Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 126 Issue 39

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Vor 50 oder 100 Jahren

Zukunft braucht Herkunft – die Angewandte Chemie wird seit 1888 publiziert, und 2011 gibt es auch die International Edition schon 50 Jahre. Ein Blick zurück kann Augen öfnen, zum Nachdenken und -lesen anregen oder ein Schmunzeln hervorlocken: Deshalb finden Sie an dieser Stelle wöhentlich Kurzrückblicke, die abwechselnd auf Hefte von vor 100 und vor 50 Jahren schauen.

Archiv: 2011 | 2010

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 52, 13092

    Leuchtgas in chemischer, hygienischer und wirtschaftlicher Beziehung ist das Thema des Beitrags von A. Samtleben, in dem er die damaligen Erkenntnisse über die Zusammensetzung und Bildung von (Gas)kohlen referiert, die wirtschaftliche Bedeutung der Begleitprodukte der Leuchtgaserzeugung (Koks, Teer, Ammoniak, Cyankalium) herausstellt und dem Leuchtgas trotz der Konkurrenz der Glühlampe weiter eine große Bedeutung als Lichtquelle vorhersagt. Als Haupteinsatzgebiet allerdings nennt er das Heizen, um die Luftqualität zu verbessern, denn die unverbrannten Rauchgase würden nicht nur ungenutzte Wärme bedeuten, sondern auch die Atmosphäre mit Rauch und Ruß füllen – nicht umsonst gab es den berüchtigten Londoner Smog.

    Patentschutz hat auch vor hundert Jahren schon eine große Rolle gespielt – wie sonst ließe sich der ausführliche Text des Patentanwalts Dr. Julius Ephraim über den Patentschutz für pharmazeutische Produkte erklären, in dem er untersucht, inwieweit Heil- und Arzneimittel in einer ganzen Reihe von Ländern als schutzfähig gelten, und feststellt, dass das in (aus heutiger Sicht erstaunlich) vielen Ländern nicht der Fall ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 51/1911

    Ohne Forschungsteil präsentiert sich das letzte Heft des Jahres, das neben einer ganzen Reihe von Jahresberichten und dem Jahresregister auch die Ankündigung eines Fonds zur Förderung chemischer Forschungen enthält, der der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Verfügung gestellt wurde. Diese Leo-Gans-Stiftung wurde 1939 mit anderen selbstständigen Stiftungen zur Frankfurter Universitätsstiftung vereinigt, und diese ging 1982 zusammen mit weiteren Stiftungen in der Stiftung zur Förderung der internationalen Beziehungen der Goethe-Universität Frankfurt auf.

    Lesen Sie mehr in Heft 52/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 51, 12817

    Anlässlich des hunderjährigen Bestehens der „Farbwerke Hoechst AG. (vormals Meister Lucius & Brüning)” am 11. Januar 1963 setzte sich Heft 24/1962 fast ausschließlich aus Beiträgen von Mitarbeitern der Firma zusammen. Die Aufsätze geben einen Einblick in die anwendungsorientierte industrielle Forschung der damaligen Zeit.

    So finden sich in diesem Heft Aufsätze zu Reaktiv- und Polykondensationsfarbstoffen. Reaktivfarbstoffe besitzen Vinylsulfonylgruppen, die kovalente Bindungen mit Amino- oder Hydroxygruppen hochmolekularer Naturstoffe wie Wolle und Cellulose eingehen. Polykondensationsfarbstoffe dagegen enthalten solubilisierende Gruppen wie Thiosulfate und lassen sich in Gegenwart von Kondensationsmitteln auf Cellulose zu höhermolekularen unlöslichen Farbstoffen polykondensieren. Obwohl die mit der letzteren Farbstoffklasse erzielten Färbungen als „besonders echt” beschrieben wurden, sind heute fast nur noch Farbstoffe aus der ersteren Klasse in Verwendung (z.B. Remazol).

    Ein weiterer Aufsatz in Heft 24/1962 behandelt die Ester von 2,6-Dinitro-2-sec-butylphenol (DNBP, auch Dinoseb) als Pflanzenschutzmittel. Der Dimethylacrylsäureester von DNBP wurde damals als wenig giftig für Warmblüter und für Bienen ungefährlich eingestuft. Nachdem ein dänisches Containerschiff bei einer Havarie 200-Liter-Fässer mit DNBP in der Nordsee verlor, wurde die Substanz 1986 in Amerika von der Environmental Protection Agency verboten. Heute weiß man, dass DNBP Geburtsfehler sowie Sterilität bei Männern verursacht, weshalb es in vielen Ländern nicht mehr zugelassen ist.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 50, 12560

    Aus der Fresenius-Dynastie gibt Wilhelm Fresenius (1856–1936) einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Analytischen Chemie. Dieser Wilhelm Fresenius ist der Sohn des Gründers der Zeitschrift für Analytische Chemie, Carl Remigius Fresenius (1818–1897) und übernahm nach dessen Tod (zunächst mit seinem Bruder Heinrich, 1847–1920) das 1848 gegründete Fresenius-Labor in Wiesbaden, das von seinem Nachfolger (ebenfalls) Wilhelm Fresenius (1913–2004) weitergeführt wurde und seit 1973 das Institut-Fresenius-Qualitätssiegel für Lebensmittel, Kosmetik usw. vergibt. Heute ist das Institut in Taunusstein eine Tochter der Schweizer SGS und nicht „verwandt” mit dem Medizintechnik-Unternehmen Fresenius in Bad Homburg vor der Höhe. Fresenius' Zeitschrift heißt heute Analytical and Bioanalytical Chemistry und ist eine Zeitschrift der GDCh. In seinem Beitrag hebt Fresenius die Bedeutung des Faches in Anwendung und Ausbildung hervor. Instrumentelle Methoden waren damals noch weitgehend unbekannt und so beschränkt sich die Diskussion weitgehend auf Maßanalytik und Elektrochemie, aber auch auf die Bestimmung physikalischer Größen wie Schmelzpunkte und Heizwerte.

    Lesen Sie mehr in Heft 49/1912

    In seinem Beitrag über ätherische Öle stellt A. Reclaire dem wissenschaftlichen Teil Abschnitte über internationale Zölle und neue Produkte voran, darunter Adamon von Bayer, das auch heute noch als Schmerzmittel in Gebrauch ist. Dieser Artikel ist damit beispielhaft für die Angewandte Chemie jener Zeit, deren Leserschaft viel weiter in Industrie und Handel reichte, als dies heute der Fall sein dürfte. Im wissenschaftlichen Teil werden Synthesen u. a. von Grignard, Sabatier und Hantzsch und die Formel von Camphen auf der Basis spektrochemischer Daten diskutiert.

    Die Versammlung der Ortsgruppe München des Vereins Deutscher Chemiker fand im „Augustiner” statt. Dass über den Vortrag zu toxikologisch-chemischen Fragen anschließend „angeregt und lebhaft” diskutiert wurde, ist daher nicht überraschend. In der Berliner Bezirksgruppe ging es um „einen neuen photographischen Universalkopierapparat”. Der Ort der Versammlung wird nicht preisgegeben; das Prädikat lautete „sehr angenehm und allgemein befriedigend”.

    Lesen Sie mehr in Heft 50/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 49, 12316

    „Schnelle Gasreaktionen in Stoßwellen und Detonationen” diskutieren W. Jost und Th. Just in einem ausführlichen Aufsatz. Weniger explosiv geht es im Zuschriftenteil zu: Dort beschreiben G. Ohloff und G. Schade eine „Darstellung von γ-Jonon aus all-trans-Pseudojonon”. G. Ohloff war ein bekannter Riechstoffchemiker, der auch populäre Bücher zum Thema schrieb, wie z. B. „Düfte: Signale der Gefühlswelt”. Mit organischer Chemie geht es in den anschließenden Versammlungsberichten weiter, in denen das 2. Internationale Symposium für Naturstoffchemie in Prag auffällt, bei dem gleich drei Plenarvorträge von späteren Nobelpreisträgern gehalten wurden. R. B. Woodward berichtete über „die Totalsynthese des (±)-6-Desmethyl-6-desoxytetracyclins”, V Prelog behandelte „Konformationen von Kohlenstoffringen mittlerer Größe” und D. H. R. Barton thematisierte „Naturstoffe mit neungliedrigem Kohlenstoffring”. Dass die Arbeiten dieser herausragenden organischen Chemiker hochaktuell sind, zeigt ein kürzlich in der Angewandten erschienener Aufsatz von J. S. Cannon und L. E. Overman (Angew. Chem., 2012, 124, 4362–4386), in dem die Totalsynthesen von Strychnin diskutiert werden: Neben der wegweisenden Synthese von Woodward werden dort auch der Beitrag von Prelog und eine von Barton entwickelte Reaktion genannt.

    Der 5. Internationale Kongreß für Elektronenmikroskopie hatte ebenfalls einen bedeutenden Sprecher, nämlich den späteren Nobelpreisträger für Physik und Erfinder des Elektronenmikroskops E. Ruska, der über die theoretische Grenze des Auflösungsvermögens von Elektronenmikroskopen vortrug.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 48, 12092

    Anlässlich des 70. Geburtstags hebt der Verein deutscher Chemiker die Verdienste seines Mitglieds August Horstmann hervor. Der gebürtige Kurpfälzer hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Anwendung thermodynamischer Prinzipien auf chemische Reaktionen beschäftigt und damit die Grundlage für „technische Prozesse, insonderheit der Gasreaktionen und elektrochemischen Prozesse” geschaffen, welche in der chemischen Industrie nach der Jahrhundertwende eine prominente Rolle zu spielen begannen. Die Thermodynamik ist nach wie vor das A und O der chemischen Prozesstechnik.

    Lesen Sie mehr in Heft 47/1912

    Eines der Großereignisse des Jahres 1912 war aus Sicht des Vereins deutscher Chemiker der VIII. Internationale Kongreß für angewandte Chemie in Washington und New York – eine vielseitige Veranstaltung. Besonders ausführlich wird über die Sitzung der Abteilung für Photochemie informiert, und hier an erster Stelle über einen öffentlichen Vortrag von Giacomo Ciamician, dem italienischen Vorreiter dieser Disziplin. Seine These mutet heute moderner an denn je: Der modernen Zivilisation werden über kurz oder lang die fossilen Brennstoffe ausgehen, man sollte also bereit sein, sich mithilfe photochemischer Prozesse direkt die Sonnenenergie zunutze zu machen. Ciamician dachte damals an Kohle, heute gilt das gleiche für Erdöl – und die künstliche Photosynthese und die photo(elektro)chemische Wasserspaltung sind florierende Forschungsfelder.

    Lesen Sie mehr in Heft 48/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 47, 11828

    Die erste Synthese von Xenondifluorid – ein Meilenstein in der Geschichte der Edelgasverbindungen – gelang Rudolf Hoppe (der gerade seinen 90. Geburtstag gefeiert hat) im Jahr 1962, und in diesem Heft findet der Leser Hoppes ersten Bericht über diese Entdeckung, die seine frühen Abschätzungen zur thermodynamischen Stabilität binärer Xenonfluoride eindrucksvoll bestätigt. Die lange vorherrschende Skepsis, ob Edelgase mit ihrer abgeschlossenen Valenzschale überhaupt dazu in der Lage sein könnten, Verbindungen zu bilden, wurde ausgeräumt, als 1962 gleich drei definierte Xenonverbindungen hergestellt wurden. Erst gelang Bartlett die Herstellung von XePtF6. Unabhängig voneinander erfolgten Hoppes Synthese von XeF2 aus Xenon und Fluor im Volumenverhältnis 1:2 in einem abgeschlossenen Quarzgefäß bei Raumtemperatur durch Entladungen eines Funkeninduktors als ein farbloses, kristallines Kondensat sowie H. Classens Herstellung von XeF4, ebenfalls aus den Elementen. Interessierte Leser finden einen Aufsatz von Pierre Laszlo und Gary J. Schrobilgen über die Entdeckung der Edelgasverbindungen in Heft 4 des Jahres 1988.

    Der kürzlich verstorbene Horst Prinzbach berichtet über Quadricyclen, dessen Massenspektrum auffallende Ähnlichkeiten zu dem seines Valenztautomers Norbornadien aufweist (u. a. Acetylenabspaltung), und kommt, auch nach Auswertung von Ionisierungs- und Bildungspotentialen, zu dem Schluss, dass beide „praktisch dieselbe Bildungswärme haben”.

