Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 126 Issue 49

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Vor 50 oder 100 Jahren

Zukunft braucht Herkunft – die Angewandte Chemie wird seit 1888 publiziert, und 2011 gibt es auch die International Edition schon 50 Jahre. Ein Blick zurück kann Augen öfnen, zum Nachdenken und -lesen anregen oder ein Schmunzeln hervorlocken: Deshalb finden Sie an dieser Stelle wöhentlich Kurzrückblicke, die abwechselnd auf Hefte von vor 100 und vor 50 Jahren schauen.

Archiv: 2012 | 2011 | 2010

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 52, 14094

    Die Spiritusgewinnung aus Holz ist das Thema eines kurzen Aufsatzes von R. von Demuth, speziell nach dem „amerikanischen Verfahren”, das die Firma Du Pont seit 1910 in Georgetown praktizierte. Besonders stark cellulosehaltige Nadelholzspäne, ein Abfallprodukt aus umliegenden Sägewerken, werden in Digestoren – das sind rotierende Kochapparate – mit verdünnter Schwefelsäure aufgeschlossen; anschließend wird mit Hefe fermentiert und destilliert. Ein liebevoll von Hand gezeichnetes Anlagenschema und zwei nachbearbeitete Photographien des Standorts runden die Beschreibung ab. Diese spezielle Anlage konnte sich zwar aufgrund von Nachschubproblemen nur wenige Jahre halten, das Unternehmen produziert mit seiner Abteilung „Du Pont Biofuels Solutions” aber auch heute noch (oder wieder?) Ethanol aus Cellulose - für einen aufstrebenden Biotreibstoff-Markt.

    Lesen Sie mehr in Heft 101/1913

    „Gasglühlicht, seltene Erden und ihre radioaktiven Nebenprodukte” – der Titel eines Aufsatzes von E. Stern im letzten, dem 103.(!) Angewandte-Chemie-Heft des Jahres 1913 – klingt ein wenig zusammengewürfelt, die Zusammenhänge werden jedoch evident: Thoriumoxid, dotiert mit 1% Ceroxid, ist das strahlende Material in den Glühstrümpfen von Gaslaternen. Nach einer Analyse der optischen Eigenschaften und einem Vergleich verschiedener textiler Trägermaterialien für das Oxidgemisch geht der Autor auf die Frage ein, wie der steigende Thoriumoxid-Bedarf gedeckt wird: Als einzige mineralische Quelle gibt er Monazit an, das 5% Thoriumoxid enthält und vor allem in Brasilien als Monazitsand gefördert wird. Unabhängig von diesem Verwendungszweck ist Thorium ein schwach radioaktives Element, was in jenen Tagen allein schon ein Grund für ein genaueres Studium war. Auch heute ist Thorium wieder im Gespräch, diesmal selbst als Energieträger – als alternativer Kernbrennstoff.

    Lesen Sie mehr in Heft 103/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 51, 13742

    Ein zerstörter Abzug und pulverisierte Reaktionskolben und Rührer, von denen nicht einmal mehr Splitter auffindbar waren – das waren die Ergebnisse einer Untersuchung von H. Reinheckel zur Verwendbarkeit von niederen Halogenkohlenwasserstoffen als Lösungsmittel für Reaktionen mit aluminiumorganischen Verbindungen. Während ein unter Eiskühlung bereitetes Gemisch aus Al2Cl3(C2H5)3 und CCl4 bei Erwärmung auf Raumtemperatur unter vorheriger Dunkelfärbung mäßig explosiv reagierte, führte ein Gemisch aus Al(C2H5)3 und CCl4 noch vor Erreichen der Raumtemperatur und ohne vorherige Verfärbung zur oben erwähnten heftigen Explosion.

    Im gleichen Heft berichtete der an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (Berlin-Adlershof, damalige DDR) forschende Reinheckel von der reduzierenden Wirkung von Al(C2H5)3 auf halogenierte Kohlenwasserstoffe. Hierdurch war es möglich, CH2Cl2 in CH3Cl, CHCl3 in CH2Cl2 und CH3Cl und selbst CCl4 bei ausreichender Verdünnung (wegen Explosionsgefahr) in die drei niederen Halogenmethane umzusetzen.

    In der mit Abstand meistzitierten Zuschrift dieses Heftes berichteten H.-W. Wanzlick et al. über energiearme Carbene (siehe z. B. auch einen Essay von Wolfgang Kirmse über die Anfänge der N-heterocyclischen Carbene, Angew. Chem. 2010, 122, 8980). Darüber hinaus bietet Heft 24/1963 einen Aufsatz über Isothiazole und einen weiteren über Nachbargruppen- und Substituenten-Effekte bei organischen Schwefelverbindungen.

    Lesen Sie mehr in Heft 24/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 50, 13368

    Die Mutter aller Ether? Ein früher Beitrag aus dem Gebiet der physikalisch-organischen Chemie findet sich in Heft 97/1913. Es wird in klassischer Weise versucht, physikalische Eigenschaften des Wassers wie Dichte, Siedepunkt und Reaktionswärme in Abhängigkeit vom Molekulargewicht in die Reihe der Alkohole und Ether einzusortieren. Da das Konzept der Wasserstoffbrücke und ihre Auswirkung auf die Wasserstruktur damals noch nicht bekannt war, bereitet die Deutung der Diagramme dem Autor einige Mühe. Dennoch kommt er zu dem Schluss, dass „das Wasser also ... nicht die Schwester, sondern die Mutter aller Alkohole ist, und wenn Sie wollen, wäre das Wasser dann in demselben Sinne die Großmutter der Äther.

    Lesen Sie mehr in Heft 97/1913

    Heft 99/2013 widmet sich ausschließlich der 26. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker. Aus eigener Sicht spannend ist der Bericht zur „Vereinszeitschrift”, der Angewandten Chemie also. Es wird vermeldet, dass der Seitenumfang gegenüber dem Vorjahr um 10 % auf knapp 3000 Seiten gestiegen ist, „die Redaktion aber trotz dieser Mehrbeanspruchung fast das ganze Jahr hindurch mit noch nie dagewesenem Platzmangel zu kämpfen hatte.” Auch wenn sich das Profil der Angewandten in den vergangenen hundert Jahren drastisch gewandelt hat, ein Überangebot an Manuskripten ist geblieben.

    Lesen Sie mehr in Heft 99/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 49, 12999

    Fluorverbindungen dienten schon vor hundert Jahren als Holzschutzmittel, wie der Beitrag von Robert Nowotny belegt, der die Wirksamkeit von Fluoriden mit der von Kupfervitriol vergleicht. Sein Ergebnis: Die Fluoride sind vor allem für Hochbauten und das Bergwesen geeignet, und es brauchen keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen zu werden. Das ist bei den heutigen fluorhaltigen Holzschutzmitteln anders, für die es immer heißt: nicht geeignet für Holzbauteile, die häufig in direkten Hautkontakt mit Mensch und Tier kommen können.

    Lesen Sie mehr in Heft 93/1913

    Was haben wir Chemiker in Amerika gelernt? Auf diese Frage versucht B. Rassow, ein früherer Chefredakteur, in seinem Bericht über den Besuch des 8. Internationalen Kongresses im Jahr 1912 eine Antwort zu geben – eine in vielerlei Hinsicht aufschlussreiche Lektüre.

    Etwa gleich lang ist der Beitrag von P. Bauer über „die Bedeutung des physiologisch gebildeten Chemikers für die moderne Entwicklung des deutschen Braugewerbes”, in dem er die Entwicklung von der rein empirischen Brautätigkeit hin zu einer wissenschaftlich fundierten Vorgehensweise erläutert.

    Lesen Sie mehr in Heft 95/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 47, 12432

    Ein Viertel der deutschen Steinkohlenproduktion von 1912, so betont Bergrat Knochenhauer aus Kattowitz auf der Hauptversammlung des Vereins Deutscher Chemiker 1913 in Breslau, stammt aus Schlesien, v. a. Oberschlesien. Die Gesamtproduktion lag damals bei 177 Millionen Tonnen, das Deutsche Reich damit an dritter Stelle in der Welt. 1970 produzierte die Bundesrepublik rund 110 Mt (also fast so viel wie 1912 ohne den schlesischen Anteil), 2009 waren es nur noch 15 Mt.

    Lesen Sie mehr in Heft 89/1913

    Am 31. Oktober 1913 wurde das Liebig-Denkmal auf dem Luisenplatz in Darmstadt enthüllt. Die Ansprache hielt Medizinalrat Dr. Merck in Anwesenheit des Großherzogs und von Nachkommen Liebigs. „Das Denkmal zerfällt in seinem Aufbau in eine Standplatte, in einen unteren Sockel, in ein Mittel- und Hauptstück und in die Bekrönungsfigur.” Es steht noch heute.

    Lesen Sie mehr in Heft 90/1913

    Schon 1913 bot die Angewandte Chemie einem breiten Spektrum von Lesern etwas: über Fettsäureester der Hydrocellulose und ihre Verseifung, über den Säuregehalt von Mehl, Grieß und Brot, über Kaliabwässer und über die Nichtigkeit von Patenten (von einem Rechtsanwalt!). Zuletzt wird eine Vorlage insbesondere für die Ammoniakdestillation bei Stickstoffbestimmungen vorgestellt.

