709

Seit dem ersten analysierten Tabakmandat sind 50 Jahre vergangen und verschiedene Vorstösse wurden von Schultheiss und Räten behandelt. Jedoch wird zu Beginn des Mandats moniert, dass die “unserer lieben angehörigen und underthanen erlassenen Verbote des Tabakgebrauchs nichts gefruchtet haben” (Rennefahrt 1968: p. 446). Der als problemverursachend erachtete Tabakkonsum konnte also nicht eliminiert werden (siehe Tabelle 3). Die gesellschaftlich zu lösenden Probleme, Ursache und Politikadressaten und somit Kausalhypothese bleiben hier zwar weitgehend dieselben wie im Mandat von 1675. Einzig auf die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums wird von diesem Zeitpunkt an nicht mehr eingegangen.7

Table 3.   Policy-Argument des Tabakmandats vom November 1709
ModusPolicy-relevante InformationPolicy ForderungRechtfertigungRückhalt
  1. Quellen: Rennefahrt (1968: 446) (eigene Darstellung).

PragmatischDer Tabakkonsum ist schädlich.Der Tabakkonsum muss weitgehend legalisiert und versteuert werden.Die weitgehende Legalisierung entspricht dem Willen der betroffenen Bevölkerung.Der Tabakkonsum konnte mit den bisherigen Mandaten nicht unterbunden werden.

Die neue Policy-Forderung der weitgehenden Legalisierung des Tabakkonsums ist jedoch die logische Konsequenz der gescheiterten Prohibitionspolitik, die ein flächendeckendes Verbot vorsah. Die Interventionshypothese sieht aufgrund dieser Erfahrung nun zur Problemlösung vor, regulative Massnahmen auf bestimmte problematische Situationen zu konzentrieren. Die Policy-Forderung wird somit nicht mehr anhand der Darlegung einer Ursache-Effekt-Beziehung (und somit erklärend) gerechtfertigt, sondern erfolgt in einem pragmatischen Modus. Erstere ist insofern auch nicht mehr nötig, als dass sich Schultheiss und Räte mit der Legalisierung des Tabakkonsums dem Willen der betroffenen Bevölkerung und Verwaltung nähern, an der die Umsetzung des Verbots scheiterte. Den Rückhalt im Argument liefert somit die gemachte Erfahrung, dass sich ein flächendeckendes Verbot gegen den Willen der Bevölkerung und Verwaltung nicht durchsetzen lässt.

Die regulativen Massnahmen beschränkten sich auf “das unanständige roüken an offentlichen straßen und allen feüwrsgefahrlichen orthen” (Rennefahrt 1968: p. 446), deren Missachtung auch eine Busse von 10 Pfund zur Folge hatte. Der nicht-notdürftige und gemässigte Konsum wurde nur noch mit einem negativen ökonomischen Anreiz versehen. Es wurde eine jährliche Abgabe von einem Pfund verlangt, die bei Nichtbezahlen ebenfalls eine Busse mit sich ziehen konnte. Im Gegensatz zum Mandat von 1675, in dem ebenfalls Wirte zur Durchsetzung der Policy involviert waren, wurde das Behördenarrangement auf die Zünfte in der Stadt und auf dem Land durch untergeordnete Verwaltungsinstanzen wie Chorgerichte eingeschränkt, welche die Steuer einziehen sollten. Die Verordnung konzentrierte sich grösstenteils auf Steuererhebung und Busse, was das Bedürfnis nach finanziellen Einkünften akzentuiert (Rennefahrt 1968: pp. 446–447).

Das vierte Tabakmandat vom Mai 1723

Die Problemlage im Tabakmandat vom Mai 1723 hat sich im Vergleich zu den anderen Mandaten deutlich verschoben: “die nahmhafte geltveräusserung bei diesen sonst geltklammen zeiten und allgemeinen landsarmuth” (Rennefahrt 1968: p. 449) beschäftigte nun Schultheiss und Räte (siehe Tabelle 4). Durch die Einführung von fremdländischem Tabak flossen Gelder ins Ausland, womit sich die Handelsbilanz verschlechterte. Die policy-relevante Information und die daraus ableitbare Kausalhypothese ändern sich somit. Entsprechend wurden nicht mehr die Tabakkonsumenten an sich als Politikadressaten spezifiziert, sondern “die fuhrleuth, trager, husierer” (Rennefahrt 1968: p. 450) und sonstige Durchreisende. Auch dieses Argument erfolgt wie dasjenige von 1709 in einem pragmatischen Modus. Es beruht nun jedoch auf Bezugnahme zu einem Parallelfall. Die Forderung wird durch den Vergleich mit anderen Staaten begründet: “deshalb sind wir nach dem beyspiel anderer --- orten auf mittel bedacht gewesen, […]” (Rennefahrt 1968: pp. 448–449). Als Rückhalt des Arguments wird die Nachfrage der Konsumenten angeführt, die sich “schwarlich dessen [gemeint ist der Konsum] mussigen konnen” (Rennefahrt 1968: p. 448).