    Bemerkenswert beim Bericht über den International Congress of Radiation Research in Harrogate ist vor allem die Tatsache, dass offenbar sog. „rapporteur sessions” mit Simultanübersetzung ins Englische, Deutsche, Französische und Russische angeboten wurden, in denen der aktuelle Stand diverser Teilgebiete zusammenfassend dargestellt wurde – ein Service, der heutzutage nur mehr schwer vorstellbar ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 46, 11570

    Es kommt kaum einmal vor, dass Themen, die vor hundert Jahren in der Angewandten Chemie behandelt wurden, noch heute Gegenstand aktueller Forschungen sind. So sind viele der technisch-industriellen Prozesse und Analyseverfahren, die damals zahlreich beschrieben wurden, inzwischen Geschichte. Die wissenschaftlichen Fragen sind weitgehend geklärt – und bilden nicht selten die Grundlagen unseres heutigen Wissens – oder längst in Vergessenheit geraten. Für den Aufsatz von C. Kippenberger „Über die Erzeugnisse der keramischen Industrie” sieht das alles anders aus, denn die Bildungsmechanismen von Silicatstrukturen sind noch heute ein hochaktuelles Gebiet. So wurde in einer erst vor kurzem erschienenen Zuschrift (2012, 124, 10 038) mit modernster 29Si-NMR-Spektroskopie untersucht, wie die Silicatpolymerisation in wässriger Lösung abläuft: nämlich einfach durch stufenweise Kondensation von Monosilicat-Tetraedern.

    Lesen Sie mehr in Heft 45/1912

    Heft 46/2012 enthält einen Aufsatz von A. Binz, der darin versucht, den „Ursprung der chemischen Großindustrie” auszumachen. Ein einzelnes, außerordentliches Ereignis soll es gewesen sein, nämlich die Masseneinfuhr amerikanischer Baumwolle nach Europa, die 1791 einsetzte. Seine These: Allein die Transformation der Chemie zu einer Wissenschaft – unter der Führung von Priestley, Scheele, Lavoisier usw. – genügte nicht, um gleichzeitig auch den Beginn der chemischen Industrie einzuleiten. Vielmehr brauchte es einen zusätzlichen, starken wirtschaftlichen Impetus – eben das Aufblühen der Textilindustrie und die damit einhergehende industrielle Forschung. Als das eigentliche Geburtsjahr der modernen chemischen Industrie wird schließlich das Jahr 1840 genannt, „weil in ihm Liebigs ‘Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie’ erschien, und damit zum erstenmal ein Wissenschaftler bewußt ... in die chemische Industrie eingriff”.

    Lesen Sie mehr in Heft 46/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 45, 11350

    Das Heft 21 und seine Beiträge sind Otto Bayer zum 60. Geburtstag gewidmet. Er war vor 50 Jahren Mitglied des Vorstands der Farbenfabriken Bayer AG (er sollte später noch Aufsichtsratsvorsitzender werden – und übrigens auch Vorsitzender des Kuratoriums der Angewandten Chemie) sowie Honorarprofessor an der Universität Köln, ist aber nicht zu verwechseln mit dem Firmengründer Friedrich Bayer. Bekannt wurde Otto Bayer durch die Entwicklung der Polyurethanchemie, und so überrascht es nicht, dass die ersten drei Aufsätze unter der Überschrift „Neues aus der Isocyanat-Chemie” zusammengefasst werden und ihnen eine kurze Einleitung vorangestellt wird.

    Der erst im vergangenen Jahr verstorbene Emanuel Vogel (Nachruf in Heft 50/2011) berichtet über „Valenzisomerisierungen mit gespannten Ringen”. Ein Schlussgedanke kreist um Cyclodecapentaen als höheres Vinyloges des Benzols und des Cyclooctatetraens – Vogels „Synthese eines Cyclodecapentaens” (und zwar eines überbrückten) wurde zwei Jahre später in dieser Zeitschrift publiziert.

    Aus heutiger Sicht ein wenig befremdlich wirkt in der Rubrik Versammlungsberichte die Überschrift „Beeinflussung von Geisteskranken mit chemischen Mitteln”, wobei der entsprechende, auf einem Vortrag beruhende Beitrag ganz überwiegend präparative organische Chemie behandelt.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 44, 11078

    Falsch gelegen sind die Verfasser eines Patents, die sich eine Synthese von P4S10 schützen ließen. Das beweist der eigentlich vor allem für seine Forschungen zu Borhydriden und zu Amalgam bekannte Anorganiker Alfred Stock mit seinen gemeinsam mit Kurt Friederici durchgeführten Untersuchungen an nach der Patentvorschrift hergestellten und vom Patentinhaber bezogenen Proben: Das angebliche P4S10 ist nichts als ein Gemisch der Ausgangsverbindungen P4S3 und Schwefel. Heute wird P4S10 durch Zusammenschmelzen von weißem Phosphor und Schwefel bei 300 °C erhalten.

    Sehr fortschrittlich war damals die Königlich preußische Eisenbahnverwaltung mit ihrem Verbot, Bleifarben zu verwenden, was zu erheblichen Einbußen bei den Bleifarbenherstellern zur Folge hatte: Immerhin war der Umfang einer Ausschreibung 70 000 kg weiße Farbe in Pulver und 150 000 kg weiße Farbe in Öl, jeweils bleifrei.

    Lesen Sie mehr in Heft 43/1912

    Ohne chemisches Wissen kann die Pharmakologie nicht erfolgreich sein, das ist das Credo von Dr. phil. et med. Ferdinand Flury in seinem Beitrag Die Entwicklung der Pharmakologie und ihrer Methoden in den letzten 25 Jahren – eine Sichtweise, die auch heute noch nicht Allgemeingut ist. Er weist vor allem auf die noch sehr geringen Kenntnisse über von tierischen Organismen produzierte Stoffe hin sowie auf die Notwendigkeit, die Methoden auszubauen und zu verfeinern, um beispielsweise endlich beweisen zu können, dass sich hinter den noch hypothetischen Begriffen Toxin und Antitoxin wie vermutet chemisch charakterisierbare Stoffe verbergen.

    Selbstverständlich findet man in diesem Heft auch einen Hinweis auf die feierliche Einweihung der Kaiser-Wilhelm-Institute für Chemie und für physikalische Chemie und Elektrochemie am 23. Oktober, bei der der Kaiser selbst das Wort ergriff und an eine ganze Reihe von renommierten Wissenschaftlern Titel verliehen wurden.

    Lesen Sie mehr in Heft 44/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 43, 10846

    Die Isomerisierung von Aziridin-Derivaten erfolgt unter Einfluss von Säuren oder nukleophilen Verbindungen oder durch thermische Umlagerung, wie H. W. Heine in Heft 20/1962 in seinem Aufsatz zusammenfasst. Aziridin lässt sich z. B. zu Polyethylenimin polymerisieren, das in einem anderen Beitrag im selben Heft eine wichtige Rolle spielt. Heute interessieren sich Forscher vor allem für enantioselektive Synthesen und stereoselektive Reaktionen von Aziridin-Derivaten, wie z. B. J. B. Morgan und Mitarbeiter in Heft 39/2012.

    K. Randerath berichtet über ein einfaches Herstellungsverfahren für Cellulose-Anionenaustauscher und Anionenaustauscherpapiere, das auf der Imprägnierung von Cellulosepulver oder Chromatographiepapier mit Polyethylenimin (PEI) beruht. Die hervorragende Trennwirkung, die besser ist als die der damals üblicherweise verwendeten, basisch substituierten Cellulosen, beruhte vermutlich auf dem wesentlich höheren Stickstoffgehalt, der durch Imprägnierung (im Gegensatz zu Substitution) der Cellulose erreicht wurde. Heute wird PEI-Cellulose als Anionenaustausch-Matrix in der Proteintrennung verwendet.

    Die Beschwerden von Arbeitern in einer Furnierfabrik, die über Hauterkrankungen klagten, führten W. Sandermann und M. H. Simatupang dazu, Untersuchungen an Teakholz durchzuführen. Die Isolierung und Konstitutionsaufklärung der goldgelben Kristalle, die sich auf dem Holz abgesetzt hatten, ergab, dass es sich um das giftige γ,γ-Dimethylallyl-1,4-naphthochinon handelte.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 42, 10580

    Zum Nachweis von Zirkonium kommen Biltz und Mecklenburg (Bergakademie Clausthal) zu dem Schluss, dass das bisher gängige Verfahren der Fällung mittels Wasserstoffperoxid wohl eher auf die Handelspräparaten beigefügte Phosphorsäure zurückzuführen ist. In der Tat ist die Fällung mit Phosphat in saurer Lösung noch heute in Lehrbüchern für das Grundpraktikum beschrieben, wesentlich populärer ist jedoch der Nachweis von Zirkonium als Farblack, z. B. von Morin oder Alizarin-S.

    In der Rubrik „Personal- und Hochschulnachrichten” wird die Einweihung der Kaiser-Wilhelm-Institute für Chemie und Physikalische und Elektrophysikalische Chemie in Berlin knapp zwei Wochen nach Erscheinen des Hefts angekündigt: „Der Kaiser wird der Eröffnung persönlich beiwohnen.” Beide Institute brachten Nobelpreisträger hervor. In ersterem wurde die Kernspaltung entdeckt und es zog nach dem 2. Weltkrieg als Max-Planck-Institut für Chemie nach Mainz um, letzteres steht noch heute an seinem ursprünglichen Standort und trägt den Namen seines umstrittenen Gründungsdirektors: Fritz-Haber-Institut. Die Angewandte Chemie brachte zum Jubiläum der Gründung ein Schwerpunktheft heraus (43/2011).

    Lesen Sie mehr in Heft 41/1912

    Das 5000. Mitglied des Vereins Deutscher Chemiker seit seiner Gründung 1887 wird bejubelt, aber nicht genannt. Heute hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker rund 30 000 Mitglieder und ist damit die größte chemische Gesellschaft in Kontinentaleuropa.

    Ludwig Taub aus Elberfeld fasst die Entwicklung des deutschen Arzneimittelbestandes zusammen und schlägt dabei einen Bogen von Paracelsus zu den damals aufstrebenden industriellen Arzneimittelherstellern wie Merck, Riedel und Schering (von denen heute nur noch Merck eigenständig ist). Die Gesamtzahl der offiziellen Arzneimittel hatte sich in den vorangegangenen rund 100 Jahren zwar kaum verändert, wohl aber deren Verteilung: Galenische Präparate sind zurückgegangen, während organische Verbindungen und synthetische Präparate gestiegen sind. Diese Zahlen bewegen sich in den Hunderten, heute sind in Deutschland rund 30 000 Arzneien in den sogenannten Roten und Gelben Listen erfasst.

    Lesen Sie mehr in Heft 42/1912

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 40, 10098

    Einen höchst interdisziplinären Eindruck hinterlässt dieses von einem umfassenden Bericht über die 84. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte geprägte Heft. Wie noch heute bei der GDNÄ, deren 127. Versammlung im September 2012 stattfand, ist das Portfolio äußert breit gefächert: Vorträge über die Auffindung von Iod im Wasser des Toten Meers, die Formelemente der Zellmembran, ein Lumineszenzmikroskop oder die therapeutische Verwendung von Quecksilber schaffen eine beeindruckende Themenfülle.

    Schmunzeln könnte man noch, wenn man in den Hochschulnachrichten liest, dass dem Wiener Paläontologen Dr. Abel „der Titel und Charakter eines o. [ordentlichen] Professors verliehen [wurde]” – sollte mit der Erlangung einer Professur etwa eine Veränderung der Wesensart einhergehen?

    Lesen Sie mehr in Heft 39/1912

    Historische Essays sind heute ein Markenzeichen der Angewandten Chemie. Dass dies aber bei weitem nichts Neues ist, zeigt der Beitrag von Professor von Lippmann „Zur Geschichte des Alkohols und seines Namens”. In Teil I seiner Ausführungen widerspricht der Autor vehement früheren Historien, die ein Wissen um Alkohol als Substanz schon im Altertum voraussetzten, und schließt überdies damit „daß der Alkohol als ‚arabische Erfindung‘ zu streichen ist.” Teil II befasst sich dann mit der Frage, wann und wo der Alkohol zuerst hergestellt wurde. Der Autor vermutet, dies sei im 11. Jahrhundert italienischen Alchemisten gelungen; Beschreibungen von Destillationsprozeduren und -produkten (als „aqua ardens” oder „liquor inflammabilis supernatans”) seien dann im 13. Jahrhundert gefolgt. Und der Name Alkohol? Den soll Paracelsus erst Anfang des 16. Jahrhunderts – in völlig willkürlicher Weise – aus dem Arabischen entlehnt haben, in dem das Wort Alkohol ein „sehr feines, fast unfühlbares Pulver” bedeutet.

