Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 127 Issue 14

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Vor 50 oder 100 Jahren

Zukunft braucht Herkunft – die Angewandte Chemie wird seit 1888 publiziert, und 2011 gibt es auch die International Edition schon 50 Jahre. Ein Blick zurück kann Augen öfnen, zum Nachdenken und -lesen anregen oder ein Schmunzeln hervorlocken: Deshalb finden Sie an dieser Stelle wöhentlich Kurzrückblicke, die abwechselnd auf Hefte von vor 100 und vor 50 Jahren schauen.

Archiv: 2010

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 52, 12592

    „Über Kolloide und deren Bedeutung” berichtete die Angewandte Chemie durch den Abdruck eines Vortrags von Hans Freimann schon vor 100 Jahren, natürlich noch ohne das Reizwort „Nano”. Als Herstellungsmethoden für kolloidale Lösungen – im Fall von Suspensionen sind dies „alle Zerteilungen eines festen Körpers bis herab zu einer Teilchengröße von 1 µ” – unterscheidet der Autor vor allem physikalische Verfahren, etwa Zerreiben oder kräftiges Aufspritzen (bei der Homogenisierung des Kolloids Milch, einer Emulsion von Fett-Tröpfchen), und chemische Verfahren. Bei chemischen Kondensationsverfahren wird durch eine Reaktion ein Stoff erzeugt, der im Medium nur beschränkt löslich ist, aber nicht als Niederschlag ausfällt. Die Produkte eines solchen kontrollierten Zusammenballens von Molekülkomplexen würde man heute als Mikropartikel bezeichnen – die große Version von Nanopartikeln, die nach wie vor durch „Innehalten bestimmter Konzentrationen, Temperaturen und Geschwindigkeiten bei der Niederschlagsbildung” erhalten werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 51/1911

    Von ihrer heute längst nicht mehr so ausgeprägten industriellen Seite präsentiert sich die Angewandte Chemie in Bernhard Neumanns Beitrag „Technische Fortschritte im Eisenhüttenwesen 1910”. Darin werden, vorrangig unter ökonomischen Aspekten, nicht nur einzelne Verfahren zur Roheisen- und Flusseisenerzeugung verglichen, sondern auch die Produktionsmengen einzelner Länder (einsam an der Spitze: die USA) und die jeweils verfügbaren Mengen an Eisenerzen als Rohstoff für die aufstrebende Schwerindustrie.

    Aus dem akademischen Leben berichtet man über die Ernennung von Theodor Curtius – Entdecker der nach ihm benannten Umlagerung von Carbonsäureaziden und Professor in Heidelberg – zum Ehrenmitglied der Royal Institution of Great Britain in London.

    Lesen Sie mehr in Heft 52/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 51, 12332

    Heft 24 des Jahres 1961 hat nur 24 Seiten – heute sind es normalerweise deutlich über 200 Seiten pro Heft – und wird fast zur Hälfte von einem Aufsatz von Oskar Glemser gefüllt, der sich mit Oxid-Wasser-Systemen auseinandersetzt. Glemser bezeichnet solche Systeme als Aquoxide und teilt sie in vier Klassen ein: Hydroxide (z. B. NaOH (l)), Oxidhydrate (z. B. WO3·H2O), Hydronium-Verbindungen (z. B. H3O+ClO4 (s)) und Oxidaquate (z. B. SnO2 (aq)). Der Aufsatz widmet sich den vier Forschungsschwerpunkten der damaligen Zeit, gasförmigen Hydroxiden, Hydrothermalsynthesen, niedervalenten Übergangsmetallhydroxiden und festen Aquoxiden.

    Zwei Zuschriften befassen sich mit Diimin, HN=NH: Im ersten Beispiel wird diese Verbindung (hier Diimid genannt) als Intermediat der Chloramin-Zersetzung angenommen, da Chloramin in der Lage war, Undecensäure relativ glatt zu Undecansäure zu hydrieren. Auch im zweiten Beispiel wird Diimin als Zwischenprodukt vermutet, hier bei der Hydrierung von Phenylpropionsäure mit Hydroxylamin-O-sulfonsäure, bei der außer Dihydrozimtsäure ausschließlich das cis-Isomer der Zimtsäure gefunden wurde, ein klarer Hinweis auf das Auftreten von Diimin. In situ (z.  B. durch Oxidation von Hydrazin) erzeugtes Diimin wird heute zuweilen als mildes Agens zur metallfreien syn-Reduktion von C=C- und C≡C-Bindungen eingesetzt, das verträglich mit einer Reihe funktioneller Gruppen ist, darunter O-O, N-O, C=O oder C=N.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 50, 12028

    Dass naturwissenschaftliches Experimentieren nicht im rechtsfreien Raum stattfindet, führt uns eine Meldung in Heft 49/1911 vor Augen: Der (namentlich genannte!) Technikumschüler Friedrich Dominick vermengte Kaliumchlorat mit rotem Phosphor und übergoss das Gemisch mit Schwefelsäure, woraufhin eine Explosion erfolgte, die den Schüler erheblich verletzte. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage auf Grundlage des Sprengstoffgesetzes, und D. wurde tatsächlich zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt – trotz des mildernden Umstandes, dass „die Experimente dem Lerneifer galten” und D. durch seine Verletzungen schon gestraft war. Zum Glück für den jungen Mann wurde das Urteil in zweiter Instanz aufgehoben. In der Angewandten Chemie findet pyrotechnische Forschung, die heute natürlich strengen Sicherheitsvorkehrungen unterliegt, nach wie vor ihren Platz, zuletzt in einer Zuschrift von J. Sabatini et al. (Angew. Chem. 2011, 123, 4720) über die Verwendung von Borcarbid als bariumfreiem Grünlichtemitter.

    Lesen Sie mehr in Heft 49/1911

    Anfang des 19. Jahrhunderts gefertigte Seidenstoffe sind auffallend schlecht erhalten. Textilrestauratoren beschreiben typische Schadensbilder wie brüchige, morsche, rissige Gewebe und rötlich-braune Flecken. Ursache der schlechten Haltbarkeit war die damals übliche Praxis, Seide durch Behandlung mit Zinnphosphatsilicat zu beschweren („chargieren”), um so einen schöneren Fall der Seide zu erzeugen. Was sich bei der Stoffalterung chemisch genau abspielt, ist nicht bekannt, eine Vermutung ist aber, dass im Laufe der Zeit entstehende Zinnsilicat-Kristalle die Faserstruktur zerstören. Das prinzipielle Problem hatte man 1911 bereits erkannt und bemühte sich entsprechend um eine Verbesserung des Zinnerschwerungsverfahrens. In Heft 50 schlägt Dr. O. Meister aus Zürich eine zusätzliche Schutzbehandlung chargierter Seide mit „Rhodanverbindungen” vor, über deren genaue Identität der Leser aber leider nichts erfährt.

    Lesen Sie mehr in Heft 50/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 49, 11760

    Kennen Sie GREMAS? Dahinter verbirgt sich „Genealogisches Recherchieren durch Magnetbandspeicherung”, ein bei Hoechst entwickeltes Dokumentationssystem, das in einem Aufsatz vorgestellt wird. Dokumentation und Recherche werden darin als „interessantes Grenzgebiet zwischen Natur- und Geisteswissenschaft” bezeichnet, wohingegen man heute, in Zeiten von SciFinder, die wissenschaftliche Recherche selbst kaum als Wissenschaft wahrnimmt.

    Der Zuschriftenteil glänzt durch Arbeiten von Günther Wilke (der später Nachfolger von Karl Ziegler als Direktor des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr werden sollte) und Robert Woodward (Nobelpreis für Chemie 1965). Weitherhin berichtet Hans Jürgen Bestmann, damals noch Privatdozent an der TH München, über eine Synthese von β-Carotin aus Vitamin A. Wie Bestmann war auch Wolfgang Steglich über mehrere Jahrzehnte als Autor in der Angewandten Chemie vertreten; seine Zuschrift „Peptid-Synthesen mit Acylaminosäure-vinylestern” entspringt allerdings noch nicht seiner eigenen Forschung, sondern seiner Dissertation bei Friedrich Weygand.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 48, 11472

    Sprengstoffe interessierten damals offenbar sehr, denn einem Beitrag von Lothar Wöhler in Heft 44 über die Initialzündung folgte in Heft 47 einer von M. Neumann über brisante Sprengstoffe. Das sind Verbindungen, in denen alle wesentlichen Elemente eines Sprengstoffs – O, C, H, N – vorliegen, die aber häufig unter normalen Verhältnissen einen recht harmlosen Charakter haben. Ihre Verwendung als Sprengstoffe wurde erst durch die Entwicklung der Sprengkapsel möglich.

    Ein weiterer Beitrag widmet sich unter dem Titel „Papier und Hygiene” dem Einsatz von Papieren in der Ernährung, der Hautpflege, der Kleidung, der Wohnung und der Krankenpflege. Manches Beispiel klingt heute sehr sonderbar, z. B. Kochen in Papier, das damals vor allem in England propagiert wurde, die ebenfalls erwähnten wasserdichten Trinkbecher dagegen wirken wie frühe Vorgänger der heute allerorts verwendeten Pappbecher.

    Lesen Sie mehr in Heft 47/1911

    Detaillierte technische Zeichnungen illustrieren den Beitrag von Dipl.-Ing. W. Rodenhauser über die unterschiedlichen Arten von Lichtbogen- und Induktionsöfen, die in der Stahlerzeugung genutzt werden, ihre Vorteile gegenüber älteren Schmelzeinrichtungen und ihre Anwendungsgebiete sowie die Verwendbarkeit des mit ihnen erzeugten Stahls. Das zweite Hauptthema waren gerichtliche und patentrechtliche Entscheidungen sowie Gesetze und Verordnungen zu Themen des gewerblichen Rechtsschutzes im 2. Halbjahr 1910.

    Bei den Personal- und Hochschulnachrichten wird deutlich, dass die Globalisierung in den Wissenschaften schon lange vor der Erfindung dieses Begriffs ein Thema war: Sechs US-Universitäten haben einen Austausch von Professoren mit japanischen Hochschulen vereinbart, und die Königliche Bayerische Akademie der Wissenschaften ernannte unter anderem W. H. Perkin und E. Rutherford zu korrespondierenden Mitgliedern.

    Lesen Sie mehr in Heft 48/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 47, 11220

    Biochemisch präsentiert sich Heft 22/1961, mit gleich zwei Aufsätzen aus diesem Forschungsgebiet: Helmut Holzer, ein Schüler Feodor Lynens, berichtet über den damaligen Stand eines seiner Spezialgebiete, des Wirkmechanismus von Thiaminpyrophosphat, einem Pyrophosphorsäureester von Vitamin B1. Thiaminpyrophosphat ist als Coenzym von Bedeutung für oxidative Decarboxylierungen, z. B. bei der Glycolyse und im Citratzyklus, wo es mit der Pyruvat-Dehydrogenase bzw. der. α-Ketoglutarat-Dehydrogenase zusammenwirkt. Der zweite Aufsatz stammt aus der Feder von Rudolf Tschesche. Thema sind pflanzliche C21-Steroide, die als Glycoside oder Amine auftreten. Eines der vorgestellten Steroide, das Conessin, hat sich inzwischen als effizienter Antagonist des Histamins am Histamin-H3-Rezeptor erwiesen, der u. a. bei der Regulation des Sättigungsgefühls oder des Schlafes eine Rolle spielen soll.

    In einer Zuschrift berichtet W. Fink (Monsanto) über die Herstellung von N,N'-Trimethylsilyltetramethylcyclodisilazan – dem ersten Si-N-Vierring – gleich über mehrere Routen. Die beste Ausbeute ergab dabei die Reaktion von „Dilithiumoctamethyltrisilazan” (der Name scheint hier allerdings nicht ganz zur gezeigten Struktur zu passen, die nur zwei N-Atome enthält) mit R2SiCl2.

