Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 125 Issue 22

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, Zeitschrift für Chemie

Vor 50 oder 100 Jahren

Zukunft braucht Herkunft – die Angewandte Chemie wird seit 1888 publiziert, und 2011 gibt es auch die International Edition schon 50 Jahre. Ein Blick zurück kann Augen öfnen, zum Nachdenken und -lesen anregen oder ein Schmunzeln hervorlocken: Deshalb finden Sie an dieser Stelle wöhentlich Kurzrückblicke, die abwechselnd auf Hefte von vor 100 und vor 50 Jahren schauen.

Archiv: 2012 | 2011 | 2010

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 22, 5778

    In einem ungewöhnlich langen Aufsatz beschreibt Ferdinand Henrich (Erlangen) neueste Arbeiten auf dem Gebiet der Radioaktivität 1911/12, die damals in der Pionierphase steckte: Marie Curie hatte ihren zweiten Nobelpreis erhalten (für die Entdeckung des Radiums und Poloniums), die Einheit der Radioaktivität (Zerfälle pro Sekunde, SI: Becquerel) wurde aufgrund der Aktivität von Radium definiert und nach ihr benannt. Weitere Beiträge u. a. von Rutherford, Geiger, Hahn, Meitner und Gray werden diskutiert: Wilson beschrieb die Nebelkammer; von Strutt stammt ein Verfahren zur Altersbestimmung von uranhaltigen Mineralien. Über Nutzen und Risiken der Radioaktivität scheint man sich damals noch keine Gedanken gemacht zu haben.

    Lesen Sie mehr in Heft 41/1913

    Heinrich Franck fasste für den Berliner Ortsverein den Stand der Forschung in der Reduktions- und Oxidationskatalyse zusammen. Breiten Raum nehmen die Ammoniaksynthese von Haber et al. und die Hydrierungen von Doppelbindungen in organischen Verbindungen ein. Die Arbeiten von Willstätter, Paal, Wallach, Sabatier und anderen – Oxidationen durch Osmiumtetraoxid (K. A. Hoffmann) -- werden nur ganz kurz erwähnt. Franck (1888–1961) erhielt später Positionen in Hochschule und Industrie, 1937 wurde ihm eine Professur an der TH Berlin aberkannt, weil er SPD-Mitglied und mit einer Jüdin verheiratet war. Nach dem Krieg war er zunächst wieder an der TU Berlin tätig, trat 1946 in die SED ein und ging 1949 an die Humboldt-Universität; später fungierte er in der DDR als Technikkammer-Präsident und Volkskammerabgeordneter.

    In der Rubrik „Bücherbesprechungen” wird ausführlich die 3. Auflage von „Mercks Reagenzienverzeichnis” vorgestellt. Damals umfasste das Werk rund 5000 Reaktionen und Reagenzien; 2013 erscheint die 15. Auflage des „Merck Index” zeitgemäß auch auf CD und als Datenbank im Internet mit 18 000 Verbindungen bei der Royal Society of Chemistry.

    Lesen Sie mehr in Heft 43/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 21, 5534

    Eine Jahrhundertentdeckung: 1953 veröffentlichten die beiden Biochemiker Francis Crick und James Watson in Nature ihre revolutionäre Arbeit über die Struktur der DNA, aufbauend auf Adenin-Thymin- und Guanin-Cytosin-Basenpaaren (Watson-Crick-Basenpaare). Dafür wurden sie 1962 mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie bedacht. Es gab mit Maurice Wilkins aber noch einen Dritten im Bunde, der ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und dessen röntgenkristallographische Untersuchungen (zusammen mit denen der früh verstorbenen Rosalind Franklin) entscheidend zur Aufdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA beigetragen hatten.