    Lesen Sie mehr in Heft 40/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 39, 9856

    J. F. Bunnett liefert mit seinem Aufsatz „Mechanismus bimolekularer β-Eliminierungen” eine gute Übersicht zu einem wichtigen Reaktionsmechanismus in der organischen Chemie. Für den E2-Mechanismus, bei dem in einem Schritt zwei Bindungen gelöst werden, werden die Folgen eines nicht synchronen Ablaufs dieser Bindungsspaltungen im Aufsatz theoretisch diskutiert und experimentell überprüft. Neben dem Einfluss von Faktoren wie Substituenten oder Lösungsmittel auf den Verlauf der Reaktion wird auch die Anwendung der Hofmann und Saytzeff-Regel behandelt.

    In der Rundschau wird ein Artikel von A. J. Weiss et al. in „Science” hervorgehoben. Darin wird der Einsatz von Dimethylacetamid, das im Tierversuch Antitumorwirkung zeigte, an Patienten beschrieben. Bei Dosen über 200–300 mg kg−1 wurden psychische Störungen beobachtet; so traten bei „9 von 13 Patienten auffallende Halluzinationen ... und Wahnvorstellungen auf”. Nach einer Woche „verhielten sich die Patienten normal”, allerdings verstarb ein Drittel „während oder bald nach Beendigung der Therapie”. Heute wird Dimethylacetamid vor allem als mit Wasser mischbares Lösungsmittel verwendet. Das Heft endet mit der Rezension des Buches „Atomic Energy Waste” von E. Glueckauf, das sich u. a. mit der Frage beschäftigt „wie Kernenergieabfall möglichst billig unschädlich gemacht werden kann”, einem Thema, das aktueller denn je ist. Empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist die Aufsatztrilogie zur Endlagerung radioaktiver Abfälle, die momentan in der Zeitschrift Chemie in unserer Zeit erscheint (2012, Hefte 3–5).

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 38, 9608

    Damit Wolframfäden in Glühlampen eingesetzt werden konnten, bedurfte es etlicher technisch-kristallographischer Kunstgriffe, denn eigentlich ist Wolfram ein sprödes Material, das, zumal in Fadenform, leicht zerbricht. Welche Hürden zu nehmen waren, wird im Aufsatz in Heft 37 von 1912 erklärt. Entscheidend ist, dass das Metall frei von Oxiden, Nickel und Eisen ist, nur geringe Mengen Kohlenstoff enthalten darf und dass die mechanische Bearbeitung langsam und ohne Luftzutritt erfolgt. Die Wolfram-Glühlampe wurde um 1910 eingeführt – nachdem vorher Tantal verwendet wurde – und überdauerte in weitgehend unveränderter Form an die 100 Jahre, bevor sie dann per EU-Verordnung aus dem Verkehr gezogen wurde. Aber wer weiß: Vielleicht führt die wachsende Kritik an den Quecksilber-haltigen Energiesparlampen dereinst zu einer Rückkehr zur guten alten Glühbirne.

    Lesen Sie mehr in Heft 37/1912

    Erdöl, so ist man sich heute einig, entstand durch sauerstoffarme Verfaulung und Sedimentierung organischen Materials unter hohen Drücken und Temperaturen. Dass es auch eine „anorganische” Theorie der Erdölbildung gab, erfährt man im Aufsatz von L. Gurwitsch in Heft 38 von 1912. Man fand im Labor, dass beim Erhitzen von Ethylen unter hohem Druck ein ölähnliches, polymeres Produkt entsteht, und da mehrere geologische Prozesse bekannt sind, die im Erdinnern zur Bildung von Ethylen führen, wäre eine Entstehung von Erdöl auf anorganischem Wege denkbar. Ein Beispiel für einen solchen Prozess ist die Einwirkung von heißem Wasserdampf auf Kohle in der Gegenwart von Kalk (3 C + CaO + 2 H2O [RIGHTWARDS ARROW] CaCO3 + C2H4). Die Theorie hielt sich bis in die 50er Jahre – obwohl sie nie sehr populär war – bevor sie wieder in Vergessenheit geriet und inzwischen auch endgültig widerlegt ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 38/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 37, 9336

    Cyclobutadien ist wegen seiner hohen Reaktivität nur schwer zu fassen. Im Jahr 1962 waren weder die Isolierung des Cyclobutadiens selbst noch die eines seiner Derivate gelungen, und Theoretiker hatten vom Versuch der Synthese dieser antiaromatischen Verbindung abgeraten. Doch mit „der Skepsis des Experimentators gegenüber der Zuverlässigkeit von Berechnungen” ausgestattet, machten sich Rudolf Criegee und andere trotzdem daran, Cyclobutadien und seine Derivate herzustellen. Über seine Arbeiten zur Synthese von Tetramethylcyclobutadien berichtet Criegee nun in Heft 18; er muss allerdings mit den Worten schließen: „Somit müssen [...] andere Wege beschritten werden, um die Existenz eines Cyclobutadiens nachzuweisen. Fest steht [...] allerdings, daß auch Tetramethyl-cyclobutadien – wenn es überhaupt existiert – nicht nur keine aromatenähnliche, sondern eine sehr energiereiche Verbindung sein muß.” Die Generierung (wenngleich nicht Isolierung) von Cyclobutadien gelang Rowland Pettit 1965 dann tatsächlich, und zwar durch Zersetzung eines entsprechenden Eisenkomplexes wie Cyclobutadieneisentricarbonyl.

    Und was gab's noch? Nils Wiberg stellt Thriphenylazidosilan und Diphenyldiazidosilan aus Natriumazid und den jeweiligen Chlorsilanen her, und auch Wolfgang Sundermeyer reiht sich hier mit der Synthese von Dimethyldiazidosilan ein. Alle diese Azide erweisen sich als recht beständig. Selbstentzündlich an Luft sind hingegen die fünf neuen, vom Borchemiker Heinrich Nöth vorgestellten Triorganosilyldialkylaminoborane.

    Als äußerst beständig erwiesen sich auf jeden Fall die wertvollen Beiträge, die all die genannten Persönlichkeiten im Laufe ihrer Karriere zur Chemie, nicht nur in Deutschland, geleistet haben!

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 36, 9048

    Geldsorgen – nichts Neues unter der Sonne: Dem 35. Heft des Jahres 1912, das nahezu vollständig der 25. Hauptversammlung des Vereins deutscher Chemiker, einer Vorläuferorganisation der Gesellschaft Deutscher Chemiker, gewidmet ist, liegt ein Aufruf an die Mitglieder bei, für einen Zeitraum von fünf Jahren durch eine freiwillige Erhöhung ihrer Beiträge einen „Jubiläumsfonds behufs Verbesserung der Zeitschrift und Verleihung von Reisestipendien an angestellte Chemiker” zu finanzieren. Als ein Grund werden die stark gestiegenen Druckkosten genannt, die dazu beitragen, dass der „Wert der unseren Mitgliedern gelieferten Zeitschrift erheblich den Mitgliedsbeitrag übersteigen wird.” Die Angewandte Chemie erschien damals wöchentlich, und ihr Bezug war im Rahmen der Mitgliedschaft kostenlos. Heute sind neben den Redaktionskosten vor allem die IT- und nicht mehr die Druckkosten „preistreibend”.

    Auch Drittmittelförderung gab es schon: In den Hochschulnachrichten wird berichtet, dass E. Solvay (der Gründer des Solvay-Konzerns) die Arbeiten von Walter Nernst drei Jahre lang mit jeweils 10 000 Belgischen Franc fördert.

    Lesen Sie mehr in Heft 35/1912

    Ungewöhnlich bildreich ist der Vortrag von A. Pohl über den Stand der Quarzglasverwendung in der Industrie, in dem nicht nur detaillierte Beschreibungen der Schmelzöfen zu finden sind, sondern auch eine ganze Reihe an Zeichnungen von Vitreosilprodukten seiner Firma Deutsch-Englische Quarzschmelze GmbH (z. B. eine Denitrieranlage) – heute ist Vitreosil eine registrierte Marke der Firma Heraeus, die auch damals schon in der Quarzglasentwicklung tätig war.

    Lesen Sie mehr in Heft 36/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 35, 8814

    Das Thema des Aufsatzes „Biologie und Biochemie der Fortpflanzung und ihre Beeinflussung” von W. Jöchle (Schering AG) dürfte 1962 hochaktuell gewesen sein, hatte Schering doch erst im Jahr zuvor die „Pille” auf dem europäischen Markt eingeführt. In den Schlussbemerkungen heißt es: „Wie weit alle hier skizzierten Maßnahmen praktische Bedeutung erlangen können, ist nicht zu übersehen.” Ein weiterer Aufsatz beschäftigt sich mit einer damals noch relativ neuen elektrochemischen Analysemethode, der Coulometrie, wobei ein Schwerpunkt auf Anwendungen im Eisenhüttenlabor liegt. Im Zuschriftenteil ist nachzulesen, dass Thioschweflige Säure (H2S2O2) das Primärprodukt bei der Bildung der Wackenroderschen Flüssigkeit beim Einleiten von Schwefelwasserstoff in eine wässrige Lösung von Schwefeldioxid ist und dass Pyryliumsalze in einer intramolekularen Wittig-Reaktion zu Benzolderivaten umgesetzt werden können.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 34, 8536

    Das Entsorgen von Kaliabwässern in Gewässer sei doch ganz und gar ungefährlich – davon versucht Bergassessor Dr. Selle aus Magdeburg die Leser zu überzeugen. Die Schäden an Fischen seien auf den heißen Sommer 1911 zurückzuführen und auch das Trinkwasser sei nicht in Gefahr. Falls es doch Schäden gäbe, so müsse man diese angesichts der Bedeutung der Kaliindustrie eben in Kauf nehmen. Es scheint ihm nicht gelungen zu sein: Auch heute noch gibt es immer wieder Bedenken ob der Einleitungen. Ein Teil der Abwässer wird auch nicht mehr in Gewässer geleitet, sondern in poröses Gestein gepresst.

    Einen weiteren Streit trägt E. O von Lippmann mit H. Schelenz über die Geschichte der Destillation, vor allem des Alkohols, aus. War sie schon Aristoteles bekannt oder wurde sie doch erst im Mittelalter erfunden? Es scheint sich jedoch nur um einen Streit um Begriffe zu handeln: Die Definition von „eigentlicher Destillation” und „wahren Destilliergeräten” bleibt dem Leser überlassen.

    Lesen Sie mehr in Heft 33/1912

    Das Liebig-Laboratorium in Gießen konnte dank zahlreicher Spenden erhalten und unter großherzoglichem Protektorat rekonstruiert werden. Das Gebäude wurde von der Stadt erworben und neben der baulichen Substanz auch die Einrichtung verbessert. Erst 1920 wurde das Museum eröffnet; seit 2003 ist es „historische Stätte der Chemie” der GDCh.

    Im gewerblichen Teil erfährt man, dass die USA die Einfuhr von Absinth verboten haben. Auch in anderen Ländern wurde das Getränk zu jener Zeit wegen seiner tatsächlichen oder vermeintlichen Wirkung auf Menschen verboten, das auch unter Künstlern wie Degas und Zola populär war. Erst um die Jahrtausendwende wurde Absinth nach und nach wieder legalisiert und produziert, in den USA 2007.

    Lesen Sie mehr in Heft 34/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 33, 8258

    Heft 16/1972 prägen zehn Übersichtsartikel zu verschiedenen Aspekten von Polymerfasern, -filmen und -folien. So werden synthetische Fasern nach dem Verfahren eingeteilt, nach dem sie synthetisiert werden – faserbildende Kondensationspolymere wie Polyamide und Polyester sowie faserbildende Vinylpolymere wie Polyacrylnitril und PVC. Ein anderer Artikel behandelt die Chemie des Terylenes, ein heute aufgrund seiner hohen Reißfestigkeit beliebtes, nicht resorbierbares Nahtmaterial. In einem weiteren Beitrag werden Polyolefin-Folien als mögliche Elektroisolation besprochen, eine Entwicklung, die damals noch in den Kinderschuhen steckte; heute finden Polyolefine zum Beispiel als sogenannte Schrumpfschläuche, die sich unter Hitzeeinwirkung zusammenziehen und das eingebrachte Material isolieren, Verwendung.