    Die Forensik ist ein Wissenschaftsgebiet, das in der Angewandten ziemlich selten vertreten ist – in diesem Heft durch einen kurzen Bericht über eine Tagung der „Isotopen-Studiengesellschaft”, wo sich ein Vortrag mit der Aktivierungsanalyse von Schmauchspuren nach dem Abfeuern eines Schusses befasst. Bei der Aktivierungsanalyse wird eine Probe mit Neutronen bestrahlt, wodurch aus den natürlichen Isotopen radioaktive Varianten entstehen, die sich anhand ihrer charakteristischen Strahlung und Halbwertszeit identifizieren lassen. Laut dem Vortragenden lassen sich so noch Nanogrammspuren an Antimon detektieren, „wenn aus 2 m Entfernung geschossen wurde”.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 46, 10940

    Rund ein halbes Jahr nach der Würdigung durch B. Rathke (Heft 14/1911) erfährt Robert W. Bunsen eine weitere posthume Ehrung zu seinem 100. Geburtstag durch H. Goldschmidt, einen seiner letzten Schüler. Der Beitrag hebt allerdings weniger die streng wissenschaftlichen Leistungen Bunsens hervor, sondern wartet höchst lebendig mit allerlei Anekdoten aus Bunsens Labor auf. In der Woche, in der diese Zeilen geschrieben werden, ehren die Deutsche Bunsengesellschaft für Physikalische Chemie und die Gesellschaft Deutscher Chemiker den großen Forscher und Lehrer zu seinem 200. Geburtstag mit einem eintägigen Kolloquium, an dem auch die Nobelpreisträger Wüthrich und Michel mitwirken. Die Bunsenvorlesung hält J. Troe an Bunsens alter Wirkungsstätte in Heidelberg, die aus diesem Anlass in die Liste der „Historischen Stätten der Chemie” der GDCh aufgenommen wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 45/1911

    Über Fortschritte auf dem Gebiet der etherischen Öle und Riechstoffe berichtet F. Rochussen. Im ersten Teil dieses Aufsatzes diskutiert der Autor zunächst die Handelsbilanz (Menge und Wert der ausgeführten Fertigprodukte konnten im Vergleich zum Vorjahr erheblich gesteigert werden) und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Zölle usw.). Übergangslos schreibt der Autor dann über neue Erkenntnisse in der Chemie der Titelverbindungen. Großen Raum nimmt hier die offene Frage der Struktur von Camphen ein.

    Unter den Buchrezensionen finden sich Titel über „Kometen und Elektronen” (A. Righi) und „Angewandte Photographie in Wissenschaft und Technik” (K.W. Wolf-Czapek), darunter die Chemie. Welchen Aufschwung Bilder in der Chemie mit dem Aufkommen der Rastersondenmikroskopien nehmen würden, konnte damals noch niemand ahnen.

    Lesen Sie mehr in Heft 46/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 45, 10662

    Der Aufsatz „Kinine und Angiotensine“ von E. Werle verspricht im Untertitel, deren pharmakologische, chemische, physiologische und pathologische Bedeutung zu erläutern; anscheinend war allerdings vor 50 Jahren die physiologische Bedeutung des Renin/Angiotensin-Systems noch „weitgehend unbekannt“. Der etwas nüchtern klingende Titel des anderen Aufsatzes („Umwandlung von Elektronenanregungsenergie“) von E. Lippert et al. sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ebenfalls ein heute noch wichtiges Gebiet – Fluoreszenzfarbstoffe und -spektroskopie – behandelt wird.

    In einer der Zuschriften wird die katalytische Wirkung von elementarem Iod bei der Tritiummarkierung nach dem so genannten Wilzbach-Verfahren beschrieben. Ein heute kaum geläufiger Begriff, die Rückstoßchemie, wird im ersten Satz erwähnt; gemeint sind chemische Reaktionen als Folge von Kernprozessen.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 44, 10454

    „Der Apotheker von heute ist leider nicht mehr […] Arzneimittelhersteller und -untersucher [,…] sondern Spezialitätenhändler …”. Diese Feststellung führt Eugen Seel dazu, die Notwendigkeit der Untersuchung pharmazeutischer Präparate in chemischen Laboratorien zu postulieren. Im zweiten Teil des gleichnamigen Aufsatzes betrachtet er zusammengesetzte Mittel und prangert gerade bei teuren Präparaten wie Formaldehyd-Tabletten und Opiumtinktur einen Mangel an aktiver Komponente an, sei dieser nun bedingt durch Zersetzung bei der Lagerung oder durch mutwilliges Strecken. Etwa die Hälfte aller von Apothekern selbst nach Vorschrift des Deutschen Apothekervereins bereiteten Spezialitäten gab Grund zur Beanstandung. Kein Wunder also, dass Seel zum Schutz der Patienten striktere Kontrollen in Apotheken für unumgänglich hält. Diese wären auch im Sinne der rechtschaffenen Apotheker – „denn die Kontrolle fürchtet nur, wer Grund dazu hat!

    Lesen Sie mehr in Heft 43/1911

    Bumm! – Mit einer Initialzündung beginnt das erste Novemberheft des Jahres 1911. In seinem Aufsatz, der auf einem Vortrag bei der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in Stettin beruht, beschreibt Lothar Wöhler zunächst das Wesen der Initialzündung als Reaktion, mit deren Hilfe man die Explosion eines Sprengstoffs auslösen kann. Als typischer Prozess der Initialzündung wird die Zersetzung von Knallquecksilber angeführt, da dessen Einsatz aber mit gesundheitsschädlichen Wirkungen einhergehen kann, werden in der Folge die Explosionseigenschaften einiger weiterer Fulminate (Salze der Knallsäure, HCNO) sowie Schwermetallazide verglichen. Als Initialzündstoff empfiehlt der Autor schließlich das Bleiazid – eine Substanz, die das Knallquecksilber bald weitgehend verdrängen sollte und immer noch von größter Bedeutung ist. Allerdings ist auch die Bleiverbindung unter Gesundheits- und Umweltaspekten alles andere als unbedenklich ...

    Lesen Sie mehr in Heft 44/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 43, 10184

    Manch ein Chemiker wird sich noch an seine ersten Begegnungen mit dem „Jander/Blasius” zurückerinnern – kein vollständiger Kationentrennungsgang ohne Konsultation des „Lehrbuchs der analytischen und präparativen anorganischen Chemie”! Für die Angewandte Chemie hat einer der Autoren, Ewald Blasius, seinerzeit Privatdozent an der TU Berlin im Umfeld von Gerhart Jander, drei Übersichtsartikel über Ionensiebe verfasst, von denen sich der dritte – „Kapillareigenschaften eines Kationenaustauschers auf Silicon-Basis” – in Heft 20 befindet. Blasius liefert eine gründliche Analyse der wichtigen Porenabmessungen einiger Silicon- und Kunstharz-Ionentauscher für den Einsatz als Ionensieb, wobei er zwei Methoden – die Bemmelen-Bachmann-Maier(BBM)- und die Brunauer-Emmet-Teller(BET)-Methode – einander gegenüberstellt. Ergänzt wird Blasius' Beitrag von einem Aufsatz über Dünnschichtchromatographie an Ionenaustauscher-Schichten von K. Randerath, der beschreibt, wie sich Nucleinsäure-Derivate an einem Cellulose-Anionenaustauscher trennen lassen.

    Wie Lackmus wird das weniger bekannte Orcein aus einer Flechtenart durch Behandlung mit Ammoniak gewonnen. Heute kaum noch verwendet, spielte Orcein in früheren Jahrhunderten eine wichtige Rolle als Färbemittel für Stoffe, allerdings war die so erhaltene Rotfärbung nicht waschecht und verblasste schnell; als Ammoniaklieferant kam damals schlicht Urin zur Anwendung. Wie wir im Aufsatz „Orcein und Lackmus” von H. Musso et al. erfahren, besteht das Orcein in Wirklichkeit aus 14 verschiedenen, stickstoffhaltigen Verbindungen, die allesamt – ebenso wie Lackmus – Farbumschläge bei bestimmten pH-Werten zeigen. Alle leiten sich von 2-Phenoxazon- oder 2-Phenoxazim-Grundgerüsten ab. Die Autoren schließen mit der eher philosophischen Frage, ob Lackmus und Orcein eigentlich zu Recht als Naturfarbstoffe bezeichnet werden, und gelangen zu der Erkenntnis: „Man ist also nur dann berechtigt, sie auch weiterhin, wie es in vielen Büchern geschah, als Naturstoffe zu führen, wenn man den Vorgang, bei dem eine Orseille-Flechte z. B. mit Harn in Berührung kommt, als einen natürlichen bezeichnet”.

    Lesen Sie mehr in Heft 20/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 42, 9948

    Meine Herren! Elektrostahl, besser und billiger als Martinstahl! In diesem kurzen Worte liegt ... die zukünftige Entwicklung der Großeisenindustrie begründet, welche aber nicht nur ein Zukunftstraum ist, sondern heute bereits eingesetzt hat.” Ganz sollte es sich nicht erfüllen, was Th. Geilenkirchen hier in Heft 41 von 1911 über die Zukunft der Stahlerzeugung schreibt, denn tatsächlich entwickelte sich das angeblich minderwertige Siemens-Martin-Verfahren bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zum dominierenden Stahlerzeugungsprozess und verlor erst dann, nun allerdings sehr rasch, an Bedeutung. Das Elektroverfahren fand zwar ebenfalls seinen Platz innerhalb der Stahlindustrie und wird auch bis heute genutzt, aufgrund der hohen Kosten aber vor allem nur für Edel- und Qualitätsstahle. Trotz der falschen Prognose ist der Aufsatz, der auf einem vor dem Rheinischen Bezirksverein gehaltenen Vortrag basiert, unbedingt lesenwert.

    Weitere Beiträge drehen sich um die Bestimmung von Fettsäuren, die Plastizität von Bariumsulfat und farbtreue Photographien.

    Lesen Sie mehr in Heft 41/1911

    „Über zwei chemische Vorgänge im Eisenbahntunnel” lautet der Titel eines Beitrags von P. Rohland in Heft 42/der trotz skurriler Anmutung einen hochaktuellen und auch ärgerlichen Bezug zu Problemen des heutigen Straßenbaus aufweist. Im Beitrag geht es um die Beobachtung, dass kohlensäurehaltiges Sickerwasser und schweflige Säure Tunnelmaterialien angreifen und zersetzen können. Ähnliches widerfährt zurzeit deutschen Autobahnen, wo basische Zementkomponenten die Kieselsäure des Betons anfressen („Betonkrebs”) und, zum Leidwesen baustellengeplagter Autofahrer, großräumige Fahrbahnsanierungen notwendig machen.

    Weitere Beiträge widmen sich dem Edison-Akkumulator, der chemischen Analyse von Arzneistoffen und dem Weinessig.

    Lesen Sie mehr in Heft 42/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 41, 9696

    Polymere als elektrische Leiter und Halbleiter – ein derzeit bedeutendes und doch nicht ganz neues Thema, wie der Aufsatz von M. Becher und H. F. Mark verdeutlicht. „Elektrisch leitende Kunststoffe kann man erhalten, indem man entweder in das Produkt bewegliche Ionen einbaut oder aber dafür sorgt, dass für die Leitung Elektronen verfügbar sind”, heißt es in der Einleitung. Eher wie ein „alter Hut” kommt uns heutzutage dagegen das Thema des anderen Aufsatzes im Heft vor: „Neue Anwendungsgebiete der Dünnschichtchromatographie” von E. Stahl. „Die Möglichkeit der Schnelltrennung sehr kleiner Mengen von Alkaloidgemischen ist in der Toxikologie und Arzneimittelanalyser von besonderem Wert”, erfahren wir.

    Aus der Rundschau gehr hervor, dass der gelegentlich für die Färbung von Lakritzen verwendete Farbstoff Erdschwarz M 90 (eine treffende Bezeichnung, wird er doch aus kohlenstoffreichen Schiefertonen gewonnen) nicht als Lebensmittelfarbstoff zugelassen werden darf, nachdem er sich in Tierversuchen als cancerogen erwiesen hat. „Eine Zuordnung der Wirkung zu einem bestimmten Inhaltsstoff war […] noch nicht möglich.”

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 40, 9394

    Das Ende von Kohle und Erdöl spricht Professor Carl Engler bei seinem Vortrag Über Zerfallsprozesse in der Natur auf der 83. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte in Karlsruhe zu einem Zeitpunkt an, zu dem ihr Verbrauch in großem Maßstab noch gar nicht eingesetzt hat. Für das Deutsche Reich nahm er einen für 3000 Jahre reichenden Steinkohlevorrat an, merkte aber auch an: „Allerdings liegen die Kohlenflöze größtenteils so tief, daß an ihre völlige Ausbeutung heutigen Tages der hohen Kosten wegen nicht zu denken ist.” – In Deutschland wird, so ist es zumindest geplant, ab 2018 keine Steinkohle mehr gefördert werden.