    Bereits vor 50 Jahren wurden in der Angewandten Chemie Nobelvorträge veröffentlicht. Während sich Wilkins in seinem Vortrag ganz auf die Strukturen von DNA und RNA konzentriert, befasst sich Crick mit der Aufgabe der DNA als Speicher für genetische Information – den genetischen Code. Für ein Basentriplett, das für eine bestimmte Aminosäure codiert, führt er den Begriff „Codon” ein. Watsons Vortrag schließlich handelt von der Übersetzung dieser Information in funktionale Proteine mithilfe der messenger-RNA und der Ribosomen. Einige grundlegende Erkenntnisse zu diesem Prozess waren schon damals vorhanden :„[...] die Proteinsynthese bedarf der geordneten Wechselwirkung zwischen drei RNS-Arten: der Ribosomen-RNS, der löslichen RNS [heute würde man transfer-RNA sagen] und der messenger-RNS”. Bis zur röntgenkristallographischen Aufklärung eines Ribosoms im Komplex mit messenger- und transfer-RNA sollte es aber bis ins neue Jahrtausend dauern.

    Und last but not least, von der Biochemie zur reinen Anorganik: Die erste Herstellung von elementarem, metallischem Promethium ist zu vermelden. F. Weigel gelang dieses Kunststück durch Reduktion einer PmF3-Pastille mit Lithium in einem Tantaltiegel unter Hochvakuum. Wegen der hohen Radioaktivität dieses Elements musste dabei in einer Spezial-Glovebox für Hochvakuum gearbeitet werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 20, 5308

    Jeder Käse ist heute mit einer Angabe seines Fettgehalts in der Trockenmasse (% Fett i. Tr.) versehen. Diese Form der Beschreibung, welche sich vor etwa hundert Jahren durchsetzte, nimmt der Kgl. Oberstabsapotheker Utz zum Anlass für einen Vortrag über Bestimmungsmethoden des Wassergehalts in verschiedenen Käsesorten. In vielen vorgeschlagenen Verfahren wird der Käse mit gereinigtem Seesand verrieben und mehrere Stunden auf 100 °C oder knapp darüber erhitzt; bei Proben wie „Romatourkäse, ca. 40%” oder „Limburger, 6–8 Wochen alt” wünscht man dem Experimentator auf jeden Fall einen gut funktionierenden Abzug.

    Lesen Sie mehr in Heft 37/1913

    Rubriken in Hülle und Fülle zeichnen die Angewandte Chemie seit jeher aus, selten geworden sind jedoch Beiträge unter der Überschrift „Preisausschreiben”. Just einen solchen enthält der Wirtschaftsteil vom 16. Mai 1913: Die „Deutsche Bromkonvention G. m. b. H.” setzt für kluge Köpfe einen Preis von 10000 Mark aus, die ein Verfahren oder eine Verbindung erfinden, „deren Ausnutzung geeignet ist, zu einem neuen, bedeutenden Bromverbrauch zu führen.” Ob diese Ausschreibung das spezifische Absatzproblem lösen konnte, ist unklar, fest steht aber, dass organische Bromverbindungen heute unter anderem im Flammschutzsektor und in der Schädlingsbekämpfung (CH3Br) genutzt werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 39/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 19, 5070

    Im vierten Teil der Aufsatzreihe „Neuere Methoden der präparativen organischen Chemie„ dreht sich alles um s-Triazin. Anders als bei heutigen Aufsätzen in der Angewandten Chemie gibt es auch ein Kapitel „Arbeitsvorschriften„, mit anderen Worten: einen Experimentellen Teil.

    Scholder berichtet in einer Zuschrift über Oxoosmate(VII) und stellt klar, dass er bereits fünf Jahre zuvor in der Angewandten Chemie Alkaliosmate(VII) beschrieb und somit nicht Ward und Bartlett erstmals Osmium(VII)-Verbindungen hergestellt hatten, wie sie unabhängig voneinander 1962 berichteten.

    Sartori beschreibt ein Verfahren, mit dem die elektrochemische Fluorierung von Gasen gelingt, welche bei Normaldruck nicht in HF löslich sind. Die Reaktionsprodukte seien zwar schon bekannt, hätten aber zuvor nur mit elementarem Fluor synthetisiert werden können. Fluor faszinierte damals wie heute!