Table 4.   Policy-Argument des Tabakmandats vom Mai 1723
ModusPolicy-relevante InformationPolicy ForderungRechtfertigungRückhalt
  1. Quellen: Rennefahrt (1968). Eigene Darstellung.

PragmatischDurch die Einfuhr fremdländischen Tabaks fliessen Mittel aus dem Land.Der inländische Tabakanbau muss gefördert und die Einfuhr fremdländischen Tabaks reguliert werden.In anderen Staaten wurde es auch so gemacht.Nachfrage der Tabakkonsumenten.

Schultheiss und Räte beschlossen deshalb, dass “pflantzung und fabricierung allerhand gattung tabacks auch in unseren landen einzeführen, und der frömde --- drussen zu behalten seye” (Rennefahrt 1968: p. 449). Die Forderung, an die sich die Interventionshypothese anschliesst, besagt somit, dass der heimische Tabakanbau gefördert und die Einfuhr fremdländischen Tabaks stark begrenzt werden soll. Um effektiv die Kontrolle über den Markt zu gewinnen, wurden Massnahmen ergriffen, die Einfuhr ohne Patent zu unterbinden. Die Massnahmen zur Durchsetzung dieser Policy waren einerseits die Verschärfung der Kontrollen an der Grenze sowie die Bestellung zusätzlicher Aufseher. Der Tabakimport ohne Patent sollte bei Missachtung mit Konfiskation der Ware bestraft werden und bei mehrmaligem Vergehen im vollständigen Handelsverbot münden. Sobald die inländische Produktion den Bedarf ganz decken würde, sollte die Einfuhr von Tabak ganz verboten werden. Es handelt sich also um einen Instrumentenmix an negativen Infrastrukturmassnahmen (Grenzbewachung), ökonomischen Anreizen (Patente) und regulativen Massnahmen (Einfuhr). Gleichzeitig wurde der Anbau durch positive ökonomische Infrastrukturanreize (bereitgestelltes Saatgut) erleichtert. Die veränderten Massnahmen zogen ebenfalls Anpassungen des Behördenarrangements mit sich, da ein verstärkter Fokus auf das Grenzpersonal erfolgte (Rennefahrt 1968: p. 449).

Diskussion

  1. Top of page
  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Unsere Analyse der vier Tabakmandate des Alten Bern konkretisiert einen Policy-Wandel dritter Ordnung nach Hall (1993), da nicht nur ein Paradigmenwechsel bzw. eine Veränderung der übergeordneten Politikziele und der damit ergriffenen Massnahmen aufgezeigt wird. Vielmehr wird auch gezeigt, wie verschiedene politische Forderungen formuliert und argumentativ legitimiert werden. Wir zeigen nebst einem Wandel bezüglich der gesellschaftlichen Probleme, ihre wahrgenommenen Ursachen und der damit festgelegten Massnahmen auf. Wird Tabakpolitik heute oft unter dem Aspekt ihrer Regulierung und deren Effektivität unter der Berücksichtigung verschiedener Akteure in der Gesundheitspolitik diskutiert, hat die vorliegende Analyse veranschaulicht, dass dem nicht immer so war und auch wirtschaftliche Argumente in den Fokus rücken können. Damit wird die soziale Konstruktion von Problemen deutlich, die als historische Konstruktionen in Zeit und Raum zu verstehen sind (Knoepfel et al. 2007: p. 126). Wurde bis zum dritten Tabakmandat der Tabakkonsum als Ursache zahlreicher Probleme betrachtet, wird er im vierten Mandat durch den Tabakimport substituiert. Im vierten Mandat beschränkt sich die Problemlage jedoch auf wirtschaftliche Aspekte. Erfolgt von 1659 auf 1675 eine Ausweitung der Politikadressaten – die als für das Problem ursächlich erachtet werden – wird diese 1709 wieder rückgängig gemacht und der Tabakkonsum weitgehend legalisiert. Ob diese Legalisierung aufgrund der Unmöglichkeit einer Umsetzung der vorgesehenen Massnahmen und/oder aufgrund wirtschaftlicher Interessen stattfand, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Zur Beantwortung dieser Frage wären andere Daten nötig, die eine solche Ursache-Wirkungsbeziehung klären könnten.