    Beim Erdöl setzte er die zehnfache Menge der von 1860 bis 1910 geförderten 540 Millionen Tonnen als Vorrat und eine Jahresförderung von 50 Millionen Tonnen an, sodass das Erdöl rund 100 Jahre reichen würde, und meinte: „... da eine nennenswerte natürliche Nachbildung nicht vorhanden ist, [muß man] in absehbarer Zeit der Abnahme und dem Ende der Erdölproduktion entgegensehen; immerhin eine Kalamität im Hinblick namentlich auf die Bedeutung dieses Naturproduktes für die Kraftfahrzeuge zu Wasser, Land und Luft.” – Heute wird von rund 160 Milliarden Tonnen Erdöl weltweit ausgegangen und darüber gestritten, ob das globale Fördermaximum bereits erreicht ist oder nicht.

    Lesen Sie mehr in Heft 39/1911.

    „Jedes Organ, jedes Gewebe und in letzter Linie jede Zelle verändert die Zusammensetzung der Säftemasse und übt durch spezifische Produkte unter Vermittlung des zirkulierenden Blutes auf die übrigen Teile einen bestimmenden Einfluß aus.” So definierte Arthur Biedl bei der 83. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte die innere Sekretion, eine damals noch nicht lange akzeptierte Lehre, und Paul Morawicz sprach über die neuesten Erkenntnisse zur Funktion der Produkte dieser inneren Sekretion, der Hormone, – bei manchen Themen schon erstaunlich nahe an dem, was heute bekannt ist.

    Ebenfalls ausführlich wiedergegeben wird der Vortrag von Fritz Haber über die Elektronenemission bei chemischen Reaktionen als Versuch, ein Bindeglied zwischen chemischen und radioaktiven Veränderungen zu finden. Dazu untersuchte er die Reaktionen von flüssigen Metalllegierungen mit reaktiven Gasen wie Brom und Phosgen.

    Lesen Sie mehr in Heft 40/1911.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 38, 8934

    Auf der Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker berichtet Dr. Goslich jr. über die Entwicklung der Zementindustrie. Den Veranstaltungsort Stettin, wo er selbst eine Portlandzementfabrik führt, bezeichnet er als Wiege dieser Industrie. Er konnte kaum ahnen, dass sich 50 Jahre später ein neues Einsatzgebiet für Zement und Beton auftun würde.

    W. Vaubel sieht seine Theorie der Konfiguration des Benzols in einem Aufsatz von J. Lifschitz nicht ausreichend gewürdigt, letzterer verteidigt sein Urteil jedoch vehement. Das Format der Auseinandersetzung einer solchen Korrespondenz findet man auch heute noch gelegentlich in der Angewandten Chemie.

    Lesen Sie mehr in Heft 37/1911

    Bereits ein Jahr vorab wird auf den VIII. Internationalen Kongress für Angewandte Chemie 1912 in Washington und Neu-York (sic!) mit einer Geschichte der Kongresse und einer Liste der „Verhandlungsgegenstände” hingewiesen: angewandte Chemie im ursprünglichen Wortsinn von Bau- und Explosivstoffen, Farben, Pharmazeutika, Fetten und Seifen, Nahrungsmitteln, Brenn- und Leuchtstoffen, Patenten, Analytik usw.

    Schon damals machte man sich Gedanken über die Echtheit von Farben, allerdings weniger in Folge von Reinigungen („Für bunte Wäsche wäre etwa 12maliges Waschen im Jahr zugrunde zu legen”), sondern vielmehr durch Lichteinwirkung. Auch dieses Thema bot Anlass zu einer Korrespondenz.

    Lesen Sie mehr in Heft 38/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 37, 8606

    Frauen in der Chemie gibt es noch immer viel zu wenige. Eine, die es hierzulande schon in den 1960ern zu großer Bekanntheit brachte – als erste Rektorin einer deutschen Universität (Heidelberg), mitten in der Zeit der Studentenproteste – war die 2009 verstorbene Margot Becke-Goehring. Im Doppelheft 17-18/1961 schreibt die Anorganikerin mit Spezialgebiet Schwefel-Stickstoff-Verbindungen einen Aufsatz über die Synthese, Eigenschaften und Bindungsverhältnisse schwefelhaltiger Sechs- und Achtringe, von elementarem S8 über S4(NH)4 bis hin zu sechsgliedrigen C/O,N,S-Ringen.

    Drei Übersichten stammen aus dem analytischen Bereich: über die eher speziellen Methoden des Kolonnenkristallisierens (als Äquivalent zur Kolonnendestillation) und der Radiogaschromatographie mit 14C- und 3H-markierten Substanzen sowie über die noch immer sehr bedeutsame Circulardichroismus(CD)-Spektroskopie als Hilfsmittel zur Aufklärung der absoluten Konfiguration optisch aktiver Verbindungen. Die Autoren L. Velluz und M. Legrand haben das erste Gerät entwickelt, das es ermöglicht, CD-Kurven ebenso effizient zu vermessen wie gewöhnliche Absorptionskurven, und waren so dazu in der Lage, eine breite Palette an optisch aktiven Steroiden zu untersuchen.

    Lesen Sie mehr in Heft 17-18/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 36, 8366

    Gleich zu Anfang von Heft 35 des Jahrgangs 1911 wenden sich Vorstand und Vorstandsrat des Vereins deutscher Chemiker an ihre gut 4600 Mitglieder. (Zum Vergleich: Die Gesellschaft Deutscher Chemiker bringt es heute auf über 30 000 Mitglieder!) Für 1912 steht die 25jährige Jubliäumsfeier des Vereins ins Haus, und eines der Projekte ist die Ausgliederung des Zentralblatts für technische Chemie als eigenständige Veröffentlichung aus der Zeitschrift für angewandte Chemie, die mit einer Auflage von rund 6000 Exemplaren damals schon „das wichtigste [ist], was der Verein besitzt, um anregend und fördernd auf seine Mitglieder zu wirken”. Ferner soll weniger gut gestellten Mitgliedern bei der Teilnahme an Konferenzen, wie dem anstehenden VIII. Internationalen Kongreß für angewandte Chemie in Washington und Neu-York, finanziell unter die Arme gegriffen werden.

    Klar, das kostet Geld, aber auch auf die Frage, wer’s denn bezahlen soll, hat man schon die passende Antwort parat: Ein Jubiläumsfonds wird gestiftet, in den jedes Mitglied, nach seinem Können, doch bitte reichlich geben möge.

    Lesen Sie mehr in Heft 35/1911

    Der minutiöse Bericht über die XXIV. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker 1911 in Stettin nimmt dann den Großteil des folgenden Hefts 36 ein – aufgeteilt in die Sitzung des Vorstandsrats unter Vorsitz von Carl Duisberg, eine erste allgemeine Sitzung sowie eine geschäftliche Sitzung. Während es hier noch um (vereins)politische Aspekte der Chemie geht, erscheint der übrige Inhalt dieses Hefts streckenweise regelrecht transdisziplinär: So wird in der Rubrik Buchbesprechungen das gänzlich fachfremde Werk „Über Persönlichkeit, Aufgaben und Ausbildung des Richters” von A. N. Zacharias rezensiert, und auch der Verweis auf die Gründung eines nicht näher spezifizierten „Vereins freier Knocheninteressenten” in Berlin kommt eher überraschend. Offensichtlich ermuntert die Angewandte ihre Leser schon seit langem, über den (chemischen) Tellerrand hinauszublicken.

    Lesen Sie mehr in Heft 36/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 35, 8118

    Fast die Hälfte der zwölf Zuschriften in Heft 16 von 1961 stammt von Max-Planck-Instituten, davon drei allein vom MPI für Kohlenforschung in Mülheim. (2010 publizierte die Angewandte Chemie pro Monat im Durchschnitt zehn Artikel von Autoren der Max-Planck-Gesellschaft.) Unter den Autoren der Zuschriften finden sich der Nobelpreisträger Richard Kuhn sowie die späteren Nobelpreisträger Karl Ziegler und Ernst Otto Fischer. Dieser berichtet über Carbonylmanganverbindungen. Die Carbonylmetallchemie im Allgemeinen ist untrennbar mit E. O. Fischers akademischem Lehrer Walter Hieber verbunden, und auch dieser ist – mit gleich zwei Zuschriften – vertreten; u. a. beschreibt er die Synthese von Decacarbonylditechnetium [Tc2(CO)10]. Zur Vorbereitung der Experimente wurden radiochemische Modellversuche mit Rheniumverbindungen durchgeführt.

    Die Versammlungsberichte handeln hauptsächlich vom IX. Colloquium Spectroscopicum Internationale, das vom 5. bis 10. Juni 1961 in Lyon stattfand. Da der erste Rubinlaser erst im Jahr zuvor entwickelt worden war, erstaunt es nicht, im Abschnitt „Neue Lichtquellen” zu lesen, dass die „analytische Erschließung noch wenig bekannter spektroskopischer Lichtquellen … nur zögernd Fortschritte” mache.

    Lesen Sie mehr in Heft 16/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 34, 7864

    Heft 33 steht ganz im Zeichen der Versammlung der Deutschen Brauer Union („Brauertage”) mit Vorträgen von Max Delbrück – nicht zu verwechseln mit dem späteren, gleichnamigen Nobelpreisträger, dessen Onkel der Vortragende war – und C. J. Lintner. Die Brauertage fanden im Juni 1911 im Rahmen der gigantischen Hygieneausstellung in Dresden statt, und tatsächlich soll Delbrücks Vortrag dem Nachweis dienen, dass „Bier ein wahres hygienisches Volksgetränk ist”. „Nüchterner” als Delbrücks Lobrede auf das Bier fällt der zweite Vortrag aus, der über die Analyse von Braugerste referiert.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil findet sich die Notiz, dass in den Vereinigten Staaten ein Verbot von Saccharin als Nahrungsergänzungsmittel – offenbar nach Intervention der Saccharinfabrikanten – nicht in Kraft getreten ist und stattdessen nur eine Auszeichnungspflicht auferlegt wurde. Saccharin (Benzoesäuresulfimid) wurde 1879 von C. Fahlberg an der Johns Hopkins University per Zufall entdeckt, als ihm ein Reaktionsansatz über die Hände lief und er später beim Essen einen süßen Geschmack wahrnahm. Saccharin stand Anfang des 20. Jahrhunderts stark zur Diskussion und war auch in Deutschland verboten – nicht aber wegen möglicher Gesundheitsgefahren, die auch in späteren Jahrzehnten immer zum Thema wurden, sondern zum Schutz der einheimischen Zuckerproduzenten.

    Lesen Sie mehr in Heft 33/1911

    Neben allerlei Sitzungsprotokollen enthält Heft 34 einen Beitrag über die industrielle Eisenabscheidung mithilfe von Elektromagnettrommeln. Das Prinzip der magnetischen Trennung hat in den letzten Jahren eine überraschende Wiederbelebung erfahren – wenn auch in sehr viel kleinerem Maßstab: Magnetische Nanopartikel, etwa aus Magnetit oder Cobalt, lassen sich mit einem gewöhnlichen Magneten leicht aus einem Gemisch abtrennen. Indem man etwa Zielmoleküle spezifisch mit magnetischen Komponenten konjugiert, lässt sich eine bequeme Trennung z. B. von Proteinen erreichen. Ein Überblick über die Anwendung magnetischer Nanopartikel findet sich sogar in einem Aufsatz in der Angewandten Chemie (2007, 119, 1242).

    Lesen Sie mehr in Heft 34/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 33, 7605

    „Sei naiv und mach’ ein Experiment”, so lautet der Titel einer aktuellen Biographie des Biochemikers Feodor Lynen. Im April 2011 wäre der 1979 verstorbene Lynen, Träger des Nobelpreises 1964 für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über den Mechanismus und die Regulation des Cholesterin- und Fettsäuremetabolismus, 100 Jahre alt geworden. In Heft 15 aus dem Jahr 1961 widmet er sich den biochemischen Grundlagen der Polyacetatregel. Der Leser erfährt Einiges über die Fettsäurebiosynthese und über Lynens Beiträge zur Aufklärung des Aufbaus aromatischer Ringe über Malonyl-CoA.

