Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 127 Issue 23

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie


Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 1998, 110 (16), 2323

Wirkstoff in Dosen

Berliner Wissenschaftler entwickeln ein mikroskopisch kleines
Verpackungssystem für Medikamente

Wer seinen Einkauf vom Supermarkt nach Hause bringen möchte, verwendet dazu Einkaufsbeutel. Auch Moleküle kann man auf ähnliche Weise einpacken - zum Beispiel in mikroskopisch kleine Hohlkügelchen aus Kunststoff, die Edwin Donath, Gleb B. Sukhorukov, Frank Caruso und Sean A. Davis in der Abteilung von Helmuth Möhwald am Berliner Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung konstruiert haben. Diese Container sind deutlich unkomplizierter in Handhabung und Herstellung als die schon länger bekannten Mikrokapseln oder Lipidvesikel; eine denkbare Anwendung ist der Transport von Medikamenten im menschlichen Körper.

Hergestellt haben Donath und seine Mitarbeiter die Mikrotornister nach einem raffinierten Verfahren, das an die Herstellung von Papierlaternen im Kindergarten aus einem Luftballon, Transparentpapier und Kleister erinnert: Zunächst erzeugten sie nach einem bekannten Verfahren kleine Kügelchen aus einem elektrisch geladenen, festen Material, das die besondere Eigenschaft besitzt, sich in Salzsäure aufzulösen. Auf diese Teilchen lagerten sie dann Kunststoffmoleküle mit einer entge gengesetzten Ladung ab. Auf diese Schicht folgte dann eine zweite, ebenfalls elektrisch geladen, aber wieder mit entgegengesetzter Ladung - und so weiter, bis aus der anfänglichen Kugel ein zwiebelartiges Gebilde mit vier bis neun Schalen und einem harten Kern geworden ist. Da entgegengesetzte Ladungen sich anziehen, haften die dünnen Schalen sehr fest aneinander. Nachdem der innere Träger durch Salzsäure zerstört wurde, bleiben sie als leere Hülle zurück; die Säure überstehen sie ebenso wie anschließendes Falten und Knautschen.

Die "Mini-Plastikbeutel" sind nur wenige Bruchteile eines tausendstel Millimeters groß; unter stark vergrößernden Mikroskopen zeigen sie eine recht glatte Oberfläche, besitzen aber dennoch genug Poren, durch die kleinere Moleküle problemlos hindurchwandern können Das ist wichtig, denn sonst ließen sie sich weder bepacken noch später entladen - und ist ein Vorteil gegenüber Lipidvesikeln, also relativ lockeren Hohlkugeln aus Fettmolekülen: diese lassen nämlich manche Wirkstoffe nicht durch ihre Hülle.

Die Max-Planck-Forscher finden ihre Mikrokügelchen indes fast schon zu schade, um damit nur Stoffe zu transportieren. Sie wollen sie auch als miniaturisierte Reagenzgläser für chemische Reaktionen verwenden; sogar winzige Kristalle haben sie darin schon gezüchtet.

SEARCH

SEARCH BY CITATION