    Darüber hinaus wird eine Methode zur Spaltung von C-C-Doppelbindungen mit Natriumhydrazid vorgestellt. Sie ergibt eine N-freie Verbindung sowie ein Hydrazon, welches durch saure Hydrolyse zu einem Aldehyd umgesetzt werden kann. Isolierte Doppelbindungen können jedoch mit dieser Reaktion nicht gespaltet werden. Die Methode der Wahl für diese chemische Umwandlung blieb daher weiterhin die bereits 1904 von Carl Dietrich Harries entdeckte Ozonolyse.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 32, 8000

    Wer heute von einer „Sauerstoff-Flasche” spricht, meint damit einen Druckbehälter aus Metall, beispielsweise als Ausstattungsstück für Tiefseetauchen oder autogenes Schweißen. L. W. Winkler bezieht sich in seiner gleichnamigen Notiz aber auf etwas ganz anderes: Die von ihm vorgestellte Sauerstoff-Flasche ist ein Glasgerät für den Transport von Gewässerproben, deren Sauerstoffgehalt im Labor bestimmt werden soll. Einzige Gemeinsamkeit: Luftdicht sollten beide Behältnisse sein.

    Die Hochschulnachrichten verzeichnen für Max Laue (später „von Laue”) einen Ruf auf eine Professur für theoretische Physik an die Universität Zürich. Laue stand in diesem Jahr auf dem Höhepunkt seines Schaffens: Er erarbeitete die Grundlagen für die Röntgen-Strukturanalyse, wofür er schon 1914 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 31/1912

    „Der Wau wird, obgleich schön und echt, nicht mehr verwendet wegen seines hohen Preises; ...”, und ähnlich wie dem Wau – die Rede ist übrigens von einem Reseda-Gewächs, das einen gelben Farbstoff liefert – geht es auch anderen pflanzlichen Farbstoffquellen in der Stoff-Färberei: Sie werden zunehmend durch industriell erzeugte organische Farbstoffe verdrängt. Dies geht zum einen aus E. Noeltings kurzem Aufsatz „Die Entwicklung der Kattundruckerei seit der Erfindung der künstlichen Farbstoffe” hervor, zum anderen aus einer Aufstellung von rund 50 „Neuen Farbstoffen und Musterkarten” von P. Krais, die auch Verbindungen mit kraftvollen Namen wie „Brillantdelphinblau” oder „Plutoformschwarz” umfasst. Wohlgemerkt: Diese neuen Farbstoffe wurden in einer Spanne von gerade einmal fünf Monaten von zehn Firmen vorgestellt und haben zumeist das Färben von Wolle und Baumwolle als Verwendungsziel.

    Lesen Sie mehr in Heft 32/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 31, 7736

    Anlässlich einer Tagung der Fachgruppe Kunststoffe und Kautschuk besteht der Aufsatzteil des Heftes aus zehn Übersichtsartikeln zu Polymerfasern und -filmen. Eigenschaften, Synthesemethoden, Verarbeitungsprozesse und Strukturen von z. B. Polyamiden und Polyethylen und auch eine Methode zur Charakterisierung mechanischer Eigenschaften von Fasern werden besprochen. Bereits damals wurden englische Ausdrücke in der deutschen Ausgabe verwendet, wie der Beitrag zu Nylon 7 zeigt, der mit der Hypothese endet, Nylon 7 sollte „bessere ,wash-and-wear‘-Eigenschaften„ zeigen als die Nylons 6 und 6.6. Passend endet das Themenheft mit der Besprechung eines kunststofftechnischen Wörterbuches.

    Damals noch wenig bekannte monomere Phosphinoborane werden in einer Zuschrift von H. Nöth aus München behandelt, der später ein Meister der Borchemie genannt wurde. Von einem anderen Meister aus München, R. Huisgen, bekannt für seine Arbeiten über Cycloadditionen, kommt eine Zuschrift über die „Decarboxylierung von Diacylperoxyden zu Carbonestern”. Ein anwendungsorientierter Vortrag wurde von A. Fritze auf der 13. Stärketagung in Detmold gehalten über die Technologie der Stärkegewinnung in der Sowjetunion. Dort wurden Kartoffelschälabfälle, die bei der Herstellung von Pommes Frites entstanden waren, zu Kartoffelstärke verarbeitet: Nachhaltige Chemie vor 50 Jahren!

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  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 30, 7468

    Heft 29 von 1912 enthält den Text eines Vortrags von Fritz Hofmann, dem Erfinder des synthetischen Kautschuks. Hofmann, leitender Chemiker der Elberfelder Farbenwerke, heute Bayer AG, hatte 1909 ein Verfahren zur Herstellung von Synthesekautschuk aus Isopren, dem Baustein des Naturkautschuks, patentieren lassen. Leider war der Rohstoff Isopren schwer zugänglich, und der daraus hergestellte Gummi blieb zudem in seinen Eigenschaften dem Naturstoff unterlegen. Eine wichtige Verbesserung kam mit der Verwendung von Methylisopren – Dimethylbutadien – als Monomer, das durch „Dimerisierung” von Aceton leicht erhältlich war. Aus diesem „Methylkautschuk” konnte man tatsächlich Autoreifen produzieren, deren Haltbarkeit freilich noch zu wünschen übrig ließ. Weil außerdem der Preis für Naturkautschuk zunehmend verfiel, verschwand der Methylkautschuk schnell wieder vom Markt. So resümmiert Hofmann, dass „wir bis zu einem gewissen Punkte vorgeschritten sind, aber zu Renommistereien wahrhaftig noch keinen Anlaß haben.” Es sollte noch einige Jahre dauern, bis andere Formen des Synthesekautschuks – der heute 60 % des Gesamtkautschuks ausmacht – mit dem Naturprodukt konkurrieren konnten. Wer mehr über die Geschichte des Synthesekautschuks erfahren möchte, sei auf einen spannenden Aufsatz in der „ChiuZ” verwiesen (Chem. Unserer Zeit 2009, 43, 392).

    Lesen Sie mehr in Heft 29/1912

    In Heft 30 von 1912 schreibt E. Lenk über die Chemie der Totenstarre, und zwar „mit Demonstrationen an Tieren”. Als Verursacher der Totenstarre wird ein Quellungsvorgang der Muskeln ausgemacht, der dadurch zustande kommt, dass nach dem Aufhören der Blutzirkulation Milchsäurebildung einsetzt, wodurch die fibrillären Elemente des Muskels zum Quellen gebracht werden, der Muskel verkürzt wird und erstarrt – der Tod als dramatischer Muskelkater! Heute weiß man, dass die Totenstarre durch permanente Bindung des Motorproteins Myosin an die Aktinfasern verursacht wird. Nach dem Einsetzen des Todes wird kein Adenosintriphosphat mehr erzeugt, das für die Ablösung des Myosins vom Aktin benötigt wird: Der Muskel kann sich nicht mehr entspannen. Die Biochemie der Muskelbewegung wird auch heute noch intensiv erforscht, wie man zum Beispiel einer kürzlich erschienen Zuschrift von Hoppmann et al. in der Angewandten Chemie (2011, 123, 7841) entnehmen kann. Aktuelle Forschungen richten sich außerdem auf den Entwurf künstlicher Muskeln – siehe das erst kürzlich erschienene Highlight von Spinks (2012, 124, 2331).

    Lesen Sie mehr in Heft 30/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 29, 7172

    Mit seinem Aufsatz „Kleine Ringe mit Kohlenstoff-Dreifachbindung” ist G. Wittig in Heft 14 des Jahres 1962 dem damals noch weitgehend unerforschten Dehydrobenzol – oder genauer 1,2-Didehydrobenzol – auf der Spur. Er legt eine Reihe von Ansätzen dar, um dieses extrem instabile Arin letztlich charakterisieren zu können. Am weitesten scheinen damals Berry et al. gekommen zu sein, denen es 1960 gelang, Benzoldiazoniumcarboxylat durch UV-Bestrahlung zu zersetzen und das UV-Spektrum des resultierenden Dehydrobenzols aufzunehmen. 1964 ermittelten R. W. Hoffmann und H. Ebel eine Lebensdauer von Dehydrobenzol in der Gasphase von bis zu 0.02 s, und schließlich beschrieb Ralf Warmuth 1997 – rechtzeitig zum 100. Geburtstag Wittigs – in der Angewandten Chemie die NMR-spektroskopische Charakterisierung von Dehydrobenzol in Lösung, eingeschlossen in einem Hemicarceranden als molekularem Container.

    Ein schwerer Laborunfall mit Tropyliumperchlorat mit zwei Schwerverletzten ist P. G. Ferrini und A. Marxer von CIBA Anlass genug, in einer Zuschrift explizit vor der Gefährlichkeit der laut den Autoren damals oft als Ausgangsmaterial verwendeten Verbindung (wofür, wird nicht gesagt) zu warnen. Bei der bloßen Berührung des in einem Trichter befindlichen Pulvers mit einem Glasstab kam es zur Explosion, die die Tischplatte zertrümmerte und einen Brand verursachte – angesichts der generellen Neigung von Perchloraten zur Explosion wohl nicht allzu überraschend.

    Mit dem Problem der unvermeidlichen, raschen Dimerisierung von Cyclopentadienon befassen sich gleich zwei Gruppen – die von E. Vogel und die von C. H. DePuy. Beide versuchen, als Alternative das Cyclopentadienon-Ethylenketal in monomerer Form zu erhalten. Das Ketal konnte in der Tat von beiden Gruppen hergestellt werden – und erwies sich leider „als wesentlich reaktionsfähiger als vermutet und konnte ähnlich dem Cyclopentadienon nur in Form seines Dimeren [...] gefaßt werden”.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 28, 6916

    „Die rastlosen Fortschritte, die auf allen Teilgebieten der Chemie in den letzten Jahren erzielt worden sind ...„ – mit diesen Worten beginnt ein Text über den ersten Fortbildungskurs in der Nahrungsmittelchemie! Wenn die Fortschritte damals schon rastlos waren, was sind sie wohl dann heute?

    Schon vor 100 Jahren machte man sich Sorgen um die ökonomische Verwendung der natürlichen Brennstoffe angesichts der drohenden Gefahr ihrer Erschöpfung, wie Arthur Fürth in seinem dreiteiligen Beitrag (Hefte 26–28) Leuchtgas, Kokerei, Generatorgas im Jahre 1911 feststellt, in dem er technische Fortschritte in den zugehörigen Industrien zusammenfasst.

    Lesen Sie mehr in Heft 27/1912

    Nachhaltige Chemie vor 100 Jahren: Cellobiose- und Dextrinacetate als Produkte der Acetolyse von Cellulose sind das Thema des Beitrags von Friedrich Klein von der Technischen Hochschule zu Hannover. Er beschreibt seine Suche nach den optimalen Reaktionsbedingungen ebenso wie seine Versuche, die Begleitprodukte zu identifizieren und Erklärungen für unterschiedliche Reaktionsverläufe zu finden.

    Ludwig Krieger setzt sich mit den Problemen der „Arzneimittelschwemme”, des Übergangs vom selbst formulierenden zum Fertigmedikamente verkaufenden Apotheker und der „Saturation” der Ärzteschaft mit den Werbemaßnahmen der Firmen auseinander. Seine Schlusssätze lauten: Vermindern sich so die Aussichten auf die weitere Erhaltung der vielleicht zu sehr umbuhlten Gunst der Ärzte für die einen rein wissenschaftlichen Charakter tragenden pharmazeutischen Spezialpraparate ..., dann wird die ... Industrie ihr ... Interesse weniger den seriösen ... medizinischen Zubereitungen zuwenden dürfen, sondern eine auf breiterer Grundlage aufgebaute Propaganda fur populäre Arzneispezialitäten, die sich direkt an das große Laienpublikum wendet, entfalten müssen. Ob eine derartige Wirkung ... für den Ärztestand ersprießlich sein wird, mag billig bezweifelt werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 28/1912

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 27, 6656

    Über ein Verfahren zur Darstellung von Ammoniak und Ameisensäure aus Kalkstickstoff berichtet der Ingenieur H. Sulzer und leitet seinen Beitrag mit der Feststellung ein, es gebe im Wesentlichen zwei Verfahren zur chemischen Bindung des Luftstickstoffs: die Umsetzung mit Sauerstoff zu Stickoxiden und die mit Calciumcarbid zu Calciumcyanamid („Kalkstickstoff”). Habers Ammoniaksynthese aus den Elementen scheint dem Autor nicht geläufig zu sein, heute ist umgekehrt das Haber-Bosch-Verfahren bekannter als die beiden in diesem Beitrag genannten.

