Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 128 Issue 31

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Vor 50 oder 100 Jahren (2010)

Zukunft braucht Herkunft – die Angewandte Chemie wird seit 1888 publiziert, und 2011 gibt es auch die International Edition schon 50 Jahre. Ein Blick zurück kann Augen öfnen, zum Nachdenken und -lesen anregen oder ein Schmunzeln hervorlocken: Deshalb finden Sie an dieser Stelle wöhentlich Kurzrückblicke, die abwechselnd auf Hefte von vor 100 und vor 50 Jahren schauen.

Archiv: 2010

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 51, 9994

    Was war vor 100 Jahren die jüngste chemische Spezialwissenschaft? Wenn man Professor Eduard Jordis glauben darf, war es die Kolloidforschung, denn mit dieser Behauptung leitete er seinen Vortrag „Über die Grundlagen einer chemischen Theorie der Kolloide” ein, den er auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in München gehalten hatte. Dort beklagt er die bislang vorrangig physikalische Betrachtung der Kolloide, wo doch „Färberei, Gerberei, Darstellung künstlicher Spinnstoffe, die Photographie, die Erzeugung von Farben, dann die Industrie der Zuckerwaren (Bonbons und Malze), der Gläser und Emaillen, der Zemente und keramischen Massen, der Cellulose, der Lacke und Harze, der Gummis, der Stärke und der künstlichen Klebstoffe, der Seifen usw. alle mit Kolloiden zu tun haben”, und äußert die Meinung: „Die Vorliebe für physikalische Forschung hat die Pflege der präparativen Kunst zu sehr zurückgedrängt, und man muss aufs energischste eine neue Belebung derselben fordern.”

    Der Name des Autors des zweiten Beitrags – Nikodem Caro – und dessen Titel „Zur Kenntnis des Kalkstickstoffs” lösten eine Assoziation aus, die zu Nachforschung mit folgendem Resultat anregte: Im oberbayerischen Trostberg gibt es seit 1910 eine chemische Firma, die für die Produktion von Kalkstickstoff nach einem 1895 erteilten Patent gegründet wurde und heute zu Evonik gehört. Caro war Mitgründer und erster Generaldirektor der damals „Bayerische Stickstoffwerke AG” genannten Firma. Als Motivation für seinen Beitrag nennt Caro: „Da aber inzwischen einige Resultate meiner Versuche, wie z. B. über die Analyse des Kalkstickstoffs, vielfach angewendet und auch publiziert wurden, so teile ich zunächst einen Auszug aus einer Reihe der vorgenommenen Untersuchungen mit.” Die Interpretation dieses Satzes sei dem Leser überlassen.

    Lesen Sie mehr in Heft 51/1910

    Am Anfang war der Bunsenbrenner: Professor Hans Bunte beschreibt in seinem ebenfalls auf der Hauptversammlung gehaltenen Vortrag „Fortschritte der Gaserzeugung und Gasverwendung”, welche Entwicklung die Verwendung von Gas im Alltag genommen hat und nennt als einen wesentlichen Vorteil der trockenen Kohledestillation, dass damit die Ruß- und Rauchplage in den Städten eingedämmt werden kann: „Heize mit Koks, koche mit Gas”. Später führt er aus, dass rund die Hälfte des abgegebenen Gases in Deutschland für Heizzwecke verwendet werde, dass aber der Bunsenbrenner seine wichtigste und interessanteste Ausgestaltung zur Beleuchtung im Gasglühlicht gefunden habe. Über diese Einschätzung ist die Zeit eindeutig hinweggegangen, doch die detaillierte Diskussion der Vorgänge in der Bunsenflamme liefert auch heute noch nützliche Einsichten, und Kochen mit Gas ist immer noch weit verbreitet.

    Lesen Sie mehr in Heft 52/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 50, 9745

    Anlässlich seines 60. Geburtstags wurde dem Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG, Ulrich Haberland, vor 50 Jahren ein Heft der Angewandten Chemie gewidmet. (Sein Name ist auch Nichtchemikern geläufig: Die BayArena in Leverkusen trug bis 1998 den Namen Ulrich-Haberland-Stadion.) Alle Zuschriften und mehrere der Aufsätze im Heft stammen denn auch von Bayer-Chemikern und behandeln für eine derartige Gruppe von Autoren typische Themen wie Polymerisation, Farbentwickler und Pflanzenschutzmittel, aber auch Spezielleres wie die „Reaktion von Cyanurchlorid mit Dimethylformamid”, ein kurzer Aufsatz, der sogar einen Experimentellen Teil enthält.

    Thematisch aus dem Rahmen dieses Heftes fällt der Aufsatz „Untersuchungen über einige Halbmetalle” von Wilhelm Klemm. Auch wer sich im Chemiestudium nicht zur Anorganischen Chemie orientiert(e), kennt seinen Namen als Autor oder Coautor von Lehr- und Praktikumsbüchern. Außerdem verleiht die GDCh den Wilhelm-Klemm-Preis Chemikern, „die sich durch hervorragende Arbeiten Verdienste um die Anorganische Chemie erworben haben”.

    Die Versammlungsberichte nehmen sich diesmal einer Tagung der VDI-Kommission „Reinhaltung der Luft” an, wobei SO2 – Schwefeldioxyd in der damaligen Schreibweise – das vornehmliche Thema war, vor allem die Wirkung von SO2 auf Pflanzen bei Begasungsversuchen.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 49, 9496

    „Angewandte Chemie” – der Titel der Zeitschrift war damals noch direkter gemeint als heute, wie die Beiträge zur Korrosion von Eisen- und Kupferlegierungen durch Salz- und lufthaltige Wässer (lies: das Rosten von Schiffen in Meeren) und über Zusätze bei der Wasserreinigung zeigen. Der Beitrag über die Gewinnung von Tantalsäure aus westaustralischen Mineralien schließt mit den Worten: „Auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen glauben wir, den australischen Fergusonit als Ausgangsmaterial für die Darstellung von Tantalpäparaten um so mehr empfehlen zu können, als die käuflichen Präparate immer noch ebenso teuer wie unrein sind.” Es blieb dem Leser  überlassen, in Deutschland eine Bezugsquelle für australische Mineralien ausfindig zu machen. Die Versorgung mit seltenen Metallen ist allerdings ein heißes Eisen geblieben oder wieder geworden.

    In der Rubrik „Verein Deutscher Chemiker” wird Heinrich Heraeus in einem Nachruf gewürdigt. Er hat nicht nur die kleine väterliche Platinraffinerie in Hanau vergrößert und weiterentwickelt (heute ist sie ein globales Unternehmen mit 12 000 Mitarbeitern), sondern gilt auch als einer der Initiatoren des Deutschen Museums in München.

    Lesen Sie mehr in Heft 49/1910

    Analytik und Patente sind Schwerpunkte der Angewandten Chemie am Anfang des 20. Jahrhunderts: vom Säuregehalt des Wasserstoffperoxids bis hin zu Neusilber und anderen Legierungen reicht der Bogen. Thema des wirtschaftlich-gewerblichen Teils sind die Niederlande, deren Kautschukverarbeitung dank der Kolonien eine gute Weiterentwicklung vorhergesagt wird.

    Zur Nachricht über die Böttingersche Stiftung an die Akademie der Wissenschaften zum Erwerb „eines größeren Quantums” Radium, das nach dem Verfahren von O. Hahn hergestellt und „an deutsche Gelehrte zum Zwecke wissenschaftlicher Forschung” leihweise (!) abgegeben werden soll, passt die Meldung, dass Marie Curie zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Stockholm ernannt wurde. Ein Jahr später erhielt sie den Nobelpreis für Chemie.

    Lesen Sie mehr in Heft 50/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 48, 9212

    Richard Kuhn feierte vor 50 Jahren seinen 60. Geburtstag, und aus diesem Anlass wurde ihm ein Heft der Angewandten Chemie gewidmet. Nicht verwunderlich also, dass sich mehrere der Aufsätze im Heft mit Carotinoiden beschäftigen oder, wie der von Windaus-Schüler Hans Herloff Inhoffen, mit Vitamin D: Für seine Arbeiten zu diesen Themen wurde Kuhn 1938 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Ein völlig anderes Gebiet, die röntgenographische Konformationsbestimmung von Cycloalkanen, wird im Aufsatz von Jack Dunitz und Vladimir Prelog diskutiert. Bemerkenswerterweise veröffentlichte Dunitz auch 2010 noch eine Zuschrift in der Angewandten Chemie (zur Struktur der D-Ribose); auf eine derart lange Zeit als Autor der Zeitschrift können wohl nur wenige andere zurückblicken.

    Die Verleihung des Nobelpreises hatte E.O. Fischer, im selben Heft mit der Zuschrift „Ein Cyclohexadienyl-eisen-tricarbonyl-Kation” vertreten, damals noch vor sich (1973). Die Anreicherung von Uran aus Meerwasser auf das 100.000-fache diskutieren Bayer und Fiedler, ein Verfahren, das sich zur Urangewinnung anscheinend ebenso wenig durchsetzen konnte wie zuvor Fritz Habers Projekt zur Goldgewinnung aus Meerwasser.

    Beim Internationalen Symposium über die Chemie der Naturstoffe, das im August 1960 in Melbourne stattfand, berichtete Henry Rapoport, wie den Versammlungsberichten zu entnehmen ist, über das in der medizinischen Forschung bedeutsame, neurotoxische Saxitoxin. Er vermutete, dass Saxitoxin eine Purinsubstruktur aufweist, doch dauerte es noch einige Jahre, bis dies bestätigt werden konnte.

    In der Rundschau wird die „erste Synthese eines Catenans” durch E. Wasserman erwähnt. Da jedoch kein Massenspektrum des durch Acyloinkondensation erhaltenen Produkts aufgenommen wurde, wurde dieses Ergebnis später nicht von allen Forschern auf dem Gebiet anerkannt.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 47, 8962

    Die Bewertung der bakteriziden Wirkung chemischer Desinfektionsmittel bildet den Kern des ersten Beitrags in Heft 47 der Angewandten Chemie vom 25. November 1910. A. Reitz behandelt noch heute Vertrautes wie die Metalle Kupfer (in Wasserrohren) und Silber (als Zusatz in Werkstoffen und neuerdings auch im Deodorant) sowie deren Verbindungen, ferner H2O2 und KMnO4, Phenolderivate (Stichworte Karbolsäure und Kreosot) und natürlich Formaldehyd und Iodverbindungen. Physikalische Verfahren wie Sterilisieren/Pasteurisieren und UV-Bestrahlung waren auch schon bekannt.

    Aus dem Nachrichtenteil erfährt man, dass eine gewisse „Frau Curie” einen Sitz in der Pariser Akademie der Wissenschaften anstrebt – alleine ist von Satzungs wegen „Frauen der Eintritt in den Sitzungssaal untersagt”. Das lässt bereits die starke konservative Opposition erahnen, die der Nobelpreisträgerin von 1903 (und 1911), als sie schließlich doch als Kandidatin zugelassen wurde, in einer Kampfabstimmung eine Niederlage beibringen sollte. Curies Verhältnis zur Pariser Akademie war auf Jahre hin getrübt.

    Lesen Sie mehr in Heft 47/1910

    Bemerkenswert in Heft 48 der Angewandten Chemie 1910 vom 2. Dezember ist sicher ein Tagungsbericht über den II. internationalen Kältekongreß in Wien, den Geheimrat von Linde – ein Urvater dieser Disziplin und der Gründer der Linde AG – mit einem Festvortrag über die Entwicklung der Kältetechnik eröffnete. Während Linde auch wissenschaftliche Leistungen bei der Gasverflüssigung hervorhob, präsentieren sich die übrigen Vorträge zumeist anwendungsbezogen. Die praktische Bedeutung, die das Kältewesen schon vor 100 Jahren hatte, wird an dem breiten Themenspektrum erkennbar, das von Bautechnik über Leder-, Paraffin-, Farbstoff- und Textilindustrie bis hin zur Anästhesie bei chirurgischen Eingriffen reicht.

    Lesen Sie mehr in Heft 48/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 46, 8730

    Die Beiträge in diesem Heft sind Carl Wurster, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der BASF, zum 60. Geburtstag gewidmet. Wenig verwunderlich stammen dementsprechend viele Artikel aus der Feder von BASF-Forschern. Behandelt werden Themen wie die Aluminiumchlorid-Herstellung, die Alkoholsynthese nach Reppe, Amidchloride und Carbamidchloride sowie Emulsionspolymerisation und Kunststoff-Latices. Unter den weiteren Autoren finden sich Persönlichkeiten wie Walter Hieber (der „Vater” der Metallcarbonylchemie), der einen Aufsatz über anionische CO-Komplexe beisteuert, Richard Kuhn (Chemie-Nobelpreisträger 1938) mit einem Beitrag über Ganglioside aus Rinderhirn, Feodor Lynen (Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1964) mit einem zur Biosynthese des Kautschuks sowie Karl Ziegler (Chemie-Nobelpreisträger 1963) mit einem zur metallorganischen Synthese höherer aliphatischer Verbindungen aus niedrigen Olefinen.

    Aus dem Bericht über den III. Internationalen Kongreß für grenzflächenaktive Stoffe in Köln erfahren wir unter anderem, dass beschlossen wurde, grenzflächenaktive Verbindungen im deutschen Sprachgebrauch künftig nicht mehr als Detergentien (lat. detergere, „abwischen”), sondern als Tenside (lat. tendere, „spannen”) zu bezeichnen; der Grund für diesen Beschluss wird uns leider nicht mitgeteilt. Weitere Themen sind eine Untersuchung des Keimgehalts an der Oberfläche und im Innern gebrauchter Geschirrtücher (Fazit: „Das einfache Ablaufenlassen des Spülwassers vom Geschirr erleichtert nicht nur die Hausarbeit, sondern ist auch in hygienischer Hinsicht von Vorteil.”) und der biologische Abbau von Tensiden im Abwasser.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 45, 8467

    „Durch das Vorstehende wird ... der Beweisführung von Raschig hinsichtlich der Nitrosisulfosäure der Boden entzogen” – mit diesen Zeilen in Heft 45 von 1910 steigt Wilhelm Manchot, seinerzeit Professor in Würzburg, in die hitzige Diskussion der „Blauen Säure” ein, für die Raschig Jahre zuvor die Konstitution HON(=O)SO3H vorgeschlagen hatte. Schon drei Hefte später findet die Debatte ihre ausführliche Fortsetzung – unter anderem beteiligt sich nun auch Ernst Berl –, und sie wird bis in die 40er Jahre anhalten. Die heute akzeptierte Formel ist [N2O2]+[HSO4], die Struktur des Kations ist aber noch immer unbekannt.