    Ein weiterer Übersichtsartikel thematisiert die Besonderheiten einfacher organischer Moleküle, die mehrfach mit Nitrilgruppen substituiert sind, wie Tetracyanethylen oder Tricyanvinylchlorid. Bedingt durch ihre stark elektronenziehenden Eigenschaften und ihren geringen sterischen Anspruch verleiht die CN-Gruppe dem Molekül Eigenschaften, die sich z.T. wesentlich von denen der analogen Verbindung ohne Nitrilgruppen unterscheiden und laut den Autoren Cairns und McKusick im Jahr 1961 noch ein vergleichsweise neues Forschungsgebiet sind. Tetracyanethylen, das 1957 von diesen beiden Chemikern und ihren Kollegen bei E. I. du Pont de Nemours und Co. erstmals über die Kupfer-katalysierte Thermolyse von Dibrommalononitril synthetisiert wurde, ist ein bedeutendes Molekül für die Elektronentransferchemie und wird in zahlreichen Reaktionen eingesetzt.

    Großen Raum nimmt in diesem Heft ein Bericht zur in München (!) stattfindenden Südwestdeutschen Chemiedozententagung ein. Zu den Vortragenden gehörten unter anderem Hans Bock (über Derivate der Azodiphosphonsäure), Kurt Dehnicke (Oxidchloride von VaV, TaV und PbIV), Wolfgang Kirmse (Bildung von Carbenen durch α-Eliminierung) und Emanuel Vogel (Addition von Carbenen an Cyclooctatetraen) – alles Matadoren ihres Fachs, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Chemie in Deutschland prägten.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 32, 7346

    Ausländische Studenten an deutschen Hochschulen – ein Thema schon vor hundert Jahren. Jegor Bronn (über den in der Deutschen Biographie Interessantes zu finden ist) nennt als Auslöser seiner Betrachtungen unter dem Titel Ist das Studium der Ausländer an deutschen Hochschulen zu bekämpfen? einen Widerspruch: Der Verein Deutscher Maschinenfabriken habe beschlossen, „für Heranziehung chinesischer Studenten nach Deutschland und ev. für Gründung deutscher technischer Schulen in China zu sorgen, um deutschen Fabrikaten in Ostasien größeren Absatz zu sichern”, während sich bei Versammlungen des Vereins deutscher Chemiker die Hochschule mit dem höchsten Ausländeranteil für „dieses Malheur” entschuldigen müsse. Eine sicherlich nach wie vor gültige Feststellung von Bronn ist: „Nun kann es für kein auf Export angewiesenes Land, und daher auch für Deutschland nicht, gleichgültig sein, ob es draußen Sympathien findet oder nicht, und die einzige Möglichkeit, die es hat, um zu zeigen, daß es wirklich besser ist, als sein Ruf, besteht darin, den Ausländern Gelegenheit zu geben, es von seinen besten Seiten kennen zu lernen.” Einen Alternativweg, Deutschlands gute Seiten bekannt zu machen, beschritten in diesem Frühjahr die Gesellschaft Deutscher Chemiker und die Redaktion der Angewandten Chemie, indem sie zwei hochkarätige eintägige Symposien in Tokio und Bejing organisierten.

    Lesen Sie mehr in Heft 31/1911

    Kautschuk und Kautschukersatzstoffe sind das Thema von Prof. Dr. A. Klages, der die damals noch wenig erfolgreichen Versuche diskutiert, zum einen Isopren anders als durch Destillation von Kautschuk herzustellen und zum anderen seine vollständige Polymerisation zu Produkten zu erreichen, deren Vulkanisierung Gummis mit ähnlich guten Eigenschaften wie Naturkautschuk liefert.

    Beim Beitrag von K. Pietrusky über Öl zur Verfeuerung in den USA verblüfft vor allem der Vergleich mit heute. Für 1909 gibt er einen Gesamtverbrauch von rund 196 Mio „Faß (zu 159 L)” an, der damals noch ausschließlich aus einheimischen Quellen gedeckt wurde. Dagegen wurden 2010 in den USA ca. 2494 Mio Barrel Rohöl gefördert, und trotzdem reichen diese Mengen den USA schon lange nicht mehr – 2008 etwa verbrauchten sie rund 6643 Mio Barrel –, obwohl die größten Konsumenten von Rohöl für Heizzwecke Anfang des 20. Jahrhunderts, die Eisenbahnen und die Dampfschiffe, keine nennenswerte Rolle mehr spielen.

    Lesen Sie mehr in Heft 32/1911

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 30, 6818

    Ein Dr. Klippert aus Stolzenhagen-Kratzwiek (bei Stettin, heute Polen) berichtet ausführlich über den Wiederaufbau einer Schwefelsäurefabrik, in der ursprünglich Holzgerüste Kammern und Türme trugen, nach dem „System Moritz”, d. h. unter Verwendung von Eisen. Bei einem Brand hatten mit Müh und Not umliegende Gebäude geschützt werden können. Bis heute werden beim Bau von Anlagen bekannte Gefahrenquellen aus Kostengründen gerne ignoriert, bis es zu spät ist.

    Ausführlich wird in zwei Beiträgen die Einführung einer gesetzlich verpflichtenden „staatlichen Privatbeamtenversicherung” diskutiert (und für Chemiker abgelehnt), heute unter dem Namen „Rentenversicherung” für Angestellte immer noch ein dringendes Thema.

    Lesen Sie mehr in Heft 29/1911

    Vor der Fachgruppe medizinisch-pharmazeutische Chemie spricht sich O. Hübner gegen die ärztliche Verordnung von günstigen Ersatzpräparaten (Generika) statt teurer Originalprodukte aus, zu der die Kassen die Ärzte verpflichten wollten. Auch dieses Thema verfolgt uns bis heute.

    Zu jener Zeit veröffentlichte die Angewandte Chemie noch keine Nobel-Vorträge, und so findet sich ein Hinweis auf den Vortrag W. Ostwalds von 1909 nur in der Rubrik „eingelaufene Bücher”.

    Auf dem Kongress der Freien Vereinigung deutscher Lebensmittelchemiker in Dresden trug Professor Rosemann (Münster) über „die hygienische Bedeutung der alkoholischen Getränke” vor. Gemeint war die innere Anwendung; der Vortrag schließt mit den Worten: „Der Alkohol ist ein außerordentlich wirksames, daher zwar gefährliches aber auch, richtig angewendet, wertvolles Genußmittel.”

    Lesen Sie mehr in Heft 30/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 29, 6564

    Tritium in der organischen Chemie und Biochemie ist Thema des Aufsatzes von H. Simon – gerade hier wird Tritium mittlerweile kaum noch verwendet, da z.B. für die Aufklärung von Biosynthesepfaden Isotopenmarkierungen mit Deuterium wesentlich vorteilhafter sind. Die Absorptions-Flammenphotometrie als analytische Methode wird in einem weiteren Aufsatz vorgestellt, in dem es abschließend heißt: „Schon jetzt bietet sich die Möglichkeit kontinuierlicher Absorptionsanalysen an… Bei der Emissions-Flammenphotometrie ist dies bereits realisiert.”

    Eine der frühen Arbeiten von Wanzlick zur Chemie nucleophiler Carbene findet sich im Zuschriftenteil. „Die Anfänge der Chemie nucleophiler Carbene liegen in den frühen sechziger Jahren und sind mit dem Namen H.-W. Wanzlick verbunden”, schrieb Manfred Regitz in einem Highlight in der Angewandten Chemie (Angew. Chem. 1996, 108, 791–794; Angew. Chem. Int. Ed. 1996, 35, 725–728), worin er den nucleophilen Carbenen im Titel eine „unglaubliche Renaissance” bescheinigte, die bis heute ungebrochen ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 28, 6320

    In einer außerordentlichen Sitzung der Deutschen Chemischen Gesellschaft in Berlin berichtete Professor Sabatier auf Französisch (!) über seine Arbeiten zur Hydrierung und Dehydrierung organischer Verbindungen an Metallkatalysatoren und insbesondere an fein verteiltem Nickel. Die wichtigste Reaktion war die Hydrierung von Benzol zu Cyclohexan, aber auch Umsetzungen unter „Sprengung” eines Rings, wie die Reduktion von Indol zu Toluidin, stießen auf Interesse. Das abschließende Lob des Sitzungsleiters, Prof. Liebermann, an Sabatier und seine Mitarbeiter für „das Verdienst, die Katalyse auf ein neues Gebiet, nämlich das der organischen Verbindungen, ausgedehnt zu haben,” drang offensichtlich bis zum Nobelpreis-Komitee durch: Schon im darauffolgenden Jahr 1912 wurde Paul Sabatier mit ähnlicher Begründung der Nobelpreis für Chemie verliehen.

    Lesen Sie mehr in Heft 27/1911

    Lichtechtheit von Wandfarben zuverlässig quantifizieren – dieses Ziel trieb P. Krais an, der einen „Vorschlag zu einer maßstäblichen Bemessung der Lichteinwirkung auf Farbstoffe nach ’Bleichstunden’” unterbreitete. Sein Tapetensurrogat – Streifen eines Belichtungspapiers, bestrichen mit einer Zubereitung aus Victoriablau, Kaolin und Gummi arabicum – setzte er an klaren, sonnigen Maitagen um die Mittagszeit über verschiedene Zeiträume der Sonnenstrahlung aus. Anhand dieser Versuche zeigte er, dass nicht jeder „Sonnenstunde” auch die gleiche Bleichwirkung zukommt. Zwar beteuert der Autor, sein Maßstab der „Bleichstunden” sei allgemein und leicht anzuwenden, doch hier war viel Empirie im Spiel: Die Frage, wie sich die Bleichwirkung mit Himmelsrichtung und Platzierung („im Zimmer, im Freien, an der Decke, am Fenster etc.”) ändert, harrte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch einer weiteren Untersuchung.

    Lesen Sie mehr in Heft 28/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 27, 6108

    Das richtige Vitamin B kann entscheidend sein – nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. In der Biochemie besteht die Vitamin-B-Familie aus so unterschiedlichen Verbindungen wie der Nicotinsäure (Vitamin B3), dem Biotin (Vitamin B7) und dem Cobalamin (Vitamin B12). Gemeinsam ist ihnen allen nur, dass sie als Vorstufen für diverse Coenzyme dienen. Mit einem weiteren wichtigen Mitglied dieser Familie, der Folsäure (Vitamin B9), beschäftigt sich L. Jaenicke in seinem Übersichtsartikel in Heft 13 von 1961. Jaenicke fasst die Erkenntnisse zusammen, die seit der Entdeckung der Folsäure Anfang der 1940er Jahre zusammengetragen wurden. Folsäure dient als Vorstufe des Cofaktors Tetrahydrofolsäure, der wiederum als C1-Überträger fungiert, was auch 1961 schon bekannt war. Folsäure spielt eine entscheidende Rolle bei der Biosynthese von DNA-Bausteinen, im Artikel veranschaulicht durch die Purin-Biosynthese. Heute wird Folsäure z. B. regelmäßig während der Schwangerschaft verabreicht, da eine Unterversorgung mit diesem Vitamin zu schwerwiegenden Neuralrohrschädigungen des Embryos führen kann.

    In zwei weiteren Übersichtsartikeln werden die Gas-Festkörper-Eluierungschromatographie und die isotherme Destillation als analytische Methoden zur Messung von Adsorptionsisothermen an Katalysatoren bei hoher Temperatur bzw. zur Bestimmung von Molgewichten vorgestellt. Letztere Methode, die auf dem Raoultschen Gesetz beruht und sich laut den Autoren durch den geringen Substanzbedarf, die Eignung vieler Solventien und den geringen Fehler („wenige Prozent”) auszeichnet, dürfte allerdings im Zeitalter der Massebestimmung durch die Massenspektrometrie schon seit längerem als überholt gelten.

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 26, 5906

    Heft 25 von 1911 beginnt mit einem historischen Überblick über die Entwicklung der Benzolformel seit Kekulés Formulierung der Ringstruktur in den 1860er Jahren. Zwar hatte Kekulé mit der Annahme zweier Grenzstrukturen richtig gelegen, viele Fragen zum chemischen Verhalten des Benzols konnten damit aber nicht erklärt werden. Das Konzept der Delokalisierung war noch nicht bekannt, und so wurden vor allem Ende des 19. Jahrhunderts noch viele Modifizierungen der Kekule’schen Formel vorgeschlagen. Die uns heute vertraute Schreibweise mit dem mittigen Kreis in der Strukturformel wurde übrigens erst in den 1920er Jahren eingeführt. Dass das Thema Benzolstruktur bis in die heutige Zeit aktuell ist, zeigt ein Beitrag von O. Dopfer in der Angewandten Chemie aus dem Jahr 2002, in dem die Gasphasenstruktur von protoniertem Benzol, C6H7+, aufgeklärt wurde.