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 17, 4606

    Versammlungsberichte waren vor 50 Jahren ein fester Bestandteil der Angewandten Chemie. So veranstaltete die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina im Januar 1963 die Vortragstagung „Biochemische und klinische Problematik der Molekular-Genetik” in Halle an der Saale, wo sich auch heute noch der Sitz der Leopoldina, der ältesten naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum, befindet. Zu den Vortragenden gehörte unter anderem J. H. Matthaei, der für seine Entschlüsselung des Aminosäure-Codes mittels In-vitro-Experimenten bekannt ist. In Heft 41/2011 wurden diese und andere Experimente, die zur Entdeckung des genetischen Codes führten, in einem Essay von V. A. Erdmann und J. Barciszewski zusammengefasst.

    Beim Makromolekularen Kolloquium in Freiburg im Breisgau wurden 1963 u. a. „N- und S-haltige Polymere als mögliche Schutzstoffe gegen radioaktive Strahlung” diskutiert. Das Problem niedermolekularer Verbindungen mit der Gruppierung -N-(CH2)2,3-S- ist ihre kurze Verweilzeit im Körper, und durch den Aufbau von Makromolekülen mit dieser Gruppierung sollte dieser Nachteil umgangen werden. Es stellte sich heraus, dass die langsame hydrolytische Spaltung bestimmter Polymere und Copolymere dieses Typs unter Körperbedingungen außer SH- und NH-haltigen Makromolekülen auch das hochaktive β-Mercaptoethylamin liefert.

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 16, 4384

    Mit dem Wunsch, noch lange erfolgreich wirken zu können, endet der Text, mit dem G. Fresenius Professor Alexander Classen, der als Pionier der analytischen Elektrolyse in Aachen tätig war, zum 70. Geburtstag gratulierte. Dieser Wunsch erfüllte sich, und so konnte Alexander Classen 1923 noch zum Ehrendoktor und 1933 zum Ehrensenator der RWTH Aachen ernannt werden.

    Phosphor stört in Eisen und Stahl, und darum war und ist die Bestimmung des Phosphorgehalts dieser Stoffe eine wichtige Aufgabe. P. Artmann vergleicht auf immerhin fünf Seiten die unterschiedlichen Analysenmethoden und erklärt, eine experimentelle Kritik an den genannten Methoden anstellen und darüber später berichten zu wollen.

    Lesen Sie mehr in Heft 29/1913

    Den Fortschritten in der anorganischen Großindustrie im Jahr 1912 ist der 19-seitige Hauptbeitrag von H. von Kélen aus Leverkusen gewidmet. Daran schließt sich ein Text von H. Winkelmann über die Vermeidung von Rauchschäden durch eine neuartige Schornsteinkonstruktion an. Offenbar war also auch schon damals das Problem der Umweltbelastung durch Rauchgase, vor allem ihre sauren Bestandteile, bekannt. Ein modifiziertes Verfahren zur titrimetrischen Bestimmung von Ammoniak, bei dem Borsäure zum Abfangen eingesetzt wird, stellte L. W. Winkler vor.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil wurde mit auch heute noch nachvollziehbaren Argumenten vor den negativen Folgen von Kartellbildungen für den Erfindungsgeist gewarnt.

    Lesen Sie mehr in Heft 31/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 14, 3880

    Über die wirtschaftliche Bedeutung der Erdgasfunde für Ungarn schreibt Dr. Herbing aus Halle (Saale). Das fragliche Gebiet (in der Nähe von Klausenburg/Cluj) kam nach dem Ersten Weltkrieg zu Rumänien und wird wohl noch heute ausgebeutet. E. Peschek vom zootechnischen Institut der königlich landwirtschaftlichen Hochschule Berlin stellt einen von ihm entwickelten Kühler für die Stickstoffbestimmung nach Kjeldahl vor und nimmt damit das Thema des ersten Beitrags, der in der Angewandten (genauer: ihrer Vorläuferin Zeitschrift für die Chemische Industrie) je erschien, wieder auf. An der kgl. landwirtschaftlichen Hochschule lehrte auch E. Buchner, der 1907 den Chemie-Nobelpreis erhielt. 1934 wurde sie der Berliner Universität angegliedert. Während der deutschen Teilung kam ihre Dahlemer Außenstelle zur Technischen Universität, heute gehören alle Teile zur Humboldt-Universität. Ein Beitrag mit dem Titel „Skizzen aus dem industriellen Leben Nordamerikas” enthält ironischerweise keine einzige Illustration.