    In weiteren Mitteilungen geht es um die Bestimmung von Kohlenstoff und Schwefel in Legierungen sowie, im Beitrag von R. Liesegang, um reaktionslose, „tote” Räume, die der Autor mit den später nach ihm benannten periodischen Strukturen in Verbindung zu bringen sucht. Abgeschlossen wird der wissenschaftliche Teil von E. Kedesdy mit einem Plädoyer für die Einführung einer Chemotechnikerausbildung als Alternative zum akademischen Studium. Nach Meinung des Autors werden zu viele Akademiker produziert („Mit etwas Fleiß ... ist es ja nicht schwer, sich den Titel eines Dr. phil anzueignen.”), die besser eine ordentliche Ausbildung gemacht hätten – ähnliches bekommen Erstsemester bisweilen heute noch zu hören.

    Lesen Sie mehr in Heft 45/1910

    In Heft 46 von 1910 ging es mal wieder sehr technisch-analytisch zu, mit Mitteilungen über den Gesamtfettgehalt in Seifen, Bekohlungsanlagen und Tiegelgestelle. Aus der Reihe fällt ein kurzer Bericht über Fischfangpraktiken in Afrika: Zerstampft man bestimmte gifthaltige Pflanzenteile und wirft diese ins Wasser, so lassen sich – kein Anglerlatein! – stromabwärts alsbald betäubte Fische einsammeln. Nachhaltig ist es auch, denn die Brut bleibt verschont. Den Hinweis, dass derlei Praktiken hierzulande als Raubfischerei geahndet wurden, vergisst der Autor dankenswerterweise nicht.

    In den Personalnachrichten wird die Vergabe des Nobelpreises an Otto Wallach und die Gründung der bis heute bestehenden Carnegie-Stiftung vermeldet. Bedrückend, und auch absonderlich, wirkt der in den Vereinsnachrichten eingehende Aufruf zu Geldspenden an die Witwe Carl Bayers (Bayer-Verfahren zur Aluminiumherstellung), der nach seinem Tod die Familie in „bitterster Not zurückließ”.

    Lesen Sie mehr in Heft 46/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 44, 8236

    Substituierte Cyclopentadienone sind wichtige Synthesebausteine. Der unsubstituierte Grundkörper, das Cyclopentadienon selbst, hat sich dagegen als ausgesprochen instabil erwiesen und sich dementsprechend lange einer Isolierung entzogen. Im Zuschriftenteil finden wir nun offenbar einen ersten Beleg für die intermediäre Bildung von Cyclopentadienon: K. Hafner stellt diese Verbindung aus Cyclopentenon durch Umsetzen mit NBS und nachfolgende Abspaltung von HBr her, wobei das instabile Cyclopentadienon allerdings sofort unter Dimerisierung weiterreagiert.

    R. Lesser von Heraeus stellt den Argon-β-Strahlen-Ionisationsdetektor für die Gaschromatographie für die Messung kleiner Mengen anorganischer Gase vor. Mit diesem Ionisationsdetektor lassen sich N2 und O2 normalerweise nicht erfassen. „Führt man jedoch dem Detektor zusätzlich sehr kleine, zeitlich konstante Mengen gasförmiger organischer Verbindungen zu, so lassen sich auch anorganische Gase bis zu Mengen von etwa 10-5 ml noch einwandfrei bestimmen”. Der Trick ist hier, dass bei Zuführung des organischen Gases ein relativ hoher konstanter Ionisationsstrom erzeugt wird, der aber zusammenbricht, sobald eine kleine Menge anorganischen Gases hinzugefügt wird; dies wird als deutlicher Ausschlag registriert.

    Weitere Themen von Übersichtsartikeln sind Reaktionen freier Radikale unter Kombination oder Disproportionierung zu stabilen Produkten, die Eigenschaften von Nitrofarbstoffen sowie die Vernetzung unterschiedlicher Polymere über reaktive Gruppen; die Autoren schlagen für derart vernetzte Polymere den Begriff „Verbund-Polymere” vor.

    Im Versammlungsteil wird u.a. über den Kongress für Kosmetische Chemie berichtet. Ein Vortrag befasst sich hier mit der besonders in der damaligen Zeit beliebten Dauerwelle, und zwar mit der Quellung des Haars in Kaltwellmitteln. Die Forscher untersuchten das Eindringen von Kaltwell-Lösungen in das Haar mithilfe von polarisiertem Licht und fanden, dass Lösungen der verwendeten organischen Schwefelverbindungen bei pH>9.4 schneller und gleichmäßiger in das Haar eindringen und so Beschädigungen vermeiden.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 43, 8000

    Carl Duisberg, Vorsitzender des Vereins deutscher Chemiker, nimmt den 75. Geburtstag Adolf von Baeyers zum Anlass, eine Denkmünze dieses Namens zu stiften, die den Preisträgern der Carl-Duisberg-Stiftung überreicht werden soll. Zwei Jahre später wurde die Münze das erste Mal verliehen: an Paul Friedländer, einen ehemaligen Mitarbeiter von Baeyers.

    Ansonsten prägen technische Themen wie das Verhalten nitroser Gase gegenüber Wasser und Laugen, die Wasserhärte und die Rechte der Angestellten an ihren Erfindungen die Angewandte Chemie 1910. Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil wird über die Olivenernte in Spanien berichtet. Demnach wurden dort damals rund 0,2 t Olivenöl je Hektar Olivenhain gewonnen, heute sind es stolze 3 t. Weniger dramatisch ist die Ertragssteigerung bei deutschem Hopfen, über den ebenfalls berichtet wurde: 1909 wurden noch 0,7 t pro Hektar Anbaufläche gewonnen, heute liegt dieser Wert bei 1,8.

    Lesen Sie mehr in Heft 43/1910

    Über die Produktion der elektrischen Glühfäden berichtet H. F. Baumhauer, ein Thema, das heute zumindest in Europa kaum mehr auf der Tagesordnung steht, bieten doch Leuchtstofflampen („Energiesparlampen”) eine deutlich höhere Lichtausbeute.

    Wilhelm Vaubel aus Darmstadt plädiert für den Ersatz der Iodzahl als Maß für den Gehalt eines Fettes an ungesättigten Fettsäuren durch die Bromzahl, allerdings nur beim experimentellen Arbeiten: „Ich glaube deshalb, mit gutem Gewissen den völligen Ersatz der Jodzahlen durch die Bromzahlen empfehlen zu können, wobei ich selbstverständlich nicht wünsche, daß diese ehrwürdigen Standardzahlen völlig unberücksichtigt gelassen werden, sondern daß immer eine entsprechende Umrechnung der Bromzahlen in die Jodzahlen statthaben solle.” Veränderungen mussten schon damals, objektive Vorzüge hin oder her, den Beteiligten schmackhaft gemacht werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 44/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 42, 7774

    Elektrophotographie nannte man vor 50 Jahren die elektrostatische Bilderzeugung, die damals im angelsächsischen Sprachraum besser als Xerographie bekannt war. Beide Begriffe sind, zumindest umgangssprachlich, heute unüblich, man sagt stattdessen „Fotokopieren” oder nur kurz „Kopieren”. In seinem „Elektrophotographie” betitelten Aufsatz stellt K. Hauffe diese Technik als ein „neues Reproduktionsverfahren” vor. Der erste Fotokopierer war 1949 auf den Markt gekommen; die Herstellerfirma Haloid wurde 1958 in Haloid Xerox und 1961 in Xerox umbenannt.

    Über neue Erkenntnisse zur Biosynthese der Folsäure berichtet im Zuschriftenteil Lothar Jaenicke, damals Privatdozent an der Universität München, während Karl Dimroth, Nachfolger Meerweins als Direktor des Chemischen Instituts der Universität Marburg, gleich mit mehreren Arbeiten über Phosphorsäureester vertreten ist.

    Aus der Rundschau erfahren wir, weshalb chemische Verschiebungen in der Kernresonanzspektroskopie (noch nicht als NMR-Spektroskopie abgekürzt) vom Lösungsmittel abhängen und dass Thallium „ein regelmäßig vorkommendes Spurenelement im tierischen und pflanzlichen Organismus” ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 19/20, 1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 41, 7530

    Im zweiten Teil des Fortschrittsberichtes über die Organische Chemie des Jahres 1909 von W. Gössling finden sich so prominente Namen wie Ullmann, Fischer, Claisen, Houben, Villinger, Wieland und Gmelin. Die vorgestellte Chemie ist naturgemäß eher einfach und beschäftigt sich u. a. mit Inhaltsstoffen des Steinkohlenteers wie Alkylbenzolen und Phenolen. Vieles davon begegnet Studierenden heute schon im Grundstudium.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil erfährt man, dass in Österreich-Ungarn die Verwendung von weißem und gelbem Phosphor in Streichhölzern verboten und gute Erfahrungen mit der Einführung von Sprinkleranlagen gemacht wurden. Damals war offenbar die Errichtung und Änderung von Anlagen ohne Genehmigung gang und gäbe. Fortschritte werden dagegen bei der Arbeiterfürsorge und dem Jugendschutz attestiert.

    Aus Brüssel wird über den 5. Internationalen Photographischen Kongress berichtet, auf dem unter anderem über die chemische Natur des latenten Bildes und die Photographie außerhalb des sichtbaren Bereichs diskutiert wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 41/1910

    Anlässlich des 100. Jubiläums der Berliner Universität (heute: Humboldt-Universität) regnete es Auszeichnungen: Emil Fischer wurde zum „Wirklich Geheimen Rat” ernannt, J. H. van’t Hoff erhielt die Große Goldene Medaille für Wissenschaft und A. von Baeyer und O. Hahn wurden zu Professoren ernannt. Ehemalige der Universität spendeten 18.000 Mark für eine Stiftung zugunsten von Doktoranden.

    Stolzenwald schreibt über Apparate für die Konzentration von Schwefelsäure auf 97–98% und bemerkt am Ende: „In der Praxis kommen aber bei dem einen wie anderen Teile Störungen vor, so daß jedesmal der ganze Apparat stehen muß.” – zeitlos!

    Lesen Sie mehr in Heft 42/1910

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 39, 7076

    Brandaktuell und umfassend berichtet Heft 39 der Angewandten Chemie am 30. September 1910 über die 82. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Königsberg, die nicht einmal eine Woche vor Erscheinen zu Ende gegangen war. Bevor man sich in die jeweiligen Abteilungssitzungen verstreute, wurde – um der vorherrschenden Zersplitterung und Spezialisierung entgegenzuwirken – erst einmal eine allgemeine Versammlung abgehalten, die im Sinne eines Studium generale neben einem Vortrag zu „Erkenntnistheorie und Naturwissenschaft” einigermaßen überraschend auch einen Vortrag über „Pubertät und Schule” umfasste. Der Redner empfiehlt zeitgemäß und wortwörtlich, nicht allzu viel Milde gegenüber der heranwachsenden Jugend walten zu lassen.

    Zeuge eines Schaulaufens wird man im Bericht zur Sitzung der Abteilung Dermatologie und Syphilidologie: Die Audienz hängt förmlich an Paul Ehrlichs Lippen, als dieser über die Syphilisbehandlung mit seinem Präparat 606 – auch bekannt als Salvarsan – berichtet. Weiter hinten im Heft, in der Rubrik „Eingelaufene Bücher”, findet sich passend dazu eine kurze, durchweg positive Besprechung eines Buchs, in dem Ehrlich den Stoff seiner Vorträge zu Chemotherapie und experimenteller Pathologie zusammenfasst.

    Lesen Sie mehr in Heft 39/1910

    Belgien muss schon 1910 eine Bier-Hochburg gewesen sein, sonst hätte der Erste Internationale Brauerkongreß kaum in Brüssel stattgefunden. Der Bericht zu diesem Ereignis in Heft 40 des Jahrgangs 1910 vom 7. Oktober ist immerhin zehn Seiten stark. Neben dem Erwarteten, den Eigenschaften und der Prozessierung von Hopfen und Gerste sowie einer Tabelle zur „Durchschnittlichen Zusammensetzung der Biere”, ging es auch um die Rolle von Mikroorganismen und natürlich um die als Edelpilz gepriesene Hefe. Bleibt die Frage: Ist die Lebensmittelchemie in der Angewandten Chemie heute unterrepräsentiert?

    Lesen Sie mehr in Heft 40/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 38, 6848

    Der Chemie-Nobelpreisträger 1939, Adolf Butenandt, ehrt seinen Doktorvater und Chemie-Nobelpreisträger 1928, Adolf Windaus, der 1959 gestorben war, mit einem Aufsatz zur Geschichte der Sterin- und Vitamin-Forschung, an der Windaus maßgeblich beteiligt gewesen war. Noch keinen Nobelpreis hatte 1960 Robert Woodward (er sollte ihn erst 1965 für seine Arbeiten zur Synthese von Naturstoffen erhalten), der einen Überblick über eine seiner herausragenden Forschungsleistungen gibt: die Totalsynthese von Chlorophyll ausgehend von vier vergleichsweise einfachen Pyrrolderivaten. Woodward demonstriert dabei eindrucksvoll, dass „eine so gezielte Synthese nur auf Grund eingehender theoretischer Überlegungen möglich ist”.