    Lesen Sie mehr in Heft 91/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 46, 12178

    Dem frischgebackenen Nobelpreisträger Karl Ziegler – der übrigens auch einer der Gründer sowie der erste Präsident der GDCh war – wird zum 65. Geburtstag ein Heft gewidmet. Eröffnet wird der Reigen der Übersichtsartikel in diesem Heft von einem Beitrag von Zieglers Schüler Klaus Hafner, selbst einer der Großen der Chemie in Deutschland. Sein Fachgebiet sind konjugierte π-Elekronensysteme, und dementsprechend behandelt sein Artikel die Eigenschaften von nichtbenzoiden cyclisch konjugierten Systemen wie Azulen oder auch von Antiaromaten wie Pentalen und Heptalen.

    Auch ein Bezug zu der mit dem Nobelpreis gewürdigten Ziegler-Natta-Polymerisation fehlt nicht: Ein Übersichtsartikel von Mitarbeitern der damaligen Farbwerke Hoechst beleuchtet die Vorgänge bei der Reaktion von Olefinen mit der Titan-Kohlenstoff-Bindung unter Bildung von Oligomeren. Der Beitrag enthält ein detailliertes Schaubild aller möglichen Reaktionen von Ethen mit dem Titanzentrum. Weitere Beiträge, wie der über die Komplexbildung aluminiumorganischer Verbindungen, stammen von Mitarbeitern des MPI für Kohlenforschung in Mülheim, dessen Direktor Ziegler von 1943 bis 1969 war.

    Breiten Raum nimmt in diesem Heft ein Artikel über die Jahreshauptversammlung der GDCh ein, und zwar in Form eines über 30 Seiten langen Versammlungsberichts, der eher einem „Book of Abstracts” gleicht. Entsprechende umfassende Berichte über GDCh-Hauptversammlungen gab es in der Angewandten Chemie übrigens wohl bis 1971.

    Lesen Sie mehr in Heft 22/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 45, 11898

    Eine kurze Übersicht zu ätherischen Ölen liefert die Angewandte Chemie am 24. Oktober 1913. Während Campher-, Minz- und Terpentinöl – nur um einige Beispiele zu nennen – aus natürlichen Extrakten im Großmaßstab weltweit gehandelt werden, rätselt man immer noch über die Strukturen und chemischen Reaktionen mancher ihrer Inhaltsstoffe; und so bildet eine Zusammenfassung der jüngsten wissenschaftlichen Mitteilungen zu Terpenkörpern den Mittelpunkt des Beitrags von A. Leclaire.

    Lesen Sie mehr in Heft 85/1913

    „In den grünen Pflanzen geschieht durch die Wirkung des Chlorophylls die unermeßliche Produktion organischer Materie.” Mit diesem Satz beginnt Richard Willstätter seinen Vortrag über das Chlorophyll, der im letzten Oktoberheft der Angewandten Chemie 1913 abgedruckt wurde. Es folgt eine Beschreibung älterer Ergebnisse zu den optischen und (bio)chemischen Eigenheiten des Blattfarbstoffs, und bald darauf ist seine Kernstruktur als ein Ätioporphyrin identifiziert, das ein Magnesiumion über vier Stickstoffatome bindet. Die Konstitutionsbestimmung bereitet allerdings noch Probleme: Für das Ätioporphyrin wird – „mit einiger Wahrscheinlichkeit” – eine offene Bis(dipyrrolomethin)-Dimerstruktur angenommen, und nicht das heute so vertraute makrocyclische Porphyrinsystem.

    Unter anderem für seine bahnbrechenden Studien zum Chlorophyll erhielt Willstätter im Jahr 1915 den Nobel-Preis für Chemie.

    Lesen Sie mehr in Heft 87/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 44, 11654

    Heft 21/1963 beginnt mit einem Aufsatz über Pteridine von Wolfgang Pfleiderer, der sich in weit mehr als 100 Publikationen, darunter mehrere in der Angewandten Chemie, mit diesem heterocyclischen System beschäftigt hat. Richard Kuhn, Chemienobelpreisträger von 1938 und vor 50 Jahren Direktor des Max-Planck-Instituts für Medizinische Forschung in Heidelberg, ist Coautor eines weiteren Aufsatzes, der die Permethylierung von oligo- und polymeren Kohlenhydraten behandelt.

    Im Zuschriftenteil wird erstmals die Chemie von Selentrioxid in Lösung beschrieben. Mit der „Zusammensetzung der aus Wolframbromid und Lithiumphenyl entstehenden metallorganischen Verbindung des Wolframs” setzt sich eine andere Zuschrift auseinander, die heute, wenn überhaupt, in der Rubrik Korrespondenz erscheinen würde, da lediglich Ergebnisse einer vier Jahre zuvor in der Angewandten Chemie erschienenen Arbeit korrigiert werden.

    In der Rundschau wird die erste Synthese von Cyclotriveratrylen (publiziert von A. S. Lindsey in Chemistry & Industry) erwähnt, das später zu einem beliebten Molekül der Wirt-Gast-Chemie wurde. Auf seine Rezeptoreigenschaften wird hier jedoch nicht eingegangen, vielmehr wird es als substituiertes Cyclononatrien beschrieben und sein „völlig neuartiges C-Ringsystem” in den Vordergrund gestellt.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 43, 11398

    Eine der bis heute wichtigsten Grundchemikalien, das Ammoniumsulfat oder „schwefelsaurer Ammoniak”, ist Thema eines Aufsatzes in Heft 81/1913. Zwei industrielle Verfahren werden verglichen und bewertet, die sich vor allem in den Prozesswärmeströmen der Anlage unterscheiden, aber ansonsten beide auf der gleichen chemischen Umsetzung von Ammoniak, Kohlendioxid, Wasser und Gips beruhen. In einem weiteren Beitrag geht es um die damals umstrittene Frage der Bleikorrosion („Bleifraß”) durch Kalkmörtel. Als eine mögliche Ursache wurde die Einwirkung von Kalkperoxid auf Blei postuliert, was vom Autor aber energisch widerlegt wird.

    Lesen Sie mehr in Heft 81/1913

    Heft 83/1913 enthält einen frühen, lesenswerten Aufsatz zu dem bis heute aktuellen Thema der Stickstoffassimilation. Neben diversen Photolysereaktionen des Nitrats, Nitrits und Ammoniaks findet sich die originelle, wenn auch unrichtige Hypothese, dass die vermehrte Bildung von NO-Gas in höheren Luftschichten die Ursache der Höhenkrankheit ist. Weitere Beiträge behandeln – in sehr typischer Weise für die damalige Angewandte – Themen der chemischen Analytik (Titanbestimmung, Glasgeräte).

    Lesen Sie mehr in Heft 83/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 41, 10874

    Der Göttinger Chemiker Hans Brockmann, dem Heft 20/1963 der Angewandten Chemie gewidmet ist, wurde vor allem für seine Forschungen auf dem Gebiet der Antibiotika bekannt. Hierzu gehörten u.a. die Strukturaufklärung und Synthese der Actinomycine, die in der Angewandten in zahlreichen Beiträgen diskutiert wurden (siehe z. B. Angew. Chem. 1998, 110, 2482).

    Hans Musso berichtet in seinem Aufsatz von der Oxidation von Phenolen zur Knüpfung von C-C- und C-O-Bindungen und zum Aufbau von Biarylen. Musso nutzte diese radikalische Methode u.a. zum Aufbau von Derivaten des Orceins, einem Farbstoffgemisch, das ähnlich wie Lackmus als pH-Indikator dienen kann (Angew. Chem. 1961, 73, 665). Oxidative Kupplungen haben natürlich auch heute noch eine große Bedeutung in der organischen Synthese (siehe z. B. Angew. Chem. 2013, 125, 5852).

    Einer der Vorläufer der Mukaiyama-Aldolreaktion, deren Erfolgsgeschichte erst kürzlich in einem Sonderheft der Angewandten gewürdigt wurde (Heft 35/2013), ist die von Georg Wittig et al. in Heft 20/1963 beschriebene Lithiumenolat-basierte Methode für die gerichtete gekreuzte Aldolreaktion. Diese Methode war bereits regioselektiv und vermied die Selbstkupplung und Polymerisation der Ausgangsverbindungen, erforderte allerdings stark basische Reaktionsbedingungen und die Einführung und Entfernung einer Iminogruppe unter sauren Bedingungen.

    Emanuel Vogel, dessen Zuschrift von der Herstellung von 1.2.3.4-Dibenzo-cyclooctatetraens handelt, hat viele Jahre in der Angewandten publiziert und ist den Redakteuren in besonderer Erinnerung geblieben. So brachte er beispielsweise so manchen Beitrag persönlich in der Redaktion in Weinheim vorbei, meist in Begleitung seines Koffers mit Farbstoffproben. Seinen Nachruf finden Sie in Heft 30/2011.

