Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 128 Issue 7

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie


Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 1999, 111 (4), 590 - 594

Auf die richtige Fährte gesetzt

Ein künstliches Kohlenhydratmolekül schickt
Antikörper auf die Jagd nach Krebszellen

Viele Tumorzellen besitzen auf ihrer Oberfläche Proteine, die ihrerseits bestimmte Kohlenhydratmoleküle enthalten; diese sogenannten "Glycoproteine" sind oft charakteristisch für Krebszellen - eine Art "besonderes Kennzeichen", das man in Steckbriefe aufnehmen könnte. Wenn es gelänge, das menschliche Immunsystem auf diese Glycoproteine anzusetzen, könnte es diese Krebszellen gezielt erkennen und zerstören. Die Chemiker Samuel J. Danishefsky, Philip O. Livingston und ihre Mitarbeiter am New Yorker Sloan-Kettering Institute for Cancer Research haben den Kohlenhydratbestandteil eines solchen Glycoproteins nachgebaut - und damit menschliche Antikörper tatsächlich auf die Jagd nach Prostata- und Brustkrebszellen schicken können.

Fernziel dieser Arbeiten ist eine Art "Impfung" gegen Krebs, mit der vagabundierende Krebszellen abgefangen werden können, bevor sie die gefürchteten Metastasen bilden. "Die ersten klinischen Untersuchungen mit unserem Globo-H-Antigen sind ermutigend", sagt Danishefsky. Das Kohlenhydratmolekül, das er und sein Team der Natur abgeschaut haben, wurde zunächst auf der Hülle von Brustkrebs zellen entdeckt und später auch in Prostatakrebs- und einigen normalen Gewebezellen nachgewiesen; es besteht aus sechs auf charakteristische Weise verknüpften Zuckermolekülen. Nachdem das Team um Danishefsky und Livingston diese komplexe Verbindung hergestellt hatte, testeten die New Yorker Forscher sie sorgfältig an Mäusen. Später impften sie damit zwanzig Krebspatienten.

Das Ergebnis dieser Studie läßt aufhorchen: Die Sera, die nach der Impfung aus dem Blut der Patienten gewonnen wurden, reagierten tatsächlich auf die Glycoproteine, die die Forscher zuvor aus Tumorzellen isoliert hatten. Damit ist klar, daß das künstliche Kohlenhydrat das Immunsystem tatsächlich in die Lage versetzt, auch die natürlichen, tumorspezifischen Glycoproteine zu erkennen. Die Antikörper, die die Patienten gegen das nachgebaute Tumormolekül gebildet hatten, reagierten auch dann auf die Krebs-Glycoproteine, wenn ihnen diese "in ihrer natürlichen Umgebung", d.h. auf der Oberfläche von Zellen, präsentiert wurden.

Diese Versuche zeigen, daß das Prinzip der "Impfung" gegen Krebszellen funktionieren kann; ob es in einigen Jahren in die Kliniken einziehen kann, müssen aber erst weitere Untersuchungen zeigen.

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