    Eine Problematik, über die nicht jeder gerne spricht, sind Durchfallerkrankungen - diesem Thema widmet J. Druey einen Aufsatz, der sich mit Amoebiziden zur Therapie der Amöbenruhr auseinandersetzt. Zur Behandlung mit Antibiotika stellt der Autor fest: „Zur Zeit findet man keine Anhaltspunkte dafür, daß Antibiotica in der Bekämpfung der Amoebiasis jemals die Stellung einnehmen könnten, die sie heute bei der Bekämpfung von Bakterieninfektionen innehaben.” - entgegen seiner Prognose sind heute Antibiotika das Mittel der Wahl.

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 37, 6620

    Die Spektralanalyse per Handspektrometer dürfte jedem Chemiker aus dem qualitativen Grundpraktikum als eine mehr oder doch weniger verlässliche Methode zum Auffinden von Li, Na, K und Ca im Gedächtnis haften. Dass es auch quantitativ geht, demonstrierte Walther Hempel, seinerzeit Leiter des Laboratoriums für Anorganische Chemie des Polytechnikums Dresden sowie Erfinder und Namensgeber eines Sammelsuriums von Analyseinstrumenten, schon vor 100 Jahren, nämlich in ebenjener Mitteilung „Über quantitative Spektralanalyse” in Heft 37 der Angewandten Chemie von 1910. Die Messung der Linienintensitäten ist noch nicht ganz ausgereift, denn als Sensor dient bloß das menschliche Auge – die Ergebnisse sind aber überraschend gut.

    Weitere Mitteilungen befassen sich mit der Eisenverhüttung, Torfsäuren und – ein Dauerbrenner damals – der Nitrocellulose.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil finden wir die Information, dass jeder Russe im Jahr 7 Liter Branntwein konsumiert und in Finnland die Biersteuer verdoppelt wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 37/1910

    „So glaube ich aus innerster Überzeugung, daß meine Vorschläge der Gerechtigkeit ... zum Siege verhelfen können.” – was nach feurigem Plädoyer klingt ist auch eines, und zwar gesprochen von Regierungsrat Rathenau in seinem Vortrag „Wortzeichenschutz für Arzneimittel” vor der Hauptversammlung für gewerblichen Rechtsschutz 1910 in München. Hintergrund seiner Ausführungen sind damalige Bestrebungen, vor allem seitens von Apothekern, den gesetzlich verankerten Markenschutz für Arzneimittel auszuhebeln, wogegen Rathenau sehr entschieden opponiert.

    Des Weiteren verfolgen wir die nächste Fortsetzung des Streits zwischen L. Grünhut/E. Hintz und F. Henrich um den Radioaktivitätsgehalt des Wiesbadener Kochbrunnens (siehe auch die Hefte 8, 10 und 28 von 1910). Die Einzelheiten interessieren heute nicht mehr – was aber bleibt ist ein Ausspruch Henrichs, wie er treffender kaum sein kann: „Man sieht hier wieder, wie sehr sich jemand täuschen kann, wenn er Experimente durch mathematische Überlegungen ersetzt.” Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Lesen Sie mehr in Heft 38/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 36, 6380

    In diesem Heft schließt A. Henglein eine dreiteilige Aufsatzreihe über die „Chemische Wirkung ionisierender Strahlen” ab. Nachdem er in den früheren Berichten Gase und wässrige Lösungen sowie Kohlenwasserstoffe besprochen hat, widmet er sich nun einfachen organischen Halogen- und Sauerstoffverbindungen, die z. B. mit γ-Strahlen beschossen und dann auf ihre Zersetzungsprodukte untersucht werden. Das Produktspektrum der Radiolyse ist erwartungsgemäß reichhaltig, was, wie der Autor richtig feststellt, „die präparative Anwendung ionisierender Strahlung erschwert”. Dennoch war die Radiolyse offenbar damals in einigen Fällen eine praktische Alternative zu anderen präparativen Verfahren, z. B. für die Herstellung von Heptadec-8-en aus Ölsäure.

    In weiteren Beiträgen schildern M. Pestemer und D. Lauerer, wie anhand des Auftretens neuer Absorptionsbanden im IR-Spektrum der Nachweis einer Anlagerung des Lewis-Säure- oder Lewis-Base-Katalysators an polare Mehrfachbindungen während einer homogen katalysierten Reaktion gelingt, und H. L. Schläfer und W. Schaffernicht liefern eine Bewertung von DMSO als Lösungsmittel für anorganische Verbindungen.

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 35, 6150

    Im Vortrag über Patentverletzung durch äquivalente Verfahren sagte der Rechtsanwalt E. Städel vor der Fachgruppe für gewerblichen Rechtsschutz: „Ich nenne Konstruktionserfindungen solche, bei denen bekannte naturwissenschaftliche Erscheinungen in einer n e u e n W e i s e zu einem technischen Zwecke kombiniert werden; Entdeckungserfindungen solche, bei denen ein technischer Erfolg durch die Benutzung einer bisher u n b e k a n n t e n naturwissenschaftlichen Erscheinung erreicht wird. ... Es ist nun klar, daß man bei Entdeckungserfindungen nicht von einem Erfindungsgedanken sprechen kann. Denn das Neue ist nicht durch eine Gedankenoperation hervorgebracht, sondern vorgefunden worden. ... aber es bleibt die Frage, ob sich nicht eine entsprechende Ableitung dieses Begriffs auffinden läßt. Gemeinsam ist beiden Arten von Erfindungen, daß sie den S c h a t z d e r t e c h n i s c h e n M i t t e l bereichern. Dieser Schatz der technischen Mittel ist ein Gebiet des W i s s e n s ; wir können deshalb auch von einer B e r e i c h e r u n g d e s t e c h n i s c h e n W i s s e n s sprechen. ... Wenn das Patent auf eine Konstruktionserfindung durch den verletzt wird, der von dem Kombinationsgedanken Gebrauch macht, so wird das Patent auf eine Entdeckungserfindung durch den verletzt, der von dem n e u e n W i s s e n Gebrauch macht, das durch diese Erfindung der Technik erschlossen worden ist.” Auf diesem Weg versuchte er das Problem in den Griff zu bekommen, dass die aus technischen Disziplinen stammende Definition von Patentverletzungen nicht einfach auf die Chemie übertragen werden konnte.

    Lesen Sie mehr in Heft 35/1910.

    Erdöl noch nicht als Brennstoff, sondern als Grundlage für Schmierstoffe stand im Zentrum des Vortrags Das deutsche Erdöl, seine Verarbeitung und Verwendung von Phil. Kessler. Was die damals noch umstrittene Frage nach der Entstehung des Erdöls angeht, favorisierte er die Bildung aus Meeresfauna und -flora, unter anderem mit dem Argument, dass aus Erdöl gewonnene Kohlenwassserstoffe optisch aktiv seien, anorganische Kohlenwasserstoffe – was auch immer das sein sollte – dagegen nicht.

    Zur Theorie des Bleikammerprozesses lautet die Überschrift des ebenfalls abgedruckten Vortrags von O. Wentzki, der seine Motivation so erklärte: „Bei der Ausarbeitung eines neuen Verfahrens zur Darstellung von Schwefelsäure habe ich einige Beobachtungen gemacht, die ich hier mitteilen möchte, weil sich daraus Schlüsse auf den Reaktionsverlauf in der Bleikammer und auf die Richtigkeit gewisser Theorien des Bleikammerprozesses ziehen lassen.” Auch wenn Schwefelsäure nicht mehr auf diese Weise großtechnisch hergestellt wird, sind seine Überlegungen noch lesenswert.

    Lesen Sie mehr in Heft 36/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 34, 5950

    Reaktions-Gaschromatographie wurde als Methode zur sehr genauen Bestimmung des Alkoholgehalts im Blut vorgestellt. In der klinischen Analytik kommt die Gaschromatographie zu diesem Zweck heute kaum noch zum Einsatz (und die Reaktions-Gaschromatographie gar nicht), wohl aber in der forensischen Analytik, da hier die Anwendung zweier Methoden vorgeschrieben ist.

    Umfangreich ist der Bericht über die Hauptversammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die im April 1960 stattfand. Dort hielt E. Klever einen Vortrag über das Chemische Zentralblatt, das bis zur Gründung der Chemical Abstracts 1907 das wichtigste Referateorgan in der Chemie war. Die Konkurrenzsituation wird dadurch deutlich, dass, laut Klever, in den USA 1960 nur 7,8 % der Chemiker das Zentralblatt nutzten. Bereits neun Jahre später wurde das heute unter jungen Chemikern und Studenten kaum noch bekannte Chemische Zentralblatt eingestellt (wofür aber nicht in erster Linie die Konkurrenz durch die Chemical Abstracts als Ursache anzusehen ist). Die übrigen Vorträge haben hingegen Chemie und nicht Chemieliteratur zum Thema, so berichtete Stetter über makrocyclische Polyamine, Wilke über cyclische Butadien-Oligomere und Baudler über eine „Di-Phosphorsäure” H4P2O4 (d.h. Hypodiphosphonsäure).

    In der Rundschau erfahren wir, dass ein in einen kleinen Kellerraum geflüchteter Mörder an einer Vergiftung durch Chloracetophenon starb. Dies war der erste publik gewordene Todesfall nach einem Einsatz der unter Nichtchemikern eher als CN oder Chemische Keule bekannten Substanz in einem geschlossenen Raum. Harmlos dagegen ist ein Beitrag über die Abhängigkeit der rheologischen Eigenschaften von Kuchenteigen vom Protein des verwendeten Mehles.

    Lesen Sie mehr in Heft 16/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 33, 5728

    Die effiziente Gewinnung von Bioalkohol – kein neues Thema: In seinem Vortrag bei der Vorstandssitzung des Vereins der Zellstoff- und Papierchemiker 1910 in Goslar sprach Dr. Carl G. Schwalbe über die Spritgewinnung aus den Ablaugen der Zellstoffabrikation und nannte dabei unter anderem zwei Vorteile der Verwendung von Cellulose gegenüber der von Zucker und Stärke: Man könne Kartoffeln und Getreide wieder vor allem als Nährmittel nutzen, und die nordeuropäischen und nordamerikanischen Sägewerke müssten nicht mehr ständig ihr Sägemehl verbrennen. Schwalbe analysiert die Versuche, Sägemehl mit schwefliger Säure unter Druck aufzuschließen, sowohl unter verfahrenstechnischen als auch unter wirtschaftlichen Aspekten.

    Die Reinheitsprüfung bei Narkose-Chloroform war Thema des Vortrags von Dr. F. Stadlmayr bei der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in München. Narkose-Chloroform unterscheidet sich von anderen Chloroform-Handelsformen durch den Zusatz von Ethanol, der die durch Licht ausgelöste Reaktion mit Sauerstoff zu Cl2 oder COCl2 – beides sehr unerfreuliche Stoffe im Hinblick auf eine Narkose – verhindern soll.

    Lesen Sie mehr in Heft 33/1910.

    Fast siebzig Seiten umfassen die Texte über die 23. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in München im nächsten Heft. Bei der vom Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. C. Duisberg als Vorsitzenden geleiteten Sitzung des Vorstandrates gab es neben den bei einer solchen Veranstaltung zu erwartenden typischen Tagesordnungspunkten auch den Dauerbrenner „Verbesserung des chemisch-technologischen Unterrichts an den deutschen Universitäten” sowie Informationen zu den neuen Büroräumen der Geschäftsstelle mit einer genauen Beschreibung der Räumlichkeiten, die mit den Worten beginnt: „Betreten wir den Flur des Hauses Stephanstr. 8, so führt uns die erste Tür links in die Geschäftsräume des Vereins.” Zudem findet man einen detaillierten Grundriss. Auch eine Übersicht über die Aufsätze in der Angewandten Chemie (so hießen damals die Originalveröffentlichungen) gab es bereits (siehe Tabelle 1). Heute erhält die Angewandte Chemie ca. 600 Originalbeiträge (Zuschriften) im Monat!

    Statistische Daten zur Angewandten Chemie vor 100 Jahren.

    Aufsätze

    1909

    1908

    1907

    Eingegangen

    252

    252

    245

    Davon zurückgewiesen

    38

    21

    39

    Ins neue Jahr hinübergenommen

    32

    21

    27

    Also abgedruckt im gleichen Jahr

    182

    210

    179

    Abgedruckt aus dem Vorjahre

    21

    27

    32

    Also insgesamt abgedruckt

    203

    237

    211

    Durchschnittslänge eines Aufsatzes

    3.9

    3.3

    3.5

    Lesen Sie mehr in Heft 34/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 32, 5530

    Unter der Überschrift „Festkörpereigenschaften und zwischenmolekulare Wechselwirkungen” berichtet Klaus Schäfer über die steigende Bedeutung von Festkörpern „mit erstrebenswerten Eigenschaften” und hebt dabei die „sehr reinen Festkörper, die heute als Transistoren Verwendung finden”, hervor. Diese sind mittlerweile aus keinem Bereich des Lebens mehr wegzudenken, und Transistoren sind so allgegenwärtig und selbstverständlich, dass ihre Erwähnung überflüssig erscheint und z.B. die Bezeichnung „Transistorradio” längst außer Gebrauch ist.

    Dass „die Chemie der Wolle wesentlich durch die Reaktivität des Proteinschwefels bestimmt wird, hat auch die II. Internationale Wollkonferenz deutlich werden lassen”. Dort wurden nämlich u.a. Probleme der absoluten Cystin- und Cystein-Bestimmung diskutiert. Den Versammlungsberichten ist auch zu entnehmen, dass das dritte Gaschromatographische Symposium „nicht mehr ganz das Niveau der vorhergehenden” erreichte. Davon abgesehen erweckte es wohl den Anschein, „als ob es zwei Arten von Chemikern gäbe: Anhänger des Flammen- und Verfechter des Argon-Detektors”. Zu dieser Zeit mussten Analytiker offenbar Kapillarsäulen noch selbst herstellen und waren entsprechend froh darüber, dass solche Säulen „mit garantiert 3000 theoretischen Böden pro Meter” bald in den Handel kommen sollten. Der Flammendetektor wird heute als Flammenionisationsdetektor (FID) bezeichnet. Der um 1960 noch recht weit verbreitete Argon-Detektor war zwar empfindlicher, zeichnete sich aber durch höheres Rauschen und Schwankungen aus. Eine Weiterentwicklung ist der Elektroneneinfangdetektor (electron capture detector, ECD), der bei niedrigeren Spannungen betrieben und speziell für die Analytik halogenierter Verbindungen verwendet wird.