    Lesen Sie mehr in Heft 25/1913

    Die Stadt Paris genehmigte die Aufstellung einer Bronzestatue von Marcellin Berthelot auf dem Platz vor dem Collège de France, der kurz nach dem Tod des Chemikers 1907 dessen Namen erhielt. Berthelot prägte beispielsweise die Begriffe exotherm und endotherm. Die Statue wurde 1917 aufgestellt, jedoch unter der deutschen Besatzung und Vichy-Regierung 1941 bis auf eine Büste eingeschmolzen, die bis 1944 im Collège versteckt, jedoch nicht wieder aufgestellt wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 26/1913

    Die Geschichte der Tinte vom dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung in China bis zum Erlass amtlicher Grundsätze für die Tintenprüfung unter Reichskanzler Bismarck 1888 fasst Paul Martell zusammen. Das Thema bleibt der Angewandten Chemie bis heute erhalten, z. B. in der Zuschrift von C. Giordano et al. über die Herstellung strukturierter Kohlenstoffelektroden durch Tintenstrahldruck in Heft 8/2013.

    Lesen Sie mehr in Heft 27/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 13, 3636

    Im Aufsatz „Stofftransport im metallischen Festkörper” erläutert H. Wever zunächst Möglichkeiten für Platzwechselvorgänge und die treibenden Kräfte dahinter. Detailliert werden der Stofftransport in Reinmetallen und in Mischphasen besprochen, wobei auch auf die praktische Bedeutung von Transportvorgängen hingewiesen wird, z. B. bei der Münzherstellung.

    Die „Bildung von 2-Oxazolidonen aus β-Jodurethanen” beschreiben C. H. Heathcock und A. Hassner in einer Zuschrift. Die 2-Oxazolidone können zu cis-β-Aminoalkoholen hydrolysiert werden. Beide Autoren schrieben später Lehrbücher der Organischen Chemie: „Introduction to Organic Chemistry” von C. H. Heathcock und A. Streitwieser, Jr. erschien 1976 in der ersten Auflage, und die dritte Auflage von „Organic Syntheses Based on Name Reactions” von A. Hassner und I. Namboothiri wurde im vergangenen Jahr in der Angewandten Chemie besprochen (2012, 124, 8012).

    Von der „Darstellung von Chrompentafluorid und Chromhexafluorid” berichten O. Glemser, H. W. Roesky und K.-H. Hellberg. Sie erhielten „feuerrotes CrF5” und „zitronengelbes CrF6” nach Umsetzung von Chrompulver mit elementarem Fluor bei 400 °C und einem Druck von 200 atm. Diese Arbeit stammt aus der Promotionszeit von H. W. Roesky, der auch 2013 noch Angewandte-Autor ist: Kürzlich erschien von ihm die Publikation „Umwandlung eines Singulett-Silylens in ein stabiles Biradikal” (Angew. Chem. 125, 1845–1850).

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 12, 3379

    „Das Gebiet der Sicherheitssprengstoffe zeichnet sich von jeher durch eine Fülle von Patenten und Patentanmeldungen aus, von denen sich naturgemäß nur ein geringer Prozentsatz ... auf dem Markte zu behaupten vermag.” Wenn man die Anforderungen bezüglich Lager- und Wetterbeständigkeit berücksichtigt, so kann es wohl sein, dass auch die von C. Zahn vorgestellten Mischungen aus Nitraten, (Per)Chloraten und organischen Substanzen sich letztlich nicht praktisch bewährten. In seinem Beitrag „Explosivstoffe und Zündwaren im Jahre 1912” werden weiterhin Entwicklungen auf dem Gebiet der aromatischen Nitrokörper (z.B. Pikrinsäure oder Trinitrotoluol, das sprichwörtliche TNT) besprochen, die als „moderne Brisanzstoffe” zunehmende Bedeutung erlangten.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1913