Die spezifizierten Interventionen sind an das jeweilig erachtete Problem, die Ursache sowie deren Träger gekoppelt. Werden die Policy-Instrumente von 1659 auf 1675 massiv erweitert und mit zusätzlichen regulativen Massnahmen ergänzt, beinhaltet der Paradigmenwandel von 1709 eine weitgehende Legalisierung des Konsums und Policy-Massnahmen werden nicht mehr flächendeckend geplant. Diese Legalisierung ermöglicht auch eine Steuererhebung. Im Tabakmandat von 1723 sind die Massnahmen vorwiegend auf die wirtschaftliche Problematik des Geldabflusses ausgerichtet und nicht mehr auf den Tabakkonsum.

In sämtlichen Quellentexten liessen sich die verschiedenen nach Dunn (2004)notwendigen Elemente (policy-relevante Information, Rechtfertigung und Policy-Forderung), die ein Argument konstituieren, herausarbeiten. Die Analyse der drei Modi (autoritär, erklärend und pragmatisch) zeigen, dass die Policy-Forderungen von 1659 und 1675 in einem erklärenden Stil formuliert werden, während die beiden letzteren von 1709 und 1723 pragmatisch legitimiert werden. Ein autoritärer Modus konnte dabei nicht eruiert werden, obwohl ein solcher in einem aristokratischen Regierungssystem mit Tendenz zur Oligarchie hätte vermutet werden können.

Insgesamt zeigte sich, dass das Verfahren von Dunn (2004) die notwendige Flexibilität aufweist, Analyseelemente, die auf die Gegenwart zugemünzt sind, auszuklammern. Beispielsweise konnte auf den analysezentrierten Modus (vgl. Fussnote 3), verzichtet werden, da dieser auf dem Wissenschaftsverständnis des 20. Jahrhunderts aufbaut. Dennoch konnten alle für ein Poliy-Argument notwendigen Elemente in den historischen Dokumenten geortet werden, womit die vorgenommene Analyse nicht einfach in Beliebigkeit verfällt. Grenzen der Analyse sind jedoch in der Beantwortung der Frage nach der effektiven Wirkung der getätigten Policy-Massnahmen zu sehen, deren Evaluation in dieser Analyse nur auf Basis von der geäusserten Wahrnehmung der Akteure vorgenommen wurde.

Schlussfolgerung

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  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Vorliegende Untersuchung hatte zum Ziel, einen auf Dunn (2004) aufbauenden Analyse-Raster auf seine Durchführbarkeit in einem ausserdemokratischen Kontext und dynamischen Zeitspanne zu testen. Es wurden mit Hilfe einer quellenimmanenten, qualitativen Dokumentenanalyse vier Tabakmandate des Alten Bern mit einem auf Dunn (2004) aufbauenden Raster systematisch aufgearbeitet und verglichen. Die Analyse zeigt anhand eines systematischen Längschnittvergleichs einen Wandel in der argumentativen Logik der Tabakmandate auf. Dieser manifestiert sich in den gesellschaftlichen Problemen, deren festgestellten Ursachen, den damit festgelegten Massnahmen sowie dem entsprechenden Modus, in dem diese Forderungen formuliert werden. Somit hat die Studie gegenüber früheren historischen Studien in diesen konkreten Belangen einen Mehrwert erzielt. Anhand der ungeklärten Frage, ob die gescheiterte Umsetzung der vorgesehenen Massnahmen oder wirtschaftliche Interessen zu einem Policy-Wandel führte, wurde jedoch auch die Grenze der Analyse von Policy-Argumenten deutlich, welche die tatsächliche Wirkung von den spezifizierten Massnahmen schlecht beurteilen kann.

Weitere Anwendungen des hier verwendeten Analyseinstruments sind jedoch wünschenswert, zumal der Durchführbarkeitstest am spezifischen Beispiel der Tabakmandate nicht auf eine uneingeschränkte Anwendbarkeit schliessen lässt. Beispielsweise könnte in einem kontemporären Vergleich der Tabakpolitik die empirische Basis auf weitere Kantone oder politische Systeme ausgeweitet werden, um sowohl das Instrument von Dunn (2004) als auch die Ergiebigkeit der Analyseebene von Argumenten weiter zu testen. Eine breitere empirische Basis, kombiniert mit Umfragedaten würde unter Umständen auch substanzielle Schlüsse auf die wahrgenommene Legitimität spezifischer Massnahmen in der Bevölkerung und Effektivität der verschiedenen Argumentationsweisen zulassen, was im Hinblick auf aktuelle Bestrebungen zur Regulierung von Tabakkonsum zentral erscheint. Dies könnte eine wichtige Ergänzung zu gegenwärtigen Studien im Bereich der Tabakregulierung sein, die zwar politische Systeme und Agenda-Setting vergleichend analysieren (z.B. Albaek et al., 2007), jedoch die Ebene der Argumentationsweise auslassen.