    In der Rundschau wird berichtet, dass die Aminosäuresequenz des Tabakmosaikvirus-Proteins aufgeklärt wurde und dass energiereiche polycyclische Kohlenwasserstoffe mit Cyclopropan- oder Cyclobutanringen als Düsentreibstoffe vorgeschlagen wurden. Außerdem erfahren wir, dass die atmosphärische Radioaktivität infolge des französischen Kernwaffenversuchs vom 13. Februar 1960 in England und Deutschland gegen Ende desselben Monats auf etwa das Zehnfache zunahm.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 31, 5338

    Die „Verfärbung des Holzes durch Einwirkung von Gasen und Dämpfen” steht in einem Beitrag von H. Wislicenus im Mittelpunkt. Der rein oberflächlichen „Tüncherei” mit Flüssigbeizen stellt der Autor ein tiefergehendes Behandlungsverfahren gegenüber, das durch Exposition gegen die „Bodengase: Wasserdampf, Luft, Ammoniak und Kohlensäure” in hölzernen Werkstücken einen edlen Altersfarbton hervorruft – ob dieser freilich an die von Wislicenus als Idealbild beschworene „herrliche Braunfärbung der Häuser in den Hochalpen” heranreicht, bleibt offen. Immerhin macht die Angewandte Chemie mit Heft 31 vom 5. August 1910 ihrem Namen alle Ehre.

    Lesen Sie mehr in Heft 31/1910

    Mulmig kann es einem werden, wenn man in R. Müllers Traktat über die toxikologischen Wirkungen des Phosgens im Zusammenhang mit Werksunfällen und der Zersetzung des noch üblichen Anästhetikums Chloroform erfährt, „... daß diese Vergiftung praktisch wichtig und theoretisch nach den verschiedensten Seiten interessant ist.” Die praktische Bedeutung hatte man in Militärkreisen wohl bereits erkannt, denn schon wenige Jahre später – im Ersten Weltkrieg – wurde Phosgen als Kampfstoff mit verheerenden Folgen eingesetzt.

    Von Interesse für Anorganiker dürfte in Heft 32 des Jahrgangs 1910 der Beitrag von F. Klein sein. Unter dem schlichten Titel „Selen” liefert der Autor eine vierseitige Abhandlung, bei der er von der Entdeckung des Elements über Vorkommen, Eigenschaften, Herstellung und Anwendungen zu chemischen Reaktionen in den verschiedenen Oxidationsstufen fortschreitet: ein klassischer Aufbau, wie man ihn heute noch in Lehrbüchern der anorganischen Chemie findet.

    Lesen Sie mehr in Heft 32/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 30, 5146

    Der Anfang der Chemie stabiler Carbene! In einer wegweisenden Zuschrift beschreiben H.-W. Wanzlick und E. Schikora einen neuen Zugang zur Carbenchemie: Aus 1,3-Diphenyl-2-trichlormethylimidazolidin wurde durch Erhitzen unter Chlorabspaltung eine farblose, kristalline Verbindung erhalten, die sich chemisch wie ein Carben verhielt. Die Autoren postulierten auf Basis von Molgewichtsbestimmungen, dass dieses Carben im Gleichgewicht mit seinem Dimer vorliegt („Wanzlick-Gleichgewicht”) – eine Hypothese, deren Verifizierung erst im Jahr 2000 (durch F. E. Hahn und D. M. Lemal) gelingen sollte!

    Der Einsatz der diffusen Röntgenkleinwinkelstreuung, eines wichtigen Verfahrens zur Charakterisierung weicher Materie (Polymerblends, große Biomoleküle, Kolloide usw.), für die Bestimmung der Größe und Gestalt von Kolloidteilchen und Makromolekülen wird in einem Aufsatz von O. Kratky vorgestellt. Weitere Themen in diesem Heft sind u.a. die biochemischen Vorgänge bei der Hämagglutination und dielektrische Untersuchungen an Zeolith-Molekularsieben.

    Ganz der angewandten Chemie verpflichtet war die Tagung der „GDCh-Fachgruppe Lebensmittelchemie und gerichtliche Chemie” in Weinheim an der Bergstraße (wir haben hier schon lange keine solche Tagung mehr gesehen!): Themen waren unter anderem die graubraune Verfärbung von Dosenwürstchen durch einen erhöhten Eisengehalt der äußeren Wurstteile sowie die Schwarzverfärbung von Schweinsohrsülze durch Bildung von FeS, beide Phänomene verursacht von eisenhaltigem Wasser.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 29, 4986

    Die Aufnahme von Fremdstoffen über die Milch war schon vor 100 Jahren Gegenstand der Forschung und auch der Besorgnis, wie der Artikel von G. Wesenberg in der 29. Ausgabe der Angewandten Chemie von 1910 bezeugt. Für viele dieser Rückstände braucht es nicht einmal Analyseverfahren, man erkennt sie leicht schon am Geruch, Geschmack und der Farbe der Milch – oder, im schlimmeren Falle, an Vergiftungserscheinungen nach dem Trinken. So macht Aloe die Milch bitter, Rhabarber bedingt Gelbfärbung, und Anis, Fenchel oder Knoblauch verraten sich durch ihren Geruch. Bitterpflanzen wie Artischocken lassen auch die Milch bitter werden, und Giftpflanzen wie der Stechapfel machen die Milch gar giftig. Auch das Problem von Arzneimittelrückständen in der Kuhmilch ist 1910 schon erkannt, allerdings bleibt es mangels adäquater Analyseverfahren bei einer vorerst oberflächlichen Betrachtung.

    In weiteren Beiträgen geht es um die Chemie des Kautschuks und des Erdöls, die Bestimmung von Schwefel im Kies und – recht exotisch – um die Auswirkungen einer Strafprozessnovelle für den gewerblichen Rechtsschutz.

    Lesen Sie mehr in Heft 29/1910

    Kein Geringerer als Fritz Haber gibt sich die Ehre und präsentiert in der 30. Ausgabe der Angewandten Chemie 1910, zusammen mit dem Physiker Fritz Löwe, ein Interferometer, das er in Kooperation mit den Zeiss-Werken in Jena entwickelte (Haber-Löwe- oder Rayleigh-Interferometer). Haber hatte aus wohl bekannten Gründen ein großes Interesse an der Gasanalyse und pflegte schon seit einigen Jahren eine Kooperation mit Zeiss. Ein zunächst entwickeltes Gas-Refraktometer genügte bald den Ansprüchen nicht mehr, sodass ein neues, besseres Instrument gebaut werden musste. Das Gerät beruhte auf einer von Lord Rayleigh entworfenen Anordnung, und seine Funktionsweise besteht darin, dass es die unterschiedlichen Brechungszahlen von Gasen erfasst, woraus sich dann auf deren Zusammensetzung schließen lässt.

    Für technisch Interessierte gibt es einen Artikel über Transporthängebahnen – nun ja, die Angewandte machte ihrem Namen alle Ehre – und die mechanische Entleerung von Reaktionskammern mit der Kammerentleerung „Svenska” (nein, kein Selbstbaumöbel). Aus den Hochschulnachrichten erfahren wir, dass die philosophische Fakultät der Uni Freiburg in eine philosophische und naturwissenschaftliche Fakultät „geschieden” wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 30/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 28, 4802

    Heft 13 steht ganz im Zeichen der Polarographie, mit deren Hilfe sich organische wie anorganische Substanzen elektrochemisch unter Verwendung einer Quecksilber-Tropfelektrode bestimmen lassen. Im Jahr 1959 hatte J. Heyrovský den Chemie-Nobelpreis „für seine Entdeckung und Entwicklung der polarographischen Methode der Analyse” erhalten, und in diesem Heft finden wir nun seinen Nobelvortrag zu den „Entwicklungslinien der Polarographie”, den er mit den hoffnungsvollen Worten beschließt: „Obwohl die analytische Anwendung der Polarographie derzeit noch stark im Vordergrund steht, beginnt sich das Feld ihrer Anwendung zur Lösung chemischer Grundlagenprobleme nunmehr zu öffnen.” Übersetzt wurde dieser Beitrag von H. W. Nürnberg, der im Anschluss gleich den nächsten Aufsatz zum Thema liefert, in dem Anwendungen der Polarographie in der organischen Chemie im Vordergrund stehen. Den Abschluss bildet ein Übersichtsartikel von S. Wolf über die Rapid-Polarographie, bei der eine kontrollierte Quecksilber-Tropfelektrode mit erhöhter Tropffrequenz zum Einsatz kommt.

    Auch heute genießt die Polarographie in bestimmten Bereichen, z.B. in der Spurenanalytik, noch einen hohen Stellenwert, man kann aber wohl sagen, dass sich die damaligen Erwartungen an die Polarographie nicht ganz erfüllt haben, und die Methode, z.T. wegen einer gewissen Störanfälligkeit, aber auch wegen der relativ hohen Anforderungen an den Experimentator, „nicht die Verbreitung gefunden [hat], wie sie die Atomspektrometrie in der anorganischen und die Chromatographie in der organischen Analytik eingenommen hat” [aus: G. Schwedt, Analytische Chemie, 2. Aufl., Wiley-VCH, Weinheim, 2008].

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 27, 4628

    „Gefilzte Haderpapiere” bezeichnete R. Kobert vor hundert Jahren noch als „unsere jetzigen echten Papiere”. Heute weiß wohl mancher nichts mehr mit dem Wort „Hader” anzufangen, denn die Zellstofffasern, die zur Papierherstellung benötigt werden, stammen nicht mehr von abgenutzten Leinentextilien (Hadern), sondern von Holz. Thema des bei der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in München gehaltenen Vortrags waren Koberts vergleichende Studien an frühmittelalterlichen Papieren aus dem Land der Uiguren – das damals nicht zu China gehörte –, mit denen er die Behauptung widerlegte, dass ein Vorläufer der Haderpapiere ein schlechtes Baumwollpapier gewesen sei.

    Im anschließenden Beitrag von P. Klason, G. v. Heidenstam und E. Norlin geht es um die flüchtigen Produkte der trockenen Holzdestillation, die Wärmewerte der Holzarten und die Berechung des thermischen Verlaufs der Destillation. Doch die Autoren beklagen sich auch darüber, dass eine Arbeit von ihnen durch Büttner und Wislicenius unrichtig zitiert worden sei, weil diese nicht die Originalarbeit gelesen, sondern nur ein fehlerhaftes Referat in der Chemiker-Zeitung als Grundlage verwendet hätten. – Damals wie heute sollte halt gelten: zurück zu den Quellen!

    Lesen Sie mehr in Heft 27/1910.

    Ammoniaksynthese unter Normaldruck sollte nach H. Klut möglich sein, und zwar gemäß den Gleichungen (1) und (2), doch H. Noll aus Hamburg konnte dessen Experimente nicht wiederholen, weshalb er seinen Beitrag mit den Worten beendet, „daß also unter gewöhnlichen Druckverhältnissen aus Schwefelkiesen oder aus künstlichem Schwefeleisen bei Gegenwart von freier Kohlensäure und Nitraten in vitro eine Ammoniakbildung nicht stattfindet”.

    FeS2 + 2 CO2 + 2 H2O [RIGHTWARDS ARROW]; H2S + S + Fe(HCO3)2 (1)

    N2O5 + 8 H2S [RIGHTWARDS ARROW] 2 NH3 + 8 S + 5 H2O (2)

    Lesen Sie mehr in Heft 28/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 26, 4422

    Der Titel „Elektronenüberführung durch Lichtabsorption und -emission in Elektronen-Donator-Acceptor-Komplexen” zeigt, wie sich die Terminologie doch im Laufe der Zeit leicht ändert. Gibt es für den Donor heute zumindest eine sehr starke Präferenz gegenüber dem Donator, so hat sich der Elektronentransfer gegenüber der -überführung längst vollständig durchgesetzt.

    Georg Wittig, Rolf Huisgen und Costin Nenitzescu dominieren den Zuschriftenteil, letzterer gleich mit zwei Beiträgen über Methoden zur Herstellung von Dichlorcarben.

    Beim Vortrag „High-Amylose-Corn, – eine vielversprechende Entwicklung aus den USA”, gehalten auf der internationalen Stärke-Tagung in Detmold im April 1960, geht es um „genetische Versuche zur Erhöhung des Amylose-Gehalts” wegen der „anwendungstechnisch interessanten Eigenschaften amylose-reicher Stärke” beispielsweise für die Papierindustrie. Interessanterweise wurde in neuerer Zeit die Kartoffel Amflora mit dem Ziel entwickelt, nur aus Amylopektin bestehende, also amylosefreie Kartoffelstärke zu erhalten, da diese bei der Papierherstellung für bessere Haftung von Füll- und Faserstoffen sorgt. Auch bemerkenswert ist, dass sich gleich drei Beiträge aus unterschiedlichen Ländern mit dem Einfluss radioaktiver Strahlung (und sogar Ultraschall) auf Stärke beschäftigen.

    Erwähnt wird in den Versammlungsberichten auch die Inbetriebnahme des CERN-Protonen-Synchrotrons. Im Unterschied zu anderen Teilchenbeschleunigern aus dieser Zeit wird es – als Vorbeschleuniger – heute noch verwendet, wenngleich zurzeit eher der Large Hadron Collider in aller Munde ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 12/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 25, 4250

    Über die Verfütterung (sic!) von Nucleinsäuren an Menschen oder von Pyridin an Hunde berichtet E. Liebermann in einer Zusammenfassung der Fortschritte der physiologischen Chemie im Jahr 1909. Inwieweit dabei nach modernen ethischen Gesichtspunkten vorgegangen wurde, lässt der Verfasser offen.