    Lesen Sie mehr in Heft 20/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 39, 10330

    Das Heft ist dem Biochemiker Otto Warburg zum 80. Geburtstag gewidmet, der 1931 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin für die Entdeckung des Atmungsferments erhielt. Der Aufsatz „Gleichgewicht und Ungleichgewicht im System der Glykolyse” ist von Theodor Bücher, einem Schüler Warburgs. Zusammen mit W. Rüssmann diskutiert er „die Beziehung zwischen der Stromstärke im Netz des energieliefernden Stoffwechsels und der Ablenkung seiner Glieder aus dem Gleichgewicht”. Im Aufsatz „Nicht-hormonale Kontrolle des Glucosestoffwechsels in normalen und malignen Geweben” legt Heinz Tiedemann, der bei Warburg promovierte, den Schwerpunkt auf „die Steuerung durch die Hexokinase- und Phosphofructokinase-Rekation”.

    Aus seiner Zeit bei Bayer in Leverkusen stammt die Zuschrift von Ivar Ugi und K. Offermann, die die „Asymmetrische 1,3-Induktion bei der α-Addition von Immonium-Ionen und Carboxylat-Anionen an Isonitrile” beschreiben. Ugi ist u. a. bekannt für die nach ihm benannte Vierkomponentenkondensation von Carbonylverbindung, Amin, Isonitril und Carbonsäure und deren Anwendungen in der kombinatorischen Chemie.

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 37, 9778

    Ein Sonderheft ist dem 60. Geburtstag des bedeutenden Chemie-Managers und damaligen Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG Karl Winnacker gewidmet, und einige Übersichtsartikel und Zuschriften wurden dementsprechend von den Farbwerken Hoechst beigesteuert, u. a. über das Dimethylketenacetal der Dimethylmalonsäure als leichter handhabbare Alternative zum freien Keten in der chemischen Synthese, über Phenylnatrium zur Übertragung von Natrium auf organische Verbindungen mit acidem Wasserstoff und als Reagens zur Abspaltung von Cyangruppen oder auch über das Verhalten der Katalysatorkomponente Ethylethoxyaluminiumchlorid, die dazu neigt, Dimere und Trimere zu bilden.

    Im Zuschriftenteil berichtet Alfred Rieche über die Gasphasensynthese von Toluol aus Benzol und Methan in Gegenwart von H2 – aber auch allein aus Benzol und H2 in immerhin 7 % Ausbeute – an NiO-Al2O3 bei Normaldruck, und Heinrich Nöth ist es gelungen, die ersten Verbindungen mit stabiler σ-Bor-Metall-Bindung herzustellen, indem er Aminoborane mit NaMn(CO)5 umsetzte. Der Gedanke dahinter war, dass die Bindungsverhältnisse von Aminoboranen denen in Vinylverbindungen gleichen, von denen bereits bekannt war, dass sie Vinyl-Metall-Bindungen bilden können. Die Strategie erwies sich in der Tat als erfolgreich, und Nöth erhielt u. a. das Addukt (Me2N)2B-Mn(CO)5 als kristallines Produkt, das sich erst bei 60 °C zersetzt. Im Anschluss gelang auch die Herstellung von Verbindungen ohne Me2N-Gruppe.

    Lesen Sie mehr in Heft 18/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 36, 9516

    Als diskriminierend empfindet W. Guertler das bestehende Patentrecht zu Legierungen: Er mahnt „die allereklatantesten Rechtsunsicherheiten” an, die sich aus der unterschiedlichen Patentfähigkeit von Legierungen als Produkte physikalischer und chemischer Prozesse ergeben. Warum dieser Zustand unhaltbar ist – und die Unterscheidung zwischen den beiden Prozessarten unbedingt aufzuheben ist – erklärt er in seinem Vortrag anhand verschiedener Beispiele, die mit Photographien der Legierungsphasen illustriert sind.

    Lesen Sie mehr in Heft 69/1913

    „Die chemische Zusammensetzung von harzartigen Phenolkondensationsprodukten – unter diesem Titel stellt Leo Hendrik Baekeland, der „Vater” des Kunststoffs Bakelit und Empfänger der Willard-Gibbs-Medaille, in seinem Preisvortrag die Polykondensation von Phenol und Formaldehyd vor einen theoretischen Hintergrund. Während die Konstitutionsaufklärung der Polykondensate noch problematisch war, wird über ihre Zusammensetzung auf molekularer Ebene spekuliert – für die harzartigen Saliretine (oder Novolakharze) ebenso wie für die unschmelzbaren und unlöslichen harten Kondensationsprodukte, zu denen auch Bakelit zählt.

    Lesen Sie mehr in Heft 71/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 35, 9238

    Dieses Heft ist Adolf Butenandt anlässlich seines 60. Geburtstages gewidmet; er hatte 1939 den Chemie-Nobelpreis für seine Arbeiten über Sexualhormone erhalten und war damals Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Entsprechend handelt der erste Übersichtsartikel auch von Hormonchemie – P. Karlson befasst sich mit der Frage, welche Hormone die Entwicklung und das Verhalten von Insekten steuern. Wichtige Insektenhormone sind dem Artikel zufolge das Juvenilhormon und Ecdyson, die gemeinsam Häutungsvorgänge steuern.

    Der Industriechemiker Herbert Lindlar (der Erfinder des Lindlar-Katalysators) rät zur Vorsicht bei der Vernichtung von Dimethylsulfatabfällen mit Ammoniak. „Durch eine Fehlmanipulation” wurden größere Mengen beider Substanzen in unverdünnter Form zusammengebracht, und dadurch „trat eine äußerst heftige Reaktion ein, die den Kolben zertrümmerte” und einen Arbeiter verletzte. „Glücklicherweise geschah der Unfall im Freien, so daß kein größerer Schaden angerichtet wurde”, fährt Lindlar fort – andere Zeiten, andere Sitten. Dimethylsulfat ist als hochgiftig und karzinogen eingestuft und sollte nur in einem geeignet ausgestatteten Labor unter Anwendung besonderer Schutzmaßnahmen gehandhabt werden.

    Unter den namhaften Autoren in diesem Heft (darunter Eschenmoser und Hünig) befindet sich übrigens auch ein Chemiker, der später ebenfalls Präsident der Max-Planck-Gesellschaft werden sollte: der kürzlich verstorbene Heinz Staab, der in diesem Heft über NMR-spektroskopische Untersuchungen von Imidazolen berichtet. Einen Nachruf auf Heinz Staab veröffentlichte die Angewandte Chemie in Heft 50 des Jahres 2012.

    Lesen Sie mehr in Heft 6/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 33, 8650

    Hier liegen die Ursprünge der mit Abstand wichtigsten Klick-Chemie-Reaktion: Rolf Huisgen berichtet über Kinetik und Mechanismus 1,3-dipolarer Cycloadditionen; die (unkatalysierte) Azid-Alkin-Cycloaddition nimmt in diesem Aufsatz allerdings verhältnismäßig wenig Raum ein. Neugierig machen auch die Titel weiterer Aufsätze wie „Ein Geheimnis des chinesischen Porzellans” oder „Abwehrstoffe der Arthropoden, ihre Isolierung und Aufklärung”. Zu den hier behandelten Arthropoden gehören z.B. Bombardierkäfer und Ohrwürmer. Bereits im 18. Jahrhundert beschäftigten sich Naturforscher mit dem Schuss des Bombardierkäfers, doch gelang die Klärung der Frage, ob dieser „mehr physikalisch oder mehr chemisch” sei, erst 1957.

    Mit Oligomeren und Pleionomeren beschäftigt sich ein weiterer Aufsatz; da sich letzterer Begriff nicht durchgesetzt hat, ist es für heutige Leser gewiss hilfreich, im Artikel eine Definition zu finden: „Pleionomere sind also molekulareinheitliche, polymerhomologe Substanzen, die sich in ihren physikalischen Eigenschaften nicht mehr genügend unterscheiden.”

    Unter den Zuschriften finden sich zwei frühe Arbeiten von Hans Bock, denen noch mehr als 100 in der Angewandten Chemie folgen sollten; auch Franz Effenberger und Ralf Steudel (noch als cand. chem.), ebenfalls Angewandte-Autoren über mehr ca. 40 Jahre, sind vertreten.

    Als Zeichen der Zeit ist der Vortrag „Bestimmung von Radioaktivität in Lebensmitteln” in den Versammlungsberichten anzusehen: Vom Fallout, so erfahren wir, ist besonders Blattgemüse betroffen, Kartoffeln und Spargel dagegen weniger, da nur etwa 20% der Kontamination durch Aufnahme aus dem Boden erfolgt.

    Lesen Sie mehr in Heft 16-17/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 31, 8060

    Imene – nie gehört? Heft 15/1963 der Angewandten Chemie enthielt einen großen Aufsatz von Leopold Horner et al. über diese Verbindungsklasse, die heute nur noch als Nitrene bekannt sind. Im gleichen Heft beschrieb Gerhard Schröder die Erstsynthese von Bullvalen, einem Klassiker unter den ungesättigten polycyclischen Kohlenwasserstoffen, durch die Photolyse eines dimeren Cyclooctatetraens unter Abspaltung von Benzol. Seinen Namen verdankt das Molekül dem legendären, verstorbenen William „Bull” von Eggers Doering (Nachruf siehe Angew. Chem. 2011, 123, 2937), dessen Team einige Monate zuvor in der Angewandten Chemie (1963, 75, 27) die Eigenschaften von Bullvalen sowie seine „fluktuierende Struktur” vorhergesagt hatten. Weitere Beispiele für theoretisch interessante Moleküle in der Angewandten Chemie finden Sie im Aufsatz 125 Jahre Chemie im Spiegel der „Angewandten” von François Diederich (Angew. Chem. 2013, 125, 2778).