    In zwei weiteren Beiträgen wird Natriumthiosulfat als Urtitersubstanz in der Alkalimetrie vorgeschlagen und eine Aufschlussmethode für die Analyse von Chrom in Chromeisenstein vorgestellt.

    Lesen Sie mehr in Heft 25/1911

    „Selbst der Chemiker wagt sich nur selten in dieses chaotische Gebiet und schreckt vor den voluminösen Bänden, die ich z. B. über die Darstellung der seltenen Erden geschrieben habe, zurück.” Dieser Satz findet sich in Heft 26 von 1911 im Aufsatz von C. R. Böhm, der dem „erschreckten Leser” darum eine überschaubare Kurzfassung der Seltenerdchemie mit dem Titel „Die seltenen Erden mit besonderer Berücksichtigung der Thorium-Industrie” bietet. Thorium rechnete man damals tatsächlich den Seltenen Erden zu, mit denen es in der Natur vergesellschaftet vorkommt. Das schwach radioaktive Thoriumnitrat wurde früher zur Herstellung von Glühstrümpfen verwendet. Es zerfällt in der Hitze in Thoriumoxid und nitrose Gase unter Aussendung von weißem Licht. Inzwischen wurde es wegen seiner Radioaktivität durch andere Stoffe ersetzt.

    Die Vereinsnachrichten enthalten einen langen Bericht über die 18. Hauptversammlung der Bunsengesellschaft in Kiel. Namhafte Vortragende waren A. Werner (Valenztheorie), W. Nernst (Elektrochemie), L. Wöhler (Phasenregel) und R. J. Meyer (Seltene Erden).

    Lesen Sie mehr in Heft 26/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 25, 5714

    Lehrbuchwissen (aus heutiger Sicht) vermittelt der Aufsatz „Prinzipien der Konformationsanalyse” von Hans Lau (BASF). Richard Kuhn, Chemie-Nobelpreisträger von 1938, und Herbert Fischer berichten in einer Zuschrift über ein an beiden Enden Diphenylen-substituiertes Pentadien, einen Kohlenwasserstoff, dessen Acidität die von Phenol übertrifft. Der spätere Chemie-Nobelpreisträger Georg Wittig und Reinhard W. Hoffmann, ehemaliges Mitglied des Kuratoriums der Angewandten Chemie, beschreiben einen Zugang zu Didehydrobenzolen („Arinen”), der ohne starke Basen oder Photolyse auskommt.

    In den Versammlungsberichten findet sich eine Rückschau auf das Symposium über Braunsteine, das im April 1961 in Göttingen stattgefunden hatte. Oskar Glemser, der später als Präsident der Inorganic Division der IUPAC und der GDCh fungierte, trug dort über künstliche Braunsteinarten vor. Es habe sich als „zweckmäßig erwiesen”, unter dieser Bezeichnung Verbindungen mit der Zusammensetzung MnO1,7 bis MnO2 zusammenzufassen.

     

    Lesen Sie mehr in Heft 12/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 24, 5526

    Als „Goethe der Chemie” wird der am 1. März 1911 verstorbene Jacobus Henricus van't Hoff von Georg Bredig in seinem Nachruf bezeichnet, in dem er ausführlich auf das Leben und wissenschaftliche Wirken des ersten Chemie-Nobelpreisträgers eingeht. Als Begründung führt er die harmonische und bahnbrechende Universalität der wissenschaftlichen Bedeutung van't Hoffs an. Doch in Heft 23 wurde noch von einem weiteren berühmten Chemiker Abschied genommen: Heinrich Caro, ehemaliger Direktor und Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik sowie Mitbegründer und Vorsitzender des Vereins deutscher Ingenieure, war am 11. Septeber 1910 gestorben und wurde mit einem Gedenkblatt geehrt, in dem auf ein Vorwort von Carl Duisberg Texte anlässlich des 70. Geburtstags von Caro 1904, der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker 1905 und der Trauerfeier im Oktober 1910 folgen.

    Verblüffend international sind die Personalnachrichten in diesem Heft: Meldungen aus den USA und Russland ergänzen die aus Deutschland, und auch unter den Verstorbenen finden sich einige mit Wohnorten außerhalb Deutschlands.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1911

    Schnelligkeit war bei der Angewandten Chemie schon immer groß geschrieben: Die Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker in Stettin vom 7. bis 11. Juni, bei der unter anderem dem Mediziner Paul Ehrlich die Liebig-Denkmünze verliehen wurde, fand ihren Niederschlag in der Angewandten Chemie schon in dem am 16. Juni erschienenen Heft 24! Albert Hess widmete sich in seinem Vortrag der Riechstoffindustrie und erfreute die Zuhörer mit „schönen farbigen Projektionsbildern” der Extraktionsverfahren Maceration und Enfleurage, und Paul Friedländer sprach über indigoide Farbstoffe. Ihm wurden anschließend die Adolf-Baeyer-Plakette und die ersten Zinserträge der C. Duisberg-Stiftung überreicht.

    In den Vorträgen der allgemeinen Sitzung standen Industriethemen im Vordergrund, nur der von Otto Hahn über Meso- und Radiothorium (228Ra bzw. 228Th) macht hier eine Ausnahme.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 23, 5346

    Alle Beiträge in Heft 11 des Jahres 1961 sind Egon Wiberg zum 60. Geburtstag gewidmet, dem Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München in den Jahren 1957/58 und Mitverfasser des legendären „Hollemann-Wiberg”. Entsprechend findet sich eine Reihe großer Namen unter den zahlreichen, meist in München beheimateten Autoren der insgesamt zehn Übersichtsartikel: So berichtet z. B. Adolf Butenandt (Chemie-Nobelpreis 1939) über den Sexual-Lockstoff des Seidenspinners, Ernst Otto Fischer (Chemie-Nobelpreis 1973) über π-Komplexe benzoider Systeme mit Übergangsmetallen, Walter Hieber über Metallcarbonylverbindungen, Rolf Huisgen über 1,3-dipolare Additionen der Ketocarbene und Heinrich Nöth über anorganische Reaktionen der Alkalimetallboranate.

    Passenderweise wird im Literaturteil die aktuelle Ausgabe des Hollemann-Wiberg (offiziell natürlich des „Lehrbuchs der anorganischen Chemie”) besprochen, laut dem Rezensenten bereits 1961 ein echter Bestseller im deutschsprachigen Raum. Es handelte sich dabei um die Auflage 47–56 (heute sind wir bei 102), und das Buch kostete damals gerade einmal 28 DM, aus heutiger Sicht ein echtes Schnäppchen.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 22, 5108

    Der zweite Teil des Jahresrückblickes auf die anorganische Experimentalchemie 1910 von A. Gutbier hat heute weitgehend Einzug in die grundlegenden Lehrbücher gefunden: Lithiumnitrid, binäre Nichtmetallverbindungen von Schwefel, Selen, Phosphor und Chlor wie P4S7 (Alfred Stock, dessen Namen heute ein Preis der GDCh trägt) oder Se2Cl2, die Struktur von Komplexen wie K2[PtCl6], aber auch binäre Phasendiagramme von Legierungen von Lithium mit Zinn oder Cadmium oder mit Tellur und Natrium. Den Abschluss bildet ein Abschnitt über Kolloide von z. B. Gold, Platin, Schwefel oder Phosphor.

    Zufällig oder nicht findet man im gleichen Heft einen Antrag der anorganischen Fachgruppe des Vereins deutscher Chemiker zur Hauptversammlung in Stettin mit dem Ziel, die anorganische Chemie „der organischen, pharmazeutischen, technischen Chemie gleichwertig” an den Hochschulen durch die Einrichtung von „Ordinariate[n] mit eigenen wohlausgestatten Instituten” zu fördern.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1911

    Das Programm der Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker sieht neben den üblichen Vorträgen, Wahlen und Rechenschaftsberichten auch getrenntes Abendessen für Herren (in der Börse, als Garderobe wird ein Überrock empfohlen) und Damen (im Hotel Preußenhof, zum Teeabend, ohne nähere Angaben zur Garderobe) vor. Neben dem bereits erwähnten Antrag der anorganischen Fachgruppe wurden auch allgemeinpolitische Anträge zur gesetzlichen Sozialversicherung gestellt. Den Personal- und Hochschulnachrichten ist zu entnehmen, dass Svante Arrhenius zum Ehrenmitglied des Chemists Club in Neu-York (sic!) ernannt wurde und dass sich James Franck an der Berliner Universität in Physik habilitiert hat.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 21, 4824

    Dass überkritische Lösungsmittel ein zwar modernes, aber dennoch nicht ganz neues Thema sind, zeigt der Aufsatz von E. U. Franck mit dem Titel „Überkritisches Wasser als elektrolytisches Lösungsmittel”. In einem weiteren Aufsatz berichtet Gerhard Schrader von den Farbenfabriken Bayer AG über (für Warmblüter) mindertoxische insektizide Phosphorsäureester. Schrader wurde bekannt durch die Entwicklung des Insektizids Parathion (E 605) und anderer für Warmblüter besonders toxischer Verbindungen wie der Nervenkampfstoffe Tabun und Sarin in den 1930er und 1940er Jahren; Toxikologen ist die Schrader-Formel für organische Phosphorsäureester ein Begriff.

    Der erst kürzlich verstorbene Emanuel Vogel ist im Zuschriftenteil mit einem Beitrag über das valenzisomere System Bicyclo[4.2.0]octadien-(2.4)–Cyclooctatrien-(1.3.5) vertreten (siehe auch sein posthum veröffentlichter Essay „Von kleinen Kohlenstoffringen zu Porphyrinen – ein persönlicher Bericht über 50 Jahre Forschung” in Heft 19 der Angewandten Chemie).

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 20, 4624

    Coca-Cola vor Gericht! – Nicht etwa um Lizenzstreitigkeiten, sondern um die chemische Zusammensetzung geht es bei den Verhandlungen am Bundeskreisgericht Chattanooga, auf die in der Tagesrundschau (!) von Heft 19/1911 der Angewandten Chemie Bezug genommen wird. Man lernt so nebenher, dass die Brause zu etwa einem Prozent aus einem Extrakt von Cocablättern und Cocanüssen in verdünntem Alkohol besteht, das wohl vom Cocain befreit ist, dem aber „neben Phosphorsäure, Citronensaft und anderen unerheblichen Ingredienzien auch Coffein (… etwa [1:400])” zugesetzt wird. Die Frage, ob dieses Coffein als Giftstoff anzusehen sei, wurde kontrovers diskutiert, angesichts der geringen Menge sah das Gericht keine Gefahr einer schädlichen Wirkung. Gut so! Denn, seien wir einmal ehrlich, wer trinkt schon Coca-Cola ohne Coffein?

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1911

    Die wichtigsten Resultate aus der „Anorganischen Experimentalchemie im Jahre 1910” behandelt A. Gutbier in einem von der Redaktion eingeladenen Trendbericht, dessen erster Teil auf zehn Seiten in Heft 20/1911 publiziert ist. Der Autor konzentriert sich vor allem auf wissenschaftliche Publikationen, bringt es aber alleine für Elemente, Hydride, Sauerstoffverbindungen und deren Derivate schon auf für damalige Zeit beachtliche 101 Literaturstellen – komprimiertes Wissen.

    Ein kurzes Referat fasst den Experimentalvortrag „Neuere Erfolge und Probleme der Chemie” zusammen, den Emil Fischer am 11. Januar des Jahres anlässlich der Konstituierung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Anwesenheit des Namenspatrons gehalten hat. (Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Forschungsorganisation bürgerlich als Max-Planck-Gesellschaft neu gegründet.) Dem Kaiser wird in großen Zügen ein Spektrum an Themengebieten mit praktischem und industriellem Bezug präsentiert, ergänzt unter anderem durch Experimente mit flüssigem Wasserstoff.