    Entscheidend für die Eisengewinnung ist naturgemäß das Eisenerz. Eine Definition dieses Begriffs liefert der anschauliche Kurzbeitrag „Die Rohstoffe in der Eisenindustrie”: Ein Eisenerz ist ein in der Natur in größeren Massen auftretendes Gestein, das einen Eisengehalt von mindestens 25 % aufweist. Wie Qualität und Tauglichkeit eines Erzes zu bewerten sind, hängt zum einen von seinem Eisengehalt ab, zum anderen aber auch von den übrigen Inhaltsstoffen, wobei Blei und Arsen als besonders problematisch gelten.

    Vor hundert Jahren wurde das deutsche Eisenhüttenwesen vorwiegend aus Vorkommen in Lothringen, Schweden und Spanien versorgt. Von den drei bedeutendsten Eisenerz-Förderländern des 21. Jahrhunderts – China, Brasilien und Australien – ist noch nicht die Rede.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 10, 2694

    Ein weißer Fleck in der Atomgewichtstabelle der Elemente konnte vor 100 Jahren getilgt werden, und zwar durch die Einfügung von Holmium. Wie beschrieben wird, gelang dem schwedischen Chemiker Otto Holmberg die Gewinnung von reinem Holmiumoxid und dessen Atomgewichtsbestimmung nach der Sulfatmethode. Das Element Holmium war 1878 spektroskopisch entdeckt worden, im Jahr darauf stieß Per Cleve – wie viele Lanthanoid-Entdecker ebenfalls Schwede – auf Holmiumoxid als eine Verunreinung in Erbiummineralien. Der Elementname leitet sich von Holmia ab, dem lateinischen Namen für Stockholm. Fast hätte das Element eine größere technologische Bedeutung erlangt, da Holmiumlegierungen in den 70er Jahren in Magnetblasenspeichern für Computer verwendet wurden, die sich letztlich aber nicht gegen die Festplatte durchsetzen konnten.

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1913

    Die Zusammensetzung von photographischen Filmen aus Acetylzellulose – sogenannte Acetatfilme – wird in einem Aufsatz in Heft 19/1913 beschrieben. Die als Sicherheitsfilm bekannt gewordenen Acetatfilme wurden Anfang des 20. Jahrhunderts als Ersatz für die damals üblichen Zelluloidfilme entwickelt und ab den 50er Jahren flächendeckend eingeführt. Die aus Nitrozelloluse (Schießbaumwolle!) bestehenden Zelluloidfilme können sich nach längerer Lagerung und Trocknung selbst entzünden und dürfen heute nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen archiviert werden. Zelluloidfilme waren die Ursache etlicher Brandkatastrophen in den Anfangsjahren des Kinos, weshalb Projektoren aus den Zuschauerräumen verbannt und in separaten Vorführräumen betrieben wurden. Schon bald werden Filmrollen und Projektoren ganz verschwunden sein, denn in den meisten Kinos kommen die Filme längst von der – siehe oben – Festplatte. Wer mehr über die Geschichte des Zelluloidfilms erfahren möchte, sei auf einen exzellenten Aufsatz von O. Krätz in der Chemie in Unserer Zeit verwiesen (2007, 41, 86).

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 09, 2448

    Alkylzinn-Verbindungen könne man jetzt „mit fast beliebigen Substituenten an nahezu jeder Stelle des Moleküls herstellen”, heißt es in der Einleitung des Aufsatzes „Neues aus der Chemie der Organozinn-Verbindungen”. Der große Aufschwung der zinnorganischen Chemie werde durch ein „starkes industrielles Interesse vorangetrieben”. Heute werden solche Verbindungen zum größten Teil als Stabilisatoren für PVC eingesetzt, und auch vor 50 Jahren dienten sie in großem Umfang zur „Stabilisierung von halogenhaltigen Kunststoffen und Polyamiden”. Andere damals schon wichtige Anwendungen, etwa im Pflanzenschutz oder – was in der breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich noch bekannter ist – bei Antifouling-Anstrichen für Schiffe, sind jedoch rückläufig.