    Ulrich Schöllkopf et al. berichten in Heft 15/1963 über die Bildung des instabilen Bismethylthiocarbens aus der entsprechenden Diazo-Verbindung und die Isolierung in Form zweier Cyclopropanaddukte. Erst im Jahr 2006 gelangen Peter Schreiner und Mitarbeitern die ersten IR- und UV-spektroskopischen Untersuchungen an isolierten Dithiocarbenen (Angew. Chem. 2006, 118, 4093), deren Stabilität weit geringer ist als die ihrer außergewöhnlich stabilen Stickstoff-Analoga. In Erinnerung ist Schöllkopf heute vor allem für die Entwicklung der Schöllkopf-Methode zur Synthese optisch aktiver Aminosäuren über Bislactimether-Intermediate.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 30, 7778

    Im Sozialen Ausschuß des Vereins deutscher Chemiker wurde ein „Normalvertrag” für die Anstellung von Chemikern diskutiert. Da man sich unter den Bezirksvereinen nicht auf eine gemeinsame Formulierung einigen konnte, wurde der Entwurf zu einer Richtschnur aufgeweicht, die nicht „einfach ausgefüllt und unterzeichnet” werden sollte. Obwohl das Frauenstudium im Deutschen Reich schon (je nach Teilstaat) seit vielen Jahren erlaubt war und z. B. mit Julia Lermontowa (bei A. W. von Hofmann 1874), Margaret Maltby (bei W. Nernst 1895) und Clara Immerwahr (bei R. Abegg 1900) etliche längst promoviert hatten, steht vor allen Lücken, in die die Namen der Angestellten einzutragen sind, das Wort „Herr”.

    Lesen Sie mehr in Heft 57/1913

    „Im Fernen Osten geht Großes vor sich. China, das Riesenreich mit seinen mehr als 400 Mill. Einwohnern ist ‘erwacht’. Neue Bedürfnisse machen sich geltend...”. Nur die Einwohnerzahl verrät, dass dieses Zitat aus einem Beitrag über englischen und deutschen Wettbewerb in China in der Angewandten 1913 erschienen ist und nicht 2013.

    Lesen Sie mehr in Heft 58/1913

    Privat-Dozent Lenhard aus Freiburg stellt einen neuartigen, kombinierten Destillierapparat vor: Je nachdem, ob man ein gerades oder gebogenes Glasrohr als Verbindung zwischen Kolben und Kühler verwendet, lässt er sich zum Durchführen einer Reaktion (ein Tropftrichter ist fest eingebaut) unter Rückfluss und zum umittelbaren Abdestillieren des Lösungsmittels verwenden. Das Umbauen wird durch die Verwendung von Schliffen statt der bis dahin üblichen Korken vereinfacht. Als Bezugsquelle wird eine Berliner Firma genannt, deren reich bebilderter, 800 Seiten starker Katalog aus ungefähr jenen Jahren unter http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/MPIWG:HSENSE9N im Internet zu finden ist.

    Lesen Sie mehr in Heft 59/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 29, 7482

    „Über die Bildung und Spaltung von Dihydroxy-dirarylmethan-Derivaten” berichten H. Schnell und H. Krimm, Forscher der Farbenfabriken Bayer AG. Ein Vertreter dieser Klasse, das 2,2-Bis(p-hydroxyphenyl)propan (Bisphenol A), ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung polymerer Kunststoffe.

    Die Zuschrift von H. W. Heine und A. B. Smith III handelt von der „Isomerisierung von 1,3-Diphenyl-2,2-dichloraziridin”, aus dem nach Kochen in Toluol und anschließender Destillation das entsprechende Imidchlorid entsteht. Auch nach dieser Arbeit, die noch vor Amos Smiths Doktorarbeit entstand, veröffentlichte dieser in der Angewandten, z.B. eine Zuschrift zum Thema Anionen-Relais-Chemie (A. B. Smith III et al., Angew. Chem. 2011, 123, 9066 ff.). 1998 wurde er Chefredakteur der neu gegründeten Zeitschrift Organic Letters.

    Die Versammlungsberichte sind dominiert von Vorträgen bei der Nordwestdeutschen Chemiedozenten-Tagung in Braunschweig am 18. und 19. Mai 1963. An diese Tagung erinnert sich W. Kirmse in einem Essay in der Angewandten zu den Anfängen der N-heterocyclischen Carbene (Angew. Chem. 2010, 122, 8980 ff.). Seinem eigenen Vortrag über das nucleophile Verhalten des Diphenylcarbens wurde mit Vorbehalten begegnet, und H.-W. Wanzlick erntete „heftige Kritik”, als er über „Neue Reaktionen des Bis-[1,3-diphenyl-imidazolidinylidens-(2)]” vortrug. Zu der Zeit war das Fachpublikum von der Vorstellung nucleophiler Carbene noch nicht überzeugt.

    Lesen Sie mehr in Heft 14/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 28, 7198

    Siedeverzüge sind jedem Chemiker aus dem Grundpraktikum in mehr oder weniger unangenehmer Erinnerung. Man schwenkt sein Reagensglas nicht ausreichend über der Bunsenbrennerflamme oder vergisst den Glasstab im Becherglas beim Abdampfen, und – schwupps! – schießt die Analysenlösung in Richtung Abzugdecke. Sein Spezialrezept für die Herstellung eines besonders zuverlässigen Siedestäbchens gibt Dr. E.P. Häussler im ersten Juliheft der Angewandten Chemie 1913 preis: Ein Glasstab wird an einem Ende zur Erweichung erhitzt, und dann wird ein Platindrähtchen eingedrückt, um eine Vertiefung zu schaffen. Dieses einfache Laborgerät bewährt sich auch bei notorisch problematischen Proben.

    Lesen Sie mehr in Heft 53/1913

    Wolfram steht im Mittelpunkt eines Vortrags, der im zweiten Juliheft 2013 abgedruckt ist. Den steigenden Bedarf an hochwertigen Wolframdrähten für Glühlampen nimmt der Autor, Dr. N. L. Müller, zum Anlass für eine Rückschau auf jüngere Entwicklungen in der Verarbeitung des elementaren Metalls. Aufgrund seiner Sprödigkeit und des sehr hohen Schmelzpunkts kann Wolfram nicht einfach wie andere Metalle in Form gewalzt oder gehämmert werden – es sei denn, man verwendet eine spezielle Hämmermaschine nach U.S.-amerikanischem Patent, in der erhitzte und dadurch duktilisierte Wolframstäbe schnell rotiert und zugleich mit beweglichen Hämmern und Backen bearbeitet werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 55/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 27, 6936

    In einem viel zitierten Aufsatz fasst Rolf Huisgen die damaligen Erkenntnisse auf dem Gebiet der 1,3-dipolaren Cycloadditionen zusammen, darunter die Cycloaddition von Aziden mit Alkinen, die heute dank ihrer Einfachheit, Vielseitigkeit und Effizienz breite Verwendung in der Klick-Chemie findet. Schon damals erkannte Huisgen: „Die 1.3-Dipolare Addition ist ungewöhnlich variationsfähig. Das Spektrum der sich hier eröffnenden synthetischen Möglichkeiten dürfte hinter dem der Diels-Alder-Synthese nicht zurückstehen.

    Einen zweiten Schwerpunkt dieses Heftes bilden die Nobelvorträge von Max Perutz und John Kendrew, die zusammen 1962 den Chemie-Nobelpreis für ihre Studien über Strukturen der Globulinproteine erhalten hatten. Perutz und Kendrew war es gelungen, durch den Einbau von Schweratomen die Struktur von Hämoglobin und Myoglobin mithilfe der Einkristall-Röntgenstrukturanalyse – und damit die ersten atomaren Proteinstrukturen – aufzuklären. Kendrew schließt seinen Vortrag mit den Worten: „Die Bestimmung der Struktur von zwei Proteinen ist ein Anfang, nicht das Ende. Wir haben die Küste eines riesigen Kontinents gesichtet, der auf seine Entdeckung wartet.” Heute sind in der Protein Data Bank bereits die Strukturen von knapp 84000 Proteinstrukturen verzeichnet, davon allein 75000 röntgenographisch ermittelte.

    Ausgedehnte Weinprobe: Unter den Versammlungsberichten findet sich ein Vortrag von Hans Rebelein vom Staatlichen Chemischen Untersuchungsamt in Würzburg. Er entwickelte Formeln, nach denen sich die Qualität eines Weines (d.h., ob er nachgezuckert, mit zusätzlichem Alkohol versehen oder gestreckt ist) mathematisch klar nachweisen lässt. Die von ihm gefundenen Gesetzmäßigkeiten konnten bis dato „an ca. 500 naturreinen Weinen der Jahrgänge 1949 bis 1962 [...] bestätigt werden”. Panschern lässt sich so das Handwerk legen. In vino veritas!