    Lesen Sie mehr in Heft 20/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 19, 4338

    In Heft 9 des Jahres 1961 finden wir Teil III der Reihe von Übersichtartikeln über die Konstitution und Eigenschaften grenzflächenaktiver Stoffe von H. Kölbel et al. In diesem Teil geht es um die Oberflächenfilmbildung, das Netz-, Schaum- und Waschvermögen sowie die Micellbildung verschiedener organischer Sulfate und Sulfonate; durch Strukturvariation erschließen sich Zusammenhänge zwischen der Konstitution und den Eigenschaften der Tenside. In einem weiteren Übersichtsartikel fasst K. J. Vetter die Kinetik der elektrolytischen Abscheidung von Wasserstoff und Sauerstoff zusammen und gibt dabei einen detaillierten Überblick über mögliche Mechanismen und Einflussgrößen der kathodischen Wasserstoffüberspannung sowie der anodischen Sauerstoffüberspannung.

    In der Rubrik „Versammlungsberichte” beschäftigt sich C. D. Nenitzescu (der Vater der wohlbekannten Nenitzescu-Indolsynthese) bei einem Vortrag vor der Chemischen Gesellschaft zu Heidelberg mit den möglichen Gründen für die geringe Stabilität des Cyclobutadiens: „Meist wird angenommen, daß die Unbeständigkeit des Cyclobutadiens durch die starke Ringspannung verursacht sei.” Er schildert einige – gescheiterte – Versuche zur Herstellung dieses Vierrings und spekuliert über dessen mögliche Bildung als kurzlebiges Zwischenprodukt sowie über seinen potenziellen Diradikalcharakter. Die Synthese von Cyclobutadien sollte erst 1965 R. Pettit durch Zersetzung von Cyclobutadieneisentricarbonyl gelingen, und das Konzept der Antiaromatizität – des Hauptgrundes für die Instabilität von Cyclobutadien – wurde noch später, im Jahr 1973, von R. Breslow eingeführt.

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 18, 4122

    „Infolge hartnäckiger Konkurrenz zwischen den Fabrikanten war der Preis des Cocains im ganzen Jahr außerordentlich niedrig.” Auf diesen heute seltsam anmutenden Satz stößt man im wirtschaftlich-gewerblichen Teil von Heft 17 der Angewandten Chemie 1911. Tatsächlich wurde Kokain seinerzeit noch völlig legal gehandelt und als eine Art Wundermittel gegen alle möglichen Krankheiten verschrieben. Bis 1906 war Kokain Bestandteil von Coca-Cola (mit immerhin rund 250 mg je Liter, nach heutigem Marktwert knapp 20 €!), und in Deutschland wurde der Stoff erst 1930 verboten. Um bei der Chemie zu bleiben: Die Struktur des Kokains hatte 1898 Richard Willstätter in seiner Doktorarbeit aufgeklärt, die Totalsynthese – lesenswert! – gelang ihm dann 1923 ausgehend von Succinaldehyd (Justus Liebigs Ann. Chem. 1923, 434, 111–139).

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1911

    In Heft 18 von 1911 wirft C. Haslinger einen Blick auf die chemiche Industrie in den Oststaaten der „nordamerikanischen Union”. Insgesamt wird festgestellt, dass die amerikanische Industrie noch nicht auf europäischem Niveau ist, sich aber auf gutem Wege dahin befindet. Gute Entwicklungen werden in der pharmazeutischen, elektrochemischen, Glas- und Zellstoffindustrie vermeldet, während die Farbstoffindustrie noch hinterherhinkt und beträchtliche Einfuhren – vor allem aus Deutschland – getätigt werden müssen. So wird gefolgert, dass „wir uns im Interesse unserer deutschen Farbenindustrie nur wünschen können, daß die Industrien jenseits des Ozeans nicht allzu rasche Fortschritte machen möchten.” Passend dazu – vielleicht sogar beabsichtigt? – folgt im nächsten Beitrag eine Auflistung „Neuer Farbstoffe und Musterkarten”.

    In den Personal- und Hochschulnachrichten findet sich der Vermerk, dass Wilhelm Traube zum Leiter des chemischen Instituts der Universität Berlin ernannt wurde. Traube forschte auf den Gebieten der Zellulosechemie und der Metallkomplexe, blieb vor allem aber durch die nach ihm benannte Purinsynthese aus Cyanessigsäure und Harnstoff in Erinnerung. Ein Aufsatz über (Nano)cellulose ist gerade mal wieder im Druck in der Angewandten Chemie (D. Klemm et al., DOI: 10.1002/ange.201001273).

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 17, 3914

    Was ein Rechenschieber ist, dürfte vielen unserer jüngeren Leser kaum noch bekannt sein. Vor 50 Jahren jedoch handelte sogar ein Beitrag in der Angewandten Chemie davon, wie sich in der UV-Spektroskopie mithilfe des Rechenschiebers die Zeit zur Ermittlung von log ε-Werten um 70–90% verkürzen lässt. Es stehe „nichts im Wege, den Schieber gleich am Spektrometer zu benutzen und direkt die log ε-Werte aufzuschreiben.”

    Den weitaus größten Teil des Heftes nimmt ein Aufsatz von Louis A. Cohen und dem erst kürzlich verstorbenen Wieland-Schüler Bernhard Witkop (ein Nachruf in der Angewandten Chemie von Rolf Huisgen ist in Vorbereitung) über Umlagerungen von Aminosäuren und Peptiden ein. Nach Ansicht der Autoren hätten bis dato „unter allen Naturstoffen die Alkaloide ein Monopol auf Umlagerungen und Nachbargruppeneffekte” gehabt.

    In der Rundschau erfahren wir, dass in der Arbeitsgruppe von Winstein Arbeiten zur Umsetzung von Brom und Bicycloheptadien eingestellt wurden, weil von den drei Mitarbeitern des Projekts einer allergische Hautreaktionen zeigte und die beiden anderen sogar an Atemwegserkrankungen gestorben waren.

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 16, 3668

    Unter den neuen Arzneimitteln des Jahres 1910 hebt Ferdinand Flury in seinem zweiteiligen Beitrag besonders das Salvarsan von Paul Ehrlich hervor, das er als weitaus wichtigste Erscheinung des vergangenen Jahres auf dem Gebiete der Arzneimittel bezeichnet – schließlich machte es die Bekämpfung von Lues (Syphilis) möglich. Den meisten Raum nehmen allerdings Antiseptika und Desinfektionsmittel ein, darunter auch Quecksilberpräparate, die heute sicherlich weitgehend aus der Praxis verschwunden sind.

    Im zweiten großen Beitrag des Heftes wird von Paul Alexander nach vier Jahren eine wissenschaftliche Kontroverse über die Vorgänge bei der Umsetzung von Kautschuk mit nitrosen Gasen wieder aufgegriffen, wobei er sein Schweigen damit begründet, dass er versucht habe, mehr Belege für seine Sicht zusammenzutragen, was aber wegen des unerwartet verwickelten Reaktionsverlaufs und anderer ihn abhaltenden Aufgaben nur in Ansätzen gelungen sei. Doch nun wollte er das Feld nicht länger seinen Kontrahenten überlassen!

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1911

    Unterschwefligsaures Natron war der organischen Farbenindustrie und in der Photographie von großer Bedeutung, doch über die Abläufe bei seiner technischen Synthese aus Sodarückständen, Natriumsulfat und Luft war wenig bekannt. E. Schütz versuchte mit seinem Aufsatz „Die Darstellung des unterschwefligsauren Natrons (Thiosulfat, Antichlor)” hier Abhilfe zu schaffen.

    Die Fortsetzung der Zusammenstellung von Ferdinand Flury über die neuen Arzneimittel umfasste unter anderem Stoffwechselmittel, Laxantia, Stärkungsmittel (unter diesem Punkt finden sich auch Aphrodisiaka), Kosmetika sowie Serum- und Organpräparate, z. B. ein durch Immunisierung von Pferden mit anaeroben Rheumatismusbakterien erhaltenes Rheumatismusserum, das auch bei Veitstanz und Hirnleiden empfohlen wurde. Heute fragt man sich da vor allem, was wohl Rheumatismusbakterien sind.

    Lesen Sie mehr in Heft 16/1911

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 14, 3160

    Den großen Robert Bunsen (1811–1899) würdigt B. Rathke anlässlich seines 100. Geburtstages mit den Worten: „… ist gerade Bunsen ein leuchtendes Beispiel für die oft ausgesprochene und gar nicht genug zu beherzigende Wahrheit, daß die rein wissenschaftliche, um ökonomische Zwecke unbekümmerte Tätigkeit des genialen Forschers häufig die Technik mächtiger gefördert hat, als alle direkt aufs Ziel losgehenden Bestrebungen der Techniker.” Seine herausragenden Beiträge unter anderem zur Spektroskopie und zur Elektrochemie haben ihn schon kurz nach seinem Tod zum Namenspatron der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie gemacht; ein großes Denkmal Bunsens steht in der Heidelberger Altstadt, ein kleines in Form des Bunsenbrenners in fast jedem Chemielabor.

    Nur wenige Zeilen im zweiten Teil der Übersicht über die „wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiete der anorganischen Großchemie” des vorangegangenen Jahres widmet H. von Kéler der Darstellung von Ammoniak aus den Elementen durch F. Haber und R. Le Rossignol. Dass es sich dabei um eine nobelpreiswürdige Entwicklung handeln könnte, kam dem Autor wohl nicht in den Sinn.

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1911

    Die Angewandte Chemie stand zu jener Zeit der Anwendung näher als der Grundlagenforschung. Dies zeigen nicht nur die Beiträge über die Bestimmung von Silicium in Vanadium, Molybdän oder Stahl oder über die Bestimmung der Verseifungszahl, sondern auch der von A. Rosenburg aus Warnsdorf (heute Varnsdorf, Tschechien), in dem er ein regulierbares Stativ vorstellt: „Der Ring [zur Aufnahme von Kolben oder Heizbädern] ist mit einer im Innern der Stativstange befindlichen […] Spindel fest verbunden, die durch ein Rad […] unter der Stativplatte beliebig gedreht werden kann. Durch dieses Drehen wird ein bequemes Senken und Heben des Ringes […] bewirkt […]”. Die Konstruktion konnte sich jedoch langfristig nicht durchsetzen.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 13, 2922

    Chemie trifft Lederhut und Peitsche: Was ein gewisser berühmter Filmarchäologe von diesem Thema gehalten hätte, werden wir wohl nie erfahren – aber auf jeden Fall sind seine Kollegen noch heute dankbar für die Entdeckung, die Willard Frank Libby 1960 den Chemie-Nobelpreis einbrachte, und zwar „für seine Methode der Anwendung von Kohlenstoff 14 zur Altersbestimmung in Archäologie, Geologie, Geophysik und anderen Zweigen der Wissenschaft”. In diesem Heft finden wir nun die Übersetzung seines Nobel-Vortrags über die Radiokohlenstoff-Datierung, deren Haupteinsatzgebiet er als „die chemische Erforschung der menschlichen Geschichte” bezeichnet. Libby liefert einen hochinteressanten historischen Abriss: von der Hypothese einer Aufnahme von durch kosmische Strahlung erzeugtem 14C im lebenden Organismus und der Eignung dieses Phänomens für die Altersbestimmung, über die Entwicklung einer ausreichend feinen Messmethode, den Abgleich der so erhaltenen Daten mit Artefakten bekannten Alters (z. B. Hölzern aus ägyptischen Grabkammern) bis hin zur Bestimmung vorgeschichtlicher Funde. Laut Libby ist das nächste Ziel nun, ein transportables Radiokohlenstoff-Datierungsgerät zu bauen, um Daten direkt am Fundort aufzunehmen – und einen Lastwagen zu finden, der die schwere Ausrüstung durch das Gelände schleppen soll.

    Neben dem Nobel-Vortrag Libbys enthält dieses Heft u. a. noch einen Übersichtsartikel zur „Strukturbestimmung regelloser Strukturen mittels Streustrahlung” von Licht oder Röntgenstrahlen (Stichwort: Röntgenkleinwinkelstreuung) sowie einen umfassenden Versammlungsbericht über das Makromolekulare Kolloquium in Freiburg im Breisgau.