    In der Rubrik Personalnachrichten erfahren die Leser von der Habilitation von Friedrich Bergius an der TH Hannover für „Reine und Angewandte Physikalische Chemie”. Das Thema ist nicht verzeichnet; Bergius ist bekannt für seine Arbeiten zur Kohleverflüssigung (Bergius-Pier-Verfahren) und zur Holzverzuckerung. 1931 erhielt er zusammen mit Carl Bosch den Chemienobelpreis für „die Entdeckung und Entwicklung der chemischen Hochdruckverfahren”.

    Lesen Sie mehr in Heft 25/1912

    In einer Zusammenfassung des Tätigkeitsberichts der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (heute: Bundesanstalt, PTB) erfahren wir einige Schwerpunkte ihrer Arbeit: die Haltbarkeit von Gläsern, bes. für die Optik, die chemische Analyse von Legierungen, das Färben von Metallen, die Magnetisierbarkeit von Eisen, aber auch die Photosynthese. Heute konzertiert sich die PTB auf hochgenaue Messungen, z. B. von Naturkostanten und gesetzlichen Einheiten. Ein Jahr vor der Angewandten Chemie feiert die PTB 2012 ihr 125-jähriges Jubiläum.

    Auch Gerüchte hatten damals Platz in der Angewandten Chemie: Unter „Personalnachrichten” liest man: „Frau Curie wird, wie bestimmt angenommen werden darf, [...] in absehbarer Zeit ganz nach Warschau übersiedeln...” Dazu kam es jedoch nie.

    Lesen Sie mehr in Heft 26/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 26, 6403

    Zuweilen wird im Experimentellen Teil der Zuschriften in der Angewandten Chemie auf Gefahren hingewiesen, vor 50 Jahren jedoch auch schon einmal mit einem kompletten Beitrag. In der Zuschrift „Explosion bei der Oxydation von Mesitylen mit Salpetersäure” wird geschildert, wie ein Autoklav „der Länge nach aufgerissen und mit den Stahltüren eines Schutzschrankes herausgeschleudert” wurde. Der Ansatz sollte eigentlich 3,5-Dimethylbenzoesäure liefern, doch entstanden vermutlich auch beträchtliche Mengen an α,α‘,α‘‘-Trinitromesitylen.

    Cyclopentadienyl-Isocyanid-Komplexe des Mangans, Eisens und Nickels beschreibt Peter Pauson, der zwar heute vorwiegend als Namenspatron der Pauson-Khand-Reaktion bekannt ist, aber auch ein Pionier auf dem Gebiet der Cyclopentadienylkomplexe war, wie im Essay „60 Jahre (und mehr) Ferrocen: Die Entdeckung und Wiederentdeckung der Sandwichkomplexe” von Helmut Werner nachgelesen werden kann (DOI: 10.1002/ange.201201598).

    Carborane werden in der Rundschau erwähnt – die Existenz dieser Verbindungsklasse war erst kurz zuvor postuliert worden.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 25, 6136

    Heft 12/1962 war Georg Wittig zum 65. Geburtstag gewidmet. Es finden sich in diesem Heft daher außergewöhnlich viele Beiträge aus Heidelberg, sowohl von damaligen Kollegen als auch von ehemaligen Mitarbeitern des Nobelpreisträgers.

    Zur ersten Gruppe gehört Ulrich Hofmann, dessen Aufsatz die chemischen Grundlagen der griechischen Vasenmalerei erläutert. Interessante Aspekte des Beitrags sind die ausführliche Einleitung zur wirtschaftlichen Bedeutung der Vasen für die damalige griechische Gesellschaft sowie die Erläuterung der Töpfer- und Malertechniken. Chemische Aspekte archäologischer Funde wurden immer wieder in der Angewandten Chemie diskutiert. So befasst sich z.B. Heinz Langhals in seinem Aufsatz in Heft 46/2003 mit der „Erhaltung der Farbfassungen der chinesischen Terrakotta-Armee in Lintong”.

    Auch Ulrich Schöllkopf, der bei Georg Wittig promovierte und später durch seine Methode zur Synthese optisch aktiver Aminosäuren bekannt wurde, widmet seinem Mentor einen Beitrag. Die von ihm beschriebene Herstellung von Dichlorcarben aus dem Sulfinsäuremethylester bzw. dem Sulfonylchlorid von Trichlormethan setzte sich allerdings nicht als Standardmethode durch. Heute wird das reaktive Intermediat meist durch die Reaktion von Chloroform mit einer Base, wie z.B. KOtBu oder NaOH, mittels Phasentransferkatalyse hergestellt.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 24, 5880

    In einem Beitrag über „25 Jahre Arzneimittel-Synthese” identifiziert Arthur Eichengrün, damals der Vorsitzende der medizinisch-pharmazeutischen Fachgruppe des Vereins deutscher Chemiker, die Herstellung des fiebersenkenden Schmerzmittels Phenacetin durch Bayer im Jahr 1887 als den Ursprung dieses Fachgebiets. Bei allen bisherigen Erfolgen weist Eichengrün aber auch auf Probleme hin, die aus allzu hastiger Vermarktung und Nachahmung entstehen, und im Resümee muss er schließlich zugeben, dass man dem „größten Feind der Menschheit, den Infektionskrankheiten, [...] noch fast wehrlos gegenüber[steht].” Der Vortragende wusste wohl, wovon er sprach, hatte er sich doch just bei Bayer durch den Aufbau der pharmazeutischen Forschung um die Jahrhundertwende einen Namen gemacht. Mehr Informationen über Eichengrün liefert ein Essay von E. Vaupel (Angew. Chem. 2005, 117, 3408–3419).

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1912

    Wer kauft schon gerne eine Katze im Sack? Niemand, und schon gar nicht ein Geschäftsmann, der beispielsweise eine Metallhütte betreibt. Kommt eine große Rohstoffladung an, so muss natürlich vorrangig die Reinheit derselben überprüft werden – und zu diesem Zweck nimmt man eine Probe. Aber: „Eine allgemein gültige Vorschrift für die Probenahme läßt sich nicht geben”, wie die Fachgruppe für analytische Chemie des Vereins deutscher Chemiker zugeben muss. Kein Grund zu verzweifeln, denn eben diese Fachgruppe hat unter Führung von Prof. Dr. W. Fresenius in Heft 24 einige Vorschläge zusammengetragen, wie die Probenahme bei unterschiedlichen Materialien im Einzelfall erfolgen sollte. Der Schwerpunkt liegt zwar auf Metallerzen, wo der Prozess durch unterschiedliche Zerteilungsgrade und Stückgrößen besonders knifflig wird. Aber auch Dünger und Tierknochen (als Phosphatquelle) sowie Weißblech in Form gebrauchter Konservenbüchsen werden diskutiert – „Der Grüne Punkt” lässt grüßen.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 23, 5614

    In dem Aufsatz „Organische Schwefelverbindungen in Gemüse- und Futterpflanzen” behandelt A. I. Virtanen, der den Nobelpreis für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Agrikultur- und Nahrungsmittelchemie erhielt, unter anderem die schlecht riechende Substanz des Knoblauchs und die tränentreibende der Zwiebel. Die antioxidative Wirkung der in Zwiebeln und Knoblauch enthaltenen Sekundärmetabolite ist auch ein Thema aktueller Forschung. Kürzlich wurde die Fähigkeit von Knoblauch, Peroxylradikale abzufangen, von V. Vaidya et al. in der Angewandten (Angew. Chem. 2009, 121, 163) beschrieben.

    Der „Weg von Phosphorpentachlorid zu den Phosphortrichloriden” wird im Aufsatz von M. Becke-Goehring und E. Fluck dargestellt. Becke-Goehring wurde nach ihrer Zeit als Rektorin der Universität in Heidelberg Direktorin des Gmelin-Instituts für anorganische Chemie, das für die Herausgabe von „Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie” verantwortlich war. Im Literaturteil bespricht E. Wiberg Teile der 8., völlig neu bearbeiteten Auflage dieses Handbuchs, und zwar die von 1958 bis 1961 erschienenen Bögen, die mehr als 10 000 Textseiten und mehr als 2 000 Figuren enthielten, was nicht nur für den Rezensenten eine Herausforderung war.

    In den Versammlungsberichten findet sich die Zusammenfassung eines Vortrages zur „Anwendung von paramagnetischer Resonanzspektroskopie auf das Studium oxydativer Enzyme” von H. Beinert, einem Pionier auf dem Gebiet der bioanorganischen Chemie. Unter anderem am Beispiel der Entdeckung von Oxidations-Reduktions-Katalysatoren, deren Signale „schon in Stücken von frisch gefrorenem Herzmuskel und von Leber sichtbar” sind, erläutert er die Nützlichkeit der Elektronen-Resonanzspektroskopie für die Enzymologie.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 22, 5368

    Der Untergang der Titanic vor 100 Jahren war eine der größten Katastrophen der Moderne und steht bis heute für die Unkontrollierbarkeit der Natur. Fast 1500 Menschen fanden den Tod, und drei von ihnen mit Verbindungen zur Chemie werden in den Todesanzeigen von Heft 21/1912 der Angewandten Chemie genannt: Benjamin Guggenheim, der ein Imperium von Schmelzanlagen für die Metallproduktion besaß und einer der reichsten Männer der Welt war, Henry F. Julian, Autor des damals sehr verbreiteten und bis heute aufgelegten Handbuchs „Cyaniding Gold and Silver Ores”, und der Elektrochemiker Ernest Sjostedt.

    Einen Überblick über die Entwicklungen in der pharmazeutischen Chemie des Jahres 1911 gibt Ferdinand Flury, damals noch Assistent in Würzburg und späterer Mitarbeiter von Fritz Haber am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin. Höhepunkte der Forschungen waren die Synthese neuer Glucoside durch Fischer und von ortho-Arsanilsäure durch Benda sowie Untersuchungen zur Biosynthese von Pflanzenalkaloiden durch Pictet und Spengler. Die nach letzteren benannte Reaktion, die Kondensation von Arylethylaminen mit Aldehyden, wird noch heute vielfach eingesetzt und war erst vor kurzem Thema eines Aufsatzes in der Angewandten Chemie (2011, 123, 8692).

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1912

    Heft 22 von 1912 enthält einen Vortrag des Physikers Hans Lehmann von der Firma Carl Zeiss in Jena über die Lumineszenzanalyse in reinem UV-Licht. Die Arbeiten an diesem Projekt bildeten die Grundlage für die bald folgende Entwicklung des ersten serienreifen Fluoreszenzmikroskops. Nachfolger dieser Geräte finden heute breite Verwendung in modernen Forschungslabors, vor allem in der Biochemie zur Visualisierung von Zellbestandteilen. Der Trick besteht darin, spezifische Proteine mit fluoreszierenden Partnern zu markieren, um so Rückschlüsse auf den Ort des Proteins in der Zelle ziehen zu können. Der berühmteste Marker ist natürlich das grün fluoreszierende Protein, für dessen Entdeckung und Entwicklung Shimomura, Chalfie und Tsien 2008 den Chemie-Nobelpreis erhielten. Ihre Nobelvorträge können in der Angewandten Chemie (2009, 121, 5698) nachgelesen werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 21, 5116

    Bei Diels-Alder-Reaktionen ist normalerweise das Dienophil die elektronenarme und das Dien die elektronenreiche Komponente. Im Heft 10 der Angewandten Chemie aus dem Jahr 1962 finden wir offensichtlich den ersten Beweis, dass es auch umgekehrt geht: In seiner Zuschrift präsentiert der kürzlich verstorbene Jürgen Sauer (Nachruf von Rolf Huisgen in Heft 41/2011) von der Universität München Daten, die „erstmals die Existenz von Diels-Alder-Additionen mit 'inversem' Elektronenbedarf [beweisen]”, also solchen mit elektronenarmem Dien und elektronenreichem Dienophil. Als Dien wurde dabei Hexachlorcyclopentadien eingesetzt, das z. B. leichter mit Styrol oder Cyclopenten reagiert als mit dem elektronenarmen Maleinsäureanhydrid. Sauer schlussfolgert weiterhin, dass auch bei dieser Variante der Diels-Alder-Reaktion ein konzertierter Ablauf vorliegt. In einer weiteren Zuschrift liefert Sauer noch eine nützliche Tabelle zur Reaktivitätsfolge von Dienen gegenüber Maleinsäureanhydrid.