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  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 26, 6694

    Beiträge zur Nahrungsmittelchemie nahmen in der Angewandten Chemie einst einen beachtlichen Raum ein, so wie auch in Heft 49 von 1913, wo eine Bestandsaufnahme und Einordnung des Gebiets innerhalb der allgemeinen Chemie gegeben wird. In der heutigen Angewandten ist die Disziplin dagegen deutlich aus dem Fokus geraten. Weitere Beiträge widmen sich der kalorimetrischen Analyse, dem Nachweis von Kalium in Weinsäure und der Bestimmung des Luftgehalts in Kohlensäure.

    Lesen Sie mehr in Heft 49/1913

    Über die Chemie und Technologie des Erdöls berichtet L. Gurwitsch aus St. Petersburg in einem Aufsatz in Heft 51/2013. Neben einer Reihe von Erdölanalysen und chemischen Umwandlungen von Erdölen finden sich Zusammenfassungen neu entwickelter Untersuchungsmethoden und neuer Erdölprodukte. Die Bedeutung der Ergebnisse wird mit Blick auf bestehende Theorien der Erdölbildung kritisch bewertet. Die früher in Russland vertretene Theorie der abiogenen Erdölbildung findet allerdings mit keinem Wort Erwähnung. Was man auch heute noch über die Erdölbildung aus der Synthese von Diamantoiden lernen kann, wurde kürzlich in einer Zuschrift von J. E. P. Dahl et al. erklärt (Angew. Chem. 2010, 122, 10077).

    Lesen Sie mehr in Heft 51/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 24, 6244

    Alchemie in der Angewandten? George Jaffé befasst sich in seinem Referat „Zur Frage der Umwandlung von Elementen” mit der Behauptung von William Ramsay, dass beim Zerfall von Radon in Gegenwart von Wasser Neon entstünde. Er beschreibt auch dessen Versuche mit Kathodenstrahlung und schließt mit der Feststellung: „Die weitere Forschung wird zeigen müssen, ... bevor man an eine willkürliche Atomumwandlung wird endgültig glauben können.”

    Bereits elf Jahre nach ihrer Gründung hatte die französische Firma Air Liquide Tochtergesellschaften in vielen Ländern. In Deutschland beispielsweise war die Chemische Fabrik Griesheim Elektron Konzessionärin, wie aus einer Meldung unter „Aus Handel und Industrie des Auslandes” hervorgeht. Heute findet man Air Liquide in 80 Ländern der Welt.

    Lesen Sie mehr in Heft 45/1913

    Die Suche nach den Gründen dafür, dass es in einem Stahl- und Eisenwerk in Österreich beim Granulieren von Aluminium zu einer Explosion mit zwei Toten gekommen ist, wird von M. Bamberger und H. von Jüptner ausführlich beschrieben. Ihr Ergebnis: Es muss sich um eine Wasserdampfexplosion gehandelt haben, ausgelöst dadurch, dass zu große Mengen an geschmolzenem Aluminium auf einmal in das Kühlwasser gelangten. Allerdings konnten sie mit ihren Untersuchungen nicht alle Fragen abschließend beantworten.

    Lesen Sie mehr in Heft 47/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 23, 6016

    Im Aufsatz „Der Mößbauer-Effekt und seine Bedeutung für die Chemie” erläutern E. Fluck et al. die Grundlagen des von R. L. Mößbauer entdeckten Effektes und dessen Anwendungen. Der Nutzen der damals noch jungen Mößbauer-Spektroskopie wird am Beispiel von Eisenverbindungen verdeutlicht, deren Strukturen und Bindungszustände analysiert werden können. Heute werden mithilfe der Mößbauer-Spektroskopie auch Metalloenzyme untersucht, wie z. B. das Enzym LytB, das einen [4Fe-4S]-Cluster enthält (M. Seemann et al., Angew. Chem. 2011, 123, 12182 ff.).

    H. J. Bestmann und F. Seng berichten in ihrer Zuschrift von der „Umsetzung von Phosphinalkylenen mit Schiffschen Basen”. H. J. Bestmann beschäftigte sich nicht nur mit der Entwicklung von Synthesemethoden mit phosphororganischen Reagentien, sondern auch mit Pheromonen, wie z. B. mit der Biosynthese von Ameisenspurpheromonen (Angew. Chem. 1997, 109, 391 ff.) .

    In der Besprechung des Klassikers „Die Natur der chemischen Bindung” von L. Pauling beklagt E. Thilo, „daß viele wichtige, in deutscher Sprache publizierte, neue Ergebnisse der Forschung ... praktisch überhaupt nicht in den Kreis der Betrachtungen mit einbezogen sind”. Diese Bemerkung veranschaulicht die damals zunehmende Bedeutung der englischen Sprache in den Naturwissenschaften – eine Entwicklung, der die Redaktion der Angewandten mit der Herausgabe der „International Edition” im Jahr zuvor Rechnung trug.

    Lesen Sie mehr in Heft 11/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 22, 5778

    In einem ungewöhnlich langen Aufsatz beschreibt Ferdinand Henrich (Erlangen) neueste Arbeiten auf dem Gebiet der Radioaktivität 1911/12, die damals in der Pionierphase steckte: Marie Curie hatte ihren zweiten Nobelpreis erhalten (für die Entdeckung des Radiums und Poloniums), die Einheit der Radioaktivität (Zerfälle pro Sekunde, SI: Becquerel) wurde aufgrund der Aktivität von Radium definiert und nach ihr benannt. Weitere Beiträge u. a. von Rutherford, Geiger, Hahn, Meitner und Gray werden diskutiert: Wilson beschrieb die Nebelkammer; von Strutt stammt ein Verfahren zur Altersbestimmung von uranhaltigen Mineralien. Über Nutzen und Risiken der Radioaktivität scheint man sich damals noch keine Gedanken gemacht zu haben.

    Lesen Sie mehr in Heft 41/1913

    Heinrich Franck fasste für den Berliner Ortsverein den Stand der Forschung in der Reduktions- und Oxidationskatalyse zusammen. Breiten Raum nehmen die Ammoniaksynthese von Haber et al. und die Hydrierungen von Doppelbindungen in organischen Verbindungen ein. Die Arbeiten von Willstätter, Paal, Wallach, Sabatier und anderen – Oxidationen durch Osmiumtetraoxid (K. A. Hoffmann) -- werden nur ganz kurz erwähnt. Franck (1888–1961) erhielt später Positionen in Hochschule und Industrie, 1937 wurde ihm eine Professur an der TH Berlin aberkannt, weil er SPD-Mitglied und mit einer Jüdin verheiratet war. Nach dem Krieg war er zunächst wieder an der TU Berlin tätig, trat 1946 in die SED ein und ging 1949 an die Humboldt-Universität; später fungierte er in der DDR als Technikkammer-Präsident und Volkskammerabgeordneter.

    In der Rubrik „Bücherbesprechungen” wird ausführlich die 3. Auflage von „Mercks Reagenzienverzeichnis” vorgestellt. Damals umfasste das Werk rund 5000 Reaktionen und Reagenzien; 2013 erscheint die 15. Auflage des „Merck Index” zeitgemäß auch auf CD und als Datenbank im Internet mit 18 000 Verbindungen bei der Royal Society of Chemistry.

    Lesen Sie mehr in Heft 43/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 21, 5534

    Eine Jahrhundertentdeckung: 1953 veröffentlichten die beiden Biochemiker Francis Crick und James Watson in Nature ihre revolutionäre Arbeit über die Struktur der DNA, aufbauend auf Adenin-Thymin- und Guanin-Cytosin-Basenpaaren (Watson-Crick-Basenpaare). Dafür wurden sie 1962 mit dem Nobelpreis für Medizin oder Physiologie bedacht. Es gab mit Maurice Wilkins aber noch einen Dritten im Bunde, der ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde und dessen röntgenkristallographische Untersuchungen (zusammen mit denen der früh verstorbenen Rosalind Franklin) entscheidend zur Aufdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA beigetragen hatten.

    Bereits vor 50 Jahren wurden in der Angewandten Chemie Nobelvorträge veröffentlicht. Während sich Wilkins in seinem Vortrag ganz auf die Strukturen von DNA und RNA konzentriert, befasst sich Crick mit der Aufgabe der DNA als Speicher für genetische Information – den genetischen Code. Für ein Basentriplett, das für eine bestimmte Aminosäure codiert, führt er den Begriff „Codon” ein. Watsons Vortrag schließlich handelt von der Übersetzung dieser Information in funktionale Proteine mithilfe der messenger-RNA und der Ribosomen. Einige grundlegende Erkenntnisse zu diesem Prozess waren schon damals vorhanden :„[...] die Proteinsynthese bedarf der geordneten Wechselwirkung zwischen drei RNS-Arten: der Ribosomen-RNS, der löslichen RNS [heute würde man transfer-RNA sagen] und der messenger-RNS”. Bis zur röntgenkristallographischen Aufklärung eines Ribosoms im Komplex mit messenger- und transfer-RNA sollte es aber bis ins neue Jahrtausend dauern.