    Aus dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf stammt ein Aufsatz über mikroanalytische Untersuchungen des Gefüges von Legierungen. Hier wird in erster Linie die elektrolytische Zerlegung, Trennung und mikroanalytische Untersuchung von Legierungen geschildert, daneben werden aber auch schon elektronenmikroskopische Aufnahmen von Metallcarbiden erläutert.

    „Erste Möglichkeiten einer Virus-Chemotherapie zeichnen sich ab”, heißt es in der Rubrik Rundschau: Ioduracildesoxyribosid wurde erfolgreich für die Behandlung einer viralen Augenhornhaut-Infektion eingesetzt.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 08, 2198

    Photokopieren ist nicht neu! Nach Aussage des Dozenten Schnaubert war schon 1913 ein Vortrag in der Volksschule, am Gymnasium, an der Universität oder in Volksbildungsvereinen ohne Lichtbilder fast undenkbar, und er stellte einen „Alleskönner”-Apparat vor: Mit ihm konnten beispielsweise Abbildungen von etwa 5×5 bis 40×50 cm in wenigen Minuten abphotographiert und über das noch nasse Negativ in ein Diapositiv überführt, kleine Negative vergrößert und nach dem Negativ bis zu 60 Bromsilberdrucke pro Stunde für das Verteilen an die Zuhörer hergestellt werden.

    Heute soll Luft im Wasserstrahl den Wasserverbrauch reduzieren – 1913 wurde mit einem ähnlichen Ansatz versucht, den Verbrauch an Leucht- und Heizgas zu verringern. Durch Zumischen des größten Teils der für die Verbrennung benötigten Luft gleich hinter dem Gasmesser wird die Effizienz der Verbrennung an den einzelnen Brennstellen gesteigert und sogar die rußfreie Verbrennung von anderen Gasquellen wie dem Ölgas möglich. Nachhaltigkeit beim Ressourcenverbrauch ist ein altes Thema!

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1913

    Über den richtigen Weg zur Salzsäurekondensation, sprich zur Aufnahme von gasförmigem HCl in Wasser, existierten sehr unterschiedliche Ansichten, wie aus dem Beitrag von Theodor Meyer hervorgeht. Er stellt technische Kondensationssysteme vor, mit denen die wesentlichen Parameter optimiert werden können, und schließt seinen Text mit der Aussage, dass sich noch manche lohnenden Aufgaben zur Verbesserung der Fabrikation, sowohl in wirtschaftlicher wie in hygienischer Hinsicht, bieten.

    Ein Wechsel von der Schweiz nach China wird unter den Personal- und Hochschulnachrichten vermeldet: Ein Privatdozent für theoretische Physik an der Universität Zürich namens Franz Rusch hat den Ruf als Professor für Mathematik und Physik nach Tientsin (heute üblicherweise Tianjin geschrieben) angenommen. Er scheint noch lange in Kontakt zu Albert Einstein gestanden zu haben, denn es gibt im Buch The Ultimate Quotable Einstein ein Zitat aus einem Brief von Einstein an Rusch aus dem Jahr 1921.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 07, 1908

    In der Angewandten Chemie finden sich viele frühe Forschungsberichte späterer Nobelpreisträger. So enthält Heft 4/1963 den Beitrag „Umsetzung zwischen Pentafluorschwefelchlorid bzw. Schwefeltetrafluorid und Aminen” von Alan MacDiarmid, der im Jahr 2000 zusammen mit Alan Heeger und Hideki Shirakawa den Nobelpreis für die Entdeckung und Entwicklung leitfähiger Polymere erhielt. Seinen Nobel-Vortrag über „Synthetische Metalle” finden Sie in Heft 14/2001, einen hochaktuellen Beitrag von Alan Heeger in Heft 10/2013, welches das Festsymposium in Berlin anlässlich des 125. Jahrgangs der Angewandten Chemie begleitet.