    Zwei Zuschriften stammen aus der Feder von Hellmut Bredereck und Franz Effenberger (später Brederecks Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Organische Chemie der Universität Stuttgart und von 1986 bis 1990 deren Rektor): eine über die Synthese verschiedener Amidine, Amidiniumsalze und Aminalester durch Reaktion von N,N-disubstituierten Säureamiden mit Aminen unter milden Bedingungen sowie eine andere über die Herstellung 2,4-disubstituierter 1,3,5-Triazine. Atrazin und Simazin, zwei 2,4-Diamin-substituierte 1,3,5-Triazine, waren lange als wirksame Herbizide, vor allem beim Maisanbau, im Einsatz, sind aber heute in der EU wegen ihrer Grundwasser gefährdenden Wirkung nicht mehr zugelassen.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 20, 4852

    Mit einem auf Photopapier gedruckten Bild von Ferdinand Fischer beginnt das am 10. Mai 1912 erschienene Heft. Grund ist dessen 70. Geburtstag am 13. Mai, zu dem der Verein deutscher Chemiker als einer der Ersten gratulieren wollte, denn Ferdinand Fischer verdankt er letztlich seine Gründung, wie in der anschließenden Würdigung zu lesen ist. Und auch für die Angewandte Chemie ist Fischer historisch wichtig: Er redigierte sie von ihrer Gründung als Zeitschrift für angewandte Chemie bis 1899.

    Welche Variante der Herstellung von Perborat – wegen seiner Bleichwirkung früher ein wesentlicher Bestandteil von Waschmitteln, der heute allerdings meist durch Percarbonat ersetzt ist – die beste Sauerstoffausbeute (definiert als „das Verhältnis des als Wasserstoffsuperoxyd oder Natriumsuperoxyd angewandten aktiven Sauerstoffs zu dem als Perborat erhaltenen aktiven Sauerstoff”) liefert, untersuchten E. Bosshard und K. Zwicky.

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1912

    Perborate sind auch das Thema des ersten Beitrags im Folgeheft, in dem sich E. Bosshard und K. Zwicky mit deren Konstitution befassen. Aus ihren Versuchen und der Tatsache, dass die Perborsäure eine einbasige Säure ist, leiteten sie die Formel 1 ab. Heute weiß man, dass die richtige Formel für den Festkörper 2 ist.

    Mit „Nachdem nunmehr beide Parteien mehrfach zum Wort gekommen sind, schließen wir die Debatte, bis erheblich neues Material beigebracht wird.” beendet die Redaktion eine Auseinandersetzung zwischen V. Hassreidter und K. Voigt über die Genauigkeit einer Schnellmethode für die Zinkbestimmung.

    Lesen Sie mehr in Heft 20/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 19, 4586

    Quecksilberhaltige Diuretika waren vor 50 Jahren noch „Mittel der Wahl”, wie der Aufsatz „Neuere Entwicklungen auf dem Gebiet der quecksilberfreien Diuretica” verrät. Darin beschreiben Forscher der Firma CIBA (die Fusion mit Geigy fand erst 1970 statt, und Ciba-Geigy ging 1996 in Novartis auf) Alternativen wie Chlorthiazid, die die quecksilberhaltigen Wirkstoffe längst verdrängt haben und heute noch verwendet werden. Ferrocen ist der Schwerpunkt des Aufsatzes von Klaus Plesske mit dem Titel „Ringsubstitutionen und Folgereaktionen an Aromaten-π-Komplexen”. Passend zu diesem Thema wird in der Angewandten Chemie demnächst der Essay „60 Jahre (und mehr) Ferrocen: Die Entdeckung und Wiederentdeckung der Sandwichkomplexe” erscheinen, verfasst von Helmut Werner – wie Plesske ein Schüler E. O. Fischers. Hans Bock, der über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren als Autor in der Angewandten Chemie vertreten war, veröffentlichte vor 50 Jahren seine beiden ersten (von mehr als 100) Zuschriften in der Zeitschrift: „Über Dimethylamin-azid„ und „Über ein Phosphazen-azid”.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 18, 4332

    Vor der Wuppertaler Ortsgruppe ruft Dr. Zart unter der Überschrift „Lebens- und Entwicklungsbedingungen der chemischen Industrie” dazu auf, „keine Zeit zu versäumen ..., auch die Dokumente für die Geschichte der chemischen Technik zu sammeln.” Er beschreibt dann in groben Zügen die Entwicklung der chemischen Industrie von der Zulieferin der Textilindustrie an und sucht nach Erklärungen für den großen Erfolg auch gegenüber anderen Ländern wie England, von wo „der nach Deutschland hinübergewehte Samen” nun „zu einem Walde gewachsen war, der die Erde zu überschatten drohte.” Patent- und Verfahrensschutz spielten eine große Rolle, aber auch die (Aus)Bildung der Chemiker wird hervorgehoben: „die Jugend zu selbständigem Sehen, Denken und Urteilen zu erziehen und sie fragen, d.h. forschen zu lehren.” Schmunzelnd zitiert Zart auch die Beobachtung eines Franzosen: „... sind die Direktoren sehr jung und gerade in dem Alter, in welchem all ihre Fähigkeiten sich voll entwickelt haben. Eines Tages überraschte mich die Nachricht, dass ein Direktor sich im Alter von 45 Jahren zurückzuziehen beabsichtige. [...] er besitzt diesen Rang seit 15 Jahren. Er hat dabei Zeit gehabt, all seine wertvollen Ideen zu verwirklichen. Jetzt würde er nur noch 'Routinier' sein und die Initiative der Jungen brechen [...] wird die Erfahrung des sich zurückziehenden Direktors im Aufsichtsrat noch nutzbar gemacht. [...] So haben in einer für Frankreich glorreichen Zeit 25-jährige Generale unsere Armeen gegen ganz Europa in den Kampf geführt und zum Siege!” Für Napoleon gab es mit 45 (nach Waterloo) allerdings keinen Aufsichtsratsposten mehr.

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1912

    Stabsarzt Dr. K. E. Boehnke konstatiert eingangs seines Aufsatzes über Heilsera, dass die Stoffe, mit denen die Immunitätsforschung arbeitet, Antigene und Antikörper „[...] übereinstimmend negativ charakterisiert durch den Umstand, daß sie chemisch völlig unbekannte Gebilde darstellen.” In der Tat hat es lange gedauert, bis Chemiker mit ihnen umzugehen verstanden haben. Erst 2006 konnte R. A. Lerner in einem Aufsatz in der Angewandten Chemie feststellen, dass „Paul Ehrlichs Konzept der Zauberkugel heute Realität” ist, nachdem er 2002 in einem Aufsatz mit J. Yin und P. G. Schultz die Chemie von Antikörpern beschrieben hatte.

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 17, 4060

    Auch nach dem Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 erreichten die Angewandte Chemie noch Zuschriften aus der damaligen DDR. R. Mayer und J. Jentsch aus Dresden berichten in Heft 08/1962 von der ersten Synthese monomerer Thioketone. Das aus dem jeweiligen Keton unter Einwirkung von Schwefelwasserstoff erhaltene geminale Dithiol (Chem. Ber. 1962, 95, 1764) reagiert quantitativ mit Malonsäuredinitril zu einer instabilen Zwischenstufe, welche oberhalb ihres Flammpunktes in das jeweilige Thioketon und das entsprechende Thiosäureamid zerfällt. Die Thioketone werden als unbeständig, tiefrot und unangenehm riechend beschrieben. Heute verwendet man natürlich als Methode der Wahl zur Herstellung von Thioketonen aus den entsprechenden Ketonen Lawessons Reagens.

    Trimethylsilylazid, das heute aus der organischen Synthese kaum noch wegzudenken ist, wurde ebenfalls vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie erstmals vorgestellt. Entscheidender Schritt ist die Thermolyse von 1-N-Trimethylsilyl-amino-N-trimethylsilyltetrazol, das aus 1-Aminotetrazol durch Kochen mit Hexamethyldisilazan erhalten wird. Trimethylsilylazid wird heute aus Trimethylsilylchlorid und Natriumazid erzeugt. Seine Einsatzgebiete umfassen sowohl das Schützen von Alkoholen mit einer Trimethylsilylgruppe als auch die Einführung einer Azidgruppe in ein Molekül.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 16, 3800

    Wilhelm Ostwald war nicht nur ein großer Chemiker, sondern auch ein begeisterter Maler (siehe z. B. den Essay von P. Ball und M. Ruben, Angew. Chem. 2004, 116, 4948–4953). In Heft 15/1912 findet sich eine Besprechung seines Büchleins Monumentales und dekoratives Pastell, das auf Aufsätzen über eine von ihm entwickelte Maltechnik beruht. Ostwalds Ausführungen über das Verfahren, bei dem zunächst ein Farbkörper auf einen aufgerauten Malgrund aufgetragen und anschließend fixiert wird, sind, wie der Rezensent betont, in erster Linie für Künstler und Maler bestimmt, sie bieten aber auch viel Anregung für Chemiker und Farbentechniker.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1912

    Wert auf Vollständigkeit legt C. R. Böhm: Neben Journal- und Patentliteratur sind auch „Die Dissertationen über seltene Erden„ wichtige und reichhaltige Wissensquellen. Unter diesem Titel listet er 126 Schriften aus den Jahren 1856 bis 1911 auf, wobei der Löwenanteil aus dem deutschen Sprachraum stammt. Der Autor bezeichnet seine Aufstellung stolz als „lückenlos„ – mehr noch: Alle Dissertationen befänden sich in seinem Besitz.

    Doch nicht so fehl am Platze, wie man zunächst denken sollte, ist der Beitrag über die 3. ordentliche Generalversammlung des Vereins deutscher Kartoffeltrockner. Die wichtigste Größe der Trockenprodukte ist naturgemäß ihr Wassergehalt: Zu viel Wasser birgt die Gefahr der Schimmelbildung, zu wenig Wasser geht zulasten des Profits – schließlich wird nach Gewicht verkauft. Der Trocknungsprozess, bei dem die Masse alles in allem auf knapp ein Drittel reduziert wird, findet übrigens in Trommelapparaturen unter Einwirkung von Wasserdampf und Heißluft statt.

    Lesen Sie mehr in Heft 16/1912

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 14, 3346

    Die Fabrikation von Deckweiß, einer aus Bariumsulfat (Blanc fix) und Zinksulfid bestehenden Farbe, bietet „vom chemischen Standpunkt betrachtet ... wenig Interessantes”, ist aber technologisch lehrreich, weil verschiedenste Apparaturen zur Anwendung kommen. Der ausgeklügelte Prozess wird in Heft 13 der Angewandten Chemie von 1912 anschaulich dargestellt. Von größter Wichtigkeit ist das Freihalten der Ausgangsmasse von Kohlestaub, da sonst die Erzeugung einer rein weißen Farbe unmöglich wird. Das ungiftige Deckweiß – chemischer Name: Lithopone – wird natürlich auch heute noch in riesigen Mengen produziert.

    Die Personal- und Hochschulnachrichten vermelden die Ehrenmitgliedschaft der Chemical Society in London für Paul Walden. Walden war seinerzeit Professor an der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg in der Nachfolge Beilsteins. Nach Ausbruch der russischen Revolution floh Walden nach Deutschland, wo er in Rostock und später in Tübingen tätig war.

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1912

    Heft 14 von 1912 enthält einen lesenswerten, vor dem Verein Deutscher Gas- und Wasserfachbeamten gehaltenen Vortrag von Richard Böhm über die Vorteile der Verwendung von Kunstseide anstelle von Ramiefasern zur Herstellung von Gasglühkörpern (Glühstrümpfe). Glühstrümpfe werden hergestellt, indem man das Stoffgewebe mit Thorium- und Cernitratlösung tränkt und verascht. Es bleibt ein filigranes, selbsttragendes Gerüst der Gewebeasche und Seltenerdoxide zurück, das in der Gasflamme ein weißes Licht abgibt. Das Leuchten hat mit der Radioaktivität des Thoriums natürlich nichts zu tun, sondern ist ein gewöhnliches Glühen in der Gasflamme. Gasglühstrümpfe dieser Bauart sind bis heute noch im Einsatz, allerdings ist die Verwendung des leicht radioaktiven Thoriums alles andere als ideal: In Deutschland werden seit einigen Jahren keine Glühstrümpfe mehr produziert, sodass komplizierte Einfuhrgenehmigungen einzuholen sind, außerdem müssen ausgediente Leuchtkörper als Sondermüll entsorgt werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 13, 3096

    „Vorschläge zur Gestaltung des Anfängerunterrichtes” im Chemiestudium macht Carl Mahr in seinem Aufsatz, in dem er ein neues anorganisches Grundpraktikum skizziert, das unter anderem einen geringeren Anteil an qualitativen Analysen und dafür mehr physikalisch-chemische Methoden enthält. Heute findet man keine Artikel mehr in der Angewandten Chemie, die sich mit der Gestaltung des Chemiestudiums in Deutschland befassen, zumal als Folge der Globalisierung die Bildungspolitik nicht mehr nur national, sondern mindestens europäisch ist. Auf dem amerikanischen Bildungswesen liegt der Schwerpunkt des kürzlich erschienenen Essays „Zur Stärkung des Bildungswesens” von K. C. Nicolaou (Angew. Chem. 2011, 123, 65), der darin seine Gedanken zur aktuellen Lage der Chemieausbildung und seine Vorstellungen für die Zukunft anhand seines eigenen Werdegangs und seiner vielfältigen Erfahrungen in Europa und in den USA vorstellt.