Footnotes
  • 1

    Die Widerlegung in einem Argument spezifiziert Bedingungen, unter denen eine Forderung unakzeptabel oder nur unter gewissen Umständen annehmbar ist und hilft Einwände zu antizipieren (Dunn 2004: p. 42).

  • 2

    Eine Qualifikation bezeichnet das Ausmass der Sicherheit über eine analysierte Policy-Forderung und wird meist in einer statistischen Wahrscheinlichkeit ausgedrückt (Dunn 2004: p. 42).

  • 3

    Dunn (2004: 67ff.) unterscheidet des Weiteren zwischen dem intuitiven (intuitive), dem analysezentrierten (analycentric) und dem wertekritischen (value-critical) Modus. Rechtfertigungen im intuitiven und wertekritischen Modus waren in den Tabakmandaten zwar möglicherweise auch vorhanden, mittels der Quellen aber kaum zu eruieren, weshalb eingehende Erörterungen rein spekulativ wären. Aus der Analyse ausgeklammert wird ebenfalls der analysezentrierte Modus, da dieser auf das Wissenschaftsverständnis des 20. Jahrhundert abzielt. Aus diesen Gründen werden diese Modi in vorliegender Arbeit nicht berücksichtigt. Ein Versuch, die Quellentexte auf sämtliche Modi hin zu untersuchen, bestätigt diese Auswahl.

  • 4

    Die im Staatsarchiv des Kantons Bern gelagerten Rechtsquellen wurden in ihrer Gesamtheit erstmals von Friedrich Welti bearbeitet, der 1902 die Sammlung Stadtrecht von Bern I mit den ersten zwei Bänden eröffnete. Herrmann Rennefahrt schliesslich erweiterte diese Sammlung um weitere 11 Bände, so auch den Band X über Polizei und behördliche Fürsorge, aus dem die hier behandelten Gesetzestexte entstammen.

  • 5

    Diesem Policy-Argument wird kein Rückhalt zugeordnet. Dieser ist wie ausgeführt gemäss Dunn (2004: p. 65) nicht zwingend Bestandteil desselben.

  • 6

    Auch diesem Policy-Argument wird kein Rückhalt zugeordnet. Dieser ist wie erwähnt gemäss Dunn (2004: p. 65) nicht zwingend Bestandteil desselben.

  • 7

    Es kann eine legitimierende Funktion dieses Argument in den älteren Mandaten vermutet werden, zumal die Medizin das Rauchen nicht grundsätzlich ablehnte (vgl. Merki 2006).

Literatur

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  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
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  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
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  10. Schlussfolgerung
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The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

  1. Top of page
  2. Abstract
  3. Einleitung
  4. Die argumentative Logik in der Policy-Analyse und historische Phänomene
  5. Analyseraster
  6. Die Struktur von Policy-Argumenten
  7. Quellen, Methode und Vorgehen
  8. Quellenanalyse der Tabakmandate des Alten Bern (1659 bis 1723)
  9. Diskussion
  10. Schlussfolgerung
  11. Literatur
  12. The Argumentative Logic of Tobacco Regulation in Early Modern Bern: A Historical Policy Analysis

Analyzing dynamic social phenomena is a major challenge for research. This article conducts a feasibility test of a social scientific tool we developed based on Dunn (2004). We apply this tool to a corpus of historical documents on tobacco policy in the city of Bern generated between 1659 and 1723. A longitudinal analysis across time periods of argument structure and form shows shifts in the perceived problems, causes, and policy measures considered with respect to tobacco, as well as their legitimation. The implication is that our method is a viable approach for studying historical policy arguments.

Dr. Mirjam Cranmer absolviert einen vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Post Doc an der Duke University. Ihre Forschungsinteressen sind die politische Kommunikation und politische Psychologie.

Lic.phil.hist. Raphael Petit hat an der Universität Bern Geschichte und Politikwissenschaft studiert und arbeitet nun im Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB).

Prof. Dr. Fritz Sager lehrt Politikwissenschaft am Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern. Seine Forschungsinteressen sind die Policy-Analyse, die Politikevaluation und die politische Verwaltungswissenschaft. Korrespondenzadresse: Kompetenzzentrum für Public Management der Universität Bern, Schanzeneckstrasse 1, Postfach 8573, CH-3001 Bern, Schweiz; Telefon: +41(0)31 631 32 85; Fax: +41(0)31 631 53 17; E-mail: fritz.sager@kpm.unibe.ch