    E. Bosshard und K. Zwicky berichten über Methoden zur Bestimmung des Gehalts an aktivem Sauerstoff in Waschmitteln, die Perborat enthalten. Im Gegensatz zum heute üblichen Vorgehen beschreiben die Autoren auch Methoden, die sie anschließend nicht empfehlen, wie die Titration mit Permanganat oder Ferrosulfat; als zuverlässig wird dagegen die Bestimmung des Volumens des bei Umsetzung mit Permanganat oder Braunstein freigesetzten Sauerstoffs bewertet.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil liest man die Klage des Apothekergewerbes (wie heute auch) über geringeren Umsatz und zurückgehenden Verdienst, der auf den milden Winter und daraus resultierenden, „im allgemeinen recht guten Gesundheitszustand” zurückgeführt wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 25/1910.

    Ein Besuch im Gießener Liebig-Museum lohnt sich, was wohl die Unterzeichner eines Aufrufs aus dem Jahr 1910 zur Erhaltung des alten Liebig-Laboratoriums geahnt haben: ein echtes Who’s who jener Zeit mit Namen wie von Baeyer, Curtius, Bodenstein, Caro, Delbrück, Duisberg, Haber, Ehrlich, Fresenius, Gattermann, van’t Hoff, Ostwald, Vorländer und Werner. Das Labor ist heute eine der von der Gesellschaft Deutscher Chemiker anerkannten historischen Stätten der Chemie.

    P. Kreis berichtet über die Lichtechtheit der Teerfarbstoffe und E. Schneckenberg über die Erzeugung fester Metallniederschläge. Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil erfährt man unter anderem, dass das US-Patentamt 1909 über 64 000 Patentanträge aller Art erhalten habe. 2009 waren es fast 500 000! In Basel wurde in der Spitalstrasse ein Neubau der „chemischen Anstalt” der Universität eingeweiht, der heute noch in Betrieb ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 26/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 24, 4094

    Rolf Huisgen – der am 13. Juni seinen 90. Geburtstag feiert – schrieb in seinem Aufsatz über Ringöffnungen der Azole in Heft 11/1960 der Angewandten Chemie: „Der Wunsch, zum Endglied dieser Aromaten-Reihe, dem Pentazol, vorzustoßen, ist leicht verständlich.” 50 Jahre später ist die Herstellung des unsubstiuierten Pentazols N5H noch immer nicht gelungen. Ansonsten haben unter den im Aufsatz diskutierten Azolen vor allem die 1,2,3-Triazole in den letzten Jahren besonders viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen (Stichwort: Klick-Chemie).

    Eher in Vergessenheit geraten ist dagegen die Azulminsäure. Damit ist polymere Blausäure gemeint, Gegenstand eines weiteren Aufsatzes im Heft. In der Einleitung heißt es zwar, die Fähigkeit der Azulminsäure, Metallsalze in hoher Konzentration anzulagern, mache sie zu einer „technisch interessanten Verbindung”, doch sind Anwendungen für dieses „Konglomerat braun-schwarzer, amorph erscheinender Flocken, die sich ohne Eingriff in den chemischen Aufbau in keinem Lösungsmittel quantitativ lösen” in größerem Umfang wohl ausgeblieben.

    Eine der Zuschriften im Heft handelt von der „Reaktions-Gaschromatographie zur Analyse von Alkoholen und zur Blut-Alkoholbestimmung”; dabei werden die Alkohole indirekt über die durch Dehydratation gebildeten Alkene nachgewiesen. Die Arbeit wurde interessanterweise an der Bundesanstalt für Rebenzüchtung durchgeführt, anscheinend bestand dort großes Interesse an einer empfindlicheren Methode zur Blut-Alkoholbestimmung.

    Unter den Versammlungsberichten schließlich findet sich ein Vortrag von Vladimir Prelog mit dem Titel „Über den sterischen Verlauf der mikrobiologischen und enzymatischen Reduktion von Ketonen”, in dem die Produktstereospezifität bestimmter Dehydrogenasen durch eine „Zwei-Ebenen-Theorie” erklärt wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 23, 3948

    Totalsynthesen – ein Dauerbrenner in der organischen Chemie – waren schon vor hundert Jahren ein aktuelles Thema, aber die Zielverbindungen stammten damals noch nicht aus Südseeschwämmen oder exotischen Pflanzen, sondern aus Schierling (Coniin), Tollkirsche (Atropin), Schlafmohn (Papaverin, Laudanosin, Codein), Mutterkorn oder allenfalls Chinarinde. Im Zusammenhang mit der Synthese solcher Alkaloide fallen Namen wie Pictet, Knorr, Bischler oder Napieralski, die man noch heute mit dem Aufbau von Stickstoffheterocyclen verbindet. Über die Struktur von Strychnin und Brucin wurde seinerzeit noch gerätselt, der Chinuclidin-Käfig als Bestandteil von Chinin war im ersten Teil des „Jahresberichts über die Neuerungen und Fortschritte der pharmazeutischen Chemie im Jahre 1909” von Ferdinand Flury hingegen bereits eine Abbildung wert.

    Darüber hinaus enthält Heft 23 der Angewandten Chemie vom 10. Juni 1910 noch eher technische Beiträgen zu Erdöl- und Schwelparaffin, Sulfitzellstoff-Fabrikation sowie zur elektrolytischen Kochsalzzerlegung.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1910

    Bis hin zu einem „Mittel zur Hebung der vitalen Energie” und der „Gralnahrung” der Kakaokompagnie Th. Reichardt deckt Flury im zweiten, auf Patente, Präparate und Produkte fixierten Teil seines pharmazeutischen Jahresberichts so einiges ab. Weiterhin finden sich im wissenschaftlichen Teil der 24. Ausgabe der Angewandten Chemie im Jahr 1910 eine Betrachtung zu „Metall- und Metalloxydtonerden” als Katalysatoren für Methanoloxidation, Kohlensäurereduktion und Wasserstoffsuperoxyd-Zersetzung sowie zwei Beiträge mit eindeutigem Korrespondenzcharakter, bei denen die chemische Zusammensetzung des Leinöls und die Gasbewegung in Schwefelsäurekammern im Mittelpunkt stehen.

    Umweltrelevantes bietet die Tagesrundschau: Die „Rauchschädenkommission des Kgl. Sächs. Finanzministeriums” zu Dresden verzeichnet einen Vortrag zur Ruß- und Abgasproblematik von Professor Wislicenus, Mitglied des Ausschusses und Sachverständiger, der zu diesem Anlass schon auf die Bedeutung der Abgas-Entsäuerung durch die Industrie hinwies.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 22, 3794

    Depsipeptide bestehen aus abwechselnd über Ester- und Peptidbindungen verknüpften α-Aminosäuren und α-Hydroxycarbonsäuren. Den Namen dieser Substanzklasse hat 1953 M. M. Schemjakin geprägt, der hier nun in einem Übersichtsartikel die bisherigen Erkenntnisse zu dieser Substanzklasse zusammenfasst, einschließlich einiger Ansätze zur Depsipeptidsynthese, die bereits erste nicht-natürliche Depsipeptidketten geliefert haben. In seinem Aufsatz im Rahmen einer Reihe von Übersichtsartikeln zu „Neuere[n] Methoden der präparativen organischen Chemie“ befasst sich K. Dimroth mit der vielseitigen Verwendbarkeit von Pyryliumsalzen zur Herstellung zahlreicher, sonst schwer erhältlicher (hetero)aromatischer Verbindungen, darunter Pyridin-, Benzol- und Azulenderivate.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 21, 3634

    Die 23. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker wurde Mitte Mai 1910 unter dem Vorsitz von Carl Duisberg erstmals in der „fröhlichen, aber ernst schaffenden Stadt” München abgehalten. Auf der illustren Rednerliste findet sich neben der chemischen Prominenz jener Zeit – Baeyer, Dimroth, Curtius, Raschig, Eichengrün, Staudinger u.v.m. – auch Prinz Ludwig von Bayern, der eine Begrüßungsansprache hielt. Die Fachgruppensitzungen sind ordentlich protokolliert, einschließlich der Besichtigung der Spatenbrauerei und des „vom Wetter begünstigten” Ausfluges nach Kufstein. Erwähnens- und lesenwert sind die Bemerkungen Duisbergs zur Chemikerausbildung („Nur keine allzu frühe Spezialisierung ...”), die auch heute noch Gültigkeit haben. Aus wissenschaftlicher Sicht fällt vor allem der Vortrag Raschigs auf, der – durchaus ungewöhnlich – über „fehlgeschlagene Versuche” zur Herstellung von Hexastickstoff (N3-N3), Diimid (NH=NH) und Triimid (N3H3) berichtet. Hexastickstoff und Triimid sind bis heute unbekannt, Diimid wurde dagegen 1972 von Wiberg als trans-Diimin isoliert.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1910

    Nachdem der Erfinder der Schießwolle, Christian Schönbein (1799–1868), bereits im vorvergangenen Heft gewürdigt wurde (Festakt & Gedenktafel), berichtet nun der „Militärchemiker” C. Piest über die Chemie des Cellulosenitrats und insbesondere über den Einfluss des verwendeten Zellstoffmaterials. Ziel der Untersuchung ist es, aus den Produkteigenschaften der Schießwolle auf die Vorbehandlung der eingesetzten Baumwolle (gebleicht, mercerisiert, normal vorbereitet) schließen zu können. Tatsächlich liefert die Behandlung mit Natronlauge unterschiedlich zusammengesetzte Rückstände, die zu besagtem Zweck hilfreich sind, wenngleich „nicht immer dieselben Zahlen gefunden werden”.

    Im kurzen Kommentar von R. Rieke (Kgl. Porzellanmanufaktur zu Berlin) zur „Darstellung von Gefäßen aus Zirkonerde” erleben wir einen nachgerade klassischen Fall der Folgen mangelnder „Visibility”. Der Verfasser beklagt sich, die in Heft 11 gleichen Jahres (S. 485–488) von R. Bayer beschriebene Herstellungsmethode für besagte Gefäße längst schon im Fachblatt Sprechsaal beschrieben zu haben und „dass es mir schon des öfteren aufgefallen ist, dass Veröffentlichungen in Spezialfachzeitschriften ... in weiteren chemischen Kreisen unbekannt sind und bei häufig ganz analogen Arbeiten unberücksichtigt bleiben.” Die Redaktion ist sich ihres Zutuns offenbar bewusst („... infolge eines Wechsels in der Redaktion...”) und bittet zur künftigen Vermeidung „Fachgenossen, die in Zeitschriften publizieren, die nur selten Aufsätze von Interesse für weitere Leserkreise haben, uns Sonderdrucke zu übersenden”.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1910

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 20, 3474

    In einem Aufsatz über „nucleophile aromatische Substitutionen mit additivem Chemismus“, legt R. Huisgen die präparative Bedeutung dieser Substitution dar und stellt Überlegungen zur Kinetik und zum Mechanismus an. Er kommt zu dem allgemeinen Schluss: „Die experimentelle Bearbeitung der Reaktionsmechanismen erhält gleichermaßen Impulse von der sich entwickelnden Theorie wie von zunächst als ‚Ausnahmen‘ erscheinenden Einzelbeobachtungen. Jedes Teilstück [...] spiegelt so den Fortschritt im Verstehen des Reaktionsablaufes wider.“ Im Umfeld seiner Arbeiten zu Arinen berichtet G. Wittig über das intermediäre Auftreten von Cyclopentin bei der Reaktion von 1,2-Dibromcyclopenten mit Mg in Gegenwart des reaktiven 1,3-Diphenylisobenzofurans unter Bildung des entsprechenden Diels-Alder-Addukts. Eine kolorimetrische Bestimmung des Bleigehalts im Trinkwasser mehrerer norddeutscher Versorgungsleitungen kommt zu dem beruhigenden Ergebnis, dass „in den Wasserproben aus Hart-PVC-Rohren [...], die mit schwerlöslichem Bleistearat in gebräuchlichen Mengen stabilisiert sind, [...] in keinem Fall Blei nachgewiesen werden [konnte]“; auch eine Ratte, an die ein entsprechendes Hart-PVC-Pulver verfüttert wurde, nahm offensichtlich keinen Schaden. Eine ganze GDCh-Tagung befasst sich mit den negativen Auswirkungen von Tensiden auf die Umwelt. So wird klar erkannt, dass phosphathaltige Waschmittel, wie sie zu jener Zeit noch gängig waren, über das Abwasser in Gewässer gelangen, und es wird dringend geraten, eine solche Nährstoffanreicherung „auf das geringstmögliche Maß zu reduzieren“.

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1960

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2010, 122, No. 19, 3318

    „Punkt 9 Uhr” hielt T. Curtius laut Tagesordnung bei der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker  am  18.5. vormittags einen Vortrag  „über die Hydrolyse des Stickstoffdoppelatoms” – mit Experimenten! Die Doppelatome hatten wohl sprachlich keine große Lebensdauer. W. Gössing fasst auf neun Seiten den Stand der industriellen Produktion organischer Präparate im Jahre 1909 zusammen; Vanadiumoxid hat schon damals als Katalysator gedient.

    In der Tagesrundschau lernt man am Beispiel von Bleiweiß, dass Arbeitsschutz schon immer ein Kleinkrieg zwischen Arbeitnehmern, Unternehmern und Krankenkassen war. Von Titandioxid als Ersatz war noch keine Rede. In der Rubrik Personal- und Hochschulnachrichten wird über den Plan zur Errichtung eines Denkmals für den Physiker J. Tyndall auf einem Gipfel am Rand des Berner Oberlandes berichtet (der Tyndall-Effekt tritt bei der Streuung von Licht auf, z.B. in Kolloiden); nach dem begeisterten Alpinisten ist übrigens auch die Südwestschulter des Matterhorns benannt. Nach Robert Koch feierte auch Max Planck sein 25. Jubiläum im Jahre 1909 als Professor an der Berliner Universität – was für ein Umfeld das doch war!

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1910.

    Die Entdeckung des Ozons und die Entwicklung der Schießbaumwolle – die zwei großen Leistungen von Christian Friedrich Schönbein (1799–1868) – und ihre Bedeutung werden von Carl Häußermann in seiner Festrede anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel für Schönbein an seinem Geburtshaus im schwäbischen Metzingen ausführlich gewürdigt, die gemeinsam mit den Ansprachen beim Festakt in diesem Heft zu finden ist.

