Der widerspenstige Signifikant: Herta Müllers collagierte Poetik des Königs

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Abstract

Mein Aufsatz setzt sich mit Herta Müllers vielschichtiger Figur des “Königs” auseinander. Er zeigt, wie der König des großväterlichen Schachspiels als Ur-könig dient und sich zur politischen und poetischen Schlüsselmetapherentwickelt. Müllers Königagiert als ambivalenter Signifikant in verschiedenen Machtkonstellationen. Meine Analyse stützt sich auf historisch-politische Diskurse, in denen die körperliche Gebrechlichkeit Königsfiguren zum Verhängnis wird. Ich ziehe Verbindungslinien zwischen der historischen Enthauptung und der Collagetechnik, die es Müller erlauben, an den König Hand anzulegen. Beweglichkeit, Köpfung und Verschiebung in andere räumliche Kontexte ermöglichen es ihr, die traumatisch-subjektive Fixierung auf den König zu brechen. Wie im Schachspiel, schöpft die Schriftstellerin in der Collagedichtung die ihr zur Verfügung stehenden spielerischen Bewegungsräume aus und interveniert auf diese Weise in den Machtdiskurs.

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