    Und last but not least, von der Biochemie zur reinen Anorganik: Die erste Herstellung von elementarem, metallischem Promethium ist zu vermelden. F. Weigel gelang dieses Kunststück durch Reduktion einer PmF3-Pastille mit Lithium in einem Tantaltiegel unter Hochvakuum. Wegen der hohen Radioaktivität dieses Elements musste dabei in einer Spezial-Glovebox für Hochvakuum gearbeitet werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 10/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 20, 5308

    Jeder Käse ist heute mit einer Angabe seines Fettgehalts in der Trockenmasse (% Fett i. Tr.) versehen. Diese Form der Beschreibung, welche sich vor etwa hundert Jahren durchsetzte, nimmt der Kgl. Oberstabsapotheker Utz zum Anlass für einen Vortrag über Bestimmungsmethoden des Wassergehalts in verschiedenen Käsesorten. In vielen vorgeschlagenen Verfahren wird der Käse mit gereinigtem Seesand verrieben und mehrere Stunden auf 100 °C oder knapp darüber erhitzt; bei Proben wie „Romatourkäse, ca. 40%” oder „Limburger, 6–8 Wochen alt” wünscht man dem Experimentator auf jeden Fall einen gut funktionierenden Abzug.

    Lesen Sie mehr in Heft 37/1913

    Rubriken in Hülle und Fülle zeichnen die Angewandte Chemie seit jeher aus, selten geworden sind jedoch Beiträge unter der Überschrift „Preisausschreiben”. Just einen solchen enthält der Wirtschaftsteil vom 16. Mai 1913: Die „Deutsche Bromkonvention G. m. b. H.” setzt für kluge Köpfe einen Preis von 10000 Mark aus, die ein Verfahren oder eine Verbindung erfinden, „deren Ausnutzung geeignet ist, zu einem neuen, bedeutenden Bromverbrauch zu führen.” Ob diese Ausschreibung das spezifische Absatzproblem lösen konnte, ist unklar, fest steht aber, dass organische Bromverbindungen heute unter anderem im Flammschutzsektor und in der Schädlingsbekämpfung (CH3Br) genutzt werden.

    Lesen Sie mehr in Heft 39/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 19, 5070

    Im vierten Teil der Aufsatzreihe „Neuere Methoden der präparativen organischen Chemie„ dreht sich alles um s-Triazin. Anders als bei heutigen Aufsätzen in der Angewandten Chemie gibt es auch ein Kapitel „Arbeitsvorschriften„, mit anderen Worten: einen Experimentellen Teil.

    Scholder berichtet in einer Zuschrift über Oxoosmate(VII) und stellt klar, dass er bereits fünf Jahre zuvor in der Angewandten Chemie Alkaliosmate(VII) beschrieb und somit nicht Ward und Bartlett erstmals Osmium(VII)-Verbindungen hergestellt hatten, wie sie unabhängig voneinander 1962 berichteten.

    Sartori beschreibt ein Verfahren, mit dem die elektrochemische Fluorierung von Gasen gelingt, welche bei Normaldruck nicht in HF löslich sind. Die Reaktionsprodukte seien zwar schon bekannt, hätten aber zuvor nur mit elementarem Fluor synthetisiert werden können. Fluor faszinierte damals wie heute!

    Lesen Sie mehr in Heft 9/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 17, 4606

    Versammlungsberichte waren vor 50 Jahren ein fester Bestandteil der Angewandten Chemie. So veranstaltete die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina im Januar 1963 die Vortragstagung „Biochemische und klinische Problematik der Molekular-Genetik” in Halle an der Saale, wo sich auch heute noch der Sitz der Leopoldina, der ältesten naturwissenschaftlich-medizinischen Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum, befindet. Zu den Vortragenden gehörte unter anderem J. H. Matthaei, der für seine Entschlüsselung des Aminosäure-Codes mittels In-vitro-Experimenten bekannt ist. In Heft 41/2011 wurden diese und andere Experimente, die zur Entdeckung des genetischen Codes führten, in einem Essay von V. A. Erdmann und J. Barciszewski zusammengefasst.

    Beim Makromolekularen Kolloquium in Freiburg im Breisgau wurden 1963 u. a. „N- und S-haltige Polymere als mögliche Schutzstoffe gegen radioaktive Strahlung” diskutiert. Das Problem niedermolekularer Verbindungen mit der Gruppierung -N-(CH2)2,3-S- ist ihre kurze Verweilzeit im Körper, und durch den Aufbau von Makromolekülen mit dieser Gruppierung sollte dieser Nachteil umgangen werden. Es stellte sich heraus, dass die langsame hydrolytische Spaltung bestimmter Polymere und Copolymere dieses Typs unter Körperbedingungen außer SH- und NH-haltigen Makromolekülen auch das hochaktive β-Mercaptoethylamin liefert.

    Lesen Sie mehr in Heft 8/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 16, 4384

    Mit dem Wunsch, noch lange erfolgreich wirken zu können, endet der Text, mit dem G. Fresenius Professor Alexander Classen, der als Pionier der analytischen Elektrolyse in Aachen tätig war, zum 70. Geburtstag gratulierte. Dieser Wunsch erfüllte sich, und so konnte Alexander Classen 1923 noch zum Ehrendoktor und 1933 zum Ehrensenator der RWTH Aachen ernannt werden.

    Phosphor stört in Eisen und Stahl, und darum war und ist die Bestimmung des Phosphorgehalts dieser Stoffe eine wichtige Aufgabe. P. Artmann vergleicht auf immerhin fünf Seiten die unterschiedlichen Analysenmethoden und erklärt, eine experimentelle Kritik an den genannten Methoden anstellen und darüber später berichten zu wollen.

    Lesen Sie mehr in Heft 29/1913

    Den Fortschritten in der anorganischen Großindustrie im Jahr 1912 ist der 19-seitige Hauptbeitrag von H. von Kélen aus Leverkusen gewidmet. Daran schließt sich ein Text von H. Winkelmann über die Vermeidung von Rauchschäden durch eine neuartige Schornsteinkonstruktion an. Offenbar war also auch schon damals das Problem der Umweltbelastung durch Rauchgase, vor allem ihre sauren Bestandteile, bekannt. Ein modifiziertes Verfahren zur titrimetrischen Bestimmung von Ammoniak, bei dem Borsäure zum Abfangen eingesetzt wird, stellte L. W. Winkler vor.

    Im wirtschaftlich-gewerblichen Teil wurde mit auch heute noch nachvollziehbaren Argumenten vor den negativen Folgen von Kartellbildungen für den Erfindungsgeist gewarnt.

    Lesen Sie mehr in Heft 31/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 14, 3880

    Über die wirtschaftliche Bedeutung der Erdgasfunde für Ungarn schreibt Dr. Herbing aus Halle (Saale). Das fragliche Gebiet (in der Nähe von Klausenburg/Cluj) kam nach dem Ersten Weltkrieg zu Rumänien und wird wohl noch heute ausgebeutet. E. Peschek vom zootechnischen Institut der königlich landwirtschaftlichen Hochschule Berlin stellt einen von ihm entwickelten Kühler für die Stickstoffbestimmung nach Kjeldahl vor und nimmt damit das Thema des ersten Beitrags, der in der Angewandten (genauer: ihrer Vorläuferin Zeitschrift für die Chemische Industrie) je erschien, wieder auf. An der kgl. landwirtschaftlichen Hochschule lehrte auch E. Buchner, der 1907 den Chemie-Nobelpreis erhielt. 1934 wurde sie der Berliner Universität angegliedert. Während der deutschen Teilung kam ihre Dahlemer Außenstelle zur Technischen Universität, heute gehören alle Teile zur Humboldt-Universität. Ein Beitrag mit dem Titel „Skizzen aus dem industriellen Leben Nordamerikas” enthält ironischerweise keine einzige Illustration.

    Lesen Sie mehr in Heft 25/1913

    Die Stadt Paris genehmigte die Aufstellung einer Bronzestatue von Marcellin Berthelot auf dem Platz vor dem Collège de France, der kurz nach dem Tod des Chemikers 1907 dessen Namen erhielt. Berthelot prägte beispielsweise die Begriffe exotherm und endotherm. Die Statue wurde 1917 aufgestellt, jedoch unter der deutschen Besatzung und Vichy-Regierung 1941 bis auf eine Büste eingeschmolzen, die bis 1944 im Collège versteckt, jedoch nicht wieder aufgestellt wurde.

    Lesen Sie mehr in Heft 26/1913

    Die Geschichte der Tinte vom dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung in China bis zum Erlass amtlicher Grundsätze für die Tintenprüfung unter Reichskanzler Bismarck 1888 fasst Paul Martell zusammen. Das Thema bleibt der Angewandten Chemie bis heute erhalten, z. B. in der Zuschrift von C. Giordano et al. über die Herstellung strukturierter Kohlenstoffelektroden durch Tintenstrahldruck in Heft 8/2013.

    Lesen Sie mehr in Heft 27/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 13, 3636

    Im Aufsatz „Stofftransport im metallischen Festkörper” erläutert H. Wever zunächst Möglichkeiten für Platzwechselvorgänge und die treibenden Kräfte dahinter. Detailliert werden der Stofftransport in Reinmetallen und in Mischphasen besprochen, wobei auch auf die praktische Bedeutung von Transportvorgängen hingewiesen wird, z. B. bei der Münzherstellung.