    Im Zuschriftenteil warnen die Mitarbeiter des wissenschaftlichen Laboratoriums von Dynamit Nobel vor der „Explosionsartigen Reaktion bei unkatalysierter Addition von Trichlor-brommethan an Äthylen”, die das 900 mL fassende Druckgefäß mit einer Wandstärke von 12 mm aus unbekannter Ursache sprengte. Der Hinweis auf die Explosionsgefahr bei der Arbeit mit Natriumhydrazid begleitet die beiden Zuschriften von Thomas Kauffmann et al., in denen die Verwendung von Natriumhydrazid und Hydrazin, einerseits zur „Überführung von Dienen in Azine, Pyrazole und Pyrazoline” sowie andererseits zur reduktiven Enthalogenierung aromatischer Halogenide, beschrieben wird. In ihrer vergleichsweise ungefährlichen Zuschrift „Die Konfiguration der Sialinsäuren” zeigen der Nobelpreisträger Richard Kuhn und Reinhard Brossmer durch Darstellung auf drei verschiedene Arten, dass die Hydroxygruppe am C4-Atom entgegen früheren Annahmen nach rechts gerichtet ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 12, 2852

    Selen stört bei der Papierherstellung nach dem Sulfitverfahren. Das dafür benötigte Schwefeldioxid wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch direktes Verbrennen von Schwefel oder Rösten von sulfidischem Erz erzeugt und durch einen hölzernen Turm mit Kalksteinen geleitet. Wenn die Ausgangsstoffe Spuren an Selen enthielten, sorgte dieses dafür, dass ein Teil der schwefligen Säure in Schwefelsäure oder Schwefel und Gips überführt wurde. Darum stellten Peter Klason und Hjalmar Mellquist von der Technischen Hochschule Stockholm das von ihnen entwickelte iodometrische Verfahren zur Bestimmung von Selen in diesen Ausgangsstoffen vor.

    Die wichtigsten Fortschritte in der anorganischen Großchemie 1911 referiert Hermann von Kéler aus Leverkusen in einem weiteren Beitrag – nicht überraschend nimmt dabei die Ammoniaksynthese einen zentralen Platz ein.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1912

    Mehr Gelegenheit zur Weiterbildung fordert L. Max Wohlgemuth vor allem für die technischen Mitglieder des Patentamtes: Sie sollen öfter Urlaub zu Informationsreisen, höhere Tagesgelder bei den Reisen und Entlastung von unnötigem Schreibwerk bekommen, um ihre Kenntnisse der Industrie zu erneuern und zu vertiefen.

    Auf immerhin elf Seiten fasst Wilhelm Massot die Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Faser- und Spinnstoffe im Jahr 1911 zusammen, wobei es vor allem um die diversen Kunstseiden geht.

    Lesen Sie mehr in Heft 12/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 11, 2580

    Fluor in der organischen Chemie – ein echter Dauerbrenner. Fluororganische Verbindungen finden heute vielfältige Verwendung z. B. als Wärmeüberträger, Flüssigkristalle, Farbstoffe, Tenside, Kunststoffe, Elastomere und Membranen. Insbesondere im Bereich der Arzneimittel und Agrochemikalien ist ihre Bedeutung mittlerweile enorm. 1962 stand man noch eher am Anfang dieser Entwicklung. So berichtet H. J. Emeléus in Heft 6/dass die Entdeckung von Trifluoriodmethan im Jahr 1948 „ein weites Feld von Möglichkeiten zur Darstellung neuer organometall- und organometalloid-Verbindungen mit Fluoralkyl-Gruppen” erschloss und stellt eine Reihe von Umsetzungen zu einfachen organischen F,S- und F,N-Verbindungen sowie metallorganischen Verbindungen vor. Er schließt vorausblickend: „Das Gebiet wurde in den letzten 20 Jahren tiefgehend und schnell erweitert, und es erscheint gewiß, daß wir uns noch lange nicht am Ende einer faszinierenden Reise befinden.

    Der bekannte US-Immunologe Jack Strominger liefert den ersten Teil einer zweiteiligen Reihe von Übersichtsartikeln über Nucleotide. Dabei geht es nicht um die Bildung von Nucleinsäuren, sondern um die Aktivierung niedermolekularer Verbindungen durch Verknüpfung mit Nucleotiden für die anschließende Biosynthese von sulfatierten Polysacchariden.

    Ein Versammlungsbericht über die Sitzung der Karlsruher Chemischen Gesellschaft handelt von der Idee, die Strahlung eines Kernreaktors zu nutzen, um chemische Reaktionen durchzuführen. Angestrebt waren offenbar wirtschaftliche Synthesen von Grundchemikalien wie Phenol oder Hydrazin im Großmaßstab. Die Notwendigkeit einer Abtrennung radioaktiver Produkte dürfte dann allerdings letztlich das Aus für dieses Projekt bedeutet haben. Der Forschungsreaktor Mainz wird aber z. B. noch heute für chemische Experimente im Bereich der Grundlagenforschung genutzt.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 10, 2316

    Erneut ist es A. Gutbier, der einen Überblick über die Entwicklung der anorganischen Chemie im vorangegangen Jahr gibt. Elemente, Hydride, Oxide und Nitride bilden den Schwerpunkt des ersten Teils. Unter anderem berichtet Gutbier über Experimente zur Herstellung von Wasserstoffperoxid: z. B. durch UV-Bestrahlung von Wasser und sogar aus den Elementen mittels elektrischer Entladung bei vermindertem Druck oder unter Verdünnung mit Inertgasen, um eine Knallgasexplosion zu verhindern. Die Herstellung eines festen, stabilisierten H2O2-Präparates gelang bei der Firma G. Richter in Budapest: „Hyperol” dürfte auch dem einen oder der anderen in der Leserschaft erste Experimente mit H2O2 aus dem Chemiebaukasten ermöglicht haben.

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1912

    Im zweiten Teil seines Berichts erwähnt A. Gutbier u. a. die erstmalige Darstellung von Uranhexafluorid, dessen Eigenschaften die Trennung von Uranisotopen ermöglicht. Sein Beitrag wird ergänzt um den Aufsatz von H. von Kéler, der die wichtigsten Fortschritte der anorganischen Großchemie zusammenfasst. Auch damals schon sprach die Angewandte Chemie eine breite Leserschaft an, denn im selben Heft findet man einen Artikel über die Bekämpfung von Krankheitserregern.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 09, 2032

    Dauerbrenner Photosyntheseforschung: 1961 erhielt Calvin den Chemie-Nobelpreis für die Aufklärung des nach ihm benannten Zyklus, bei dem CO2 fixiert und reduziert wird; sein Nobel-Vortrag wurde in Heft 5/1962 veröffentlicht. Die für seine Photosyntheseexperimente verwendete Apparatur wurde als Lollipop bezeichnet – bei der Betrachtung von Abbildung 3 des Aufsatzes wird eigentlich klar, wie naheliegend diese Namensschöpfung war. Dennoch hielt man es für angebracht, in einer Anmerkung des Übersetzers Lollipops zu erläutern als „Dauerlutscher, die aus einer flachen, harten Bonbonmasse an einem dünnen Holzstab bestehen”.

    Mit optisch aktiven siliciumorganischen Verbindungen beschäftigt sich der zweite Aufsatz, verfasst von L. H. Sommer. Damals war erst seit wenigen Jahren bekannt, dass Substitutionen an Si-Atomen stereospezifisch verlaufen können.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 08, 1780

    Analyseverfahren für Lebensmittel machen den größten Teil des fortgesetzten Beitrags über „Die Nahrungsmittelchemie im Jahre 1910” von S. Rothenfusser aus. Oft werden Verunreinigungen bestimmt, die nicht unbedingt auf natürlichem Weg in die Lebensmittel gelangt sein dürften. Im Kapitel über Speisefette und Öle wären dies Margarine in Butter sowie Palmfett oder Cocosfett in Schweinefett oder Butter, erkennbar anhand von Parametern wie Reichert-Meißl-Zahl, Iodzahl und Säurezahl.

    In den Personal- und Hochschulnachrichten wird die triumphale Rückkehr von Albert Einstein als Professor an seine Alma Mater, die Eidgenössische Polytechnische Schule in Zürich, angekündigt. Aus einer Kurznotiz erfährt man ferner, dass der löbliche „Verein gegen das Bestechungswesen” es nach achtmonatigem Bestehen schon auf über 900 Mitglieder brachte.

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1912

    Reich illustriert erscheint der einzige größere Beitrag in Heft 8/der auf einem Vortrag von Albert Hesse aufbaut. Der Autor stellt zunächst chemische Synthesen von Riechstoffen wie Vanillin, Ionon und Cumarin oder Geraniol und Citronellal durch Wallach, Tiemann und andere vor, die allerdings – aus ökonomischen Gründen – seinerzeit nicht industriell umgesetzt wurden. Wie nun in der Praxis aus pflanzlichen Rohstoffen die ätherischen Öle gewonnen wurden, beschreibt der Hauptteil des Vortrags, unterstützt durch die im Titel versprochenen „Bilder aus der Riechstoffindustrie”: Photographien und Zeichnungen von Fabrikgebäuden, Produktionsanlagen, Skizzen von Reaktoren – aber auch Szenen aus Kräuterernte und Fabrikleben und natürlich die Ansicht des „malerisch gelegenen” Städtchens Grasse, einer Hochburg der Duftstoff-Fabrikation an der Französischen Riviera, die jeder Tourismusbroschüre zur Ehre gereicht hätte . Ob alle Bilder zwingend „zum Verständnis notwendig” sind, wie einer Fußnote der Redaktion zu entnehmen ist, das muss jeder Leser für sich entscheiden, einen Blick wert sind aber viele der Zeichnungen schon allein unter künstlerischen Aspekten.

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 07, 1534

    Das „doppelte Lottchen” nannte man im Arbeitskreis von Hans-Werner Wanzlick ein N-heterocyclisches Carben und das davon abgeleitete Dimer, die miteinander im Gleichgewicht stehen. Wanzlick begründete die Existenz dieses Gleichgewichts mit der Beobachtung, dass nur eine Hälfte eines solchen Dimers mit Elektrophilen reagierte. Sowohl das so genannte Wanzlick-Gleichgewicht als auch der nukleophile Charakter des Carbens, der im Gegensatz zum elektrophilen Charakter der damals bekannten Carbene stand, stießen in der Folgezeit auf heftigen Widerspruch in der Fachwelt. Von anderen Forschungsgruppen durchgeführte „Kreuzungsversuche” verschiedener Dimere ergaben keine „gemischten Dimere”, was die Existenz eines Gleichgewichts zwischen Dimer und Carben ausschloss. Im Jahr 1999 lebte die Diskussion um das Wanzlick-Gleichgewicht noch einmal auf, als von erfolgreichen Kreuzungsversuchen mit Dimeren berichtet wurde. Inzwischen geht man davon aus, dass das Gleichgewicht nur bei Anwesenheit eines Katalysators, zum Beispiel einer Lewis-Säure oder eines Protons, existiert.