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 12, 2712

    Nicht alles, was auf der Straße liegt, ist Gold – da wäre zum Beispiel auch der sprichwörtliche Asphalt als prominenter Bestandteil des Fahrbahnbelags. Wie natürlicher Asphalt entsteht – als ein „Verwitterungsprodukt aus Kohlenwasserstoffen”, sprich Erdöl – und wo Lagerstätten zu finden sind – nämlich „regellos über die Erde verteilt”, unter anderem auch in Ahlem bei Hannover –, darüber referiert Privatdozent Dr. Schöndorf vor der hannoverschen Sektion des Vereins deutscher Chemiker. Die Asphaltförderung in Ahlem wurde wenig später zurückgefahren; der Großteil des heute verwendeten Asphalts stammt aus Mischanlagen.

    Unter dem Titel „Die direkte Einführung von Substituenten in den Benzolkern” fasst ein über 500-seitiges Buch von A. F. Holleman zusammen, „welche (ortho-?, meta-?, para-?) Substitutionsprodukte von Fall zu Fall, und in welchen Menge sie sich bilden”. Zielverbindungen und Methoden haben sich seither geändert, das Grundmotiv ist aber auch heute noch aktuell – in Form der direkten Funktionalisierung von Arenen unter C-H-Aktivierung mithilfe ausgesuchter Übergangsmetallkatalysatoren.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1911

    „Die wichtigsten Fortschritte auf dem Gebiete der anorganischen Großindustrie im Jahre 1910” stellt Dr. H. von Kéler in Heft 12 der Jahrgangs 1911 vor: Größte Beachtung findet die Schwefelsäure-Herstellung nach den damals bekannten Bleikammer- und Diaphragmaverfahren, wobei vor allem apparative Verbesserungen bei der Prozessführung und bei der Aufreinigung des Produkts interessieren. Auch der Salpetersäure-Produktion durch Oxidation von Luftstickstoff im Lichtbogen – bei sehr hohen Temperaturen also – wird einiges an Platz eingeräumt. Die Feststellung „Die Gewinnung von Salpetersäure resp. von Nitraten und Nitriten aus Ammoniak erscheint vorläufig nicht sehr aussichtsreich” bedurfte allerdings schon wenig später der Revision, als das Ostwald-Verfahren in Mode kam, nach dem die wichtige Grundchemikalie nun seit geraumer Zeit deutlich eleganter gewonnen wird – ein Hoch auf die Katalyse!

    Lesen Sie mehr in Heft 12/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 11, 2468

    Dem Chemie-Nobelpreisträger von 1953, Hermann Staudinger, sind zum 80. Geburtstag mehrere Aufsätze gewidmet, die sich konsequenterweise polymerchemischen Themen wie Polyoxymethylenen oder makromolekularen metallorganischen Verbindungen widmen.

    Die meisten Zuschriften behandeln organische Synthesemethoden, doch auch eine Raman-spektroskopische Untersuchung an Hydrazin und Phenylhydrazin ist zu finden sowie ein Beitrag mit dem Titel „Fraktionierung von Fichtenholz-Hemicellulosen”. Diesem ist zu entnehmen, dass das Verhältnis von Mannose zu Glucose in Pappelglucomannan 3:2 beträgt und nicht 3:1 wie beim Fichtenglucomannan.

    In den Versammlungsberichten wird ein Vortrag über kondensierte Molekularstrahlen zusammengefasst, deren Verwendung für die Injektion von Kernbrennstoffen in Kernfusionsapparaturen vorgeschlagen wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 10, 2250

    Das noch junge Gebiet der Enzyme fand seinen Niederschlag in Heft 9 von 1911 mit einem Beitrag von A. Welter über diese „durch lebende Organismen hervorgebrachten Katalysatoren”. Der Autor findet, dass das Ricinusferment, das damals in der Öl- und Fettindustrie zur Gewinnung von Fettsäuren und Glycerin aus Fetten eingesetzt wurde, auch die umgekehrte Reaktion der Glycerinveresterung bewirkt und nimmt dies als Beweis für eine „Reversibilität der Enzymwirkung”. Eine mutige Behauptung, war man doch von der Isolierung einzelner Enzyme damals noch ein ganzes Stück entfernt.

    Im Beitrag von O. Wentzki geht der Schlagabtausch um die Theorie des Bleikammerprozesses in die nächste Runde. Insbesondere die Identität der „blauen Säure” war damals Gegenstand der Debatte, und es sollten noch einige Jahre vergehen, bis man zu einer allgemein akzeptierten Molekülstruktur kam. In einer weiteren Replik verteidigt die Firma Kalkow das von ihr verwendete Verfahren zur Synthese von Bleiweiß, nachdem selbiges in Heft 5 durch das Deutsche Bleiweißkartell kritisiert worden war. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Arbeiten in einer Farbenfabrik gewiss kein Vergnügen, auch wenn es durchaus schon gesetzliche Auflagen gab. Heute sind Bleifarben natürlich längst verboten.

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1911

    Heft 10 von 1911 enthält einen Nachruf auf J. H. van’t Hoff, der am 1. März 1911 im Alter von nur 59 Jahren verstarb. Van’t Hoff war Professor an der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, erster Nobelpreisträger für Chemie (1901) und seit 1906 Ehrenmitglied des Vereins deutscher Chemiker.

    Im Hauptteil geht es um Faser- und Spinnstoffe, Zinn- und Wolframerze und einen neuen Luftverflüssigungsapparat des Kälteingenieurs Paul Heylandt. Heylandt machte sich in den 20er Jahren einen Namen als Entwickler von Raketenfahrzeugen und nutzte dabei auch flüssigen Sauerstoff als Treibmittel. Miterfinder und Testfahrer Max Valier kam 1930 bei der Explosion einer Brennkammer ums Leben. Ebenfalls mit im Team war als Assistent Walter Riedel, der später als Chefentwickler der V2-Rakete fungierte.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 09, 2002

    „Neues über Carbene” hat Wolfgang Kirmse, damals noch Privatdozent in Mainz, in Heft 5 zu berichten. Neben der Herstellung und den Reaktionen von Carbenen enthält der Aufsatz auch Überlegungen zu ihrer Elektronenkonfiguration und ihrem Energieinhalt. Das Gebiet war 1961 noch jung, und die Carbene waren noch wenig verstanden. So konstatiert Kirmse: „Bis heute besteht keine Klarheit darüber, ob im Grundzustand des Methylens die beiden nichtbindenden Elektronen parallelen oder antiparallelen Spin haben (Triplettzustand oder Singulettzustand).” Wie man mittlerweile weiß, liegt der Triplettzustand etwa 10 kcal mol−1 unter dem Singulettzustand. Auch eine aktuelle Arbeit von Wanzlick und Schikora wird kurz angesprochen, in der bei der Zersetzung von 1,3-Diphenyl-2-trichlormethylimidazolin ein Gleichgewicht zwischen einem Dimer- und einem Carbenprodukt – dies wäre das erste N-heterocyclische Carben (NHC) gewesen – vorgeschlagen wurde, eine Annahme, die später leider revidiert werden musste: Das Dimer ist das alleinige Produkt. Erst vor kurzem, in Heft 47 (2010), hat Kirmse, mittlerweile emeritierter Professor der Ruhr-Universität Bochum, für die Angewandte Chemie einen Essay verfasst, in dem er auf die Anfänge der NHC-Chemie zurückblickt und auch auf die Geschichte dieser frühen Arbeit näher eingeht.

    Aber noch kurz zurück ins Jahr 1961: In Heft 5 finden wir auch eine Zuschrift von Rolf Huisgen, in der er von der Kinetik und dem Mechanismus 1,3-dipolarer Cycloadditionen verschiedener Diazoalkane berichtet und feststellt, dass eine Konjugation und möglichst kleine Substituenten die Aktivität des olefinischen Dipolarophils fördern. Huisgens berühmte [3+2]-Cycloadditionen („Huisgen-Cycloadditionen”) sollten einen Grundstein für weitere wichtige Entwicklungen wie die Klickchemie von Sharpless legen.

    In zwei weiteren Zuschriften beschreibt Horst Prinzbach, u. a. der Entdecker des Pagodans, die Synthese zweier Sesquifulvalenderivate, darunter das erste im Siebenring unsubstituierte Derivat.

    Lesen Sie mehr in Heft 5/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 08, 1778

    Explosionen beim Befüllen von Tanks in Benzinlagern waren Anfang des vergangenen Jahrhunderts offenbar recht häufig. Darum analysiert der Verfasser des ersten Beitrags in Heft 7/1911, Theodor Rosenthal, die möglichen Ursachen und empfiehlt als Abhilfe, in den Tanks Kohlendioxid oder Stickstoff als Schutzgas zu verwenden.

    Walter Felb muss in seinem Beitrag eingestehen, dass eine der von ihm in Heft 3/1911 vorgestellten Bildungen von Eisenbisulfid schon früher von Forschern in England beschrieben worden war. Seine Reaktion war vorbildlich; im Sperrdruck heißt es im Beitrag: „E s g e b ü h r t d a h e r d i e s e n F o r s c h e r n d i e P r i o r i t ä t, g e f u n d e n z u h a b e n, d a ß E i s e n b i s u l f i d, FeS2, b e i d e r B e h a n d l u n g v o n E i s e n t h i o s u l f a t m i t S c h w e f e 1 w a s s e r s t o f f e n t s t e h t.”

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1911.

    Die wichtigen Beiträge Carl Graebes zur Chemie der Arene werden in Heft 8/1911 anlässlich seines 70. Geburstags von Ernst von Meyer gewürdigt. So gelang ihm die erste Synthese von Alizarin, das nach seinem Patent von der BASF produziert wurde, und er führte die ortho/meta/para-Nomenklatur ein. Der Jahresbericht über die Fortschritte in der pharmazeutischen Chemie im Jahre 1910 vermittelt – nach Stoffklassen gegliedert – einen Eindruck von den Schwerpunkten der damaligen pharmazeutischen Forschung.

    Eine Anleitung zur Schätzung des in natürlichen Wassern gelösten Sauerstoffs mithilfe des Chlorderivats von Hydrochinon gibt L. W. Winkler aus Budapest, und – sehr ungewöhnlich damals – der Text einer Autorin ist ebenfalls in diesem Heft zu finden, und zwar von Frau P. Curie. Wer hier stutzt, hat recht: Es handelt sich um Marie Curie, doch damals wurden verheiratete Frauen häufig mit dem Vornamen ihres Mannes angesprochen, Marie Curie also als Mme. P. Curie. Der Beitrag mit dem Titel „Darstellung der reinen Radiumsalze” ist ein Auszug aus der deutschen Übersetzung ihres Buches Traité de Radioactivité.

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1911.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 07, 1496

    Heinrich Zollinger berichtet im Aufsatz „Chemismus der Reaktivfarbstoffe”, diese haben „sich inzwischen als technisch wichtigste Entdeckung der letzten 2 Jahrzehnte auf dem Gebiet der Farbenchemie” erwiesen. „Überraschenderweise lassen sich Reaktivfarbstoffe im wäßrigen Färbebad auch mit Cellulose umsetzen”, heißt es in der Einleitung. Für diesen Zweck sind sie heute die bedeutsamste Farbstoffklasse. Zollinger hatte nach mehrjähriger Tätigkeit bei der CIBA AG erst kurz zuvor eine Stelle als Assistenzprofessor an der ETH Zürich angetreten, deren Rektor er von 1973 bis 1977 war. Später war er auch Präsident der IUPAC, ist aber vor allem durch seine Arbeiten und Bücher über Farbstoffe, vor allem Azofarbstoffe, bekannt geworden.

    Eine Optimierung seiner wenige Jahre zuvor entwickelten Imidazolid-Methode zur Estersynthese aus Carbonsäuren und Alkoholen (ebenfalls in der Angewandten Chemie veröffentlicht) beschreibt Heinz Staab, der spätere Präsident der GDCh und der Max-Planck-Gesellschaft; eine Variante zur Synthese von Carbonsäureanhydriden wird im selben Heft in den Versammlungsberichten erwähnt. Diese widmen sich vorrangig der Arbeitstagung der GDCh-Fachgruppe Analytische Chemie vom Oktober 1960. Unter der Überschrift „Moderne Methoden der Analyse organischer Verbindungen” wird über Mikroelementaranalyse, Polarographie und Chromatographie berichtet – NMR-Spektroskopie kommt noch nicht vor.