    Bierchemie ist das Thema von Otto Mohr im anschließenden Aufsatz, in dem Untersuchungen zur Chemie der Rohstoffe, zu ihrer Verarbeitung, zu den Gärorganismen und dem Gärungsvorgang sowie zu den Gärungserzeugnissen präsentiert werden. Eines wird dabei deutlich: Bierbrauen war eine Kunst, und das ist wohl bis heute so.

    Ein Buch über „Stöchiometrie” von Georg Bornemann löst beim Rezensenten nur mäßige Begeisterung aus. So bemängelt er die fehlende klare Unterscheidung zwischen Formel und Molekulargewicht und dass an vielen Stellen das Ergebnis der Rechnung mit mehr Dezimalstellen angegeben wird, als die Zahlen, aus denen es abgeleitet wird, zulassen – eine Unsitte, die bis heute nicht ausgerottet werden konnte.

    Lesen Sie mehr in Heft 20/1910

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Die erstaunliche Entwicklung, die die Naturwissenschaften und damit Technik, Industrie und Handel in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, hat die modernen Lebensverhältnisse in so besonderer Weise umgestaltet und hat zu einer so vollendeten Zersplitterung in Einzelfächer geführt, daß sich eigentlich nur noch der Fachmann und gerade nur auf dem von ihm bearbeiteten Gebiete zurechtzufinden vermag. Für jeden anderen ist es schier unmöglich, auf all den verschlungenen Pfaden, auf denen die heutige Menschheit angeblich zu ihrem Wohlbefinden dahinhastet, auch nur oberflächlich Bescheid zu wissen." Diese Sätze könnten heute geschrieben sein, eröffnen aber den Aufsatz von Max Dennstedt, einem frühen Forensiker, über die Chemie der Rechtspflege.

    Als Ursache für das Verschießen von Farbstoffen hat Kurt Gebhard die Bildung von Farbstoffperoxiden ermittelt, wie er im zweiten Aufsatz, "Wirkung des Lichtes auf Farbstoffsysteme", darlegt.

    Ganze vier Seiten in diesem Heft sind der "Tätigkeit der chemischen Laboratorien in den deutschen Schutzgebieten" (vulgo Kolonien) gewidmet; bei den Buchbesprechungen fällt der Titel "Das Radium und die Farben" auf, der wohl passend zum Gebhard-Aufsatz platziert wurde; und dass Nomenklaturfragen die Chemiker schon lange beschäftigen, belegt der Verweis auf die Veröffentlichung von M. K. Hoffmann "Zur Frage der Formulierung und Nomenklatur von anorganischen Verbindungen" in der Chemikerzeitung, in der er seinen Nomenklaturansatz erläutere und vor zu großem Formalismus warne.

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Die Radioaktivität, ein damals noch ganz junges Forschungsgebiet, ist Thema des Aufsatzes von Ferdinand Henrich. Nach einer ausführlichen Erläuterung der Atomzerfallshypothese, die auch die Erkenntnis mit sich brachte, dass "das chemische Atom eine wohldefinierte Einheit in der Unterteilung der Materie, aber nicht mehr die kleinste bekannte Einheit sei", wird der Frage nachgegangen, ob Radioaktivität eine allgemeine Eigenschaft der Elemente sei, und aus den bekannten experimentellen Befunden gefolgert, dass außer den eigentlichen Radioelementen nur Kalium und Rubidium Radioaktivität zeigten. Daran schließen sich eine Präsentation der Zerfallsreihen von Uran, Actinium und Thorium und eine Diskussion der Radioaktivität von Quellwässern an. Die radioaktiven Isotope 40K und 87Rb werden übrigens heute in der Kalium-Argon- bzw. der Rubidium-Strontium-Methode zur Bestimmung des Alters von Gesteinen verwendet.

    Ein Beitrag aus der Wiener Arbeiterzeitung, der sich mit der Verwendung der Brennessel als Webstoff befasst, und eine Klage der Badischen Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen gegen The Nobels Explosives in Glasgow wegen einer Verletzung der Patente zur Darstellung von Kontaktschwefelsäure – immer noch ein industriell enorm wichtiges Verfahren – sind unter anderem in den "kurzen Nachrichten über Handel und Industrie" zu finden.

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Die nachstehenden Mitteilungen […], die mir von unbedingt zuverlässiger Seite zugekommen sind, dürften vielleicht für weitere Kreise Interesse besitzen." So leitet G. Lunge (Zürich) nicht etwa einen Spionageroman ein, sondern einen Beitrag zur Entwicklung des Kontaktverfahrens für die Darstellung von Schwefelsäureanhydrid in den Vereinigten Staaten. L. Gutman aus Frankfurt stellt Verbesserungen des Kippschen Apparates zur Gasentwicklung vor und nennt auch gleich eine Firma, von der nach seinen Ideen konstruierte Apparate bezogen werden können. In der Rubrik Personal- und Hoschulnachrichten lernt man, dass Robert Koch im April das 25-jährige Jubiläum seiner Berufung an die Berliner Universität feierte.

    Lesen Sie mehr in Heft 16/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    So wie wir an dieser Stelle über Inhalte der Angewandten Chemie von vor 50 Jahren berichten, begann auch das Doppelheft 7/8 im Jahr 1960 mit einem Rückblick: Zehn Jahre nach der Verleihung des Chemie-Nobel-Preises an Diels und Alder erschien, dem 1958 verstorbenen Kurt Alder zum Gedächtnis, der Beitrag "Zur Entwicklung der Dien-Synthese" von M. und W. Günzl. Sehr zu denken gibt das folgende Zitat aus einem Brief Alders: "Die pausenlose und ständig wachsende Überforderung des aktiven deutschen Hochschullehrers mit immer wieder neuen Aufgaben… hat in meinem Falle nach jahrelangem Raubbau meiner Kräfte zu Erschöpfungserscheinungen geführt, die mir den dringenden ärztlichen Rat eingetragen haben, mir vorerst absolute Schonung aufzuerlegen." Die Autoren schließen lakonisch mit dem Satz: "Doch es war bereits zu spät."

    Auch die aktuelleren Nobel-Preise fanden in der Angewandten Chemie 1960 Berücksichtigung – wie auch heute noch erschienen die Nobel-Vorträge bereits damals in der Angewandten Chemie in Aufsatzform; in Heft 7/8 waren dies "Die enzymatische Synthese von Ribonucleinsäure (RNS)" von Severo Ochoa sowie "Die biologische Synthese von Desoxy-ribonucleinsäure (DNS)" von Arthur Kronberg (beide Preise für Medizin). Die Themen der Vorträge sind heute natürlich längst Bestandteil des Lehrplans für den Biologieunterricht.

    Nahezu philosophisch mutet die Überschrift "Wann ist eine chemische Verbindung als 'neuer Stoff' anzusehen?" an, und man könnte sich heute durchaus in der Rubrik Essays einen Beitrag mit einem solchen Titel vorstellen. Allerdings wurde die im Titel gestellte Frage im Artikel von H. Dersin allein unter patentrechtlichen Aspekten diskutiert.

    Im Zuschriftenteil berichteten Ugi und Steinbrückner über ein "neues Kondensations-Prinzip" (siehe Bild). Dieses Prinzip kennen wir heute als Mehrkomponentenreaktion. In der Zuschrift wird dieser Begriff zwar nicht verwendet, aber es handelt sich in der Tat um eine Dreikomponentenreaktion von Aminen, Aldehyden und Isonitrilen (IUPAC-Name: Isocyanide), sehr ähnlich der inzwischen als Ugi-Reaktion bekannt gewordenen Synthese, bei der Carbonsäuren als vierte Komponente eingesetzt werden. Es hat zwar lange gedauert, bis sich dieser Reaktionstyp im Zuge des Aufkommens der kombinatorischen Chemie durchgesetzt hat, doch konnte Ugi (1930–2005) noch erleben, wie das Interesse an dieser und ähnlichen Mehrkomponentenreaktionen enorm zugenommen hat. Mittlerweile werden mehr als 200 Arbeiten pro Jahr über Mehrkomponentenreaktionen veröffentlicht.

    Lesen Sie mehr in Heft 7-8/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    F. Haber schreibt über die Gewinnung von Salpetersäure aus Luft. G. Fendler fasst die Neuerungen der Nahrungsmittelchemie im Jahr 1909 zusammen und beklagt, dass es noch immer keine einheitlichen reichsgesetzlichen Regelungen der Nahrungsmittelkontrolle und keine Einheitlichkeit der Beurteilung und der Untersuchungsmethoden gebe. Im gewerblich-wirtschaftlichen Teil erfährt man, dass "die ungünstigen Verhältnisse, unter welchen die industrielle Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1908 nach der im Herbst 1907 [durch eine Finanzkrise] ausgebrochenen Panik zu leiden gehabt hat, sind im vergangenen Jahre verschwunden, und das allgemeine wirtschaftliche Treiben hat einen erneuten Aufschwung genommen." Manche Dinge wiederholen sich eben immer wieder.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    H. von Kéler schreibt über die wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiet der Anorganischen Großchemie 1909, d. h. bei der Produktion von z. B. Schwefel, Chlor und Ammoniak. Für die letztere hielt er noch die Produktion aus Nitriden für am aussichtsreichsten. 1910 meldete die BASF das Haber-Bosch-Verfahren zum Patent an, 1918 wurde Fritz Haber dafür mit den Chemie-Nobelpreis geehrt und heute ist es ein Lehrbuchbeispiel für chemische Gleichgewichte. Die Vorgänge am Katalysator aufzuklären hat dafür umso länger gedauert und brachte noch fast 100 Jahre später G. Ertl den Nobelpreis für Chemie ein.

    Das Programm der 23. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in München sieht für die Plenarsitzungen das Tragen eines Gehrockes vor, für die diversen Brauereibesichtigungen ist dagegen keine Kleiderordnung angegeben.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    E. Jordis und E. Schweizer (Uni Erlangen) diskutieren die Einwirkung der Lösungsmittel Schwefelkohlenstoff, Benzol und Alkohol auf Metallsulfide: Alle vermögen stöchiometrisch überschüssigen Schwefel aus Sulfiden herauszulösen. L. J. Dorenfeldt bleibt beim Schwefel und berichtet über den Feinkies-Ofenbetrieb in Sulfitzellstoff-Fabriken.

    Im gewerblich-wirtschaftlichen Teil erfährt man die Jahresmengen so unterschiedlicher Produkte wie Antimon (USA und Welt), Alkohol (Frankreich), Kautschuk (Asien) und Kaffee (Nicaragua). Auch damals schon bot die Angewandte Chemie für jeden etwas!

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Die Mitgliederversammlung der Fachgruppe für medizinisch-pharmazeutische Chemie nimmt den meisten Raum in Heft 12/1910 der Zeitschrift für angewandte Chemie ein. Hier wiederum liegt der Schwerpunkt auf einem Vortrag des Gastredners Regierungsrat Dr. Rathenau – mit einiger Wahrscheinlichkeit Fritz Rathenau, ein Cousin des späteren Reichsaußenministers, der zu dieser Zeit im Kaiserlichen Patentamt tätig war. Das Thema "Wortzeichenschutz für Arzneimittel" regte zu einer ausführlichen Diskussion an, deren Verlauf minutiös verfolgt und abgedruckt wurde. Wen wundert das damalige Interesse, befassen sich doch auch heute noch größere Abteilungen der Pharmaunternehmen mit ähnlichen Fragen.

    Auch in den Personal- und Hochschulnachrichten stößt man auf bekannte Namen aus der deutschen Chemiegeschichte: Dimroth, Wieland, Schlenk und der allgegenwärtige von Baeyer erhalten Forschungsmittel von der Königlich Bayrischen Akademie der Wissenschaften, und der Physiker Friedrich Kohlrausch, der im Januar 1910 verstarb, soll an ehemaliger Wirkungsstätte in der Physikalisch-technischen Reichsanstalt in Charlottenburg mit der Aufstellung einer Marmorbüste geehrt werden, was auch einer kurzen Mitteilung für würdig erachtet wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 12/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    Die Verwendung des hochgiftigen Distickstofftetroxids als Lösungsmittel dürfte heute überholt sein; die Verbingung macht üblicherweise eher durch ihren Einsatz als Bestandteil von Raketentreibstoffen von sich reden. C. C. Addison beschreibt in einem Aufsatz, wie sich die Lösungseigenschaften von N2O4 durch Mischen mit organischen Solventien verbessern lassen. In ihrer Zuschrift über die "Papierchromatographische ldentifizierung von Haschisch-lnhaltsstoffen" beschreiben F. Korte und H. Sieber, einen "Drogentest", mit dem der "spezifische Nachweis des von allen cannabinol-artigen Verbindungen allein euphorisch wirksamen Tetrahydrocannabinols" gelingt – in der Zeit vor dem sprunghaften Anstieg des weltweiten Drogenkonsums war diese Forschung wohl eher von akademischem und medizinischem Interesse geleitet.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Heft Nr. 10 des Angewandte-Jahrgangs 1910 steht im Zeichen der Naturstoffchemie: Carl G. S. Schwalbe aus Darmstadt setzt sich auf knapp zehn Seiten mit der "Acetylierung der Baumwollcellulose" auseinander, und weiter hinten folgt der erste Teil der Zusammenfassung von "Die Fettanalyse und die Fettchemie im Jahre 1909" durch W. Fahrion; dieser Beitrag wird nonchalant mit den Worten "Fortsetzung folgt." abgebrochen und in Heft 11 zu Ende geführt – so etwas nimmt sich die Redaktion heute nicht mehr heraus.