    In einem weiteren Beitrag beschrieb Eugene Rochow die Herstellung von 2-Silabenzimidazolen aus N,N'-Bis-(trimethylsilyl)-o-phenylendiamin mit multifunktionellen Chlorsilanen in Gegenwart von Triethylamin. Rochow ist Chemikern vor allem durch die Müller-Rochow-Synthese bekannt, die er fast zeitgleich mit Richard Müller 1940 entwickelte, sowie durch die Allred-Rochow-Skala der Elektronegativität.

    Weiterhin enthält das Heft den dritten aus einer Serie von vier Aufsätzen von Fritz Kröhnke über Synthesen mit Pyridinium-Salzen. Kröhnke wies darauf hin, dass für die Reaktivität der Pyridinium-Ionen das Zusammenspiel aller Eigenschaften dieses Heterocyclus, z. B. der aromatische Charakter, die Basizität und der elektronenziehende Stickstoff im Pyridinium-Ion, entscheidend ist.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 05, 1390

    Im Aufsatz „Leitfähigkeit und Oberflächenchemie von Kristallen” erläutert G.-M. Schwab den Zusammenhang zwischen der Dotierung von Metallen und Halbleitern und deren elektrischer Leitfähigkeit und katalytischer Wirkung. Wenn der geschwindigkeitsbestimmende Schritt einer chemischen Reaktion am Festkörper bekannt ist, kann ein Zusammenhang zwischen der Leitfähigkeit des Festkörpers und den chemischen Eigenschaften hergestellt werden.

    E. O. Fischer und S. Breitschaft berichten in einer Zuschrift über die „Sechsringerweiterung an Cyclopentadienyl-benzol-metall-π-Komplexen durch Acylierung”. Zehn Jahre später erhielt E. O. Fischer den Nobelpreis für die Erforschung der metallorganischen Sandwichkomplexe. Eine interessante Lektüre zum Thema ist der kürzlich in der Angewandten Chemie erschienene Essay von H. Werner (2012, 124, 6156–6162), der den historischen Hintergrund zur Entdeckung dieser Komplexe und zur Verleihung des Nobelpreises an E. O Fischer und G. Wilkinson darstellt.

    Aus seiner Habilitationszeit in Heidelberg stammt die Zuschrift von R. W. Hoffmann mit dem Titel „Basenkatalysierte Fragmentierungen von Azoverbindungen, ein Weg zum o-Bromphenyl-Anion”. In seinem Essay in der Angewandten Chemie „Naturstoffsynthese im Wandel der Zeit” (2013, 125, 133–140) beschreibt er, wie sich nicht nur die Komplexität der Zielstrukturen, sondern auch die Erwartungen an eine Naturstoffsynthese mit der Zeit geändert haben.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 03, 820

    Mineralien von Elementen der vierten Hauptgruppe – und hier insbesondere von Silicium in Form seiner Silicate – bilden den Schwerpunkt der Übersichtsartikel in diesem Heft. W. Noll liefert eine elektronentheoretische Betrachtung der Si-O-Bindung in Silicaten, und A. Weiss beschäftigt sich mit glimmerartigen Schichtsilicaten wie dem Tonmineral Montmorillonit. Zwischen den zweidimensional unendlichen Makroanionen dieser Mineralien befinden sich anorganische Kationen, die sich gegen vielfältige andere – insbesondere organische – Kationen austauschen lassen. Laut dem Autor wurden organische Derivate von Montmorillonit bereits „zur Herstellung thixotroper Lacke, temperaturbeständiger Schmierstoffe, von Emulsionsstabilisatoren usw. verwendet”. Zwischen den Schichten laufen auch Reaktionen ab, wie sie in freier Lösung nicht stattfinden (z. B. eine Oxidation von Arylammoniumionen durch Luftsauerstoff, wobei die Art des Produkts von der Schichtladung des Silicat-Ions abhängt).