    Die „Bildung von 2-Oxazolidonen aus β-Jodurethanen” beschreiben C. H. Heathcock und A. Hassner in einer Zuschrift. Die 2-Oxazolidone können zu cis-β-Aminoalkoholen hydrolysiert werden. Beide Autoren schrieben später Lehrbücher der Organischen Chemie: „Introduction to Organic Chemistry” von C. H. Heathcock und A. Streitwieser, Jr. erschien 1976 in der ersten Auflage, und die dritte Auflage von „Organic Syntheses Based on Name Reactions” von A. Hassner und I. Namboothiri wurde im vergangenen Jahr in der Angewandten Chemie besprochen (2012, 124, 8012).

    Von der „Darstellung von Chrompentafluorid und Chromhexafluorid” berichten O. Glemser, H. W. Roesky und K.-H. Hellberg. Sie erhielten „feuerrotes CrF5” und „zitronengelbes CrF6” nach Umsetzung von Chrompulver mit elementarem Fluor bei 400 °C und einem Druck von 200 atm. Diese Arbeit stammt aus der Promotionszeit von H. W. Roesky, der auch 2013 noch Angewandte-Autor ist: Kürzlich erschien von ihm die Publikation „Umwandlung eines Singulett-Silylens in ein stabiles Biradikal” (Angew. Chem. 125, 1845–1850).

    Lesen Sie mehr in Heft 7/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 12, 3379

    „Das Gebiet der Sicherheitssprengstoffe zeichnet sich von jeher durch eine Fülle von Patenten und Patentanmeldungen aus, von denen sich naturgemäß nur ein geringer Prozentsatz ... auf dem Markte zu behaupten vermag.” Wenn man die Anforderungen bezüglich Lager- und Wetterbeständigkeit berücksichtigt, so kann es wohl sein, dass auch die von C. Zahn vorgestellten Mischungen aus Nitraten, (Per)Chloraten und organischen Substanzen sich letztlich nicht praktisch bewährten. In seinem Beitrag „Explosivstoffe und Zündwaren im Jahre 1912” werden weiterhin Entwicklungen auf dem Gebiet der aromatischen Nitrokörper (z.B. Pikrinsäure oder Trinitrotoluol, das sprichwörtliche TNT) besprochen, die als „moderne Brisanzstoffe” zunehmende Bedeutung erlangten.

    Lesen Sie mehr in Heft 21/1913

    Entscheidend für die Eisengewinnung ist naturgemäß das Eisenerz. Eine Definition dieses Begriffs liefert der anschauliche Kurzbeitrag „Die Rohstoffe in der Eisenindustrie”: Ein Eisenerz ist ein in der Natur in größeren Massen auftretendes Gestein, das einen Eisengehalt von mindestens 25 % aufweist. Wie Qualität und Tauglichkeit eines Erzes zu bewerten sind, hängt zum einen von seinem Eisengehalt ab, zum anderen aber auch von den übrigen Inhaltsstoffen, wobei Blei und Arsen als besonders problematisch gelten.

    Vor hundert Jahren wurde das deutsche Eisenhüttenwesen vorwiegend aus Vorkommen in Lothringen, Schweden und Spanien versorgt. Von den drei bedeutendsten Eisenerz-Förderländern des 21. Jahrhunderts – China, Brasilien und Australien – ist noch nicht die Rede.

    Lesen Sie mehr in Heft 23/1913

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 10, 2694

    Ein weißer Fleck in der Atomgewichtstabelle der Elemente konnte vor 100 Jahren getilgt werden, und zwar durch die Einfügung von Holmium. Wie beschrieben wird, gelang dem schwedischen Chemiker Otto Holmberg die Gewinnung von reinem Holmiumoxid und dessen Atomgewichtsbestimmung nach der Sulfatmethode. Das Element Holmium war 1878 spektroskopisch entdeckt worden, im Jahr darauf stieß Per Cleve – wie viele Lanthanoid-Entdecker ebenfalls Schwede – auf Holmiumoxid als eine Verunreinung in Erbiummineralien. Der Elementname leitet sich von Holmia ab, dem lateinischen Namen für Stockholm. Fast hätte das Element eine größere technologische Bedeutung erlangt, da Holmiumlegierungen in den 70er Jahren in Magnetblasenspeichern für Computer verwendet wurden, die sich letztlich aber nicht gegen die Festplatte durchsetzen konnten.

    Lesen Sie mehr in Heft 17/1913

    Die Zusammensetzung von photographischen Filmen aus Acetylzellulose – sogenannte Acetatfilme – wird in einem Aufsatz in Heft 19/1913 beschrieben. Die als Sicherheitsfilm bekannt gewordenen Acetatfilme wurden Anfang des 20. Jahrhunderts als Ersatz für die damals üblichen Zelluloidfilme entwickelt und ab den 50er Jahren flächendeckend eingeführt. Die aus Nitrozelloluse (Schießbaumwolle!) bestehenden Zelluloidfilme können sich nach längerer Lagerung und Trocknung selbst entzünden und dürfen heute nur unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen archiviert werden. Zelluloidfilme waren die Ursache etlicher Brandkatastrophen in den Anfangsjahren des Kinos, weshalb Projektoren aus den Zuschauerräumen verbannt und in separaten Vorführräumen betrieben wurden. Schon bald werden Filmrollen und Projektoren ganz verschwunden sein, denn in den meisten Kinos kommen die Filme längst von der – siehe oben – Festplatte. Wer mehr über die Geschichte des Zelluloidfilms erfahren möchte, sei auf einen exzellenten Aufsatz von O. Krätz in der Chemie in Unserer Zeit verwiesen (2007, 41, 86).

    Lesen Sie mehr in Heft 19/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 09, 2448

    Alkylzinn-Verbindungen könne man jetzt „mit fast beliebigen Substituenten an nahezu jeder Stelle des Moleküls herstellen”, heißt es in der Einleitung des Aufsatzes „Neues aus der Chemie der Organozinn-Verbindungen”. Der große Aufschwung der zinnorganischen Chemie werde durch ein „starkes industrielles Interesse vorangetrieben”. Heute werden solche Verbindungen zum größten Teil als Stabilisatoren für PVC eingesetzt, und auch vor 50 Jahren dienten sie in großem Umfang zur „Stabilisierung von halogenhaltigen Kunststoffen und Polyamiden”. Andere damals schon wichtige Anwendungen, etwa im Pflanzenschutz oder – was in der breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich noch bekannter ist – bei Antifouling-Anstrichen für Schiffe, sind jedoch rückläufig.

    Aus dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf stammt ein Aufsatz über mikroanalytische Untersuchungen des Gefüges von Legierungen. Hier wird in erster Linie die elektrolytische Zerlegung, Trennung und mikroanalytische Untersuchung von Legierungen geschildert, daneben werden aber auch schon elektronenmikroskopische Aufnahmen von Metallcarbiden erläutert.

    „Erste Möglichkeiten einer Virus-Chemotherapie zeichnen sich ab”, heißt es in der Rubrik Rundschau: Ioduracildesoxyribosid wurde erfolgreich für die Behandlung einer viralen Augenhornhaut-Infektion eingesetzt.

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 08, 2198

    Photokopieren ist nicht neu! Nach Aussage des Dozenten Schnaubert war schon 1913 ein Vortrag in der Volksschule, am Gymnasium, an der Universität oder in Volksbildungsvereinen ohne Lichtbilder fast undenkbar, und er stellte einen „Alleskönner”-Apparat vor: Mit ihm konnten beispielsweise Abbildungen von etwa 5×5 bis 40×50 cm in wenigen Minuten abphotographiert und über das noch nasse Negativ in ein Diapositiv überführt, kleine Negative vergrößert und nach dem Negativ bis zu 60 Bromsilberdrucke pro Stunde für das Verteilen an die Zuhörer hergestellt werden.

    Heute soll Luft im Wasserstrahl den Wasserverbrauch reduzieren – 1913 wurde mit einem ähnlichen Ansatz versucht, den Verbrauch an Leucht- und Heizgas zu verringern. Durch Zumischen des größten Teils der für die Verbrennung benötigten Luft gleich hinter dem Gasmesser wird die Effizienz der Verbrennung an den einzelnen Brennstellen gesteigert und sogar die rußfreie Verbrennung von anderen Gasquellen wie dem Ölgas möglich. Nachhaltigkeit beim Ressourcenverbrauch ist ein altes Thema!

    Lesen Sie mehr in Heft 13/1913

    Über den richtigen Weg zur Salzsäurekondensation, sprich zur Aufnahme von gasförmigem HCl in Wasser, existierten sehr unterschiedliche Ansichten, wie aus dem Beitrag von Theodor Meyer hervorgeht. Er stellt technische Kondensationssysteme vor, mit denen die wesentlichen Parameter optimiert werden können, und schließt seinen Text mit der Aussage, dass sich noch manche lohnenden Aufgaben zur Verbesserung der Fabrikation, sowohl in wirtschaftlicher wie in hygienischer Hinsicht, bieten.

    Ein Wechsel von der Schweiz nach China wird unter den Personal- und Hochschulnachrichten vermeldet: Ein Privatdozent für theoretische Physik an der Universität Zürich namens Franz Rusch hat den Ruf als Professor für Mathematik und Physik nach Tientsin (heute üblicherweise Tianjin geschrieben) angenommen. Er scheint noch lange in Kontakt zu Albert Einstein gestanden zu haben, denn es gibt im Buch The Ultimate Quotable Einstein ein Zitat aus einem Brief von Einstein an Rusch aus dem Jahr 1921.