    In der Rubrik "Aus anderen Vereinen und Versammlungen." stößt man zunächst auf einen Bericht zur "Außerordentlichen Generalversammlung der deutschen chemischen Gesellschaft" unter Vorsitz von Prof. Dr. Wallach aus Göttingen. Als wichtigste Diskussionspunkte werden Beitragshöhe, Mitglieder- und sonstige Werbeaktivitäten genannt, sowie Pläne zur Gründung einer neuen Zeitschrift, "welche im Gegensatz zu den Berichten für umfangreichere chemische Originalabhandlungen bestimmt sein, aber ähnlich wie die Berichte Veröffentlichung innerhalb kurzer Frist gewährleisten soll" – schon damals war man sich der Bedeutung einer schnellen Publikation also bewusst. Wie es dem Projekt letztlich erging, bleibt offen, klar ist nur, dass Emil Fischer dafür war und Adolf von Baeyer dagegen.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    In seinem Aufsatz hat sich G. Pfleiderer des damals noch recht jungen Gebietes der Enzymchemie angenommen. Damaliger Stand der Dinge war, dass "Enzyme [...] hochmolekulare Proteine [sind], deren Aminosäure-Sequenz noch weitgehend unbekannt ist. Sie sind empfindlich gegen chemische Reagentien und lassen sich nur selten selektiv an den aktiven Zentren chemisch verändern." Die wichtige Rolle von Schwermetallen im aktiven Zentrum mancher Enzymklassen, besonders von Zink in einigen Dehydrogenasen, war immerhin bereits bekannt. Der Autor schließt mit den vorausschauenden Worten: "Es sollte klar geworden sein, dass dieses verhältnismäßig neue Arbeitsgebiet sowohl dem Chemiker und Physiker, als auch dem Physikochemiker und Biochemiker interessante Aufgaben stellt, wobei die hier aufgefundenen Erkenntnisse in der Zukunft weiten Gebieten der Biologie und Medizin von Nutzen werden können".

    A. Wacker und L. Träger preisen die Verwendung von Uranpulver zur Adsorption von Tritiumgas für die "einfache Tritierung organischer Verbindungen" an (siehe Bild).

    Lesen Sie mehr in Heft 5/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Wenn P. Krais im ersten Abschnitt seines Beitrag über "Die modernen Teerfarbstoffe und ihre Echtheitseigenschaften" in der Angewandten Chemie vom 4. März 1910 konstatiert: "Es hat Zeiten gegeben, wo der Stempel, der den deutschen Industrie -und Handwerksprodukten anhaftete, lautete: billig und schlecht, " wird sich so mancher Leser heute wohl verwundert die Augen reiben. Wie schwierig es aber war, billige und zugleich haltbare Farben für die Bekleidungsindustrie zu entwickeln, schildert der Autor daraufhin aus eigener Erfahrung.

    Aus heutiger Sicht erstaunlich erscheint auch der vierseitige Diskurs über die Vor- und Nachteile, die "Motorlastwagen im Dienste der chemischen Industrien" gegenüber Pferdefuhrwerken – als Maß aller Dinge – im Lastentransport haben. Das Automobil war vor 100 Jahren eben nichts Selbstverständliches.

    Im "Wirtschaftlich-gewerblichen Teil" wartet die Angewandte mit allerlei Daten aus den Kolonien auf, unter anderem ist aus Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, ein Aufschwung für 1908 zu vermelden. Die wichtigsten Ausfuhrartikel waren Kupfer- und Bleierze, aber auch Straußenfedern werden explizit angeführt. Und aus den Hochschulnachrichten erfährt man, dass die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien dem Herrn Prof. Dr. W. Pauli "zur Anschaffung von Apparaten zu Untersuchungen über physikalische Zustandsänderungen der Biomoleküle" mit 1000 K finanziell zur Hand geht.

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Das dritte März-Heft der Angewandten vor 100 Jahren beginnt mit einer "Bewertung der Erze" durch A. Rzehulka von den Borsigwerken – und zwar vorrangig unter betriebswirtschaftlichen Kriterien in Mark und Pfennig. Schon eher auf der heutigen Linie der Zeitschrift – mit wissenschaftlichem Schwerpunkt – bewegen sich Richard Bayers Abhandlung über die "Darstellung von Gefäßen aus Zirkonerde" – feuerfeste Tiegel also – und Wm. Masons Diskussion des Ammoniaksodaprozesses, der als Grundlage des Solvay-Verfahrens heute noch im anorganischen Grundpraktikum gelehrt wird.

    Bei den Mitteilungen "Aus anderen Vereinen und Versammlungen" kommen neben der Deutschen Bunsen-Gesellschaft, deren 17. Jahrestagung im Mai 1910 angekündigt wird, auch spezialisierte Gruppen wie der Verein der Stärkeinteressenten und der Verein der Spiritusfabrikanten dazu, über ihre Generalversammlungen zu berichten.

    In der ersten Buchbesprechung stößt man schließlich auf "Die Natur des Radiums", die Mitschrift einer Vorlesungsreihe des späteren Nobelpreisträgers Frederick Soddy, in deutscher Übersetzung von Prof. G. Siebert. Der lobende Text schließt wie folgt: "Zu wünschen wäre, daß die Worte des Verfassers über die Notwendigkeit großer Geldmittel für wissenschaftliche Forschungen auch in Deutschland auf fruchtbaren Boden fielen." Manche Themen sind einfach zeitlos.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Das 8. Angewandte-Heft 1910 beginnt mit einem Nachruf auf Jacob Volhard (Bild), der vielen Chemikern aus dem quantitativen Praktikum ("Chlorid nach Volhard") geläufig sein dürfte. Volhard, der wie so viele seiner Zeit ein Schüler Liebigs war, starb am 14. Januar 75-jährig in Halle (Saale). Neben seiner Forschertätigkeit war Volhard fast 40 Jahre lang Schriftleiter – heute spricht man schmuckloser vom Redakteur – von Justus Liebigs ehrwürdigen Annalen der Chemie.

    In einer Mitteilung von F. Henrich werden wir Zeuge eines erbitterten Streits des Autors mit zwei Fresenius-Chemikern, L. Grünhut und E. Hintz, über die "Bestimmung der Radioaktivität von Mineralquellen". Mit der Feststellung, dass "sie zu Resultaten gekommen waren, die mit meinen Befunden über den gleichen Gegenstand nicht übereinstimmen", ist der Fehdehandschuh geworfen, und es kommt im Verlauf des Jahres 1910 zu mehreren Repliken, die, in schärfer werdendem Ton, in den Heften 10, 28, 38 und 50 verewigt sind.

    "Über die Methylalkoholvergiftung" ist der Titel eines Aufsatzes von R. Müller, der auf einem "vor Chemikern gehaltenen Vortrag" basiert. Der Autor ist als Dr. med. ausgewiesen, und so handelt es sich denn um eine vornehmlich phänomenologische Beschreibung von Tierexperimenten. Aber er ist auf der richtigen Spur, denn "für den Methylalkohol ist es charakteristisch, daß eine über mehrere Tage sich erstreckende Ausscheidung von Ameisensäure erfolgt" und "für die Bildung der Ameisensäure liegt die Annahme am nächsten, dass sie über den Formaldehyd verläuft".

    Alkoholisch geht es auch in den Versammlungsberichten zu, denn "200 Vertreter der Spirituosenbranche hatten sich in Berlin versammelt, um sich über den Mindestgehalt an Alkohol ... insbesondere für Rum und Arrak schlüssig zu werden." Am Ende ist man sich recht einig, denn "Die Abstimmung ergab die Ablehnung irgendeiner Festsetzung über den Alkoholgehalt von Trinkbranntwein mit allen gegen 3 Stimmen".

    Eine kurze Notiz vermeldet schließlich, dass ein am 22. Januar in Heidelberg gehaltener Vortrag von Fritz Haber über die "Gewinnung von Salpetersäure aus Luft" eine "sehr starke Beteiligung" fand. Die hoch spannende Vorlesung wird dann im 15. Heft nachzulesen sein, bis dahin also Geduld!

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    Der erste Aufsatz in Heft 4/1960 der Angewandten Chemie von J. Sagoschen (Engelhard Industrien, Zürich) beschäftigt sich mit der Erzeugung sauerstofffreier Gase im großtechnischen Maßstab. Hervorgehoben wird dabei die Anwendung zur Vermeidung von Korrosionsschäden etwa in der Metallurgie, Elektroindustrie und Atomkernindustrie – eine schon länger unübliche Bezeichnung – sowie in der Lebensmittelindustrie als Füllgas in Verpackungen; auch Nichtchemikern ist dies heute als Schutzatmosphäre geläufig.

    Bifunktionelle Katalyse ist ein Begriff, der in jüngerer Zeit verstärkt in der chemischen Literatur verwendet wird. in der Angewandten Chemie wurde er schon vor 50 Jahren gebraucht (Zuschrift von V. Franzen, Bifunktionelle Katalyse der Esterhydrolyse).

    Die Rundschau enthält u.a. Beiträge vom 136. ACS Meeting, etwa von E. O. Fischer et al. über das aromatische Verhalten von Ferrocen, Ruthenocen und Osmocen sowie von J.K. Stille et al., der sich vor der Entwicklung der nach ihm benannten Reaktion offenbar mit Polymerisationen durch Dien-Synthese (d. h. Diels-Alder-Cycloaddition) beschäftigte.

    Der spätere Chefredakteur der Angewandten Chemie, H. Grünewald, bestätigte in seiner Rezension des Buches "Einheitliche Schreibweise in naturwissenschaftlichen Werken" die Notwendigkeit, "auf die einheitliche Schreibweise naturwissenschaftlicher Fachwörter zu achten und Zeitschriftentitel stets gleich zu kürzen". Dies ist der Redaktion der Angewandten Chemie auch heute noch ein Anliegen, doch besagtes Buch scheint, Grünewalds Kritik nach zu urteilen, der Redaktion schon damals wenig Hilfestellung geboten zu haben. Manche der in der Rezension genannten Probleme bestehen allerdings mittlerweile nicht mehr; so gelten die Schreibweisen Jod und Oxyd oder Namen wie Ferricyankalium längst als veraltet.

    Lesen Sie mehr in Heft 4/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Sehr technisch geht es diese Woche zu, was auch nicht verwundern darf, lautete damals der volle Titel der "Angewandten" doch "Zeitschrift für angewandte Chemie und Zentralblatt für technische Chemie". Walther Hempel, Schüler Robert Bunsens und bekannt durch seine Arbeiten zur technischen Gasanalyse ("Hempel-Pipette"), beschreibt einige Typen von elektrischen Öfen und wie selbige richtig anzuwenden sind. Albert Frank-Kamenetzky, Großvater des in Boston ansässigen Biochemikers Maxim Frank-Kamenetskii, erörtert die Verwendung des Saccharometers und des Refraktometers für die Betriebskontrolle in der Spiritusfabrikation. Die Ausführungen können noch heute als hilfreich gesehen werden, denn Geräte dieser Art sind in fast unveränderter Form in der Wein- und Bierherstellung in Gebrauch.

    Die Personal- und Hochschulnachrichten vermelden, dass das Pasteur-Institut in Paris "400.000 Francs für die Errichtung eines großen radiochemischen Laboratoriums ausgesetzt hat, das zum Studium der radioaktiven Erscheinungen und ihrer Anwendung zu ärztlichen Zwecken bestimmt ist." Der in der Mitteilung angekündigte Name, Palais du Radium, klang dann wohl doch zu pompös, denn es handelt sich tatsächlich um das berühmte Institut du Radium, in dem Marie Curie sowie Irène und Frédéric Joliot-Curie ihre legendären Forschungen anstellen sollten.

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Das sechste Heft des Jahrgangs 1910 steht ganz im Zeichen der quantitativen Analyse. In gleich zwei Mitteilungen erklären E. Berl und A. W. Jurrissen die Vorzüge des Zersetzungskolbens – eines mit einem Glashahn und einem Tropftrichter ausgerüsteten Rundkolben – für die gasvolumetrische Stickstoffbestimmung diverser Salpeter und für die Analyse von Calciumcarbid, Natriumamalgam und Zinkstaub. In einer Zusatznotiz wird gewarnt, dass "die Stickstoffbestimmung von flüssigen Substanzen, besonders wenn diese einigermaßen explosiven Charakter haben ..., einige Schwierigkeiten bereitet." Eine gelinde Untertreibung, erfährt man doch später, dass es sich bei besagten Substanzen um Klassiker wie Trinitrotoluol handelt. Ernst Berl promovierte bei keinem geringeren als Alfred Werner und wurde später Nachfolger von Georg Lunge am Polytechnikum Zürich, mit dem zusammen er ein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr populäres Praktikumsbuch schrieb (Chemisch-technische Untersuchungsmethoden, der "Lunge-Berl"). Erwähnt sei auch, dass das Institut für Technische und Makromolekulare Chemie der TU Darmstadt nach Ernst Berl benannt ist. Über A. W. Jurrissen lässt sich wenig herausfinden, außer dass er Alphonsus Wilhelmus mit Vornamen hieß, Niederländer war und 1911 bei Berl promovierte.

    In zwei weiteren Mitteilungen von G. Preuss und W. Meysahn werden ein Schwefelbestimmungsapparat, im Wesentlichen ein Kolben mit Rückflusskühler, bzw. ein spezieller Absaugetrichter angepriesen.

    Der wirtschaftlich-gewerbliche Teil bringt diesmal wenig Berichtenswertes, so man denn kein Interesse an den üblichen Ein- und Ausfuhrzahlen, Zollgebühren etc. findet.

    Den Personal- und Hochschulnachrichten entnehmen wir, dass der Photochemiker Giacomo Ciamician, der mit einiger Berechtigung als "Vater der Solarzelle" gilt, zum Senator des Königreichs Italien ernannt wurde, und Georg Bredig, Weggefährte Ostwalds und Mitbegründer der Katalyseforschung, einen Ruf von Heidelberg an das Polytechnikum Zürich erhielt.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    Es sei eine alte forstwissenschaftliche Erfahrung, dass kleine Bäume im Schatten der großen nicht zu wachsen vermögen, schrieb Rolf Huisgen zu Beginn seines Aufsatzes "Nucleophile aromatische Substitutionen über Arine" in Heft 3/1960. Dieser Reaktionstyp habe sich durch sein elektrophiles Pendant "für Jahrzehnte in diese Rolle gedrängt" gefunden. Um das Bild beizubehalten, kann man sagen, dass sich seitdem, und gerade in jüngerer Zeit in der organometallischen Synthese, viele Forstwirte um Arine gekümmert haben, sodass sie heute fest verwurzelt sind und ihren Platz durchaus behaupten können.

