Angewandte Chemie

Cover image for Vol. 128 Issue 31

Chefredakteur: Peter Gölitz, Stellvertreter: Neville Compton, Haymo Ross

Online ISSN: 1521-3757

Associated Title(s): Angewandte Chemie International Edition, Chemistry - A European Journal, Chemistry – An Asian Journal, ChemistryOpen, ChemPlusChem, Zeitschrift für Chemie

Den vollständigen Artikel und die Anschrift des Autors finden Sie in Angew. Chem 2001, 113 (3), 559 - 562

Nr. 03/2001

Neue Wege zur Viren-Diagnostik?

Massenspektrometrie
an intakten Viren

Den letzten Schnupfen hat man gerade hinter sich, und schon überrollt einen die nächste Erkältungswelle. Sollte man nicht immun sein? Kleine Unterschiede in der Erscheinungsform von Viren reichen, um vom Immunsystem nicht mehr erkannt zu werden. Mit besonderer Perfidie hat das AIDS-Virus die stete Änderung zu seiner Masche gemacht, das Immunsystem auszutricksen. Gründe genug, weitere Methoden zur Charakterisierung von Viren zu suchen.

Auch die Massenspektrometrie wird heute bereits in der Virenforschung eingesetzt. Neuigkeiten vermelden kalifornische Forscher: Es ist ihnen nun gelungen, massenspektrometrische Untersuchungen an intakten Viren durchzuführen.

In der analytischen Chemie schon seit langem etabliert, hält die Massenspektrometrie in den letzten Jahren verstärkt Einzug in Biochemie und medizinische Diagnostik. Für eine massenspektrometrische Untersuchung werden Moleküle ionisiert, getrennt und entsprechend ihrer Masse registriert. Allerdings überfordert die hohe Masse von Viren die gängigen Geräte. Henry Benner, Gary Siuzdak und seine Mitstreiter fanden jetzt einen Kniff, um mit diesem Problem fertig zu werden. Sie wählten die noch junge "Charge-Detection-Massenspektrometrie", mit der sie gleichzeitig die Ladung und das Verhältnis von Masse zu Ladung einzelner Partikel bestimmen können. Auf diese Weise kann die Masse vollständiger Viruspartikel ermittelt werden.

Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Viren die milden Ionisierungsbedingungen überleben. Sie bleiben intakt und infektiös - bemerkenswert, denn die einzelnen Bausteine eines Virus sind nicht chemisch miteinander verknüpft. Viren bestehen aus einer Proteinhülle und einem RNS-Molekül, das die Erbinformation trägt. Die Proteinhülle ihrerseits ist aus hunderten bis tausenden identischer Kopien eines einzigen Hüllproteins aufgebaut.

"Unsere massenspektrometrischen Untersuchungen sollten uns in die Lage versetzen, Schlüsse über Wechselwirkungen von Viren mit Antikörpern oder den Rezeptoren ihrer Wirtszellen zu ziehen," erläutert Siuzdak. "Gleichzeitig liefern die Molmassen der Viren wertvolle Informationen über unterschiedliche virale Subpopulationen."

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