    Trotz ihrer kontroversen Geschichte bilden N-heterocyclische Carbene heute die größte und wichtigste Gruppe stabiler Carbene. Ihre praktische Bedeutung liegt unter anderem in der Organokatalyse, z.B. der Umpolung von Aldehyden, und vor allem in der metallorganischen Katalyse als Liganden, die die Stabilität und Reaktivität von Katalysatorkomplexen erhöhen. Jüngste Anwendungen N-heterocyclischer Carbene schließen ihre Verwendung als Katalysatoren in Dominoreaktionen ein (A. Grossmann, D. Enders, Angew. Chem. 2012, 124, 320–332). Den ursprünglichen Aufsatz von H.-W. Wanzlick finden Sie in Heft 4/1962, einen Essay von Wolfgang Kirmse zu den Anfängen der N-heterocyclischen Carbene in Heft 47/2010.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 06, 1322

    Heft 5 der Angewandten Chemie von 1912 beginnt mit einem Artikel von B. Neumann über „Technische Fortschritte im Metallhüttenwesen”, wobei Verbrauchszahlen der wichtigsten Metalle von 1910 aufgeschlüsselt werden. Schon damals galt der Verbrauch an Rohstoffen insgesamt als ein direkter Gradmesser für die wirtschaftliche Kraft eines Landes, und die Zahlen für bestimmte Metalle taugten sogar als branchenspezifische Indikatoren. Zum Beispiel „spiegeln die Zahlen des Kupferverbrauchs stets die Lage der elektrotechnischen Industrie wider”. Deutschland verbrauchte damals rund 200.000 Tonnen Kupfer pro Jahr und war damit nach den Vereinigten Staaten der weltweit größte Verbraucher dieses Metalls. Zum Vergleich verbraucht Deutschland heute jährlich rund 1 Million Tonnen Kupfer und China sechsmal soviel. Zwei brandheiße Themen von heute, nämlich Rohstoffknappheit und Metallrecycling, waren 1912 noch nicht aktuell und kommen im Artikel auch gar nicht erst vor. Denn dass man etwa in Amerika deshalb auf „dünnere” Leitungen und 110 Volt umgestiegen wäre, um Kupfer einzusparen, ist ein Mythos.

    Lesen Sie mehr in Heft 5/1912

    Heft 6 von 1912 enthält einen kurzen Bericht über eine Gedenkfeier zu Ehren Avogadros, die am 24.9.1911 in Turin im Beisein des italienischen Königs stattfand. Höhepunkt der Feier war die Enthüllung einer Avogadro-Statue. Einhundert Jahre zuvor, 1811, hatte Avogadro seine zunächst unbeachtet gebliebene Hypothese veröffentlicht, dass „in gleichen Volumen gasförmiger Stoffe bei gleichem Druck und gleicher Temperatur gleichviele Moleküle enthalten sind.” Die Ideen Avogadros begannen sich erst viel später durchzusetzen, und zwar nachdem dessen Schüler Cannizarro auf dem ledendären Karlsruher Chemiker-Kongress 1860 darüber vorgetragen hatte. Avogadro selbst starb 1856, und es war ihm nicht vergönnt, den Durchbruch seiner Theorie noch zu erleben.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 05, 1118

    „Olefinoxydation mit Palladiumchlorid-Katalysatoren” beschreiben Jürgen Smidt et al. vom Consortium für elektrochemische Industrie, der Forschungsabteilung der Wacker Chemie, in einem zusammenfassenden Aufsatz, als die ersten Großanlagen zur Oxidation von Ethylen zu Acetaldehyd nach dem Wacker-Verfahren seit etwa 1 1/2 Jahren in Betrieb waren. Die Eigenschaften der aggressiven Katalysatorlösung erforderten den Einsatz des neuen Werkstoffs Titan für den Bau von Reaktionsapparaten und Pumpen. Die Entdeckung der Wacker-Oxidation, die ja auch an der Wiege der Pd-katalysierten Kreuzkupplungen steht, wurde kürzlich von einem der Pioniere – und Coautor jenes Aufsatzes – in der Angewandten Chemie nachgezeichnet (R. Jira, Angew. Chem. 2009, 121, 9196).

    Einen Überblick über „Die Anwendung der Massenspektrometrie in der organischen Chemie, insbesondere zur Strukturaufklärung von Naturstoffen” vor 50 Jahren gibt der Aufsatz von Klaus Biemann, einem der frühen Heroen der Massenspektrometrie. Gehören Massenspektrometer gekoppelt mit chromatographischen Verfahren heute zur Standardausrüstung in organisch-chemischen Laboratorien, so waren sie damals nur etwas für hochqualifizierte Spezialisten. Zur Klärung heute leicht zu lösender Probleme musste früher ein beträchtlicher Aufwand betrieben werden: Zum Beispiel musste man zur Bestimmung der Aminosäuresequenz von Peptiden diese zunächst mit Lithiumaluminiumhydrid zu flüchtigen Polyaminoalkoholen reduzieren, um sie dann zu analysieren. Heute stehen für diesen Zweck Tandem-MS-Methoden zur Verfügung, und nicht nur die Sequenz, sondern auch die Konformation von Proteinen kann massenspektrometrisch analysiert werden, wie etwa M. Jenner et al. (Angew. Chem. 2011, 123, 8441) jüngst am Beispiel der Cytochrom-P450-Reduktase demonstrierten.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 04, 866

    Den Möglichkeiten, Niob und Tantal zu trennen, widmen sich O. Hauser und A. Lewite vom Technologischen Institut der Universiät Berlin in ihrem Beitrag, und Holzdextrin – aus Cellulose gewonnene Dextrine – waren das Thema von C. A. Yllner aus Stockholm.

    Bei den Personalnachrichten sind einige große Namen zu finden. So wird die Ernennung von Fritz Haber zum ordentlichen Honorarprofessor der Berliner Universität und die Berufung von Richard Willstätter an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin bekanntgegeben. Unter den Buchbesprechungen fällt eine Lobeshymne auf die deutsche Ausgabe des zweibändigen Werks „Die Radioaktivität” von Marie Curie auf, und der Verein deutscher Chemiker bittet seine Mitglieder, ihm die Adressen von Nichtmitgliedern zu schreiben, „damit wir den Herren Propagandamaterial senden können”.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1912

    Die Vorbereitung auf den „VIII. Internationalen Kongreß für angewandte Chemie zu Washington und Neu-York” stand im Zentrum der vierten Ausgabe von 1912. Auf etwa fünf Seiten ging es um organisatorische Fragen, die bei der zweiten Sitzung des Deutschen Ausschusses zur Vorbereitung des Kongresses diskutiert wurden. Ein wesentlicher Punkt war die Anreise, damals noch per Schiff, für die Rabatte angestrebt wurden. Die Teilnehmerzahl aus Deutschland wurde dabei auf 150 bis 200 („und außerdem etwa 30 Damen”) geschätzt. Als Kosten für die rund sechswöchige Reise (inklusive Rundfahren zu Firmen in den USA und Kanada nach dem Kongress) wurden von Carl Duisberg 2500–3000 Mark genannt. Im anschließenden Beitrag wurden die „Leitsätze für die Vortragenden” des amerikanischen Ausschusses in deutscher Fassung abgedruckt. Sie erinnern mit so manchem Punkt an die Hinweise für Autoren, die jede wissenschaftliche Zeitschrift kennt.

    Der einzige wissenschaftliche Beitrag befasst sich mit der Rolle von Katalysatoren bei der Erdölbildung und kommt zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Belege für eine wesentliche Rolle der Gesteinsmaterialien gibt.

    Lesen Sie mehr in Heft 4/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 03, 590

    Eine wahrhaft gewichtige Änderung wurde von der IUPAP im August 1961 beschlossen: Seit diesem Zeitpunkt basieren die Atommassen nicht länger auf Sauerstoff, sondern auf Kohlenstoff. Chemiker hatten bis dahin dem natürlichen Isotopengemisch des Sauerstoffs den Wert 16 zugeordnet, während Physiker die Atommassen auf das Isotop 16O bezogen hatten. Als Gründe für die Entscheidung der IUPAP nennt H. Remy in seinem Beitrag „Die neue Atomgewichtstabelle” im zweiten Heft des Jahres 1962 den Wunsch nach Vereinheitlichung der von Physikern und Chemikern verwendeten Atommassen – und damit auch anderer grundlegender physikochemischer Konstanten wie der allgemeinen Gaskonstante und der Avogadroschen Zahl – sowie die Möglichkeit, „grundsätzlich die Atomgewichte experimentell mit viel größerer Genauigkeit zu ermitteln, als wenn man die Basis O=16 beibehalten hätte”.

    E. Vogel berichtet, dass durch Umlagerung von 2-Vinylcyclopropancarbonsäureazid 1-Azacyclohepta-4,6-dien-2-on als eines von zwei Produkten erhalten wurde und kündigt an, aus diesem das bis dato unbekannte Azepin herstellen zu wollen. Offenbar war dies nicht von Erfolg gekrönt – erst 1963 sollte Hafner die Synthese des ersten monocyclischen, 1-substituierten 1H-Azepins in Form des N-Ethoxycarbonylderivats durch eine Buchner-analoge Ringerweiterung von Benzol mit Azidoameisensäureester gelingen. Noch viel später, 1980, veröffentlichte wiederum Vogel die NMR-spektroskopische und chemische Charakterisierung von 1H-Azepin in der Angewandten Chemie.

    Zwei große Namen sollen noch erwähnt werden: G. Wittig liefert als Erweiterung seiner Arbeiten zur Phosphoransynthese einen kurzen Beitrag über Pentaarylderivate von P, As, Sb und Bi. Und last but not least stellt E. O. Fischer mit dem [Re(CO]4(C2H4)2]+-Kation den ersten Ethylen-π-Komplex des Rheniums – und zugleich den ersten stabilen Dieethylenmetallkomplex insgesamt – vor.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1962

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 02, 298

    Das Jahr 1912 markiert den 25. Jahrestag der Gründung des Vereins deutscher Chemiker. Anlässlich dieses Ereignisses wurde eine Jubiläumsstiftung ins Leben gerufen, die zum einen der Verbesserung der Zeitschrift dient: Die Fortschrittsberichte (heute: Aufsätze) und das Zentralblatt für technische Chemie sollen die „Übersichtlichkeit der chemisch-technischen Literatur vermehren.” Der Vorsitzende des Vereins C. Duisberg macht löblicherweise selbst den Anfang und publiziert seinen Festvortrag im Deutschen Museum (München) über Wissenschaft und Technik in der chemischen Industrie mit besonderer Berücksichtigung der Teerfarben-Industrie. Zum anderen soll die Stiftung junge Chemiker auf Studienreisen unterstützen.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1912

    Die Gewinnung von Vanadium ist das Thema des Aufsatzes von O. Ruff und W. Martin (TH Danzig; dabei handelt es sich nicht um den Erfinder des Siemens-Martin-Ofens zur Stahlerzeugung). Auch heute noch wird V2O5 mit Kohlenstoff oder Aluminium reduziert, aber auch mit Calcium. Bis zur Entwicklung des Van-Arkel-de-Boer-Verfahrens zur Reinstdarstellung sollten noch 12 Jahre vergehen. A. Thiel schließt seinen Beitrag über die Verwendung des Edison-Akkumulators in der Elektroanalyse mit den Worten: „Auch dieses Gebiet [der Elektrolyse ammoniakalischer Silberlösungen] behalte ich mir vor.” Deutlicher geht es kaum.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1912

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2012, 124, No. 01, 22

    Vor 50 Jahren war es so weit: Das erste Heft der International Edition der Angewandten Chemie erschien! Der allererste Beitrag war ein Aufsatz über selbstreplizierende Systeme von Gerhard Schramm und Mitarbeitern. Schramm, bekannt u.a. für seine Arbeiten zum Tabakmosaikvirus, war damals Direktor des Max-Planck-Instituts für Virusforschung (heute MPI für Entwicklungsbiologie) in Tübingen. Sein Aufsatz erschien erst in Heft 2 der deutschen Ausgabe – überhaupt gab es anfangs bei den Inhalten der deutschen und der internationalen Ausgabe erhebliche Diskrepanzen, und sie unterschieden sich auch im Umfang; die internationale Ausgabe umfasste im ersten Jahrgang nur 12 statt 24 Hefte.

    Ebenfalls heute noch hochaktuelle Themen werden in den nächsten beiden Aufsätzen in Heft 1 (und zwar in beiden Ausgaben) diskutiert: Ugi berichtet über Mehrkomponentenreaktionen, Harteck und Reeves über chemische Reaktionen in der Atmosphäre – diese „lassen sich mit Hilfe von Raketen direkt untersuchen oder im Laboratorium simulieren.”

    Im Zuschriftenteil treten einige Autoren hervor, die noch viele weitere Beiträge in der Angewandten Chemie publizieren sollten, z.B. Huisgen (hier mit mehreren Arbeiten über Sydnone vertreten), Hünig und Quast (Cyaninfarbstoffe) sowie Bernt Krebs, der, damals noch cand. chem. bei Gattow, Synthese und Eigenschaften von Trithiokohlensäure beschreibt.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1962

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