    Und mit einer Schichtverbindung geht es im Aufsatz von W. Rüdorff et al. auch weiter, nämlich mit Graphit und dessen Reaktionen mit wasserfreien Metallchloriden. Ähnlich wie bei dem zuvor genannten Silicat lagern sich die Gäste hier zwischen den Schichten des Minerals ein und beeinflussen u. a. seine katalytischen und magnetischen Eigenschaften, was z. B. dazu genutzt wurde, um durch magnetische Messungen die Oxidationsstufe eingelagerter Übergangsmetallkationen zu bestimmen.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 02, 504

    „Ich bin in der erfreulichen Lage, Ihnen mitteilen zu können, dass die Aufgabe, Ammoniak aus seinen Elementen zu gewinnen, technisch heute ihre volle Lösung erfahren hat”, schreibt August Bernthsen, Leiter des Hauptlaboratoriums der BASF, in einem Aufsatz in Heft 1/1913 über das Haber-Bosch-Verfahren. Er schildert darin die um 1900 beginnenden Studien Habers, die in nur wenigen Jahren von einer unmöglich geltenden Reaktion zu einem technisch ausgereiften Verfahren führten, das in seinen Grundzügen bis heute existiert. Moderne Herausforderungen und Perspektiven im Zusammenhang der Ammoniaksynthese wurden vor einigen Jahren in einem Kurzaufsatz in der Angewandten Chemie (2003, 115, 2050) dargelegt.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1913

    Eine sonderbare Art von Umweltproblematik wird in einem Beitrag in Heft 2/1913 „Zur Kaliabwasserfrage” angesprochen, nämlich der Eintrag von Mineralsalzen aus Kalifabriken in Flussläufe. Sonderbar deshalb, weil die Sorge nicht Flora und Fauna gilt, sondern der Papierindustrie, der das stark versalzte Wasser zu schaffen macht. Die Fronten scheinen verhärtet, und der Ton ist rau: „Derjenige aber, der Phasen des Kampfes verfolgt hat, muss feststellen, dass verschiedene Industriezweige, vor allem die Papierindustrie, sich gegen das Vorgehen der Kaliindustrie wehren müssen, weil ihre Lebensinteressen auf dem Spiel stehen.” Der Abfalleintrag aus Papierfabriken bleibt indes unerwähnt.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 01, 32

    So wie diese Ausgabe der Angewandten Chemie ein Jubiläumsheft ist, war auch das erste Heft 1963 (75. Jahrgang der Zeitschrift) ein ganz besonderes Heft. Es begann mit einem Geleitwort des GDCh-Präsidenten Karl Winnacker, in dem er der Schriftleitung (d. h. der Redaktion) und dem Verlag Chemie Anerkennung ausspricht, da sie „es in den vergangenen Jahrzehnten verstanden haben, der stürmischen Entwicklung der Chemie und der chemischen Technik jederzeit gerecht zu werden”. Seine weiteren Ausführungen erscheinen geradezu zeitlos: „Wenn unser Wissensgebiet überhaupt noch mit der Flut neuer Erkenntnisse und Veröffentlichungen fertig werden will, dann kann dies zu einem wesentlichen Teil nur auf der Grundlage einer groß angelegten und vorbildlich redigierten Zeitschrift, wie es die Angewandte Chemie darstellt, geschehen.”

    Hauptschriftleiter (also nach heutiger Nomenklatur Chefredakteur) Foerst erläutert das Programm der Angewandten Chemie – keine Trennung zwischen „reiner” und „angewandter” chemischer Forschung! – und blickt voraus: „Damit kann die Angewandte Chemie wohl auch noch hundert Jahre alt werden.” Jetzt sind es schon 125!

    Nach einem Beitrag über die „Chemikergeneration zwischen Humanismus und Technik”, der heute wohl in der Rubrik Essays erschienen wäre, folgen etliche Aufsätze namhafter Chemiker wie W. v. E. Doering, G. Wilke, E. O. Fischer sowie J. D. Roberts, der als NMR-Pionier „Anwendungen der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie in der organischen Chemie” zu einer Zeit beschreibt, als diese spektroskopische Methode keineswegs alltäglich war.

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