Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 129 Issue 51

Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 2001, 113 (1), 143-148

Nr. 01/2001

Viel zitiert

Eine wissenschaftliche Spitzenzeitschrift
einmal nicht aus den USA

Fachzeitschriften sind das Sprachrohr des Wissenschaftlers. Was nutzen die spektakulärsten Forschungsergebnisse, wenn niemand davon Notiz nimmt? Nur durch deren Publikation kann auf bestehende Erkenntnisse aufgebaut werden. Auf diese verweist der Forscher dann wiederum in Form eines Zitats, wenn er seine neuen Ergebnisse veröffentlicht - und hofft darauf, dass auch seine Arbeit später häufig zitiert wird. "Das Zitierungsgeflecht ist bildlich gesprochen der Leim, der inhaltlich verwandte Publikationen miteinander verbindet," so der Chemiker Werner Marx in einem Essay in Heft 1/2001 der Angewandten Chemie zum Thema Impact-Faktoren in der Chemie.

Im Bereich Chemie hat es mit der Angewandten Chemie eine auf deutsch und englisch erscheinende Zeitschrift in die Spitzengruppe geschafft. Das ist extrem ungewöhnlich, sind doch sonst im wissenschaftlichen Bereich amerikanische Zeitschriften führend, abgesehen von der in London herausgegebenen Nature. Werner Marx hat die Zitierhäufigkeit der "Angewandten" nun einmal genauer unter die Lupe genommen.

Die Zahl der Zitierungen ist ein direktes Maß für die Resonanz, die eine Publikation unter Fachkollegen hervorruft. Auch wenn sie natürlich nicht ohne Weiteres mit Qualität gleichzusetzen ist, ist die Zitierhäufigkeit doch grundlegend für eine Forschungsbewertung. Nicht nur eine einzelne Publikation kann so bewertet werden, sondern auch der Forscher, ein gesamtes Forschungsinstitut oder gar eine ganze Nation. Auch wissenschaftliche Zeitschriften werden hinsichtlich der Zahl ihrer Zitierungen eingestuft. Der "Science Citation Index", ein Referatedienst, bietet die Basis zur Ermittlung der Impact-Faktoren, einem Maß für die Zitierhäufigkeit von Zeitschriften.

Die "Angewandte" kann mit einem sehr guten Impact-Faktor aufwarten, der seit einigen Jahren sogar den des lange führenden Journal of the American Chemical Society überflügelte. Sicher auch eine Folge der Weitsicht der Redaktion, die schon 1961 auf Globalisierung setzte und eine internationale Ausgabe, die Angewandte Chemie International Edition, herausbrachte. Von Ausnahmen abgesehen rekrutierten sich damals die publizierten Beiträge vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum. Inzwischen kommen 83 % der Arbeiten aus dem Ausland - Tendenz steigend.

Die Resonanz auf eine Veröffentlichung im Bereich Chemie oder Physik setzt in der Regel erst nach ein bis zwei Jahren ein, durchläuft nach etwa drei Jahren ein Maximum und kann dann noch Jahrzehnte andauern. Marx mahnt daher zur Vorsicht bei der Interpretation von Impact-Faktoren, die sich nur auf die ersten ein bis drei Jahre nach Publikation beziehen.

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