    In den Versammlungsberichten findet sich ein Überblick über das "IUPAC-Symposium über Makromoleküle", das im Oktober 1959 in Wiesbaden stattfand. Hervorzuheben ist hier der Vortrag von Giulio Natta (der einige Zeit später, 1963, mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet wurde), über den Nachweis der isotaktischen Struktur nicht kristallisierbarer Polymere. Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich sind dagegen die Beiträge der 1957 gegründeten und heute nicht mehr bestehenden Gesellschaft Deutscher Kosmetik-Chemiker, z. B. über den Einfluss des Waschens auf die Benetzbarkeit der Haut oder Chlorkohlenwasserstoffe in kosmetischen Aerosolpackungen.

    In der Rundschau war u.a. zu erfahren, dass ein beschleunigter Abbau in der Leber als Ursache der Gewöhnung an Barbiturate anzunehmen ist und dass Tetracyanethylen (TCNE) zur Markierung von aromatischen Kohlenwasserstoffen in der Papierchromatographie vorgeschlagen wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    Cellulose – heute wieder ganz aktuell – war auch vor 100 Jahren ein Thema: "Die Frage nach einer schnellen und genauen Bestimmungsmethode der Cellulose ist für all die zahlreichen Industrien, die sich mit der Verarbeitung von cellulosehaltigen Materialien beschäftigen, von erheblichem Interesse", so eröffnet Max Renker, Mitbegründer heute noch bestehenden, zwischen Aachen und Köln gelegenen Papierfabrik Renker & Söhne seinen 1909 auf der Hauptversammlung des Vereins der Zellstoff- und Papierchemiker vorgetragenen Aufsatz "Über Bestimmungsmethoden der Cellulose". Eine stattliche Reihe bereits bekannter und selbst entwickelter Aufschlussverfahren wird vorgestellt, richtig perfekt will aber keines der Reagentien funktionieren, wie der Autor am Schluss ehrlich zugibt. Als noch am besten geeignet empfiehlt er das Chlorverfahren nach Cross und Bevan.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil findet sich ein kritischer Kommentar zu einer nach Meinung des Schreibers überstürzt erlassenen Weinzollordnung, die die chemische Prüfung eingeführter Weine im Zuge der Zollabfertigung vorschreibt. Es kommt zu Stockungen, als deren Hauptursache mangelndes Personal ausgemacht wird, denn "ein Chemiker kann in zwei Tagen die Untersuchung von etwa drei Proben bewältigen". Entsprechend wird die Einstellung von mehr Chemikern gefordert – also keine schlechten Berufsaussichten damals!

    Die Personal- und Hochschulnachrichten vermelden die Einrichtung einer photochemischen Abteilung an der Universität Göttingen unter der Leitung von Alfred Coehn, die Beförderung von Austin Patterson zum Chefredakteur der Chemical Abstracts als Nachfolger des legendären William A. Noyes sowie das 50-jährige Doktorjubiläum des Physikers Ernst Mach, nach dem die Mach-Zahl als Maßeinheit für die Geschwindigkeit benannt ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 5/1910.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Metalle als Katalysatoren in der organischen Chemie" ist der höchst aktuell klingende Titel eines Aufsatzes, der auf einem Vortrag von Ludwig Taub, auf der "Wanderversammlung des Vereins deutscher Chemiker zu Köln" am 21. November 1909 basiert. Aber wer war Ludwig Taub? Unter den 133.000 Googleeinträgen unter diesem Stichwort dominiert der taube Ludwig van Beethoven. Irgendwann stößt man darauf, dass Ludwig Taub ein Chemiker bei der Firma Bayer war und dort mit Kollegen 1912 erstmals Luminal synthetisierte. Der Artikel beschäftigt sich – nachdem kurz eine Geschichte der Katalyse präsentiert wird – mit Hydrierungen, Oxidationen und "molekularen Spaltungen". Im Vordergrund stehen Arbeiten Paul Sabatiers, der dafür 1912 den Nobelpreis erhalten sollte. Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil wird vermerkt, dass die Biererzeugung in Italien sich innerhalb von fünf Jahren von 200.000 auf 360.000 Hektoliter gesteigert hat – angewandte Chemie!

    Lesen Sie mehr in Heft 4/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    In Heft 2 des Jahrgangs 1960 interessiert sich W. Luck (BASF) in seinem Aufsatz für die vielfältigen, sich gegenseitig beeinflussenden Vorgänge beim Färben von Textilien, und in einem kurzen Aufsatz führen J. Mathieu et al. in Ergänzung zum Prinzip des nucleophilen oder elektrophilen Angriffs (AN/E) das Konzept des nucleofugen und elektrofugen Austritts (DN/E) ein, mit dessen Hilfe sich die Mechanismen ionischer organischer Reaktionen durch Zerlegung in die entsprechenden vier Elementarvorgänge aufschlüsseln lassen. Die von den Autoren zu diesem Zweck eingeführte Schreibweise – z. B. ANDN für SN2-Reaktionen – hat allerdings keinen Eingang in die organische Chemie gefunden. Aus dem Umfeld der Reppe-Chemie stammt ein Artikel von G. P. Chiusoli, in dem in erster Linie Reaktionen von Chlorallylderivaten mit Kohlenmonoxid und Acetylen in Gegenwart von Nickeltetracarbonyl bei Normaldruck vorgestellt werden, wobei die Diencarbonsäuren erhalten wurden.

    Im Zuschriftenteil schlägt H. Hoffmann die Reaktion von HCl mit Triphenylphosphin und einem Aldehyd unter Bildung von Hydroxyphosphoniumsalzen als Methode zur Abtrennung und analytischen Bestimmung von Aldehyden vor, und E. Amberger präsentiert mit der Herstellung von Monochlorstannan die erste Synthese eines teilhalogenierten Stannans.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Als Kautschukharze bezeichnet man die in Aceton oder Alkohol löslichen Bestandteile des aus dem Latex, dem Milchsaft der Kautschukliefernden Pflanzen, gewonnenen Rohkautschuks", so eröffnen F. W. Hinrichsen und J. Marcusson vom Königlichen Materialprüfungsamt zu Groß-Lichterfelde ihren Aufsatz "Zur Kenntnis der Kautschukharze" – Naturstoffe, die in einer Welt, in der nachhaltiges Wirtschaften wieder an Bedeutung gewonnen hat, vielleicht nicht uninteressant sind. Im gleichen Zusammenhang kann auch der Aufsatz über "Zusätze für die Wasserreinigung" gesehen werden, den P. Drawe aus Görlitz verfasste. Etwas ratlos tritt man die Lektüre des Artikels an, der schlicht "Automors" überschrieben ist – aber es gibt zum Glück einen letzten Absatz: "Fasse ich kurz zusammen, so muss ich sagen: Automors ist identisch mit Sanatol, was durchaus kein Nachteil ist; Automors ist nicht als giftig in dem Sinne zu bezeichnen, dass es unter die einschränkenden Bestimmungen des Giftgesetzes fällt; Automors ist ein sehr kräftiges Desinfektionsmittel und der Carbolsäure vielfach überlegen". Für Automors bietet Google immerhin noch 1370 Einträge, und darunter ist der Verweis auf den Artikel in der Angewandten Chemie auf Platz 4.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil kann man etwas über "die Ergebnisse des Bergbaus auf den Philippinen" lesen, in den Personal- und Hochschulnachrichten die Ankündigung: "E. Solvay, der Direktor des Brüsseler soziologischen Instituts, hat 50.000 Frs. als Preis für die Lösung einer physiologischen Aufgabe ausgesetzt. Es handelt sich um die Beantwortung der Frage, wie weit im einzelnen Individuum und weiter im Komplex der Natur und der Rasse der intellektuelle Charakter von den biochemischen Erscheinungen bestimmt ist". Ganz aktuell klingt ein Bericht über den "II. Intern. Kongress zur Unterdrückung der Verfälschung der Nahrungsmittel, Drogen und chemischen Rohstoffe". Ein wirklicher Höhepunkt des Heftes ist der Nachruf auf Ludwig Mond (Bild), der am 7. März 1839 in Kassel geboren wurde und am 11. Dezember 1909 in London starb. Durch das Mond-Verfahren zur Gewinnung von Nickel und die Entstehung von Tetracarbonylnickel noch heute bekannt, hat Mond schon damals weit vorausschauend Industrieforschung betrieben: "Die Verwendung der abfallenden Nebenprodukte erregte seine Aufmerksamkeit und veranlasste ihn zur Ausarbeitung der Chlorgewinnung aus Chlorcalciumlaugen. Von dem Streben geleitet, einer sinnlosen Verschwendung von Brennmaterial Einhalt zu bieten, widmete er sich dem Studium der Kohlenvergasung im Generator und ermöglichte durch die Konstruktion einer sinnreichen Apparatur die Herstellung eines brauchbaren Heizgases aus minderwertiger Kohle unter Gewinnung des in der Kohle enthaltenen Stickstoffs in der Form von Ammoniumsulfat" – klingt alles sehr aktuell!

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1910.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Die Fortschritte der präparativen Methoden haben in den letzten Jahren zu einer stürmischen Entwicklung des bisher nur wenig erschlossenen Gebietes der kleinen Kohlenstoff-Ringe (33 und 4 Glieder) geführt." So beginnt der Abstract des Aufsatzes "Kleine Kohlenstoff-Ringe" im ersten Heft der Angewandten Chemie im Jahr 1960, verfasst von Emanuel Vogel, seinerzeit noch Privatdozent an der TH Karlsruhe. Damals, so Vogel heute, seien die kleinen Ringe noch chemische Exoten gewesen. Es ist denkbar, dass sein Aufsatz einen Beitrag dazu geleistet hat, die Cyclobutane und vor allem Cyclopropane in der organischen Chemie zu etablieren. Der Abstract schließt mit den Worten: "Eine weitere Bereicherung erlebte die Chemie der kleinen Ringe durch die Auffindung neuartiger Cyclopropan- und Cyclobutan-Verbindungen in der Natur." Eine solche Aussage könnte man auch in einem 2010 veröffentlichten Aufsatz zum Thema finden – man denke nur an Ingenol und viele verwandte Naturstoffe. Diesem Aufsatz vorangestellt ist ein Beitrag über die Arbeiten von Peter Debye anlässlich dessen 75. Geburtstages von K. Wirtz.

    Zuschriften gab es in der Angewandten Chemie vor 50 Jahren nur wenige – im ersten Heft 1960 finden sich deren sechs auf lediglich zwei (!) Seiten. Die erste der Zuschriften handelt von der gefahrlosen (sic) Herstellung von Diazoessigsäureester und wurde eingereicht von H. Reimlinger von der Organisch-Chemischen Abteilung der European Research Associates Brüssel – eine Autorenadresse, die man in der Angewandten Chemie schon länger nicht mehr gesehen hat. Gleiches gilt für die nächste Zuschrift; sie stammt von der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung.

    Einen großen Teil des Heftes machen Versammlungsberichte aus. So erfahren wir, dass E. G. Rochow beim XVII. Internationalen Kongress für Reine und Angewandte Chemie über die freie Drehbarkeit der Ringe in Sandwich-Verbindungen vortrug. "In einzelnen Fällen, wie bei intramolekular verbrückten Komplexen wird als Erklärung eine Art Tunneleffekt der am Ringumfang beweglich gedachten Protonen herangezogen." Auf derselben Tagung berichtete R. K. Steunenberg über Synthese und Zersetzung von PuF6, dessen Flüchtigkeit es zur "Plutonium-Gewinnung aus Kernreaktor-Brennstoffen" geeignet erscheinen ließ.

    Eine weitere Rubrik, die es in der Angewandte Chemie heute nicht mehr gibt, ist die Rundschau. Hier wurden in wenigen Sätzen wichtige Beiträge aus anderen Zeitschriften zusammengefasst. Die Rundschau von Heft 1/1960 informiert über ein anscheinend zeitgemäßes Thema, die Entfernung von 89Sr und 137Cs aus Milch, ohne deren Qualität zu beeinträchtigen. Weitere Highlights (nach heutiger Terminologie) sind die "erste natürliche Substanz mit C-P-Bindung" (2-Aminoethanphosphonsäure) sowie die Isolierung des noch heute in der Veterinärmedizin gebräuchlichen Makrolid-Antibiotikums Tylosin.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1960.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie

    "Ich habe stets die Empfindung gehabt, dass die Fortschritte der reinen Chemie und insbesondere der chemischen Synthese an erster Stelle der Medizin zugute kommen." Mit diesen heute zwar etwas manieriert klingenden, aber noch immer gültigen Worten eröffnet Paul Ehrlich den ersten Aufsatz im ersten Heft der Angewandten Chemie vor genau 100 Jahren. Den Aufsatz "Die Grundlagen der experimentellen Chemotherapie" beschließt Paul Ehrlich, der 1908 den Nobelpreis für Medizin erhalten hatte, mit den Worten: "Andererseits ist es eine Tatsache, dass die neue Richtung nur vorwärts kommen kann, wenn die reine synthetische Chemie ihr nach wie vor weitestgehende Unterstützung und Hilfe leistet, und so hoffe ich, dass die Union von Chemie und Medizin sich immer mehr befestigen werde zur Förderung des großen Zweckes und zum Nutzen der Menschheit". In jenem Heft vor 100 Jahren kann man dann noch etwas über die Steigerung der Leistungsfähigkeit der Schwefelsäurekammern und – es gibt doch noch Konstanten in der globalisierten Welt! – die Transporteinrichtungen der BASF in Ludwigshafen lesen (s. Bild). Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil, der sich unter anderem mit dem "Handel von Drogen in Formosa" beschäftigt, sowie in den Personal- und Hochschulnachrichten ("A. Angell wurde zum Grafschaftschemiker der Insel Wight ernannt") dominieren aus heutiger Sicht Kuriosa.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1910.

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