    Lesen Sie mehr in Heft 4/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 06, 1247

    1911 setzt die Angewandte Chemie zu einem Höhenflug an: A. Sander berichtet über die Herstellung von Ballongasen, vor allem von Wasserstoff (Helium war erst 16 Jahre zuvor überhaupt entdeckt worden). Seinerzeit wurde er vor allem durch Elektrolyse, durch Zersetzung von Acetylen oder Wasserdampf sowie durch Abtrennung aus Wassergas gewonnen. Die Solarenergie spielte in der frühen Wasserstoffwirtschaft keine Rolle. Die zunächst viel versprechende Luftschifffahrt konnte sich langfristig nicht gegen das zunächst belächelte Flugzeug durchsetzen (nicht zuletzt infolge des Unglücks von Lakehurst 1937) und führt heute ein Nischendasein.

    In der Rubrik Personal- und Hochschulnachrichten erfährt man, dass Marie Curies Wahl in die Académie des Sciences in Paris scheiterte. Später in diesem Jahr erhielt Curie ihren zweiten Nobelpreis; erst 1962 wählte die Akademie eine Frau in ihre Reihen. Albert Einstein folgte einem Ruf von der Universität Zürich an die Deutsche Universität in Prag, von wo er allerdings nach nur etwas über einem Jahr an die ETH nach Zürich zurückkehrte.

    Lesen Sie mehr in Heft 5/1911

    Über die Fettanalyse und -chemie des vorangegangen Jahres berichtet W. Fahrion auf immerhin 14 Seiten. Hinweise auf Dioxin sucht man jedoch vergeblich. Ein weiterer Beitrag zum Thema beschäftigt sich mit den Brechungseigenschaften von Pflanzenölen.

    Schon damals waren Steuern und Abgaben ein heiß diskutiertes Thema, und so wird im wirtschaftlich-gewerblichen Teil auf den Jahresbericht der Essener Handelskammer hingewiesen, in dem es heißt, das neue Arbeitskammergesetz schaffe „einen neuen Tummelplatz […] für sozialdemokratische Agitation [und eine] weitere Beeinträchtigung von Autorität und Disziplin.„

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 05, 1010

    Komplexe Borhydride, wie Natriumborhydrid, als Reduktionsmittel in der organischen Chemie werden in einem umfangreichem Übersichtsartikel beschrieben. E. Schenker von der Firma Sandoz (die später in Novartis aufgegangen ist) schildert in diesem Beitrag detailliert die oft komplementären Eigenschaften und Reaktivitäten der Borhydride; zu betonen sind z.B. die relativ gute Wasserverträglichkeit von Natriumborhydrid und seine Toleranz gegenüber Doppelbindungen im Substrat. Ein experimenteller Teil zur allgemeinen Synthese verschiedener Stoffklassen mit komplexen Borhydriden schließt den Beitrag ab.

    Ein kürzerer Aufsatz, von H. Hellmann und F. Lingens, behandelt die Aufklärung von Biosynthesewegen in Mikroorganismen. Diese vergleichsweise einfach aufgebauten Organismen bieten höheren Lebensformen gegenüber eine Reihe von Vorteilen: „Sie lassen sich rasch züchten, beanspruchen wenig Raum, sind in unzähligen Arten leicht zugänglich und können vielfach Synthesen vollführen, zu denen höher organisierte Lebewesen nicht imstande sind. Vor allem aber lassen sie sich mit einfachen Mitteln in Mutanten verwandeln, die auf verschiedene Weise eine leichte Analyse von Stoffwechselprodukten ermöglichen.” Die Autoren schließen: „Aus der Zusammenarbeit zwischen Biochemie und Genetik kann für die Zukunft die Lösung des Problems, auf welchem Wege das genetische Material die Ausprägung der Merkmale bei den Lebewesen bewirkt, erwartet werden.” – Heute, 50 Jahre später, mögen wir der Lösung einen guten Schritt näher gekommen sein, noch immer hält dieses hoch komplexe Gebiet aber mehr Fragen als Antworten für uns bereit.

    Im Versammlungsbericht zur Tagung des Verbands Deutscher Physikalischer Gesellschaften findet sich ein Beitrag von Heinz Maier-Leibnitz zum Thema Kernresonanzfluoreszenz. Nur wenige Jahre zuvor hatte sein damaliger Doktorand Rudolf Mößbauer im Rahmen seiner Dissertation den so genannten Mößbauer-Effekt (die rückstoßfreie Kernresonanzabsorption von Gammastrahlen) entdeckt – noch 1961 sollte Mößbauer im Alter von nur 32 Jahren für seine Arbeiten auf diesem Gebiet den Nobelpreis für Physik erhalten.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 04, 818

    Überall, wo eisenhaltige Wässer mit nicht basischen reduzierenden und Schwefel abgebenden Mitteln, oder eisenhaltige, nicht basische Gesteine mit Wässern zusammenkommen, welche reduzierende und Schwefel abgebende Substanzen enthalten, muß Eisenbisulfid entstehen - so erklärt W. Feld im ersten Beitrag von Heft 3 der Angewandten Chemie im Jahr 1911 die Bildung von FeS2, in mineralischer Form bekannt als Pyrit oder „Katzengold”. Das ursprüngliche Ziel der beschriebenen Untersuchungen, aus denen schließlich die Bedingungen für die Bildung natürlicher Pyritlager abgeleitet werden, war die Entwicklung eines Verfahrens zur Auswaschung von Schwefelwasserstoff aus Leuchtgas, bei dem FeS2 ungewollt entstand. Die Tatsache, dass FeS2 an einer Stelle im Beitrag als FeSS-Dreiring dargestellt ist, lässt erahnen, dass man seinerzeit über die Stuktur solcher Verbindungen noch im Dunkeln tappte.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1911

    So ziemlich alle technischen Daten des Leopoldshaller Leitungswassers legt Professor Heyer von der Chemischen Untersuchungsanstalt in Dessau in Heft 4 der Angewandte Chemie vom 27. Januar 1911 offen, samt ärztlicher Gutachten zur Unbedenklichkeit und Vergleich des Magnesiumgehalts mit Tafelwässern wie Selters oder Fachinger. Zu salzig war die Quelle nicht, trotz ihrer Nähe zu einer Saline und der Überschreitung damals üblicher Grenzwerte.

    Die vor einiger Zeit gegründete Pariser Radiumbank konnte im Geschäftsjahr 1910 sage und schreibe 1.92 g ihrer erklärten Handelsware absetzen, was bei einem Grammpreis von 400 000 Franken aber doch eine stattliche Summe ergibt. Der Löwenanteil des Radiums wurde übrigens „für die Heilkunde” gekauft. Wissenswertes über die Verwendung von Radium in der Medizin in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts finden Sie in der Marie-Curie-Biographie von Barbara Goldsmith (Rezension folgt).

    Lesen Sie mehr in Heft 4/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 03, 592

    Auf einem Vortrag beruht der Aufsatz „Probleme der chemischen Polynucleotid-Synthese” von F. Cramer. Den damaligen Kenntnisstand der Nucleinsäureforschung spiegelt die vorsichtige Formulierung wider: „Wir glauben heute zu wissen, daß die Erbeigenschaften in der DNS kodifiziert sind in der Weise, daß die Reihenfolge der Nucleobasen im Makromolekül die genetischen Informationen trägt. … Die Rolle der RNS ist noch weit weniger klar. Man weiß nur, daß sie für die Synthese der Proteine verantwortlich ist.” Kapitel 10 widmet sich – nach heutiger Terminologie – der supramolekularen Katalyse: der Spaltung organischer Pyrophosphate in Gegenwart von Cyclodextrinen.

    14 Zuschriften nehmen nicht einmal 4 1/2 Seiten ein – so lang ist heute oft eine einzige Zuschrift. 1961 durfte man sich noch kurz – manchmal sehr kurz – fassen. So wird eine „neue einfache Purin-Synthese” in nur sechs Sätzen vorgestellt, von denen der fünfte lautet: „Über den Ablauf der Reaktion werden wir später berichten.” Da sich der Mechanismus nicht ohne Weiteres aus der Reaktionsgleichung erschließt, musste der interessierte Leser sich also in Geduld üben oder selbst einen Mechanismus postulieren (oder dies Studenten als Übungsaufgabe überlassen).

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1961

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 02, 354

    Für die Leser der Angewandten Chemie begann das Jahr 1911 unterhaltsam, und zwar in Person von Theodor Curtius und seinem in Heft 1 abgedruckten Streifzug durch die Chemie des „Stickstoffdoppelatoms” – will heißen: die N=N-Gruppe. Den zugehörigen Experimentalvortrag hatte Curtius Monate zuvor auf der 23. Hauptversammlung der GDCh gehalten, und man spürt in jedem Wort, dass hier einer mit Herz und Seele bei seiner Forschung ist. Weniger herzlich geht es in der Folge weiter, wenn sich zwei Celluloseforscher über die Hydrolyse selbiger streiten, und die langjährige, hitzige Debatte um die „Blaue Säure” (Manchot gegen Raschig) in die nächste Runde geht.

    In den Hochschulnachrichten lesen wir, dass John Rockefeller der Universität von Chicago, die er 1890 übrigens mitbegründet hatte, 10 Millionen Dollar stiftete. Wohl der Institution, die einen solchen Gönner hat!

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1911

    Heft 2 von 1911 beginnt nicht allzu spannend, nämlich mit Beiträgen zur Urlaubsregelung chemischer Angestellter und zum Patentschutz. Nun ja, auch so etwas musste wohl sein. Danach wird es chemischer mit der Analyse von Ferrouran und Ferrozirkon sowie der Reaktion der Schießbaumwolle – ein Dauerbrennerthema damals – mit Dimethylanilin.

    Die Personalnachrichten vermelden, dass Ernst Leitz, Gründer der gleichnamigen Mikroskopmanufaktur (heute Leica), die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg erhielt. Leitz hatte das Unternehmen von einer kleinen Werkstatt zum Branchenführer aufgebaut und übrigens auch einen netten Marketingclou entworfen, der darin bestand, Geräte mit runder Serienummer an berühmte Forscher auszuliefern: So erhielt Robert Koch das 100 000. Mikroskop des Unternehmens, Paul Ehrlich das 150 000. und Albert Schweizer das 475 000.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1911

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2011, 123, No. 01, 22

    Mit einem Knall startet die Angewandte Chemie ins Jahr 1961: „Die Bombardierkäfer und ihre Explosionschemie” lautet der Titel des ersten Aufsatzes von Heft 1. H. Schildknecht und Y. Holoubek schreiben, dass die Schüsse dieses Käfers als ein Gemisch aus p-Benzochinon und Toluchinon (Methyl[1,4]benzochinon) identifiziert wurden, und schließen den Aufsatz mit dem Bericht über einen Feldversuch, bei dem ein Bombardierkäfer mit einer Ameisenkolonie in Kontakt gebracht wurde: Der Bombardierkäfer reagierte auf den Angriff einer Ameise „mit einer genau auf die Angreiferin gezielten Entladung, worauf diese schnell, und sichtlich in Mitleidenschaft gezogen, die Flucht ergriff. Sie hatte eine Reihe von Anfällen auszustehen, in deren Verlauf sie die Beine von sich streckte und damit sinnlos gegen den Boden trommelte, was ihrem eiligen Fluchtbestreben sehr entgegenwirkte.

    Keineswegs zum Davonlaufen sind die weiteren Beiträge in diesem Heft: So steuert Harald Schäfer, langjähriger Mitherausgeber der ZAAC, einen Aufsatz zu chemischen Transportreaktionen bei. Dabei handelt es sich um die reversible Umwandlung anorganischer Stoffe in flüchtige Verbindungen, die über die Gasphase wandern können. Mit seinen Arbeiten legte Schäfer u. a. den Grundstein für die chemische Gasphasenabscheidung; weiterhin wird der Effekt des chemischen Transports z. B. bei Halogenglühlampen sowie bei der Kristallzüchtung und Stoffreinigung genutzt. Auch eine Zuschrift über gasförmige Rutheniumoxide bei hoher Temperatur im gleichen Heft stammt aus Schäfers Feder.

    Abgerundet wird die Reihe der Übersichtsartikel von Beiträgen über die Blitzlicht-Photolyse zur Beobachtung kurzlebiger Reaktionsintermediate, über Strukturanaloga der natürlichen Purinderivate und über Synthesen mit N-Halogenaminen. Im Zuschriftenteil findet sich u. a. ein Beitrag von Heinz Staab, dem späteren Präsidenten der GDCh und der Max-Planck-Gesellschaft, zum Thema „Reaktionen von N,N'-Thionyldiimidazol”.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1961

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