    Lesen Sie mehr in Heft 15/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 07, 1908

    In der Angewandten Chemie finden sich viele frühe Forschungsberichte späterer Nobelpreisträger. So enthält Heft 4/1963 den Beitrag „Umsetzung zwischen Pentafluorschwefelchlorid bzw. Schwefeltetrafluorid und Aminen” von Alan MacDiarmid, der im Jahr 2000 zusammen mit Alan Heeger und Hideki Shirakawa den Nobelpreis für die Entdeckung und Entwicklung leitfähiger Polymere erhielt. Seinen Nobel-Vortrag über „Synthetische Metalle” finden Sie in Heft 14/2001, einen hochaktuellen Beitrag von Alan Heeger in Heft 10/2013, welches das Festsymposium in Berlin anlässlich des 125. Jahrgangs der Angewandten Chemie begleitet.

    In einem weiteren Beitrag beschrieb Eugene Rochow die Herstellung von 2-Silabenzimidazolen aus N,N'-Bis-(trimethylsilyl)-o-phenylendiamin mit multifunktionellen Chlorsilanen in Gegenwart von Triethylamin. Rochow ist Chemikern vor allem durch die Müller-Rochow-Synthese bekannt, die er fast zeitgleich mit Richard Müller 1940 entwickelte, sowie durch die Allred-Rochow-Skala der Elektronegativität.

    Weiterhin enthält das Heft den dritten aus einer Serie von vier Aufsätzen von Fritz Kröhnke über Synthesen mit Pyridinium-Salzen. Kröhnke wies darauf hin, dass für die Reaktivität der Pyridinium-Ionen das Zusammenspiel aller Eigenschaften dieses Heterocyclus, z. B. der aromatische Charakter, die Basizität und der elektronenziehende Stickstoff im Pyridinium-Ion, entscheidend ist.

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 05, 1390

    Im Aufsatz „Leitfähigkeit und Oberflächenchemie von Kristallen” erläutert G.-M. Schwab den Zusammenhang zwischen der Dotierung von Metallen und Halbleitern und deren elektrischer Leitfähigkeit und katalytischer Wirkung. Wenn der geschwindigkeitsbestimmende Schritt einer chemischen Reaktion am Festkörper bekannt ist, kann ein Zusammenhang zwischen der Leitfähigkeit des Festkörpers und den chemischen Eigenschaften hergestellt werden.

    E. O. Fischer und S. Breitschaft berichten in einer Zuschrift über die „Sechsringerweiterung an Cyclopentadienyl-benzol-metall-π-Komplexen durch Acylierung”. Zehn Jahre später erhielt E. O. Fischer den Nobelpreis für die Erforschung der metallorganischen Sandwichkomplexe. Eine interessante Lektüre zum Thema ist der kürzlich in der Angewandten Chemie erschienene Essay von H. Werner (2012, 124, 6156–6162), der den historischen Hintergrund zur Entdeckung dieser Komplexe und zur Verleihung des Nobelpreises an E. O Fischer und G. Wilkinson darstellt.

    Aus seiner Habilitationszeit in Heidelberg stammt die Zuschrift von R. W. Hoffmann mit dem Titel „Basenkatalysierte Fragmentierungen von Azoverbindungen, ein Weg zum o-Bromphenyl-Anion”. In seinem Essay in der Angewandten Chemie „Naturstoffsynthese im Wandel der Zeit” (2013, 125, 133–140) beschreibt er, wie sich nicht nur die Komplexität der Zielstrukturen, sondern auch die Erwartungen an eine Naturstoffsynthese mit der Zeit geändert haben.

    Lesen Sie mehr in Heft 3/1963

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 03, 820

    Mineralien von Elementen der vierten Hauptgruppe – und hier insbesondere von Silicium in Form seiner Silicate – bilden den Schwerpunkt der Übersichtsartikel in diesem Heft. W. Noll liefert eine elektronentheoretische Betrachtung der Si-O-Bindung in Silicaten, und A. Weiss beschäftigt sich mit glimmerartigen Schichtsilicaten wie dem Tonmineral Montmorillonit. Zwischen den zweidimensional unendlichen Makroanionen dieser Mineralien befinden sich anorganische Kationen, die sich gegen vielfältige andere – insbesondere organische – Kationen austauschen lassen. Laut dem Autor wurden organische Derivate von Montmorillonit bereits „zur Herstellung thixotroper Lacke, temperaturbeständiger Schmierstoffe, von Emulsionsstabilisatoren usw. verwendet”. Zwischen den Schichten laufen auch Reaktionen ab, wie sie in freier Lösung nicht stattfinden (z. B. eine Oxidation von Arylammoniumionen durch Luftsauerstoff, wobei die Art des Produkts von der Schichtladung des Silicat-Ions abhängt).

    Und mit einer Schichtverbindung geht es im Aufsatz von W. Rüdorff et al. auch weiter, nämlich mit Graphit und dessen Reaktionen mit wasserfreien Metallchloriden. Ähnlich wie bei dem zuvor genannten Silicat lagern sich die Gäste hier zwischen den Schichten des Minerals ein und beeinflussen u. a. seine katalytischen und magnetischen Eigenschaften, was z. B. dazu genutzt wurde, um durch magnetische Messungen die Oxidationsstufe eingelagerter Übergangsmetallkationen zu bestimmen.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1963

  • Vor 100 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 02, 504

    „Ich bin in der erfreulichen Lage, Ihnen mitteilen zu können, dass die Aufgabe, Ammoniak aus seinen Elementen zu gewinnen, technisch heute ihre volle Lösung erfahren hat”, schreibt August Bernthsen, Leiter des Hauptlaboratoriums der BASF, in einem Aufsatz in Heft 1/1913 über das Haber-Bosch-Verfahren. Er schildert darin die um 1900 beginnenden Studien Habers, die in nur wenigen Jahren von einer unmöglich geltenden Reaktion zu einem technisch ausgereiften Verfahren führten, das in seinen Grundzügen bis heute existiert. Moderne Herausforderungen und Perspektiven im Zusammenhang der Ammoniaksynthese wurden vor einigen Jahren in einem Kurzaufsatz in der Angewandten Chemie (2003, 115, 2050) dargelegt.

    Lesen Sie mehr in Heft 1/1913

    Eine sonderbare Art von Umweltproblematik wird in einem Beitrag in Heft 2/1913 „Zur Kaliabwasserfrage” angesprochen, nämlich der Eintrag von Mineralsalzen aus Kalifabriken in Flussläufe. Sonderbar deshalb, weil die Sorge nicht Flora und Fauna gilt, sondern der Papierindustrie, der das stark versalzte Wasser zu schaffen macht. Die Fronten scheinen verhärtet, und der Ton ist rau: „Derjenige aber, der Phasen des Kampfes verfolgt hat, muss feststellen, dass verschiedene Industriezweige, vor allem die Papierindustrie, sich gegen das Vorgehen der Kaliindustrie wehren müssen, weil ihre Lebensinteressen auf dem Spiel stehen.” Der Abfalleintrag aus Papierfabriken bleibt indes unerwähnt.

    Lesen Sie mehr in Heft 2/1913

  • Vor 50 Jahren in der Angewandten Chemie
    Angew. Chem. 2013, 125, No. 01, 32

    So wie diese Ausgabe der Angewandten Chemie ein Jubiläumsheft ist, war auch das erste Heft 1963 (75. Jahrgang der Zeitschrift) ein ganz besonderes Heft. Es begann mit einem Geleitwort des GDCh-Präsidenten Karl Winnacker, in dem er der Schriftleitung (d. h. der Redaktion) und dem Verlag Chemie Anerkennung ausspricht, da sie „es in den vergangenen Jahrzehnten verstanden haben, der stürmischen Entwicklung der Chemie und der chemischen Technik jederzeit gerecht zu werden”. Seine weiteren Ausführungen erscheinen geradezu zeitlos: „Wenn unser Wissensgebiet überhaupt noch mit der Flut neuer Erkenntnisse und Veröffentlichungen fertig werden will, dann kann dies zu einem wesentlichen Teil nur auf der Grundlage einer groß angelegten und vorbildlich redigierten Zeitschrift, wie es die Angewandte Chemie darstellt, geschehen.”

    Hauptschriftleiter (also nach heutiger Nomenklatur Chefredakteur) Foerst erläutert das Programm der Angewandten Chemie – keine Trennung zwischen „reiner” und „angewandter” chemischer Forschung! – und blickt voraus: „Damit kann die Angewandte Chemie wohl auch noch hundert Jahre alt werden.” Jetzt sind es schon 125!

    Nach einem Beitrag über die „Chemikergeneration zwischen Humanismus und Technik”, der heute wohl in der Rubrik Essays erschienen wäre, folgen etliche Aufsätze namhafter Chemiker wie W. v. E. Doering, G. Wilke, E. O. Fischer sowie J. D. Roberts, der als NMR-Pionier „Anwendungen der kernmagnetischen Resonanzspektroskopie in der organischen Chemie” zu einer Zeit beschreibt, als diese spektroskopische Methode keineswegs alltäglich war.

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